Eurobaustoff Handelsgesellschaft

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Eurobaustoff Handelsgesellschaft mbH & Co. KG

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Rechtsform Handelsgesellschaft mbH & Co. KG
Gründung 2003
Sitz Karlsruhe und Bad Nauheim, Deutschland
Leitung
  • Eckard Kern, Vorsitzender der Geschäftsführung[1]
  • Jörg Hoffmann, Geschäftsführer
  • Hartmut Möller, Geschäftsführer[2]
Mitarbeiterzahl 408 (Dezember 2018)
Umsatz 6,45 Mrd. (2018)
Branche Groß- und Einzelhandel mit Baustoffen
Website www.eurobaustoff.de

Die Eurobaustoff Handelsgesellschaft mbH & Co. KG mit Sitz in Karlsruhe und Bad Nauheim ist ein europäischer Unternehmensverbund im Groß- und Einzelhandel mit Baustoffen, Holz und Fliesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das heutige Unternehmen entstand durch zwei Fusionen aus drei ursprünglich selbstständigen Fachhandelskooperationen.

In den frühen 1960er und 1970er Jahren wurden Interpares, Mobau und IBS Leistungsverbund gegründet. 1994/95 fusionierten zunächst Mobau und Interpares zum Verbund Interpares-Mobau.[3] Das Unternehmen hatte seinen Sitz in Karlsruhe. Die Händlermarke der EUROBAUSTOFF ist bis heute „i&M Bauzentrum“, bei vielen Gesellschaftern der heutigen Kooperation ist dies weiterhin ein Bestandteil ihres Firmennamens.

Mitte der 1990er Jahre firmierte der IBS Leistungsverbund um in „Interbaustoff“. Sein Sitz war in Bad Nauheim.

Die zweite Fusion folgte 2003/2004. Aus Interpares-Mobau und Interbaustoff entstand zunächst die „i&M Interbaustoff“ mit Sitz in Bad Nauheim und Karlsruhe. 2006 benannte sich die Kooperation um in „Eurobaustoff“.[3][4][5]

Aufgabe und Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurobaustoff-Zentrale Bad Nauheim

Der gebündelte und dadurch günstigere Einkauf war in den Gründerjahren die Kernaufgabe der Kooperation gegenüber den Gesellschafterfirmen. Heute ist die Kooperation ein Dienstleistungsunternehmen, das den beteiligten Fachhändlern die unterschiedlichsten Serviceangebote macht:[6]

  • Marketing und Werbung
  • Vertrieb
  • Baufach- und Fachmarkt-Konzepte
  • Einkauf
  • E-Commerce
  • Datenmanagement
  • Logistik
  • Warenwirtschaft
  • Standort-Planung und Überwachung
  • Aus- und Weiterbildung für Mitarbeiter
  • Finanzmanagement
  • PR und Presse
  • IT und Digitalisierung.[6]

Eurobaustoff erzielte 2018 einen zentral abgerechneten Umsatz von 6,45 Milliarden Euro. Der Außenumsatz im selben Jahr belief sich auf 16 Milliarden Euro[7][8]. Eurobaustoff ist damit die führende Kooperation des mittelständischen Fachhandels für Baustoffe, Fliesen und Holz in Europa.[6]

Unternehmensstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurobaustoff Handelsgesellschaft mbH & Co. KG[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eurobaustoff-Zentrale Karlsruhe

Kommanditisten der Eurobaustoff waren Ende 2018 475 mittelständische, selbstständige Baufachhändler mit 1745 Standorten.[9] Die meisten Gesellschafter haben ihre Niederlassungen in Deutschland, weitere haben ihren Sitz in Österreich, Schweiz, den Niederlanden, Liechtenstein, Frankreich, Italien und Luxemburg. Seit Mai 2018 ist auch ein tschechisches Unternehmen Gesellschafter der Kooperation: PRO-DOMA aus Prag, ein mittelständischer, inhabergeführter Baufachhandel mit über 800 Mitarbeitern.[10] Neu der Kooperation beigetreten ist seit Januar 2019 ein schwedisches Unternehmen, die Derome Aktiebolag im schwedischen Veddige.[11]

Der Verbund hat seinen Hauptsitz in Karlsruhe. Die persönlich haftende Gesellschafterin „Eurobaustoff Verwaltungsgesellschaft mbH“ ist in Bad Nauheim ansässig.

Zentrallager[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weniger Aufwand bei der Anlieferung und bei der Lagerhaltung sowie günstigere Einkaufspreise auch für kleine Mengen durch gemeinsamen Einkauf ermöglichen die sechs Zentrallager den angeschlossenen Kooperationsmitgliedern. Sie bieten zum Teil auch eigene Logistikkonzepte, mit denen Waren nicht nur vom Zentrallager oder Lieferanten, sondern auch von anderen Gesellschaftern bezogen werden können („Cross-Docking“).

