Ethikrat
Ethikrat und die verwandten Begriffe Ethikbeirat, Ethikkommission, Ethikkomitee bezeichnen verschiedene Gremien, welche Organisationen, Institutionen oder auch Forschungsgruppen in speziellen ethischen Fragen beraten können oder auch, entsprechend gesetzlichen Vorgaben (z. B. §41 Arzneimittelgesetz), beraten sollen. Dabei geben sie in der Regel Empfehlungen ab, treffen aber keine rechtskräftigen Entscheidungen wie z. B. ein Gericht. Der Grad der Unabhängigkeit solcher Gremien hängt wesentlich von der Art und Weise der Berufung ihrer Mitglieder ab und ist für die oben genannten Beispiele unterschiedlich. In diesem Zusammenhang spielt auch die Etablierung von Verfahren zum Ausschluss individueller Interessenkonflikte der Mitglieder eine wichtige Rolle. Letztlich ist die fachliche Qualifikation auch für das zu bewertende Fachgebiet für die Mitglieder des Gremiums wichtige Voraussetzung für die kompetente Einschätzung ethischer Fragen in speziellen Wissens- beziehungsweise Wirkungsgebieten. Medizinische Ethikkommissionen haben sich in Deutschland zur Schaffung einheitlicher Qualitätsstandards in einem landesweiten Arbeitskreis zusammengeschlossen.[1]
Beispiele
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Solche Gremien bestehen in einer Reihe von Fachgebieten, darunter:
- Wissenschaftsethik im Allgemeinen:
- World Commission on the Ethics of Scientific Knowledge and Technology der UNESCO (COMEST, gegr. 1998)[2]
- Medizin und Gentechnik, Tierversuche, Reproduktionsmedizin und andere Bereiche der Medizinethik:[3]
- Sektor allgemein: Ethikkommissionen primär in der Forschung, klinische Ethik-Komitees in der Praxis
- Europa: Steering Committee on Bioethics (CDBI) des Europarats, berät die Mitgliedsländer (1992 gegründet, zur Oviedo-Konvention 1997)[4]
- Deutschland: Deutscher Ethikrat und Parlamentarischer Ethikbeirat auf Regierungsebene
- Schweiz: Nationale Ethikkommission im Bereich der Humanmedizin (NEK)[5]
- Österreich: Bioethikkommission beim Bundeskanzleramt auf Regierungsebene (seit 2001)[3]
- Persönlichkeitsschutz, Datenschutz, Informationsethik:
- Schweiz: Ethikrat der öffentlichen Statistik der Schweiz, siehe Charta der öffentlichen Statistik der Schweiz
- Österreich: Datenschutzrat beim Bundesministerium für Justiz (DSG)
- Deutschland: Datenethikkommission der Bundesregierung (seit Juli 2018); Rat für Digitalethik der Hessischen Landesregierung (seit August 2018)
- Politische Ethik:
- Ad-hoc-Ethikkommission (auch: -Ethik-Komitee) der EU-Kommission, berät jene in Bezug auf die Vereinbarkeit weiterer Tätigkeiten ehemaligen Kommissionsmitglieder (C(2003) 3750)
- United States House Committee on Ethics, berät Parlamentarier in Fragen Lobbying, Spenden und Interessenskonflikten
- Weitere:
- Unabhängige Ethikkommission der FIFA, interner Rat in Fragen der Sportethik
- Österreichischer Presserat, für die freiwillige Selbstkontrolle von Printmedien, den Ehrenkodex für die österreichische Presse (2012) einzuhalten, zu dem auch presseethische Fragen gehören
- Österreichischer Ethik-Rat für Public Relations, für die freiwillige Selbstkontrolle österreichischer Dienstleister in der Öffentlichkeitsarbeit[6]
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ https://www.akek.de/ , Zugriff am 20. März 2026
- ↑ World Commission on the Ethics of Scientific Knowledge and Technology (COMEST), unesco.org
- 1 2 Ethikkommissionen in Österreich. openscience.or.at (abgerufen am 26. Januar 2017).
- ↑ Abkommen von der Schweiz, noch nicht aber Deutschland, Österreich und Liechtenstein unterzeichnet; Bioethics at the Council of Europe. coe.int (abgerufen am 26. Januar 2017);
- ↑ NEK auf nek-cne.ch
- ↑ prethikrat.at