Eutropius (Historiker)

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Eutropius († nach 390 nach Christus) war ein spätantiker römischer Geschichtsschreiber. Er verfasste um 369 n. Chr. ein Breviarium ab urbe condita, in dem er die Geschichte des römischen Reiches von der Gründung der Stadt bis zum Tod des Kaisers Jovian (364 n. Chr.) darstellte.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nur sehr wenig ist über die Person des Eutropius bekannt. Im Breviarium ab urbe condita (10,16,1) erwähnt er seine Teilnahme am Persienfeldzug Kaiser Julians 363 n. Chr. Dabei ist unklar, ob er lediglich ziviler Begleiter (comes) des Kaisers war oder ein militärisches Amt innehatte; Letzteres hielt beispielsweise Nino Scivoletto für möglich.[1] Aus der Widmung des Werks an Kaiser Valens (Domino Valenti Gothico Maximo Perpetuo Augusto) geht hervor, dass dieser das Breviarium in Auftrag gegeben hatte. Da Eutropius sich selbst als vir clarissimus bezeichnet, gehörte er dem senatorischen Stand an. In einer Handschrift ist außerdem der Titel magister memoriae überliefert, weshalb man davon ausgeht, dass Eutropius dieses Amt unter Kaiser Valens bekleidete.[2]

Weitere Aussagen über Eutropius’ Lebenslauf lassen sich nur vermutungsweise treffen, zumal sein Name nicht selten war. Die Identifizierung mit einem Arzt aus Burdigala in Gallien[3] ist ebenso unsicher wie die mit einem von Priscian erwähnten Grammatiker.[4] Das byzantinische Lexikon Suda bezeichnet Eutropius als „italischen Sophisten“ (Ἰταλὸς σοφιστής),[5] was eine rhetorische Ausbildung und die Herkunft aus Italien nahelegt. Letzteres ist sehr unsicher und kann ein Rückschluss aus der lateinischen Sprache seines Geschichtswerk sein. Andere Zeugnisse deuten darauf hin, dass Eutropius seine rhetorische Ausbildung im Osten des römischen Reiches genoss: Otto Seeck identifizierte den Historiker Eutropius mit einem von Libanios erwähnten Neffen des Rhetors Akakios von Kaisareia; dieser Eutropios hatte sowohl bei Akakios als auch bei Libanios Rhetorik studiert.[6] Wenn man von der Identität des Historikers mit diesem Rhetorikschüler ausgeht und seine Studienzeit in den Jahren 355–361 ansetzt, als Libanios und Akakios gleichzeitig in Antiochia am Orontes Rhetorik unterrichteten, dann wäre das Geburtsjahr des Eutropius auf etwa 330 n. Chr. zu datieren. Für die Identität des Historikers mit dem Neffen des Akakios spricht weiterhin, dass ein weiterer Schüler des Libanios, Paianios, denselben Namen trägt wie der Verfasser der ersten, bereits um 379 n. Chr. geschriebenen griechischen Übersetzung des Breviarium ab urbe condita.

Möglicherweise war Eutropius unter Kaiser Constantius II. (also spätestens 361 n. Chr.) magister epistularum in Konstantinopel.[7] Nach seiner Teilnahme an Kaiser Julians Perserfeldzug und seiner Tätigkeit als magister memoriae am Hofe des Valens könnte Eutropius ab 370 n. Chr. Prokonsul in Asia gewesen sein.[8] Im Jahre 371/372 n. Chr. war er anscheinend in die Usurpation des Theodorus verwickelt und verlor daraufhin sein Amt, blieb aber sonst unbehelligt.[9]

Otto Seeck vermutete darüber hinaus, dass Eutropius mit einem Briefpartner des Symmachus identisch sei. Von den acht Briefen, die von Symmachus an Eutropius erhalten sind,[10] spielt einer auf den Erfolg des Kaisers Gratian gegen die Germanen im Jahr 379 n. Chr. an: Symmachus meint, dass eine angemessene (panegyrische) Darstellung der Siege eher dem Eutropius als ihm selbst gelingen werde.[11] Darin sieht Seeck eine Anspielung auf den Schluss des Breviarium ab urbe condita.[12]

