Bernd Faulenbach

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Bernd Faulenbach (2014)

Bernd Faulenbach (* 3. November 1943 in Pyritz, Pommern) ist ein deutscher Historiker und Honorarprofessor an der Ruhr-Universität Bochum. Von 1982 bis 2007 war er stellvertretender Direktor des Forschungsinstituts für Arbeiterbildung bzw. Forschungsinstituts Arbeit, Bildung, Partizipation (FIAB) in Recklinghausen.

Akademischer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Studium der Geschichtswissenschaft, Germanistik, Politikwissenschaft, Philosophie und Pädagogik legte Faulenbach zunächst ein Staatsexamen für die Sekundarstufe II ab. 1977 wurde er an der Universität Bochum mit einer Dissertation über Die deutsche Geschichte in der Historiographie zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus promoviert. Zunächst lehrte er an der Fachhochschule Dortmund, danach arbeitete er als Wissenschaftlicher Assistent an der Ruhr-Universität.

Seit 1981 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter (mit der Verantwortung für den Bereich Geschichte und Theorie) am Forschungsinstitut für Arbeiterbildung in Recklinghausen und von 1982 bis zur Schließung des Instituts 2007[1] dessen stellvertretender Direktor. 1993 wurde er von der Universität Bochum zum Honorarprofessor ernannt.

Forschungsschwerpunkte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Recklinghäuser Institut führte Faulenbach Projekte zur Sozial- und der Zeitgeschichte sowie zur Didaktik durch, u.a. zur Geschichte der Mitbestimmung und der politischen Kultur, über Betriebsgeschichte und Arbeitnehmererfahrung, Rationalisierung, Oral History, Erwachsenenbildung, Geschichtsbewusstsein, Strukturwandel und Bildungssystem, sowie zur Didaktik der Geschichte in der Erwachsenenbildung, in Museen und in Gedenkstätten.

Faulenbach schaltete sich in die Geschichtsdebatten der 1980er und 1990er Jahre ein, wie den Historikerstreit, die Erörterung um das Geschichtsbewusstsein nach der Wende in der DDR und die Auseinandersetzungen über historische Gedenkstätten wie das Holocaust-Denkmal.

Er prägte den Begriff „Ideologie des deutschen Weges“ (Sonderweg), der auf seine gleichnamige Monographie von 1980 zurückgeht. Als Sachverständiger der Enquete-Kommission des Bundestags „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit“ entwickelte er die „Faulenbach-Formel“, wonach „[d]ie NS-Verbrechen […] durch die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Stalinismus nicht relativiert werden“ und umgekehrt „[d]ie stalinistischen Verbrechen […] durch den Hinweis auf die NS-Verbrechen nicht bagatellisiert werden [dürfen].“[2]

Lehrtätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwerpunkte seiner Lehrtätigkeit an der Universität Bochum sind Geschichte der Arbeiterbewegung und die der Sozialdemokratie des 19. und 20. Jahrhunderts, die Geschichte der Bundesrepublik, der DDR und des wiedervereinigten Deutschlands.

Sonstige Tätigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Faulenbach zum 70. Jahrestag der Wennigser Konferenz Oktober 2015

Faulenbach gehörte verschiedenen Enquete-Kommissionen des Bundestages und weiteren Kommissionen des Bundes und der Länder sowie von Stiftungen, Museen und Gedenkstätten an. Seit 1989 ist er Vorsitzender der Historischen Kommission beim SPD-Parteivorstand. 1992 wurde er Vorsitzender der Fachkommission der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Von 1998 bis Anfang 2016 war er stellvertretender Vorsitzender der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Zudem arbeitet er als Vertrauensdozent der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Faulenbach ist Vorsitzender des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie.

