Berlin-Niederschönhausen

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Niederschönhausen
Ortsteil von Berlin
BerlinBrandenburgBuchKarowWilhelmsruhRosenthalBlankenfeldeNiederschönhausenHeinersdorfBlankenburgFranzösisch BuchholzPankowPrenzlauer BergWeißenseeStadtrandsiedlung MalchowNiederschönhausen auf der Karte von Pankow
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Koordinaten 52° 35′ 0″ N, 13° 24′ 0″ OKoordinaten: 52° 35′ 0″ N, 13° 24′ 0″ O
Fläche 6,49 km²
Einwohner 30.662 (30. Jun. 2016)
Bevölkerungsdichte 4724 Einwohner/km²
Postleitzahl 13156
Ortsteilnummer 0311
Gliederung
Verwaltungsbezirk Pankow
Ortslagen

Niederschönhausen ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Pankow. Das Stadtgebiet ist geprägt von alten Villen und Mietshäusern. Hier befindet sich auch das Schloss Schönhausen. Bis zur Gründung von Groß-Berlin im Jahr 1920 war Niederschönhausen eine eigenständige Landgemeinde im Landkreis Niederbarnim in Brandenburg.

Fallada-Gedenktafel
Ballhaus Pankow in der Grabbeallee

Der Nebenname Pankow-Schönhausen ist ein Hinweis auf den angrenzenden Ortsteil Pankow. Vertreter der alten Bundesrepublik betrachteten und bezeichneten den Ortsteil Niederschönhausen metonymisch als Pankow, weil hier bis 1960 sehr viele der DDR-Politiker bis zum Umzug in die Waldsiedlung Bernau ihren Wohnsitz hatten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Fehlen von spätslawischen Siedlungsresten deutet darauf hin, dass Niederschönhausen sich als Straßendorf entwickelte. Erste Siedlungshinweise gibt es aus um 1230, zu der später in der südlichen Hälfte ein Gut hinzukam. Um 1250 wurde die Dorfkirche Niederschönhausen erbaut. Im Landbuch Karls IV. von 1375 wurde das Dorf erstmals urkundlich erwähnt, und zwar als Schonenhusen inferior und Nydderen Schonhusen. Es hatte 48 Hufen, davon 4 Pfarrhufen (Wedemhof) und 10 Ritterhufen, sowie einen Krug. Im Jahr 1450 waren es 52 Hufen, weil noch 2 Kirchenhufen dazugekommen waren. Die Ritterhufen und die Abgaberechte gegenüber den Hüfnern wechselten mehrfach zwischen mehreren bekannten märkischen Adelsfamilien. 1691 erwarb Kurfürst Friedrich III. das Dorf. Ein am Ende des 17. Jahrhunderts erbautes einfaches Schloss wurde 1704 repräsentativ umgebaut. Friedrich II. schenkte das Schloss Niederschönhausen im Jahr 1740 seiner Frau, die es abgesondert vom König bis 1797 bewohnte.

Seit dem 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das 1920 vom Berliner Magistrat beschlossene Gesetz über die Bildung der Stadtgemeinde Berlin (Groß-Berlin-Gesetz) führte zur Entstehung von zwanzig Verwaltungsbezirken, in die umliegende Dörfer eingemeindet wurden. Dieses Gesetz ließ den neuen Verwaltungen die Möglichkeiten, ihr Territorium in Ortsbezirke zu untergliedern. Laut dem Ratsprotokoll von Berlin-Pankow (dem XIX. Verwaltungsbezirk) vom 29. Juli 1920 schlossen sich die Dörfer Blankenburg, Buch, Niederschönhausen, Rosenthal, Wilhelmsruh und Pankow zum 19. Bezirk zusammen, dessen Verwaltung am 18. März 1921 ihre Arbeit aufnahm.[1]

Mit dem Zusammenschluss wurde die Infrastruktur verbessert, unter anderem erhielt die Trasse der Wollankstraße eine geänderte Führung, der Lauf der Panke wurde reguliert, in Niederschönhausen der angekaufte Rosensche Park ausgestaltet und in Blankenburg eine Leichenhalle gebaut.[2]

In der Zeit des Nationalsozialismus hatte der Generalbauinspektor Berlins einen Interessengebietsplan beschlossen, der dazu führte, dass sich die vorhandene Wohnbebauung verdichtete und weitere Wohnsiedlungsgebiete in Niederschönhausen aufgeschlossen wurden. Allerdings war dies auch die Zeit, als viele Juden ihre Immobilien verkauften. In den Bezirksakten sind besonders häufig Eigentumsübertragungen um die Uhlandstraße, Lindenberger Straße, Blankenburger Straße und Waldstraße dokumentiert.[3]

Im Jahr 1949 wurden das Schloss und der naheliegende Majakowskiring mit den Wohnvillen der DDR-Politiker quasi zum politischen Zentrum der DDR. Das umzäunte und bewachte Areal hieß bei den Anwohnern auch das „Städtchen“. Mit dem 1960 erfolgten Umzug in die Waldsiedlung bei Wandlitz öffnete sich ab 1973 das Gebiet auch für die normale Bevölkerung.

In der Wendezeit tagte 1989/1990 in den Nebengebäuden des Schlosses der Runde Tisch. Zudem fanden hier wesentliche Teile der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen statt.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Niederschönhausen liegt nördlich und nordwestlich des Ortskerns von Pankow – die westliche Grenze markiert die Berliner Nordbahn. Ausgehend von der nördlichen städtischen Bebauung der Berliner Innenstadt (Prenzlauer Berg) und Pankow geht es über in die Flurwege der Schönholzer Heide zum nördlichen Stadtrand hin.

