Erich Botzenhart

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Erich Botzenhart (* 23. Juni 1901 in Untertürkheim; † 18. Oktober 1956 auf Schloss Cappenberg, Selm) war ein deutscher Historiker.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erich Botzenhart studierte an den Universitäten Tübingen und Berlin und wurde 1925 in Tübingen als Schüler von Adalbert Wahl mit einer Arbeit über Freiherr vom Stein promoviert. Seit 1929 war Botzenhart mit einer Edition der Briefe, Denkschriften und Aufzeichnungen des Freiherr vom Stein beschäftigt, die zwischen 1931 und 1937 in sieben Bänden publiziert wurde.

Nach 1933 galt Botzenhart, ohne Mitglied der NSDAP zu sein, als einer der führenden Vertreter einer neuen Generation junger nationalsozialistischer Historiker. Seine Interpretation, wonach Stein ein konservativer Nationalist gewesen sei, der nichts mit den liberalen Bestrebungen in Deutschland nach der Französischen Revolution zu tun gehabt habe, wich von der bisherigen Lehrmeinung ab. Nach 1933 stilisierte Botzenhart den Reichsfreiherrn zum Vorläufer des Nationalsozialismus bzw. Hitlers. Er fiel mit seinen Thesen Walter Frank auf, der ihn 1935 als Gründungsmitglied und Mitarbeiter an das nationalsozialistische Reichsinstitut für Geschichte des Neuen Deutschlands holte. Frank versuchte 1935 und 1936 jeweils vergeblich, Botzenhart eine Professur in Jena bzw. Halle zu verschaffen. In Göttingen hatte Frank schließlich Erfolg. Botzenhart wurde 1939. ohne habilitiert zu sein, und gegen den Willen der Fakultät als außerordentlicher Professor an die Universität Göttingen berufen.

Von 1941 bis 1943 war Botzenhart als Mitglied der Archivkommission des Auswärtigen Amtes mit der Auswertung von Akten beschäftigt, die in französischen Archiven erbeutet worden waren. Ab 1943 war er (als Nachfolger des gestürzten Walter Franks) Leiter des Reichsinstituts für Geschichte des Neuen Deutschlands. Am 17. Juli 1945 wurde er von der Universität Göttingen entlassen. Daraufhin zog Botzenhart nach Schloss Cappenberg, den Sitz des Freiherr-vom-Stein-Archivs, wo er die folgenden Jahre getrennt von seiner Frau und seinen fünf Kindern als Verwalter des Archivs und Leiter der wissenschaftlichen Arbeiten der Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft lebte. In seinem Entnazifizierungsverfahren wurde er 1949 in die Kategorie IV („Mitläufer“) eingeordnet.

Botzenhart, der unter Depressionen litt, nahm sich 1956 das Leben. Der Historiker Manfred Botzenhart ist sein Sohn.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Freiherr vom Stein, Briefwechsel, Denkschriften und Aufzeichnungen. Bearbeitet von Erich Botzenhart, 7 Bde., Heymann, Berlin 1931–1937.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert P. Ericksen: Kontinuitäten konservativer Geschichtsschreibung am Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte: Von der Weimarer Zeit über die nationalsozialistische Ära bis in die Bundesrepublik. In: Heinrich Becker, Hans-Joachim Dahms, Cornelia Wegeler (Hrsg.): Die Universität Göttingen unter dem Nationalsozialismus. 2., erweiterte Ausgabe. Saur, München 1998, ISBN 3-598-10853-2, S. 427–453.
  • Helmut Heiber: Walter Frank und sein Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte. Bd. 13). Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1966, S. 478 ff.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]