Von 2001 bis April 2009 war Faulenbach Vorsitzender der Bochumer SPD, seither ist er deren Ehrenvorsitzender.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1998 erhielt Faulenbach das Bundesverdienstkreuz I. Klasse.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Faulenbach, Bernd: Ideologie des deutschen Weges. Die deutsche Geschichte in der Historiographie zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. München 1980.
  • Faulenbach, Bernd: Erfahrungen des 20. Jahrhunderts und politische Orientierung heute. Zur Auseinandersetzung mit Geschichte in Erwachsenenbildung und Öffentlichkeit. Essen 1996.
  • Faulenbach, Bernd; Leo, Annette; Weberskirch, Klaus: Zweierlei Geschichte. Lebensgeschichte und Geschichtsbewußtsein von Arbeitnehmern in West- und Ostdeutschland. Essen 2000.
  • Faulenbach, Bernd: Das sozialdemokratische Jahrzehnt. Von der Reformeuphorie zur neuen Unübersichtlichkeit. Die SPD 1969-1982. Verlag J. H. W. Dietz, Bonn 2011, ISBN 978-3-8012-5035-5.
  • Faulenbach, Bernd: Geschichte der SPD. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. München, Beck, 2012, ISBN 978-3-406-63717-9.
  • Faulenbach, Bernd: Willy Brandt. München, Beck, 2013, ISBN 978-3-406-65466-4.

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Faulenbach, Bernd (Hrsg.): Geschichtswissenschaft in Deutschland. Traditionelle Positionen und gegenwärtige Aufgaben. München 1974.
  • Faulenbach, Bernd (Hrsg.): Arbeiterbildung in der Weimarer Republik und in der Nachkriegszeit - Kontinuität und Diskontinuität. (= Beiträge, Informationen, Kommentare des Forschungsinstituts für Arbeiterbildung. Beih. 3), Recklinghausen 1984.
  • Faulenbach, Bernd; Jelich, Franz-Josef Jelich (Hrsg.): Besucherinteressen und Besucherverhalten in historischen Museen und Ausstellungen. In: Beiträge, Informationen, Kommentare, Beiheft 7, Recklinghausen 1991.
  • Faulenbach, Bernd; Högl, Günther (Hrsg.): Eine Partei in ihrer Region. Zur Geschichte der SPD im Westlichen Westfalen. Essen 1988.
  • Faulenbach, Bernd; Timmermann, Heinz (Hrsg.): Nationalismus und Demokratie. Gesellschaftliche Modernisierung und nationale Idee in Mittel- und Osteuropa. Essen 1993.
  • Faulenbach, Bernd; Jelich, Franz-Josef (Hrsg.): Reaktionäre Modernität und Völkermord. Probleme des Umgangs mit der NS-Zeit in Museen, Ausstellungen und Gedenkstätten. Geschichte und Erwachsenenbildung. Bd. II. Essen 1994, S. 7-13.
  • Faulenbach, Bernd (Hrsg.): Susanne Miller: Sozialdemokratie als Lebenssinn. Aufsätze zu Geschichte und Gegenwart der SPD. Bonn 1995.
  • Faulenbach, Bernd; Rau, Johannes (Hrsg.): Heinz Putzrath. Gegen Nationalsozialismus. Für soziale Demokratie. Skizze zu Leben und Wirken. Essen 1997.
  • Faulenbach, Bernd (Hrsg.); unter Mitarbeit von Anja Wißmann: „Habt den Mut zu menschlichem Tun.“ Die Jüdin und Demokratin Jeanette Wolff in ihrer Zeit (1888 - 1976).. Klartext, Essen 2002, ISBN 3-89861-168-X
  • Faulenbach, Bernd; Ciupke, Paul; Jelich, Franz-Josef; Reichling, Norbert (Hrsg.): Erwachsenenbildung und politische Kultur in Nordrhein-Westfalen. Themen - Institutionen - Entwicklungen seit 1945. Essen 2003.
  • Faulenbach, Bernd; Eppelmann, Rainer; Mählert, Ulrich (Hrsg.): Bilanz und Perspektiven der DDR-Forschung. Paderborn, München Wien, Zürich 2003
  • Faulenbach, Bernd; Helle, Andreas (Hrsg.): Zwangsmigration in Europa. Zur wissenschaftlichen und politischen Auseinandersetzung um die Vertreibung der Deutschen aus dem Osten. Essen 2005.
  • Faulenbach, Bernd; Jelich, Franz-Josef, (Hrsg.): "Transformationen" der Erinnerungskulturen in Europa nach 1989. Klartext Verlag, Essen 2006, ISBN 3-89861-755-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abwicklung des FIAB (PDF) (abgerufen am 1. März 2011)
  2. Deutscher Bundestag, 13. Wahlperiode: Schlußbericht der Enquete-Kommission „Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozeß der deutschen Einheit“. Bonn 10. Juni 1998, S. 240 (bundestag.de [PDF]).