Deutsche Reiterliche Vereinigung

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Deutsche Reiterliche Vereinigung e. V.
Gründungsjahr: 1905
Gründungsort: Berlin
Präsident: Breido Graf zu Rantzau
Vereine (ca.): 7.598
Mitglieder (ca.): 697.126
Verbandssitz: Warendorf
Homepage: www.pferd-aktuell.de

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung e. V. ist der Dachverband aller Züchter, Reiter, Fahrer und Voltigierer in Deutschland. Die internationale Bezeichnung ist Fédération Équestre Nationale, Abkürzung FN. FN ist auch die übliche umgangssprachliche Bezeichnung.

Die FN wurde 1905 in Berlin als Verband deutscher Halbblutzüchter gegründet. Die Vereinigung hat mittlerweile ihren Sitz in Warendorf. Im Jahr 2014 gehörten ihr 17 Landesverbände mit 7.598 Reit- und Fahrvereinen an. Zusätzlich waren 58.151 sogenannte Persönliche Mitglieder und 3.875 Pferdebetriebe direkt an den Bundesverband angebunden. Mit insgesamt 697.126 Mitgliedern ist die FN die größte Pferdesportvereinigung der Welt. Etwa 75 % (544.000) der FN-Mitglieder sind weiblich.[1]

Die FN ist organisiert im Dachverband Fédération Équestre Internationale (FEI) und innerhalb des Deutschen Olympischen Sportbundes zuständig für den Reit-, Fahr- und Voltigiersport.

Präsident der FN ist seit 2005 Breido Graf zu Rantzau, Generalsekretär ist Sönke Lauterbach.

Aufgaben[Bearbeiten]

Arbeitsgebiete der FN sind die Organisation des Pferdesports als Turnier- und Breitensport sowie die Pferdehaltung und Pferdezucht. Wichtig sind dabei auch die reiterliche Aus- und Weiterbildung sowie die Beratung der Mitglieder. Die FN sieht sich als Ansprechpartner für alle Fragen, die das Pferd bzw. seine Zucht, Haltung, Ausrüstung, Ausbildung und Nutzung betreffen. Weitere Aufgabenbereiche ergeben sich daraus: Veterinärmedizin, Tierschutz, Interessenvertretung der Pferdesportler, Reitrecht und Landschaftsschutz. Ferner zählt die Deutsche Reiterliche Vereinigung es zu ihren Aufgaben, das Kulturgut Pferd ideel im Bewusstsein der Bevölkerung zu pflegen und zu bewahren.[2] Der FNverlag publiziert Pferdebücher und andere Medien zu den genannten Themen. Von besonderer Bedeutung sind die von der FN herausgegebenen einheitlichen Regelwerke, Bestimmungen und Richtlinien wie die Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO), die Leistungs-Prüfungs-Ordnung (LPO) und die Zuchtverbandsordnung (ZVO).

Turnierdisziplinen innerhalb der FN sind[3]:

Abzeichen[Bearbeiten]

Zur Dokumentation von Fähigkeiten im Umgang mit dem Pferd und zur Motivation insbesondere junger Sportler verleiht die FN Abzeichen an Reiter, Fahrer, Voltigierer und Longenführer. Die Prüfungen werden dabei von den Reit- und Fahrvereinen durchgeführt. Die Anforderungen sind in der Ausbildungs- und Prüfungs-Ordnung (kurz APO) geregelt. Die Abzeichen der FN sind in drei Gruppen eingeteilt: Motivationsabzeichen, Abzeichen im Geländereiten und -fahren und Deutsche Abzeichen. Bei den Deutschen Abzeichen ist IV die leichteste Klasse. Goldene Abzeichen werden ausschließlich für Turniererfolge vergeben. Insgesamt existieren mehr als 50 Abzeichen im Pferdesport. In der Liste sind die Abzeichen innerhalb der drei Gruppen als Baumstruktur so angeordnet, wie sie aufeinander aufbauen.

  • Motivationsabzeichen:
    • Steckenpferd (Reiten, Fahren oder Voltigieren; bis 16 Jahre)
    • Kleines Hufeisen (Reiten, Fahren oder Voltigieren; bis 16 Jahre)
    • Kombiniertes Hufeisen (in Verbindung mit einer anderen Sportart; bis 18 Jahre)
    • Großes Hufeisen (Reiten oder Voltigieren; bis 18 Jahre)
    • Reiternadel (ab 16 Jahren)
    • Kombinierte Reiternadel (in Verbindung mit einer anderen Sportart; ab 16 Jahren)
    • Hufeisen Westernreiten
    • Hufeisen Fahren
  • Abzeichen im Geländereiten und -fahren
    • Deutscher Reitpass
      • Wanderreitabzeichen Stufe 1 und 2
      • Jagdreitabzeichen Stufe 1 und 2
      • Distanzreitabzeichen Stufe 1-3
    • Deutscher Fahrpass
      • Wanderfahrabzeichen Stufe 1 und 2
      • Distanzfahrabzeichen Stufe 1 und 2
  • Deutsche Abzeichen
    • Deutsches Reitabzeichen der Klassen IV bis I und in Gold
    • Deutsches Fahrabzeichen der Klassen IV bis I und in Gold
    • Deutsches Longierabzeichen der Klassen IV bis II
    • Deutsches Voltigierabzeichen der Klassen IV bis I und in Gold
    • Westernreitabzeichen der Klassen IV bis I (Gold)

