Espagnolette

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Espagnoletten, im deutschen Sprachgebrauch auch Ruderstangen genannt, sind Beschläge, die zum Antrieb des Drehriegelverschlusses von Fenstern dienen, seltener auch von Türen.

Die überwiegend aus Messing, Schmiedeeisen oder Temperguss gefertigten Beschläge ziehen beim Verschließen den Fensterflügel an den Fensterrahmen heran, so dass sich auch verformte und verzogene Fensterflügel dicht verschließen lassen.

Dieses Verschlusssystem wird hauptsächlich am vertikalen Flügelprofil von Flügel- und Stulpfenstern montiert. Der sogenannten Ruderknopf, in manchen Fällen auch eine Klinke, sitzt meist in mittiger Höhe des Flügels und ist mit der Ruderstange bzw. -schlaufe an einer vertikal verlaufenden Metallstange verbunden. Über das Ruder wird die vertikale Stange um 90 Grad gedreht, wobei sich die Haken des Drehriegelverschlusses an den Enden der Stange in die am Fensterrahmen angebrachten Aufnahmen (in Form einer Öse oder eines Dorns) hineinbewegen.

Nach Abschluß der Drehung der senkrechten Stange wird der Ruderknopf in einen Haken am Fensterrahmen oder am zweiten Fensterflügel eingehangen. Die Verriegelung findet somit an einem oder an beiden Enden der Stange und zusätzlich am Ruderknopf selber statt. Insofern entspricht die Funktion des Espagnoletten-Verschlußsystem dem Treibstangenverschluss (im englisch- und französischsprachigen Raum Crémone genannt) mit Basculegetriebe, wobei letzterer statt der runden Stangen meist flache, halbrunde oder quadratische Treibriegel besitzt, die sich nicht drehen, sondern nach oben und unten in die hierfür vorgesehenen Aufnahmen geschoben werden.
Beide Verschlüsse entstanden im Spätbarock und wurden bis ins 20. Jahrhundert hinein verwendet.[1]

Sofern ein zweiter Fensterflügel vorhanden ist, wird dieser durch die am ersten Flügel angebrachte Stulpleiste verschlossen gehalten. Meist wurde durch Vorreiber verhindert, dass sich beim Öffnen des ersten Flügels auch der Stulpflügel öffnet.

In ähnlicher Form findet sich dieses Verschlusssystem oftmals auch bei den Doppeltüren der Ladefläche von Sattelzug-Aufliegern und Seecontainern.

Galerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dorothee Heinzelmann: "Bedeutung, Wert und Datierbarkeit historischer Fenster", S. 20, in der Broschüre Fenster im Baudenkmal: Wert – Pflege – Reparatur, Dokumentation zum 25. Kölner Gespräch zu Architektur und Denkmalpflege in Brauweiler (Pulheim), 13. November 2017; Mitteilungen aus dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Heft 31; Eine Veröffentlichung des Landschaftsverbandes Rheinland in Kooperation mit der Technischen Hochschule Köln/ Fakultät für Architektur, Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege, herausgegeben von der Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke; abgerufen im Juli 2019