Eurobaustoff Versicherungsmakler GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziel der Eurobaustoff Versicherungsmakler GmbH ist die Bündelung spezialisierter Fachkenntnis für die Vertragskonzeption und die vollständige Bearbeitung und Abwicklung von Schadensfällen.

Infokom GmbH[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Infokom GmbH ist der wichtigste IT-Dienstleister der Eurobaustoff. Das Unternehmen wurde vor mehr als 30 Jahren von der Alt-Gesellschaft Interpares gegründet und ist heute Soft- und Hardware-Lieferant, Software-Entwickler und Support-Partner der Kooperation.[12] Eurobaustoff hat die Infokom GmbH im November 2011 übernommen.[2][13]

Tätigkeitsfelder und Vertriebslinien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tätigkeitsfelder der Eurobaustoff richten sich nach den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kooperationsmitglieder. Sie decken alle Händler- und Handels-Varianten ab – vom Groß- bis zum Einzelhändler, vom Generalisten bis zum Spezialisten, vom klassischen Baustoff-Großhandel bis zum Bauzentrum.[14] Hinzu kommen Online-Shops, die hauptsächlich im B2B-Geschäft eingesetzt werden.

Baustoff-Fachhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vorrangig richten sich die Angebote der Gesellschafter an Profi-Kunden wie zum Beispiel Handwerker. Daher wird der größte Teil des Umsatzes der Kooperation im Großhandel erwirtschaftet. In sechs Warenbereichen (Holz und Bauelemente, Dach + Fassade, Putze/WDVS/Bauchemie, Tiefbau + Galabau, Trockenbau/Dämmstoffe und Rohbau, Fliesen/Naturstein) sorgen Spezialisten für den Einkauf und Vertrieb der Ware.[6]

Baufacheinzelhandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Einzelhandel richtet sich an Privatkunden. Eurobaustoff unterstützt die Händler dabei nicht nur beim Einkauf. Sie gestaltet bei Bedarf Ausstellungen und entwickelt Drive-In-Konzepte.[14] Und seit Mitte 2017 wird auch eine Ausstellung Digital angeboten.

Holz & Bauelemente und Fliesen/Naturstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eigene Bereiche hat die Kooperationszentrale in Bad Nauheim für Fliesen/Naturstein und Holz & Bauelemente.

Handelsmarken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bedeutendste Händlermarke des Verbundes ist „i&M Bauzentrum“. Eigene Handelsmarken sind „Prima“, „Cerabella“ und „Opus 1“.[6]

Cerabella[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Cerabella ist eine Fliesenmarke, die ausschließlich für die Mitglieder der Fachgruppe Fliesen/Naturstein der Eurobaustoff auf dem Markt ist.

Opus 1[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Opus 1 ist eine Handelsmarke für alle Einzelhändler der Eurobaustoff und umfasst rund 650 Produkte aus den Bereichen Dispersionen, Lacke und Lasuren.

Prima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prima wird sowohl für den Einzel- wie für den Großhandel angeboten. Die rund 450 Artikel stammen aus nahezu allen Produktbereichen der Baubranche.

Für Privatkunden bietet die Kooperation Internet-Portale zu den Themen Hochwasser[15] und Modernisierung[16] an.

Gesellschafterstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Individualität der Gesellschafterfirmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kooperation unterstützt die individuellen Auftritte ihrer Gesellschafterfirmen vor Ort. Nur sehr wenige tragen das Wort „Eurobaustoff“ in ihrem Namen, etliche firmieren unter „i&M Bauzentrum“, doch die meisten unter ihrem eigenen Firmennamen. So ist für den Kunden der Kooperationsname oft gar nicht sichtbar.

Auch in anderen Punkten unterscheiden sich die Gesellschafterfirmen: Mal steht der endkundenorientierte Einzelhandel im Fokus, mal mehr der profiorientierte Großhandel im Vordergrund. Auch die Schwerpunktsetzung bei den Produkten – Holz, Fliesen, Baustoffe – ist unterschiedlich.

Die Angebote der Eurobaustoff richten sich nach den individuellen Bedürfnissen der Kooperationsmitglieder. So bietet sie unter anderem Fachmarktkonzepte für Einzelhändler, Spezialisierungskonzepte für Großhändler oder Drive-in-Konzepte.

