Enypniastes eximia

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Enypniastes eximia
Enypniastes eximia

Enypniastes eximia

Systematik
Unterstamm: Eleutherozoen (Eleutherozoa)
Klasse: Seegurken (Holothuroidea)
Ordnung: Elasipodida
Familie: Pelagothuriidae
Gattung: Enypniastes
Art: Enypniastes eximia
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Enypniastes
Théel, 1882
Wissenschaftlicher Name der Art
Enypniastes eximia
Théel, 1882

Enypniastes eximia ist eine Art der Tiefsee-Seegurken.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art erreicht Körperlängen zwischen 6 und 25 Zentimeter. Der Körper ist fassförmig mit einer am Vorderende sitzenden, großen Schwimmhaut („Segel“) die aus den Fortsätzen von 12 verwobenen konischen Füßchen (Podia) gebildet ist, die als rippenartige Stützen dienen. Seitlich nahe dem Hinterende (posterolateral) sitzen zwei weitere, rechteckige Schwimmhäute mit 10 bis 15 Podia. Der Körper ist in der Jugend semitransparent, innere Organe, besonders der gefüllte Darm, sind sichtbar. Die Färbung ist von der Körpergröße abhängig: junge Exemplare sind blassrosa, ältere Tiere dunkel braunrot bis purpurrot und undurchsichtig.[1]

Biolumineszenz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art ist durch ihr Leuchtvermögen (Biolumineszenz) bemerkenswert.[2] Das Leuchten wird durch Berührungsreiz ausgelöst, es ist gebunden an Hunderte kleiner Körnchen im brüchigen und klebrigen, gelatinösen Integument der Tiere. Es wird angenommen, dass das Leuchtvermögen dem Schutz gegen Räuber dient. Räuberische Fische werden durch die abgelöste, leuchtende Haut quasi leuchtmarkiert, was ihren künftigen Jagderfolg mindert. Das abgestoßene Integument wird in wenigen Tagen ersetzt.[3]

Schwimmvermögen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art hat Schwimmhäute an der Vorder- und Rückseite entwickelt, welche es ihr erlauben, sich schwimmend fortzubewegen. Diese Fähigkeit hilft den Tieren, sich zu neuen Weidegründen zu bewegen und Gefahren zu umgehen. Insgesamt sind etwa 20 Arten schwimmfähiger Seegurken bekannt, die in der Tiefsee leben, dazu gibt es noch sechs Flachwasserarten mit schwächer ausgeprägtem Schwimmvermögen.[1] Nach der Morphologie existieren vermutlich weitaus mehr schwimmfähige Arten, die aber bisher noch nicht schwimmend beobachtet wurden.

Enypniastes eximia scheint nach bisherigen Beobachtungen den Meeresgrund nur zum Fressen aufzusuchen und die übrige Zeit schwimmend zu verbringen. Die Tiere schwimmen durch plötzliche, synchrone Abwärtsbewegung der vorderen und hinteren Schwimmhäute vom Meeresboden los, wodurch das Tier schräg nach hinten aufwärts katapultiert wird. Auftrieb erzeugt vor allem das Schlagen des großen vorderen Segels, die seitlichen Schwimmhäute dienen mehr zur Stabilisierung der Schwimmlage. Die Tiere schwimmen vor allem mit senkrecht gehaltenem Körper, mit dem Vorderende nach unten. Ein Schwimmschlag dauert etwa 7 bis 8 Sekunden.[1][4]

Nahrungsaufnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enypniastes eximia ist Substratfresser. Dabei wird das meist schlammige Feinsubstrat als Ganzes, ohne erkennbare Selektion, aufgenommen. Bei der Vorwärtsbewegung über den Grund werden die an der Spitze gespaltenen Tentakel vorgestreckt und mit ihrer Hilfe Substrat zum Mund geschaufelt. Die Bewegung ist relativ schnell, jedes Individuum verbleibt bei einem Fressvorgang nur für etwa eine Minute auf dem Grund. Die Vorwärtsbewegung erfolgt durch wellenförmige Undulation der vorderen Schwimmhaut. In Strömungen lässt sich das Tier von ihr wie durch ein Segel über den Grund treiben, wobei die Tentakel als Bremse dienen.

Entdeckung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art wurde bei der berühmten Challenger-Expedition, der ersten Seeexpedition zur Erforschung des Ozeanbodens, im Jahr 1874 neu entdeckt. Dem Erstbeschreiber Hjalmar Théel lag später nur in Alkohol konserviertes Material, teilweise unvollständig und in schlechtem Erhaltungszustand vor. Er benannte die Gattung nach dem griechischen Ausdruck für Träumer.[5][6]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art ist kosmopolitisch. Nachweise liegen aus dem gesamten Pazifik in Meerestiefen zwischen 300 und 6.000 Meter vor.[7] Sie ist darüber hinaus im Atlantik (Golf von Mexiko, Azoren, Kapverden, europäische Küstengewässer)[8] und im nördlichen Indischen Ozean[1] nachgewiesen (teilweise unter synonymen Namen).

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Enypniastes eximia ist die einzige Art der damit monotypischen Gattung Enypniastes. Synonyme dazu sind Enypniastes decipiens Koehler & Vaney, 1910, Enypniastes globosa Hansen & Madsen, 1956, Euriplastes atlanticus Heding, 1940, Euriplastes obscura Koehler & Vaney, 1905, Pelagothuria bouvieri Hérouard, 1906, Peniagone ecalcarea Sluiter, 1901, Planktothuria diaphana Gilchrist, 1920.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Enypniastes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d John E. Miller & David L. Pawson (1990): Swimming Sea Cucumbers (Echinodermata: Holothuroidea): A Survey, with Analysis of Swimming Behavior in Four Bathyal Species. Smithsonian Contributions to the Marine Sciences Number 35.
  2. Bruce H. Robison (1992): Bioluminescence in the benthopelagic holothurian Enypniastes eximia. Journal of the Marine Biological Association of the United Kingdom, Volume 72, Issue 02: 463–472. doi:10.1017/S0025315400037826
  3. Bruce H. Robison (2004): Deep pelagic biology. Journal of Experimental Marine Biology and Ecology 300: 253–272.
  4. Suguru Ohta (1985). Photographic Observation of the Swimming Behavior of the Deep-Sea Pelagothuriid Holothurian Enypniastes (Elasipoda, Holothuroidea). Journal of the Oceanographical Society of Japan Vol. 41: 121–133.
  5. Erstbeschreibung (digitalisiert)
  6. Okeanos Explorer Homepage
  7. Enypniastes eximia on Biological Information System for Marine Life
  8. a b Eintrag bei WoRMS World Register of Marine Species