Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorff

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Ernst Ahasverus Heinrich Graf von Lehndorff (* 7. Mai 1727 in Landkeim; † 19. Mai 1811 auf Schloss Steinort, Ostpreußen) war ein preußischer Kammerherr und Landhofmeister.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein Vater Graf Ernst Ahasver von Lehndorff (* 4. Januar 1688; † 9. Mai 1727) starb zwei Tage nach seiner Geburt. Die Mutter Maria Eleanor von Dönhoff (* 1664; † 14. April 1723) blieb unverheiratet. Seine ersten Jahre verbrachte er bei seiner Großmutter in Landkeim (Ostpreußen). Sein Großvater war Ahasverus von Lehndorff (1637–1688), der 1683 vom Großen Kurfürsten zum preußischen Oberburggrafen und in seinem Todesjahr von Kaiser Leopold für sich und seine Nachkommen in den Reichsgrafenstand erhoben wurde.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit 19 Jahren kam er nach Berlin und wurde hier zunächst Legationsrat, um dann zum Kammerherren der Königin Elisabeth Christine von Preußen, Gemahlin Friedrichs II. von Preußen, bestimmt zu werden.

Am 7. Februar 1759 heiratete Lehndorff die 17-jährige Marie von Haeseler, Tochter des bereits verstorbenen Gottlieb von Haeseler (Regierungsrat), Unternehmer und königlich-preußischer Regierungs- und Geheimer Rat.[2] Im Januar 1760 bekommt das Paar einen Sohn, der jedoch nur wenige Wochen lebt.[3] In seinem Tagebuch berichtet Lehndorff unter dem Datum Mai 1765 dann von einem weiteren Schicksalsschlag. Innerhalb weniger Wochen sterben seine beiden anderen Kinder an „Husten und Krämpfen“[4] Nachdem seine erste Ehefrau am 23. Juli 1766 verstorben war [5], heiratete er am 25. September 1769 in Stonsdorf in Niederschlesien die Gräfin Amalie Karoline von Schmettau (* 9. April 1751; † 12. September 1830).

Fast 30 Jahre diente er dem Hof – zuletzt sehr verbittert, fühlte er sich doch zu höheren Diensten fähig. 1775 verließ er den Hof und lebte auf seinem Schloss Steinort, wo er unter anderem seine enge Freundschaft zu Ignacy Krasicki, dem Fürstbischof von Ermland pflegte. Der Franzose Dieudonné Thiébault charakterisiert den Reichsgrafen wie folgt: „Lendorf war übrigens ein so entsetzlicher Complimentenmacher, daß er den Spottnamen: 'Grand confiturier de la Cour' erhielt.“[6]

Bekannt wurde seine „Aufzeichnungen“ als Kammerherr der Königin Elisabeth Christine, ursprünglich in französischer Sprache, in denen er die Ereignisse am Königshof niederschrieb und bissig kommentierte. Er beschrieb detailliert in 18 Folianten das Hofleben im Rokokoschloss Schönhausen im heutigen Pankower Ortsteil Niederschönhausen, der von Friedrich II. seiner Gemahlin zugewiesenen Sommerresidenz. Hier lebte sie die längste Zeit ihres Lebens und überlebte ihren Gatten um elf Jahre. Eine Auswahl der Tagebücher wurden wieder neu aufgelegt.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er heiratete am 25. September 1769 in Stonsdorf (Schlesien) Gräfin Amalie Karoline von Schmettau (* 13. April 1751; † 12. September 1830). Das Paar hatte folgende Kinder:

  • Karl Friedrich Ludwig Christian (1770–1854) ∞ 26. August 1823 Gräfin Pauline Sophie von Schlippenbach (1805–1871)
  • Wilhelm (1774–1774)
  • Pauline (* 21. Juni 1776; † 2. Mai 1813) ∞ 17. November 1796 in Steinort August Friedrich Philipp von Dönhoff (* 22. Mai 1763; † 7. Mai 1838)
  • Heinrich August (* 28. Juli 1777; † 1. Mai 1835)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wieland Giebel (Hrsg.): Die Tagebücher des Grafen Lehndorff. Die geheimen Aufzeichnungen des Kammerherrn der Königin Elisabeth Christine. Story, Berlin 2007, ISBN 978-3-929829-52-5.
  • Karl Eduard Schmidt-Lötzen: Dreißig Jahre am Hofe Friedrichs des Großen: Aus den Tagebüchern des Reichsgrafen Ernst Ahasverus Heinrich von Lehndorff, Kammerherrn der Königin Elisabeth Christine von Preußen, Friedrich Andreas Perthes AG, Gotha, 1907, (online).
  • Dieudonné Thiébault: Friedrich der Große. Seine Familie, seine Freunde und sein Hof oder zwanzig Jahre meines Aufenthaltes in Berlin[7].
Erster Theil. H.F. Hartmann, Leipzig 1828, (digital, Bayerische StaatsBib.).
Zweiter Theil, C.H.F. Hartmann, Leipzig, 1828, (digital, Bayerische StaatsBib.).

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wieland Giebel (Hrsg.): Die Tagebücher des Grafen Lehndorff. Die geheimen Aufzeichnungen des Kammerherrn der Königin Elisabeth Christine. Story, Berlin 2012, ISBN 978-3-929829-52-5, S. 15.
  2. Haug von Kuenheim (Hrsg.): Aus den Tagebuechern des Grafen Lehndorff, Severin und Siedler, Berlin 1982, S. 115, ISBN 3-88680029-6.
  3. Aus den Tagebüchern des Grafen Lehndorff, S. 130
  4. Aus den Tagebüchern des Grafen Lehndorff, S. 170ff
  5. Aus den Tagebüchern des Grafen Lehndorff, S. 195
  6. Dieudonné Thiébault: Friedrich der Große. Seine Familie, seine Freunde und sein Hof oder zwanzig Jahre meines Aufenthaltes in Berlin. Erster Teil. H.F. Hartmann, Leipzig 1828, S. 125.
  7. Rezension in der Jenaische Allgemeine, Nov. 1827, Nr. 205, S. 200 (digital, Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]