Sattelauflieger

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Ein für Europa typischer Sattelauflieger mit Schiebegardine, erkennbar an den unteren Spanngurten, hier verschlossen...
...und hier seitlich geöffnet; zusammengehalten an den Heck- und Frontportalen sowie Seitenpfosten.
Sattelauflieger mit fester Kofferkonstruktion für Lebensmitteltransporte; an eine Sattelzugmaschine gekoppelt.
Ein Sattelauflieger als Muldenkipper mit Kipphydraulik.
Sattelkupplungsplatte
Königszapfen
Sattelaufliegerstütze mit Kurbel
Kranbarer Sattelauflieger

Sattelauflieger (auch Sattelanhänger oder kurz Auflieger sowie englisch Semitrailer oder nur Trailer genannt) sind Anhänger, die einen Teil ihres Gewichtes auf die Achsen einer Sattelzugmaschine verlagern, mit der sie über eine Sattelplatte samt Königszapfen verbunden werden.[1]

Anwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sattelauflieger gelten als unmotorisierte Nutzfahrzeuge und müssen im Straßenverkehr mit eigenem Kennzeichen geführt werden. Neben dem Einsatz im Güterkraftverkehr werden sie auch zunehmend in der Landwirtschaft genutzt. Sattelauflieger mit deutscher Zulassung haben standardmäßig Innenmaße von 13,625 m × 2,48 m × 2,70 m sowie maximale Außenmaße von 13,68 m × 2,55 m × 4,00 m.[2] Damit bieten sie weniger Ladelänge als Hängerzüge, deren kombinierte Laderaumlänge über 15 m betragen kann. In Nordamerika sind Maße bis zu 2,60 m (8 Fuß 6 Zoll) × 16,15 m (53 Fuß) möglich.[3] Die Vorteile eines Sattelaufliegers gegenüber einem Hängerzug liegen jedoch in der durchgehenden sowie nicht auf zwei Fahrzeuge aufgeteilten Ladefläche und dem einfacheren Fahr- sowie Rangierbetrieb. Aufgrund des niedrigeren Eigengewichts liegt die Nutzlast eines Sattelaufliegers üblicherweise über der des Hängerzuges.

Hersteller[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sattelauflieger werden meist von mittelständischen Unternehmen hergestellt. Neben der Serienproduktion können so auch individuelle Konstruktionen umgesetzt werden. In den vergangenen Jahren hat sich der ursprünglich stark regionalisierte Anbietermarkt jedoch parallel zur Entwicklung des Güterkraftverkehrs durch rapide Wachstumszahlen, Internationalität und Markenzukäufe stark gewandelt.

Zu den drei größten Herstellern von Sattelaufliegern in Europa zählen Schmitz Cargobull und Krone aus Deutschland sowie Wielton aus Polen, die zusammen jährlich auf rund 120.000 fertiggestellte Einheiten kommen.[4] Als größte Hersteller von Sattelaufliegern weltweit zählen darüber hinaus CIMC aus China sowie Wabash National und Great Dane aus den USA mit zusammen rund 210.000 fertiggestellten Einheiten.[5] Weitere europäische Anbieter sind unter anderem Benalu, Chèreau, Feber, Fliegl, Gniotpol, Kässbohrer, Kögel, Legras, Schwarzmüller, SDC, Stas, Tirsan, Van Hool oder Zasław.

Laut Erhebungen des Global Trailer Magazine[6] sind die größten Hersteller von Sattelaufliegern:

Hersteller Herkunftsland Jahresvolumen
CIMC China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 100.300
Wabash National Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 63.450
Great Dane Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 60.850
Schmitz Cargobull DeutschlandDeutschland Deutschland 50.000
Hyundai Translead Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 49.750
UTM Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 49.200
Krone DeutschlandDeutschland Deutschland 49.000
Wielton PolenPolen Polen 16.500
Stoughton Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten 16.000
Kögel DeutschlandDeutschland Deutschland 13.000
Huajun China VolksrepublikVolksrepublik China Volksrepublik China 10.750
Randon BrasilienBrasilien Brasilien 10.100
SDC Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich 9.500
Tirsan TurkeiTürkei Türkei 9.300
Schwarzmüller OsterreichÖsterreich Österreich 7.800

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihren Ursprung haben Sattelauflieger in den USA, obwohl bereits 1903 der Schmied Emil Jagenberg in Deutschland den ersten Anhänger für den Einsatz an motorisierten Nutzfahrzeugen erfand. 1914 konstruierte in den USA der Kutschenbauer August Fruehauf den ersten Sattelauflieger, der primär für den Transport von Baumstämmen gedacht war. Bereits 1918 baute er seine Produktpalette für den Transport weiterer Spezialgüter aus, wodurch er den Grundstein für das Unternehmen Fruehauf legte.[7] In der Folge kamen verschiedene von unterschiedlichen Erfindern entwickelte Komponenten hinzu, die die Grundlage für die heute eingesetzten Sattelauflieger bilden.[8]

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt verschiedene Varianten von Sattelaufliegern:

Teilweise werden Sattelauflieger mit zwei oder drei Achsen auch Tandem- sowie Tridemanhänger genannt, obwohl diese Bezeichnung eigentlich für Anhänger mit mittiger Achsaufhängung und Zugmaul gedacht ist.

Sattelauflieger werden auch im unbegleiteten kombinierten Verkehr eingesetzt. Dazu sind kranbare Sattelauflieger mit genormten Anhebepunkten nötig, welche mit Hilfe von Portalkränen oder Reachstackern auf Taschenwagen verladen werden können. Der Unterfahrschutz, der bei Auffahrunfällen verhindern soll, dass niedrige Fahrzeuge unter den Auflieger geraten, ist bei Sattelaufliegern für den kombinierten Verkehr einklappbar.

In der Vergangenheit gab es auch Sattelauflieger für die Personenbeförderung, siehe hierzu Sattelzugomnibus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Sattelauflieger – Sammlung von Bildern
 Wiktionary: Sattelauflieger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Fachpresse zu Themen rund um Sattelauflieger:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Auflieger: Ein Fahrzeug ohne eigenen Antrieb zur Beförderung von Gütern, das zur Ankupplung an ein Kraftfahrzeug in der Weise vorgesehen ist, dass ein wesentlicher Teil seines Gewichts und seiner Last von dem Kraftfahrzeug getragen wird. (Begriffsbestimmung der Europäischen Konferenz der Verkehrsminister, BGBl. 2015 II S. 69, 72).
  2. Maße der Sattelauflieger der Hersteller Schmitz Cargobull und Krone
  3. LKW in den USA mit Hintergründen der Längen und Größen von Sattelaufliegern
  4. Wielton – Von Platz sechs auf Platz drei in Europa, in: Transport, Ausg. 3/2016, Jg. 26, S. 17
  5. The World's Top 30 – Top Trailer Builders, in: Global Trailer, Ausg. 30/2016, Jg. 3, S. 42
  6. The World's Top 30 – Top Trailer Builders, in: Global Trailer, Ausg. 30/2016, Jg. 3, S. 42
  7. Geschichte der Sattelauflieger in den USA
  8. Patentnachweis zum Fahrgestell für Sattelauflieger