Möglicherweise bekleidete Eutropius nach dem Tode des Valens (378 n. Chr.) wieder öffentliche Ämter: In mehreren Gesetzen des Codex Theodosianus und des Codex Iustinianus aus dem Jahr 380/381 n. Chr. wird ein Prätorianerpräfekt des Ostens (in Illyricum) namens Eutropius erwähnt. Außerdem könnte Eutropius mit dem Konsul des Jahres 387 n. Chr. identisch sein, der die Ehre hatte, mit dem Kaiser Valentinian II. gemeinsam den Konsulat zu bekleiden.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das byzantinische Lexikon Suda sagt über Eutropius, er habe in italischer Sprache eine kurzgefasste Geschichte des römischen Reichs „und anderes“ geschrieben.[5] Allerdings ist nur das Breviarium überliefert, und die Spuren anderer Werke sind sehr vage: Die bei Marcellus Empiricus und Priscian bezeugten medizinischen und grammatischen Schriften, so sie denn von dem Historiker stammen, sind nicht erhalten. Eutropius schließt das Breviarium mit einer Erklärung, dass er über die lebenden Kaiser nicht zu schreiben gedenke, und fügt hinzu: „Denn die folgenden Dinge müssen in einem erhabeneren Stil ausgedrückt werden; diese übergehen wir jetzt nicht so sehr, als dass wir sie für eine größere Sorgfalt des Schreibens aufheben.“[13] Dies ist eine topische Bemerkung, die den Konventionen der Geschichtsschreibung entspricht, und darf nicht als ernstgemeinte Ankündigung einer Fortsetzung aufgefasst werden.

Das Breviarium ab urbe condita: Titel, Widmung und Abfassungszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eutropius gab seinem Geschichtswerk den Titel Breviarium ab urbe condita, der in der (mittlerweile verlorenen) Handschrift aus Fulda überliefert ist. Das Breviarium gehört zu einer Gattung kurzgefasster Geschichtswerke, zu denen auch die Epitome des Florus (2. Jahrhundert n. Chr.), die Historiae abbreviatae des Aurelius Victor (359 n. Chr.) und das Breviarium rerum gestarum populi Romani des Rufus Festus gehören. In der Vorrede widmet Eutropius des Werk dem Kaiser Valens, den er mit dem Titel Domino Valenti Gothico Maximo Perpetuo Augusto anredet. Da Valens den Titel Gothicus Maximus nach seinem Feldzug gegen die Goten in den Jahren 367–369 n. Chr. annahm, wird die Abfassungszeit des Breviarium auf das Jahr 369/370 n. Chr. datiert.[14]

In der Vorrede schreibt Eutropius, er wolle im Auftrag des Kaisers (ex voluntate mansuetudinis tuae) die Ereignisse der römischen Geschichte (res Romanas) von der Stadtgründung bis zu seiner Zeit (ab urbe condita usque ad nostram memoriam) zusammenfassen, und zwar in chronologischer Reihenfolge (per ordinem temporum) und in kompakter Darstellung (brevi narratione). Eutropius fährt fort, er habe bemerkenswerte Einzelheiten aus den Kaiserviten hinzugefügt (strictim additis etiam his, quae in principum vita egregia extiterunt), und zwar in der Absicht, dem Kaiser vorzuführen, wie er den Vorbildern seiner Vorgänger bereits nachgeeifert habe, ohne davon gewusst zu haben (ut tranquillitatis tuae possit mens divina laetari prius se inlustrium virorum facta in administrando imperio secutam, quam cognosceret lectione.).

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Breviarium ab urbe condita ist in zehn Bücher gegliedert. Die Bücher 1–6 umfassen die Zeit der Könige und der Republik (753–44 v. Chr.), die Bücher 7–10 die Kaiserzeit. Die Buchgrenzen korrespondieren offenbar mit Epochen, die vom Autor als bedeutend angesehen wurden.[15]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie schon der Werktitel und eine Phrase der Einleitung andeutet, bezog sich Eutropius in den Büchern 1–6 vor allem auf das Geschichtswerk des Livius Ab urbe condita, das er allerdings nicht direkt konsultierte, sondern in einer Epitome verwendete, die offenbar von der uns erhaltenen verschieden war.[16] Für die Kaiserzeit benutzte Eutropius vor allem die Enmannsche Kaisergeschichte, die wohl mit der Schlacht von Argentoratum (357 n. Chr.) endete. Gewisse Übereinstimmung mit den Kaiserbiographien Suetons ergeben sich wohl daraus, dass die Enmannsche Kaisergeschichte diese verarbeitete. Für die Ereignisse nach 357 n. Chr. hat Eutropius teilweise auf selbst Erlebtes zurückgegriffen.[17]