Kritik[Bearbeiten]

Als nationaler Pferdesport- und Zuchtverband ist die Deutsche Reiterliche Vereinigung auf der einen Seite Interessenvertretung der Pferdesportler, zugleich jedoch auch für die Einhaltung der Regularien und die Achtung des Tierschutzes verantwortlich. So steht die FN teilweise in der Kritik, nicht ausreichend gegen nicht pferdegerechte Methoden (zum Beispiel Rollkur, Riegeln, großer bzw. falscher Gebrauch von Hilfsmitteln wie Hilfszügeln, Gerten und Sporen) vorzugehen. Als Reaktion hierauf erarbeitete die FN unter anderem einen Beurteilungskatalog, der das nicht pferdegerechtes Reiten auf Abreiteplätzen definiert. Zudem wurde ein Sanktionssystem für Richter geschaffen, das eine Verwarnung (Gelbe Karte) oder auch einen Ausschluss des Reiters (Rote Karte) ermöglicht. Das Reglement wurde jedoch nicht geändert, sondern lediglich ein Katalog mit Interpretationshilfen erarbeitet. [4][5]

Nach den Doping-/Mediaktionsvorfällen bei den Olympischen Sommerspielen 2008 und der Aussage Ludger Beerbaums „Im Laufe der Jahre habe ich mich darin eingerichtet, auszuschöpfen, was geht. … In der Vergangenheit hatte ich die Haltung: Erlaubt ist, was nicht gefunden wird“ im Jahr 2009 stand die Deutsche Reiterliche Vereinigung massiv in der Kritik, zu wenig gegen Doping und Tierschutzverstöße vorzugehen.[6] In Folge dieses öffentlichen Drucks löste die FN (bzw. der DOKR) ihre Kader auf, berief eine unabhängige Kommission ein und führte schärfere Regeln für Kaderathleten ein (zum Beispiel Einführung von Trainingskontrollen und eines Stallbuches).[7][8]

Von Seiten der Sportler wurde in diesem Zusammenhang kritisiert, dass die FN auf Druck der Medien Reiter fallen gelassen hätte, über bereits bestehende Sperren hinausgehende Maßnahmen gegen Reiter (Kadersperren, Verweigerung von Jahresturnierlizenzen) verhängte und im Fall Christian Ahlmanns sogar gegen ein Urteil des Weltpferdesportverbands FEI Widerspruch beim Internationalen Sportgerichtshofs einreichte. Das Oberlandesgericht Hamm stellte im Bezug auf Entzug und Verweigerung von Jahresturnierlizenzen an Daniel Deußer fest, dass diese Maßnahmen von Seiten der FN rechtswidrig waren.[9][10][11]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Reiterliche Vereinigung: Zahlen & Fakten - Menschen und Pferde (letzter Abruf: 10. Dezember 2015).
  2. Deutsche Reiterliche Vereinigung: Wir über uns (letzter Abruf: 10. Dezember 2015).
  3. Deutsche Reiterliche Vereinigung: Pferdesportdisziplinen (letzter Abruf: 10. Dezember 2015).
  4. Gegen Rollkur: Pferdegerecht abreiten - FN-Beurteilungskatalog für Richter vorgestellt, Cavallo, 27. März 2014
  5. Tierwohl im Pferdesport: Kontrolle durch Schmerz, Regina Rheinwald / Die Tageszeitung, 6. Dezember 2015
  6. Pferdesport: Chronisch in Behandlung, Michael Fröhlingsdorf und Udo Ludwig, Der Spiegel 45/2008
  7. Deutsche Reiterliche Vereinigung: Radikaler Sprung, Evi Simeoni / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Mai 2009
  8. "Sauberer Pferdesport": DOSB-Kommission Reiten legt Abschlussbericht vor, Dennis Peiler / Deutsche Reiterliche Vereinigung, 22. September 2009
  9. Gesperrte Dressurreiterin: Werth greift Verband an, Frankfurter Rundschau, 19. November 2009
  10. Fernsehen setzt Reiterverband unter Druck, St. Georg, 25. Oktober 2008
  11. Deutsche FN verliert endgültig Prozess gegen Deußer, Andreas Kleefisch (Baumeister Rechtsanwälte Partnerschaft mbB) auf ludwigs-pferdewelten.de, 24. Februar 2010

Weblinks[Bearbeiten]