Ernst Schubert (Historiker)

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Ernst Schubert (* 23. Mai 1941 in Bemerode; † 18. März 2006 in Hannover) war ein deutscher Historiker und zuletzt Professor für Niedersächsische Landesgeschichte an der Universität Göttingen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1960 studierte Schubert Geschichte, Germanistik, Geographie und Sozialkunde an der Universität Würzburg, er wurde dort Mitglied der Landsmannschaft Alemannia Makaria Würzburg.[1] Im Jahr 1967 wurde er mit einer Arbeit über die Landstände des Hochstifts Würzburg bei Hanns Hubert Hofmann promoviert. Anschließend erhielt er 1968 am Institut für fränkische Landesforschung der Universität Erlangen-Nürnberg eine Stelle als wissenschaftlicher Assistent, zunächst bei Gerhard Pfeiffer, später bei Alfred Wendehorst. Dort habilitierte er sich 1974 für Mittlere und Neuere Geschichte und Landesgeschichte. Seine Habilitationsschrift „König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte“ wurde mit dem Habilitationspreis des Universitätsbundes Erlangen-Nürnberg ausgezeichnet.

Es folgten Berufungen an die Universitäten Konstanz (1980) und Göttingen (1985), dort als ordentlicher Professor für niedersächsische Landesgeschichte. Zudem war Schubert Direktor des Göttinger Instituts für Historische Landesforschung. Im Jahre 1998 wurde er zum Vorsitzenden der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen gewählt; seit 1999 war er ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. 1998 erhielt er den Niedersachsenpreis für Wissenschaft. Schubert war Mitbegründer der Internetzeitschrift Concilium Medii Aevi. Im Jahr 2000 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen gewählt.

Seine Forschungsschwerpunkte waren die niedersächsische Landesgeschichte, die Sozial- und Verfassungsgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit sowie die Umweltgeschichte. Schubert war als Nachfolger von Hans Patze Herausgeber des auf fünf Bände in sieben Teilbänden angelegten Reihenwerkes Geschichte Niedersachsens, wobei er den ersten Teilband des zweiten Bandes Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert zum überwiegenden Teil selbst verfasste.

Schriften (Monographien)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Landstände des Hochstifts Würzburg, Würzburg 1967.
  • Materielle und organisatorische Grundlagen der Würzburger Universitätsentwicklung 1582–1821. Ein rechts- und wirtschaftshistorischer Beitrag zu einer Institutionengeschichte, Neustadt/Aisch 1973, ISBN 3-7686-9005-9
  • König und Reich. Studien zur spätmittelalterlichen deutschen Verfassungsgeschichte (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 63). Vandenhoeck & Rupprecht, Göttingen 1979, ISBN 3-525-35375-8.
  • Arme Leute, Bettler und Gauner im Franken des 18. Jahrhunderts, 2. Aufl. Neustadt/Aisch 1990, ISBN 3-7686-9104-7.
  • Einführung in die deutsche Geschichte im Spätmittelalter, 2. Aufl. Darmstadt 1992, ISBN 3-89678-313-0
  • Fahrendes Volk im Mittelalter, Bielefeld 1995, ISBN 3-89534-155-X
  • Fürstliche Herrschaft und Territorium im späten Mittelalter (= Enzyklopädie Deutscher Geschichte 35), München 1996, ISBN 3-486-55042-X (kart.)
  • Politik, Verfassung, Wirtschaft vom 9. bis zum ausgehenden 15. Jahrhundert (= Geschichte Niedersachsens Bd. II,1), Hannover 1997, ISBN 3-7752-5900-7
  • Zusammen mit Gerd Althoff, Hans-Werner Goetz: Menschen im Schatten der Kathedrale: Neuigkeiten aus dem Mittelalter, Darmstadt 1998, ISBN 3-89678-090-5.
  • Alltag im Mittelalter: natürliches Lebensumfeld und menschliches Miteinander, Darmstadt 2002, ISBN 3-89678-424-2.
  • Königsabsetzung im deutschen Mittelalter - Eine Studie zum Werden der Reichsverfassung. (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Philol.-Hist. Klasse, III/267), Göttingen 2005, ISBN 3-525-82542-0 (Rezension)
  • Fress- und Sauffgrewel? Was man im Mittelalter aß und trank, Darmstadt 2005.
  • Essen und Trinken im Mittelalter, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-19897-2
  • Räuber, Henker, arme Sünder: Verbrechen und Strafe im Mittelalter. Darmstadt 2007, ISBN 978-3-89678-612-8

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Festschriften/Gedenkschrift[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johannes Mellinger: Atlas des Fürstentums Lüneburg um 1600, hg. von Peter Aufgebauer u.a., Bielefeld 2001 (= Festschrift für Ernst Schubert zum 60. Geburtstag), ISBN 3-89534-391-9
  • Stupor saxoniae inferioris. Ernst Schubert zum 60. Geburtstag, hg. für das Kolloquium zur niedersächsischen Landesgeschichte von Wiard Hinrichs u.a., Göttingen 2001, ISBN 3-89744-168-3
  • Herrschaftspraxis und soziale Ordnungen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Ernst Schubert zum Gedenken, hg. v. Peter Aufgebauer und Christine van den Heuvel. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen 232. Hannover 2006, ISBN 3-7752-6032-3 (mit vollständigem Veröffentlichungsverzeichnis)

Nachrufe und Biographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erinnerungen an den Göttinger Landeshistoriker Ernst Schubert, hg. von Klaus P. Sommer mit Beiträgen von Peter Aufgebauer, Klaus J. Bade, Simon Benne, Manfred Bruns, Peter Burschel, Jürgen Gansäuer, Christine van den Heuvel, Wiard Hinrichs, Stefan von der Lahr, Julia Niekamp, Werner Paravicini, Frank Rexroth, Siegfried Schütz, Gerhard Streich, Wilfried Teichmann, Thomas Vogtherr, Alfred Wendehorst, Manfred Wichmann und Jürgen Wilke, Termessos Verlag, Göttingen 2009, ISBN 978-3-938016-07-7.
  • Peter Burschel: Cultura - das heißt Ackerbau. Zum Tod von Ernst Schubert. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft 54, 2006, S. 315f.
  • Werner Paravicini: Ernst Schubert 23. Mai 1941 bis 18. März 2006 In: Mitteilungen der Residenzen-Kommission der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Jahrgang 16 (2006) Nr. 1 (online)
  • Frank Rexroth: Da baldowert man eine hübsche Gelegenheit zur Theoriebildung aus. Und dann kam dieser gaunersprachmächtige Gelehrte und führte den Gegenbeweis aus den Quellen: Zum Tode des Göttinger Historikers Ernst Schubert. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. März 2006, Nr. 69, S. 39.
  • Frank Rexroth: Nachruf Ernst Schubert 23. Mai 1941–18. März 2006. In: Jahrbuch der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen 2006, Göttingen 2007, S. 331–335.
  • Thomas Vogtherr: Nachruf auf Ernst Schubert. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 79, 2007, S. 1–10.
  • Gerhard Streich: Schubert, Ernst. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 23, Duncker & Humblot, Berlin 2007, ISBN 978-3-428-11204-3, S. 607–609 (Digitalisat). (in der Druckausgabe wird als Todestag fälschlich der 23. März angegeben [in der Onlineversion korrigiert])

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Studentenkurier, Ausgabe 3/1999, S. 24