Ortslagen
Zu Niederschönhausen gehören neben dem namensgebenden Ort die Ortslagen

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Eingemeindung des Dorfs Niederschönhausen nach Berlin gab es an der Waldstraße das 1903 errichtete Wasserwerk[3] mit einem Wasserturm. Technik und Turm wurden bis 1928 beseitigt. Das Hauptgebäude ist erhalten wund dient als privates Wohnhaus.[4]

Niederschönhausen zeichnet sich durch eine Bebauung mit Villen und Mietshäusern aus, die vornehmlich um das Jahr 1910 bis in die 1920er Jahre entstanden. Hier befindet sich auch das Schloss Schönhausen, einer der wenigen Schlossbauten Berlins, die den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden haben. Im 18. Jahrhundert befand sich das Schloss im Besitz der Königin Elisabeth Christine, der Gemahlin König Friedrichs II. Aus dieser Zeit haben sich bedeutende Teile der originalen Ausstattung erhalten. Zu DDR-Zeiten war es zunächst Sitz von Wilhelm Pieck, dem DDR-Präsidenten, und später Gästehaus der Regierung. Als Ort des Zentralen Runden Tisches und der Zwei-plus-Vier-Gespräche, die die deutsche Wiedervereinigung vorbereiteten, spielte Schloss Schönhausen nach 1989 eine besondere historische Rolle. Inzwischen befindet sich in den Nebengebäuden der Schlossanlage die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS). Das Schloss ist nach einer umfassenden Sanierung seit 2009 als Museum für den regulären Besucherverkehr geöffnet.

Im Majakowskiring steht das Johannes-R.-Becher-Haus, wie es bis 1990 offiziell hieß. Dort wohnte der Schriftsteller Johannes R. Becher bis zu seinem Tod, der unter anderem den Text zur DDR-Nationalhymne schrieb. Im 21. Jahrhundert ist in dem Haus ein privates Unternehmen untergebracht.

Rund 500 Meter westlich vom Majakowskiring entstand ab 1950 nach einem Beschluss der DDR-Regierung um die Straße 201 herum die Künstlersiedlung Erich Weinert.

Niederschönhausen ist ein grüner Ortsteil: Die Schönholzer Heide, der Brosepark, der Schlosspark, der Bürgerpark sowie der Friedhof Pankow III liegen hier.

Zudem ist Niederschönhausen einer der wenigen Ortsteile im Bezirk Pankow, in dem es noch ein Kino gibt: Der Blaue Stern an der Ecke Hermann-Hesse-/Waldstraße. Aus Niederschönhausen stammt Max Skladanowsky, der 1895 ein Patent auf seinen Projektionsapparat Bioscop beantragt hatte und seine selbstgedrehten Filme erstmals am 1. November 1895 im Varieté Wintergarten öffentlich vorführte. Er gilt damit neben den Brüdern Auguste und Louis Lumière und Thomas Alva Edison als Kinopionier. In Niederschönhausen, wo er in der Waldowstraße gewohnt hat, liegt er auch begraben – auf dem Friedhof IV am Herthaplatz. Dort befindet sich auch das Ehrengrab der Stadt Berlin für Carl von Ossietzky. Dieser starb im Krankenhaus Nordend, das Anfang 2006 abgerissen wurde. Im zeitweilig als Lazarett genutzten Schulgebäude an der Blankenburger Ecke Buchholzer Straße wurde 1947 Hans Fallada behandelt. Hier starb er auch im selben Jahr.

In Niederschönhausen sind Kirchenbauten beide Konfessionen vertreten: die evangelische Friedenskirche und die katholische Kirche St. Maria Magdalena.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch den Ortsteil Niederschönhausen verlaufen folgende Bus- und Straßenbahnlinien (Stand: 2016):

  • 107 S+U Pankow beziehungsweise Niederschönhausen, Hermann-Hesse-Straße/Waldstr. – S Hermsdorf oder Arkenberge
  • 124 Buchholz-West, Aubertstraße – Alt-Heiligensee
  • 150 U Osloer Straße – S Buch
  • 155 S+U PankowWilhelmsruh, Fontanestraße
  • 250 (U Franz-Neumann-Platz –) U Vinetastraße, Niederschönhausen, Buchholzer Straße, U Vinetastraße (– U Franz-Neumann-Platz)
  • M1 Mitte, Am Kupfergraben – Niederschönhausen, Schillerstraße oder Rosenthal Nord (im Nachtverkehr nach Schillerstraße)

Besondere Bedeutung für den Straßenverkehr hat die Bundesstraße 96a, die durch den Ortsteil verläuft.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Berlin-Niederschönhausen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A Rep 049-08 Nr. 4 im Landesarchiv Berlin: Niederschrift über die Besprechung mit den Vertretern der Gemeinde bzw. Gutsbezirke des zukünftigen Bezirksamts vom 19. und 29. Juli 1920; Protokoll vom 2. September 1920; Beschluss des Berliner Magistrats, veröffentlicht im Gemeindeblatt Nr. 18 vom 1. Mai 1921; eingesehen am 22. Mai 2017.
  2. A Rep 049-08 Nr. 4 im Landesarchiv Berlin: Niederschrift über die Besprechung mit den Vertretern der Gemeinde bzw. Gutsbezirke des zukünftigen Bezirksamts vom 19. und 29. Juli 1920, eingesehen am 22. Mai 2017.
  3. a b A Rep 049–08, 240–244. Wohnungsgenehmigungsverfahren Niederschönhausen 1938–1941.
  4. Wasserwerk und Wasserturm in der Uhlandstraße. In: pankowerchronikdot.de; abgerufen am 23. Mai 2017.