Equidenpass

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Equidenpass

Der Equidenpass ist ein Identitätsdokument für Pferde, das zur Umsetzung der EU-Verordnung 504/2008[1] eingeführt wurde. Der Equidenpass wird auf Antrag des Eigentümers durch die Zuchtorganisation, bei der das betroffene Pferd eingetragen ist, ausgestellt. Bei nicht eingetragenen Turnierpferden ist in Deutschland die Deutsche Reiterliche Vereinigung für die Ausstellung zuständig, für alle übrigen Pferde erfolgt dies durch die Organisationen, die von der Veterinärverwaltung des Bundeslandes damit beauftragt wurde.[2] Der Equidenpass gilt für alle Tiere, die mit dem zoologischen Begriff Equiden bezeichnet werden.

Zweck[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hintergrund des Equidenpasses ist eine EU-Richtlinie, die vorsieht, dass jeder Einhufer innerhalb der EU ein Papier benötigt, das bei jedem Transport und bei der Schlachtung Auskunft über alle erfolgten medizinischen Behandlungen geben muss. Da innerhalb der EU das Pferd in erster Linie als Schlachttier gesehen wird, soll dadurch eine leichtere Kontrolle von Tierseuchen, aber auch ein Mindestmaß an Verbraucherschutz gewährleistet werden. Hierbei wurde besonderes Augenmerk auf die medikamentöse Belastung von Schlachttieren gelegt. In Deutschland und Österreich ist es seit Einführung des Equidenpasses verboten, ein Pferd zu schlachten, für das kein Equidenpass existiert.

Der Equidenpass dient der

  • Identifizierung der Pferde,
  • Möglichkeit zur Nutzungsdeklaration (z. B. „Zur Schlachtung bestimmt“) und Dokumentation von Medikamentenanwendung, wenn die Pferde zur Schlachtung bestimmt sind,
  • Vereinfachung der Identifikation des Tieres durch Behörden (z. B. Wiederfinden bei Diebstahl oder Verlaufen),
  • Integration des Impfpasses und Dokumentation des Gesundheitszustandes der Tiere.

Der Equidenpass ist bei Tod, Tötung, Diebstahl, Verlust oder Schlachtung des Tieres zu Seuchenbekämpfungszwecken an die Ausstellungsstelle zurückzugeben, es sei denn, es wird unter amtlicher Aufsicht im Schlachthof zerstört.[3]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Equidenpass, geregelt in der Durchführungsverordnung (EU) 2015/262, wird in Form eines mehrseitigen gebundenen und gelochten Dokumentes ausgestellt. Der Equidenpass ist seit 2016 in 11 Abschnitte unterteilt und enthält folgende Angaben:

  • Abschnitt 1: Identifizierung (u.a. eindeutige Lebensnummer, Transponder-Nummer, Abzeichendiagramm)
  • Abschnitt 2: Verabreichung von Tierarzneimitteln
  • Abschnitt 3: Gültigkeit des Dokuments für die Verbringung von Equiden
  • Abschnitt 4: Eigentümer
  • Abschnitt 5: Ursprungsnachweis
  • Abschnitt 6: Eintragung der Identitätskontrolle
  • Abschnitt 7: Aufzeichnungen der Impfungen gegen die Pferdegrippe
  • Abschnitt 8: Aufzeichnungen der Impfungen gegen andere Krankheiten
  • Abschnitt 9: Gesundheitskontrollen durch Laboruntersuchungen
  • Abschnitt 10: Grundlegende Gesundheitsbedingungen (obligatorisch für registrierte Equiden)
  • Abschnitt 11: Kastanien

Im Abschnitt 2 des Equidenpass muss eindeutig festgelegt werden, ob das Tier "Nicht zur Schlachtung" (Teil II) oder „zur Schlachtung“ (Teil III) bestimmt ist. Für die Behandlung von nicht zur Schlachtung bestimmten Tieren, vor allem von Sportpferden, können auch nicht speziell für lebensmittelliefernde Tiere zugelassene Medikamente verwendet werden (sogenannter Therapienotstand).

Änderungen an den Inhalten, z.B. des Eigentümers, können kostenpflichtig über die ausstellende Organisation angefordert werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2008:149:0003:0032:DE:PDF
  2. Fachinformationen: Kennzeichnung und Identifizierung von Equiden, Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (StMELF)
  3. DURCHFÜHRUNGSVERORDNUNG (EU) 2015/262 DER KOMMISSION vom 17. Februar 2015 zur Festlegung von Vorschriften gemäß den Richtlinien 90/427/EWG und 2009/156/EG des Rates in Bezug auf die Methoden zur Identifizierung von Equiden (Equidenpass-Verordnung). Anhang I, Teil 1 Nr. IV. Abgerufen am 1. Dezember 2016.