Rezeption in der Historiographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Breviarium ab urbe condita war als handliche und voraussetzungsarme Geschichtsdarstellung sehr erfolgreich. Es wurde schon kurz nach seinem Erscheinen von anderen Autoren verwendet, so von Hieronymus in seiner Chronik, von Augustinus in seiner Schrift De civitate dei, von Rufus Festus (wahrscheinlich), von Cassiodor und Jordanes, vom Kirchengeschichtsschreiber Orosius und möglicherweise auch von der Historia Augusta.[18] Als handliches Geschichtswerk von breitem Zeithorizont wurde Eutropius’ Breviarium auch im Mittelalter viel gelesen. Im späten 8. Jahrhundert überarbeitete der langobardische Fürstenerzieher Paulus Diaconus, der in Montecassino tätig war, das Werk und setzte es in sechs weiteren Büchern bis 553, die Zeit der Regierung Justinians, fort. Paulus’ Zusätze betreffen vor allem Ereignisse der Kirchengeschichte. Diese Historia Romana benannte Bearbeitung des Breviarium fand noch größeren Anklang als das Original: Aus dem 9. bis 15. Jahrhundert sind mehr als 160 Handschriften erhalten, von denen einige nicht Paulus, sondern Eutropius als Autor angeben. Ungeachtet dieser wurde auch das Breviarium ab urbe condita in seiner ursprünglichen Gestalt weiterhin überliefert. Eine weitere Bearbeitung verfasste um das Jahr 1000 ein gewisser Landolfus Sagax, der das Geschichtswerk in zusätzlichen acht Büchern bis zum Jahr 806 fortsetzte (ebenfalls mit dem Titel Historia Romana; vom Erstherausgeber Pierre Pithou wurde das Werk Historia Miscella genannt).

Auch im griechischsprachigen Osten des Reiches wurde Eutropius’ Werk reichlich rezipiert, da es in verschiedenen Übersetzungen verfügbar war. Noch zu Eutropius’ Lebzeiten, um 379 n. Chr., entstand die Übersetzung des Paianios, die fast vollständig überliefert ist (es fehlt nur der Schluss mit der Regierung der Kaiser Julian und Jovian). Eine weitere Übersetzung verfasste nach dem Zeugnis der Suda der Historiker Kapiton von Lykien,[19] der unter den Kaisern Anastasios I. (regierte 491–518) und Maurikios (regierte 518–527) wirkte. Sie ist nicht direkt überliefert, wird aber meist mit den in zahlreichen Suda-Artikel und den Konstantinischen Exzerptensammlungen Fragmenten einer von Paianios verschiedenen Eutropius-Übersetzung in Verbindung gebracht. Eine dritte Übersetzung, die mit den beiden genannten nicht identisch ist, scheint im 9. Jahrhundert Theophanes Confessor bei seiner Darstellung zu Kaiser Diokletian benutzt zu haben. Spätere Benutzer der griechischen Übersetzung des Paianios sind Maximos Planudes (13./14. Jahrhundert) und Nikephoros Gregoras (14. Jahrhundert), die den Text als Ergänzung zu Cassius Dio und dessen Epitomator Xiphilinos heranzogen.

Vom 16. bis 18. Jahrhundert war das Breviarium ab urbe condita in zahlreichen gedruckten Ausgaben verfügbar. Es wurde gerade im 18. und 19. Jahrhundert in deutschen, englischen und italienischen Schulen als Anfängerlektüre im Lateinunterricht sowie als Quelle für den Geschichtsunterricht benutzt. Aufgrund seiner zahlreichen chronologischen und sachlichen Ungenauigkeiten und Fehler sank das Ansehen des Breviarium zusehends. Als zeitgenössische Darstellung der Spätantike (insbesondere des 4. Jahrhunderts) sowie als Quelle für verlorene Geschichtswerke (vor allem für die Enmannsche Kaisergeschichte) wird es allerdings weiterhin geschätzt.

