Erich Przywara

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Erich Przywara (* 12. Oktober 1889 in Kattowitz; † 28. September 1972 in Hagen bei Murnau) war Jesuit, katholischer Philosoph und Theologe.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1908 bis 1910 durchlief er das Noviziat der Gesellschaft Jesu in Exaten bei Roermond (Holland). Anschließend erfuhr er bis 1921 die ordensübliche Ausbildung in Philosophie und Theologie in Valkenburg. 1920 wurde er zum Priester geweiht. Ab 1922 arbeitete Przywara in der Redaktion der Jesuiten-Zeitschrift Stimmen der Zeit mit, von 1933 bis zum Verbot durch das NS-Regime 1941 war er deren Schriftleiter. Während des Krieges konnte er sich wegen schwerer Krankheit nur noch der Altakademiker-Seelsorge widmen. In Hagen bei Murnau fand er schließlich ein abgelegenes Domizil, in dem er trotz seiner Krankheit ein umfangreiches Alterswerk schuf. Przywara starb dort am 28. September 1972. Sein Grab befindet sich in Pullach.

Hauptgedanken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Przywara stellt vor allem in der Auseinandersetzung mit Karl Barth und Max Scheler heraus, dass das Erkennen des menschlichen Geistes sich zwar im Horizont des Seins überhaupt vollzieht, als endliches Erkennen jedoch nie die unendliche Fülle des Seins selbst erfassen kann, sondern das Sein nur am Seienden, das Unendliche nur im Spiegel des Endlichen erreichen kann. Das Erkennen des Seins geschieht nur analog: die Aussagekraft der Erkenntnisse wird relativiert durch ihre Nichtaussagekraft, wie es in der Formel des IV. Laterankonzils von 1215 heißt: "inter creatorem et creaturam non potest tanta similitudo notari, quin inter eos maior sit dissimilitudo notanda" [von Schöpfer und Geschöpf kann keine Ähnlichkeit ausgesagt werden, ohne dass sie eine größere Unähnlichkeit zwischen beiden einschlösse].

Przywara verdeutlicht, dass alle Philosophie und Theologie unter der Vorgabe dieser Analogia entis stehe, und postuliert dadurch gerade, dass trotz aller (eigentlichen) Undenkbarkeit das Unendliche gedacht werden könne.

Wirkung und Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beeinflusst hat ihn seine Bekanntschaft mit Edith Stein. Er selbst wirkte vor allem auf Hans Urs von Balthasar, Karl Rahner und Josef Pieper.

Sophie Scholl las im Frühjahr 1941, als sie ihren Reichsarbeitsdienst ableisten musste, in den Werken des Kirchenlehrers Augustinus; diese Lektüre von Erich Przywara, Augustinus. Die Gestalt als Gefüge (Leipzig 1934) brachte ihr manche „spöttische Bemerkung“ ihrer RAD-Kameradinnen ein. In seiner genialen Einleitung stellt Herausgeber Przywara die gesamte abendländische Geistesgeschichte unter das Vorzeichen von Augustinus, nach der befruchtenden wie auch der gefährlichen Seite hin. Abschließend geht Przywara auf die innerkatholische Grundspannung Augustinus-Thomas ein.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eucharistie und Arbeit; Freiburg, 1917.
  • Gottgeheimnis der Welt. Drei Vorträge über die geistige Krisis der Gegenwart, München, 1923
  • Liebe; Freiburg, 1924.
  • Religionsphilosophie katholischer Theologie. In: Handbuch der Philosophie. Hg. v. A. Baeumler u. M. Schröter, Abteilung II, S. 1–104. 1927
  • Ringen der Gegenwart, 2 Bde. 1929.
  • Das Geheimnis Kierkegaards; München, 1929.
  • O großer König, Jesu Christ; in einigen Diözesen bekanntes Kirchenlied (z. B. Osnabrück GL 805); 1931.
  • Analogia entis 1932
  • Christliche Existenz; Leipzig, 1934.
  • Heroisch; Paderborn/Wien/Zürich, 1936
  • Thomas von Aquin, Ignatius von Loyola, Friedrich Nietzsche. In: Zeitschrift für Aszese und Mystik 11 (1936), 257-295.
  • Alter und Neuer Bund. Theologie der Stunde; Wien und München, 1956.
  • Idee Europa; Nürnberg, 1956.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva-Maria Faber: Einführung zu Erich Przywara. In: Josef Weismayer, Gisbert Greshake (Hrsg.): Quellen geistlichen Lebens. Band 4: Die Gegenwart. Grünewald, Mainz 1993, S. 101f.
  • Eva-Maria Faber: Przywara, Erich. In: TRE. 27, 1997, S. 607–610.
  • Peter Lüning: Der Mensch im Angesicht des Gekreuzigten. Untersuchungen zum Kreuzesverständnis von Erich Przywara, Karl Rahner, Jon Sobrino und Hans Urs von Balthasar. (Münsterische Beiträge zur Theologie 65). Münster 2007.
  • Stephan Lüttich: Nacht als Locus theologicus. Theologie der Nacht und Nacht der Theologie bei Erich Przywara. In: Stephan Lüttich: Nacht-Erfahrung. Theologische Dimensionen einer Metapher. Würzburg 2004, S. 242–299. (StSSTh 42)
  • Erich Naab: Erich Przywara. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 7, Bautz, Herzberg 1994, ISBN 3-88309-048-4, Sp. 1014–1017.
  • Thomas Schumacher: In-Über: Analogie als Grundbestimmung von Theo-Logie; Reflexionen im Ausgang von Erich Przywara. München 2003, ISBN 3-936909-00-8.
  • Karl-Heinz Wiesemann: Zerspringender Akkord: das Zusammenspiel von Theologie und Mystik bei Karl Adam, Romano Guardini und Erich Przywara als theologische Fuge. Würzburg 1999.
  • Martha Zechmeister: Przywara, Erich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. 752 f. (Digitalisat).
  • Martha Zechmeister: Erich Przywaras Weg negativer Theologie. Lit, Münster 1997, ISBN 3-8258-3105-1.
  • Martha Zechmeister: Erich Przywara. In: LThK3. Band 8, Sp. 688–689.
  • Leo Zimny: Erich Przywara: sein Schrifttum 1912 - 1962. Mit e. Einf. von Hans Urs von Balthasar. - Einsiedeln : Johannes Verl., 1963. - 92 S., 1963.
  • Cornelius Keppeler, Erich Przywara – herausfordernd und verkannt, in: ders./Justinus C. Pech (Hrsg.), Einflussreich, aber vergessen? Theologische Denker aus der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, Heiligenkreuz 2016, 85-105.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]