Erich Becker (Manager)

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Erich Becker (* 20. März 1920 in Grünstadt[1]; † 9. Januar 2003 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Bauingenieur und Manager. Von 1972 bis Ende 1988 war er Vorstandsvorsitzender der Flughafen Frankfurt/Main AG (heute: Fraport).[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Becker war während des Zweiten Weltkriegs als Bordfunker bei der Luftwaffe eingesetzt. Nach dem Krieg studierte er berufsbegleitend an der Staatsbauschule Mainz. Ab 1950 war er Bauleiter bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim, wo er bis 1958 blieb. 1959 wechselte er als leitender Bauingenieur zur Volkswagen AG, wo er den Aufbau des Standortes in Kassel plante und leitete.[1][3]

Im Januar 1969 berief der Aufsichtsrat der Flughafen Frankfurt/Main AG Becker als Mitglied in den Vorstand. Dort verantwortete er zuerst die Bauplanung und -leitung, der Aufgabenbereich wurde später um die Flughafentechnik erweitert. Im Jahr 1972 wurde Becker zu Vorstandsvorsitzenden ernannt. Die Ernennung traf allerdings auf erhebliche Widerstände innerhalb der hessischen Landesregierung. Heinz-Herbert Karry (FDP), hessischer Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident in der sozialliberalen Koalition, sprach sich für einen Finanzexperten an der Spitze aus. Becker wurde allerdings vom damaligen Finanzminister und Aufsichtsratsvorsitzender der Flughafen AG Rudi Arndt (SPD) durchgeboxt, woraufhin Karry sein Aufsichtsratsposten zurückgab.[4]

Becker schaffte es, das verlustreiche Unternehmen innerhalb von vier Jahren in die Gewinnzone zu bringen, dabei waren vom Aufsichtsrat Gewinne frühestens um das Jahr 1990 eingeplant worden.[5]

Im Jahr 1973/74 führte er ein neues System für die Landegebühren am Frankfurter Flughafen ein und zahlte in den folgenden zwei Jahren insgesamt rund 2,5 Millionen Mark als Prämien an die Fluggesellschaften aus, die ihre Flugzeuge mit umweltfreundlichen Triebwerken modifiziert hatten. Das Bundesverkehrsministerium nahm diese Modell schließlich im Jahr 1975 als Muster für ein ähnliches System, „damit es nicht so aussieht, als ob der Verkehrsminister und die anderen Flughäfen unsere Idee nachahmten“ (Becker).[5]

In Beckers Ära fällt auch der gesellschaftlich sehr umstrittene Bau der Startbahn West, die nach über zehnjähriger Planungs- und Bauphase im April 1984 in Betrieb ging. Während des Baus wurde im Juni 1983 ein Sprengstoffanschlag auf das Wohnhaus Beckers verübt.[6][7] Mit Ablauf des Jahres 1988 schied er aus der Position des Vorstandsvorsitzenden aus. Sein Nachfolger wurde Horstmar Stauber.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im August 1980 wurde Erich Becker das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens verliehen. Nach Beckers Tod wurde die im Jahr 1986 gegründete Fraport-Stiftung zur Würdigung seiner Verdienste in Erich-Becker-Stiftung umbenannt.[2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Chronik Flughafen Frankfurt am Main: Aus dem Nachlaß von Verkehrsdirektor Rudolf Lange der Flughafen Frankfurt AG, International Advisory Group Air Navigation Services (ANSA), 01.10.1975, S. 346
  2. a b Pressemeldung der Fraport anlässlich des Todes von Erick Becker, abgerufen am 12. Mai 2017
  3. Beate Zimpelmann und Dirk Wassermann: Mitbestimmung und Nachhaltigkeit – Widerspruch oder Chance? Eine empirische Untersuchung in deutschen Großunternehmen, edition sigma; 1. Auflage (2012), S. 118
  4. Hans-Dieter Steguweit: Personalgerangel in der Frankfurter Flughafen AG: Kleine Koalitions-Krise. Zeit online, 6. August 1971, abgerufen am 12. Mai 2017.
  5. a b Heinz Blfithmann: Flughafen Frankfurt: Zurück aus Timbuktu. Zeit online, 17. Dezember 1976, abgerufen am 13. Mai 2017.
  6. Anschläge und Abstürze Flughafen Frankfurt. GG-online: Portal für den Kreis Groß-Gerau und die Region Rhein Rhein-Main, abgerufen am 13. Mai 2017.
  7. Stefan Sochatzy: Flughafen-Report: Die Hauptfiguren. Frankfurter Neue Presse, 7. Oktober 2011, abgerufen am 13. Mai 2017 (Interview von Stefan Sochatzy mit Wilhelm Bender, Vorstandschef der Fraport AG (1993 - 2009)).