Markenauftritt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Alternative zum individuellen Auftritt bietet die Eurobaustoff ihren Gesellschaftern die Händlermarke i&M-Bauzentrum an. Rund 100 Standorte nutzen diese Verbundmarke in Deutschland. Die Marke ging aus der Interpares-Mobau, einer der Vorläufer der Eurobaustoff, hervor.[17][6]

Allianzen und Gruppierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innerhalb der Eurobaustoff gibt es eine Vielzahl an Zusammenschlüssen, die zum Beispiel durch ihre Region oder durch ihre fachliche Ausrichtung Vorteile aus einem gemeinsamen Einkauf ziehen.

Spezialisten für bestimmte Sortimente haben sich in acht Fachgruppen zusammengeschlossen.[14] Sie beliefern Profikunden wie Handwerker, Planer und Architekten. Ziel der Fachgruppen ist der Informationsaustausch untereinander, der gemeinsame Einkauf und das Marketing sowie die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern zu geprüften Fachberatern.

  • Fachgruppe Bauelemente
  • Fachgruppe Dach & Fassade
  • Fachgruppe Fliesen/Naturstein
  • Fachgruppe Galabau
  • Fachgruppe Holz
  • Fachgruppe Putze/WDVS
  • Fachgruppe Tiefbau
  • Fachgruppe Trockenbau

Kartellrechtsverstoß[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Bundeskartellamt erließ im März 2010 gegen die Eurobaustoff Handelsgesellschaft mbH & Co. KG einen Bußgeldbescheid über 4,665 Mio. € wegen Silostellgebühren, den die Unternehmensleitung für nicht gerechtfertigt hält und die daher Einspruch eingelegt hat.[18]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Creditreform: EUROBAUSTOFF Handelsgesellschaft mbh & Co. KG; Karlsruhe, abgerufen am 28. August 2014
  • Dähne Verlag GmbH: Dähne Dossier Eurobaustoff; Ausgabe 2014; Datenstand 31. Dezember 2013
  • Eurobaustoff Handelsgesellschaft mbh & Co. KG (Hrsg.): EUROBAUSTOFF – Die Kooperation; Bad Nauheim, Karlsruhe 2013
  • Michael Schellenberger (Hrsg.): Verbundgruppe & Kooperation, S. 72–73, Frankfurt 2012
  • Verlag Rommerskirchen GmbH & Co. KG (Hrsg.): Themen – Eurobaustoff – Die Kooperation – Die führende Fachhandelskooperation für Baustoffe, Fliesen und Holz in Europa; Verlagsbeilage im journalist; Rolandseck Oktober 2011

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. baumarktmanager.de: Eurobaustoff mit neuem Geschäftsführer; 16. März 2017; [1] (abgerufen am 2. November 2017)
  2. a b Creditreform: EUROBAUSTOFF Handelsgesellschaft mbh & Co. KG; Karlsruhe, abgerufen am 28. August 2014, S. 19–20.
  3. a b c d Dähne Verlag GmbH: Dähne Dossier Eurobaustoff; 2014, S. 2–3.
  4. Creditreform: EUROBAUSTOFF Handelsgesellschaft mbh & Co. KG; Karlsruhe, abgerufen am 28. August 2014, S. 1.
  5. Handelsregister A des Amtsgerichts Mannheim: HRA 105050, Abruf vom 22. Januar 2014.
  6. a b c d e f Eurobaustoff Handelsgesellschaft mbh & Co. KG (Hrsg.): EUROBAUSTOFF – Die Kooperation; Bad Nauheim, Karlsruhe 2013.
  7. baustoffmarkt-online.de: 6,11 Milliarden Euro Umsatz für die Eurobaustoff; 1. Februar 2018; [2] (abgerufen am 10. September 2018)
  8. eurobaustoff.de [3] (abgerufen am 10. September 2018)
  9. eurobaustoff.de [4] (abgerufen am 10. September 2018)
  10. baumarktmanager.de: Pro-Doma schließt sich Eurobaustoff an; 19. Juni 2018; (abgerufen am 10. September 2018)
  11. baustoffmarkt-online.de: Schwedischer Derome-Konzern tritt Eurobaustoff bei; 11. Januar 2019; [5]
  12. Website der Infokom GmbH
  13. Pressemitteilung der Eurobaustoff: EUROBAUSTOFF Gesellschafterversammlung 2011 in Essen; 10. Juni 2011; [6]; (abgerufen am 2. Dezember 2013)
  14. a b c Michael Schellenberger (Hrsg.): Verbundgruppe & Kooperation, S. 72–73, Frankfurt 2012.
  15. Webseite Hochwasser-Ratgeber
  16. Webseite Modernisierer-Portal
  17. Website der Händlermarke i&M Bauzentrum
  18. Eurobaustoff Handelsgesellschaft mbH & Co. KG: Jahresabschluss zum 31. Dezember 2009 und Lagebericht 2009, Karlsruhe, 7. April 2010, abgerufen über E-Bundesanzeiger.