Überlieferung und Editionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eutropius’ Breviarium ab urbe condita ist in 20 Handschriften aus dem 9. bis 15. Jahrhundert erhalten,[20] die mindestens drei verschiedenen Überlieferungssträngen zugeordnet werden. Dazu kommen noch etwa 160 Handschriften der Historia Romana des Paulus Diaconus, die ihrerseits teilweise für die Herstellung des ursprünglichen Textes von Bedeutung ist.

Die erste gedruckte Ausgabe erschien am 20. Mai 1471 in Rom, in der Werkstatt des Druckers Georg Lauer; allerdings enthielt seine Ausgabe noch die Zusätze des Paulus Diaconus. Zur Wiederherstellung des ursprünglichen Textes des Breviarium ab urbe condita führten sukzessive Entdeckungen der erhaltenen Handschriften: Anton van Schoonhoven machte mit seiner 1545 fertiggestellten Ausgabe, die 1552 in Basel erschien, den Anfang, indem er mithilfe einer Handschrift aus Gent (heute in der Universitätsbibliothek Leiden, Bibliotheca Publica Latina 141) die meisten paulinischen Zusätze entfernte. Auf diesem Weg schritt Élie Vinet (Elias Vinetus) fort, der neben Schoonhovens Edition eine (später verschollene) Handschrift aus Bordeaux verwendete.[21] Besondere Bedeutung hatte die Ausgabe von Friedrich Sylburg (Frankfurt am Main 1590), da sie nicht nur die Lesarten der (später ebenfalls verschollenen) Handschrift aus Fulda mitteilte, sondern auch die (zuvor nie gedruckte) griechische Übersetzung des Paianios enthielt. Die Ausgaben des 17. und 18. Jahrhunderts trugen vor allem zur Kritik und Exegese des Textes bei, ohne neues handschriftliches Material heranzuziehen.

Nachdem Theodor Mommsen im Jahr 1866 die Bedeutung der ältesten Handschrift (Forschungsbibliothek Gotha, Ms. Memb. I, aus dem 9. Jahrhundert) erkannt hatte, lieferte Wilhelm Hartel 1872 zusammen mit seiner Eutropius-Ausgabe eine Monographie, in der er die Verhältnisse der ihm bekannten Handschriften untersuchte und die Eutropius-Handschriften von den paulinischen trennte.[22] Auf einem breiteren Fundament ruhte die Ausgabe in den Monumenta Germaniae Historica (MGH), die von Theodor Mommsen organisiert und von seinem Schüler Hans Droysen ausgeführt wurde. Sie enthielt nicht nur den lateinischen Text des Breviarium (auf der Grundlage von sieben Handschriften), sondern auch die griechischen Übersetzungen von Paianios und Kapiton sowie die Fortsetzungen von Paulus Diaconus und Landolfus Sagax. Wenige Jahre später veröffentlichten Carl Wagener und Franz Rühl ihre eigenen, auf jahrelangen Vorarbeiten beruhenden Editionen (1884 beziehungsweise 1887), die vor allem hinsichtlich der Textkonstitution über Droysen hinauskamen. Rühls im Teubner-Verlag erschienene Edition erfuhr die weiteste Verbreitung und wurde bis in die 1970er Jahre nachgedruckt. Ihr Text unterscheidet sich oft von dem der früheren Ausgaben, weil Rühl dazu neigte, die problematische Überlieferung der Handschriften durch Konjekturen oder abweichende Lesarten einzelner Handschriften zu glätten.

Auf dem von Hartel, Mommsen und Droysen gelegten Fundament baute in den 1960er Jahren Nino Scivoletto seine Studien zur Überlieferungsgeschichte des Breviarium auf. Er entwickelte nicht nur aufgrund von Binde- und Trennfehlern, sondern auch mit paläographischen Argumenten ein Stemma, das von zwei im frühen Mittelalter entstandenen Überlieferungssträngen ausgeht, einer gallischen und einer italischen Tradition. Auf Letztere geht nach seiner Ansicht die Historia Romana des Paulus Diaconus zurück, auf die Erstere drei weitere Handschriftengruppen, deren Vertreter teilweise Anzeichen von Kontamination erkennen lassen. Scivolettos Erkenntnisse flossen in die Eutropius-Edition seines Schülers Carlo Santini ein, der seinerseits eine weitere Handschriftengruppe in das Stemma einordnete. Santinis 1979 in der Bibliotheca Teubneriana erschienene Ausgabe teilte die Lesarten von 20 Handschriften mit, darunter sechs Paulus-Handschriften, und ordnete sie vier Überlieferungssträngen zu, die er (im Anschluss an Scivoletto) mit griechischen Minuskeln kennzeichnete:

