Eucladoceros

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Eucladoceros
Geweih von Eucladoceros im Museo di Paleontologia in Florenz.

Geweih von Eucladoceros im Museo di Paleontologia in Florenz.

Zeitliches Auftreten
oberes Pliozän bis Pleistozän
2,59 bis 0,126 Mio. Jahre
Fundorte
Systematik
Höhere Säugetiere (Eutheria)
Laurasiatheria
Paarhufer (Artiodactyla)
Wiederkäuer (Ruminantia)
Hirsche (Cervidae)
Eucladoceros
Wissenschaftlicher Name
Eucladoceros
Filipo Nesti, 1841

Eucladoceros (altgriechisch Εὐκλαδοκέρας (-ος) eukladokeras (-os) = gutverzweigtes Geweih, gebildet aus εὖ eu = gut (Adv.); κλάδος klados = Ast und κέρας keras, Gen. κέρατος keratos = Horn) ist eine ausgestorbene Hirsch-Gattung des Pliozäns und Pleistozäns. Besonders auffällig war das stark verzweigte, äußerst komplexe Geweih dieser Gattung.

Verbreitung[Bearbeiten]

Eucladoceros erschien während der ersten Vereisungsphasen im späten Pliozän erstmals in Europa, wo er bis ins frühe Pleistozän überlebte und offenbar vom Riesenhirsch (Megaloceros) ersetzt wurde [1].

Der imposante Hirsch kam in Europa und Zentralasien von Portugal bis ins Amurgebiet, Westchina und Chabarowsk an den Pazifik vor.

Erste Funde des Eucladoceros ctenoides und des Eucladoceros dicranios von 1841 in Ceyssaguet (nahe Lavoûte-sur-Loire nördlich von Le Puy-en-Velay) gehen auf den italienischen Forscher Filippo Nesti (1780-1847) aus Florenz zurück, einem Wissenschaftskollegen von Georges Cuvier, eine weitere liegt im Issoiretal westlich von Clermont-Ferrand.

Aussehen[Bearbeiten]

Seine Kopf-Rumpf-Länge betrug 2,50 m, die Schulterhöhe 1,80 m, die Geweihspanne 1,70 m. Damit war er etwas kleiner als Megaloceros giganteus und der heutige Elch. Eucladoceros dicranios hatte, wie sein Name schon andeutet, eine besondere Geweihform. Durchschnittlich zwölf leicht gebogenen lange Enden zierten jede Geweihstange, die einem verzweigten Ast sehr ähnlich sah.

Die Art Eucladoceros ctenoides, früher nach dem Fundort Tegelen in der niederländischen Provinz Limburg Eucladoceros teguliensis genannt, hatte dagegen zwei große, nach oben gerichtete und nach innen gebogenen Hauptenden, die von der „Haupt-Geweihstange“, die das dritte Hauptende bildete, abgingen, die wiederum ein zusätzliches Seitenende trugen. Mit den kleinen Seitenenden kamen auch zwölf Enden zusammen. Ähnlich ist die Spezies Eucladoceros senezensis, benannt nach dem Fundort Senèze, einem Weiler nahe Brioude (Haute-Loire, Frankreich).

Bisher sind folgende Arten bekannt:

  • Eucladoceros boulei (Marcellin Boule, 1928; nicht absolut gesichert)
  • Eucladoceros ctenoides, vormals Eucladoceros teguliensis (F. Nesti, 1841, Tegelen (Zeeland))
  • Eucladoceros dichotomus (nicht absolut gesichert)
  • Eucladoceros dicranios (Filippo Nesti, 1841, Ceyssaguet (Haute-Loire, Frankreich))
  • Eucladoceros senezensis (Charles Depéret, 1910, Senèze (Haute-Loire))
  • Eucladoceros tetraceros (Sir Wm. Boyd Dawkins, 1878, Sárbogárd (Ungarn))

Literatur[Bearbeiten]

  1. Jordi Augusti: Mammoths, Sabertooths and Hominids 65 Million Years of Mammalian Evolution in Europe, Columbia University Press, 2002. ISBN 0-231-11640-3 (S. 234)
  • Sir William Boyd Dawkins: The British Pleistocene Mammalia. 6 Bände. Printed for the Palaeontographical Society, London 1866–1887.
  • Charles Depéret: Die Umbildung der Tierwelt. Eine Einführung in die Entwicklungsgeschichte auf palaeontologischer Grundlage. E. Schweizerbartsche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1909.
  • Arno Hermann Müller: Lehrbuch der Paläozoologie. Band 3: Vertebraten. Teil 3: Mammalia. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Gustav Fischer, Jena 1989, ISBN 3-334-00223-3.
  • Wighart von Koenigswald: Lebendige Eiszeit. Klima und Tierwelt im Wandel. Theiss-Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-8062-1734-3.

Weblinks[Bearbeiten]