  • Die erste Klasse (φ) besteht aus Sylburgs verlorener Fuldaer Handschrift und dem Gothaer Codex (Forschungsbibliothek Gotha, Ms. Memb. I, aus dem 9. Jahrhundert).
  • Die zweite Klasse (κ/λ/μ) enthält vier Handschriften des 11. und 12. Jahrhunderts, von denen einige unvollständig sind.
  • Die dritte Klasse (χ/ψ) setzt sich aus vier Handschriften vom 10. bis 13. Jahrhundert zusammen.
  • Die vierte Klasse (π) entspricht der Historia Romana des Paulus Diaconus.

Dazu kommen einzelne Handschriften, die entweder kontaminiert oder verloren sind und daher nicht sicher in das Stemma eingeordnet werden können, darunter der verlorene Codex Burdigalensis von Vinetus, die von Rühl entdeckten Exzerpte einer Petersburger Handschrift (9. Jahrhundert, Class. Lat. Q.v.9 = Dubrowski 327) und ein Exzerpt in der Universitätsbibliothek Bamberg (10. Jahrhundert, Class. 31 = E.III.22), das als einziges Eutropius’ Titel magister memoriae überliefert.

Santinis Ausgabe bildet seit ihrem Erscheinen die Grundlage für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Eutropius. Einem neuerwachten Interesse an der spätantiken Geschichtsschreibung entsprachen die (kommentierten) Übersetzungen und zweisprachigen Ausgaben, die ab den 1990er Jahren erschienen und vor allem als Studienausgaben gedacht waren: Harold W. Bird veröffentlichte 1993 eine englische Übersetzung mit Kommentar (Translated Texts for Historians), Friedhelm L. Müller 1995 eine lateinisch-deutsche Ausgabe mit Kommentar und Stéphane Ratti eine kommentierte lateinisch-französische Ausgabe der Bücher 7–9 (1997). Im Jahr 1999 legte Joseph Hellegouarc’h, der sich seit den 1970er Jahren mit Eutropius beschäftigte, seine auf Autopsie mehrerer Handschriften beruhende lateinisch-französische Ausgabe, die allerdings nicht von den Handschriftengruppen abwich, die Scivoletto und Santini etabliert hatten. Weitere Studienausgaben veröffentlichten Fabrizio Bordone (mit italienischer Übersetzung, Kommentar und einer Einleitung von Fabio Gasti, 2014) sowie Bruno Bleckmann und Jonathan Groß (mit deutscher Übersetzung und Kommentar, 2018).

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Übersetzungen und zweisprachige Ausgaben

  • Harold W. Bird: The Breviarum Ab Urbe Condita of Eutropius. Translated Texts for Historians. Liverpool 1993 (englische Übersetzung mit ausführlicher Einleitung und Kommentar).
  • Bruno Bleckmann, Jonathan Groß: Eutropius, Breviarium ab urbe condita. Kleine und fragmentarische Historiker der Spätantike B 3. Paderborn 2018, ISBN 978-3-506-78916-7 (deutsche Übersetzung mit philologischem und historischem Kommentar, letzterer nur für die Bücher 9–10).
  • Fabrizio Bordone: Eutropio: Storia di Roma. Grandi classici greci latini. Santarcangelo di Romagna 2014, ISBN 978-88-18-03023-5 (italienische Übersetzung mit Kommentar).
  • Friedhelm L. Müller: Eutropii breviarium ab urbe condita – Eutropius, Kurze Geschichte Roms seit Gründung (753 v. Chr.–364 n. Chr.). Einleitung, Text und Übersetzung, Anmerkungen, Index nominum a) geographicorum b) historicorum. Stuttgart 1995.
  • Stéphane Ratti: Les empereurs romains d’Auguste à Dioclétien dans le Bréviaire d’Eutrope. Les livres 7 à 9 du Bréviaire d’Eutrope: introduction, traduction et commentaire. Paris 1996 (französische Übersetzung der Bücher 7 bis 9 mit Kommentar).

Kritische Editionen

  • Carlo Santini: Eutropii Breviarium ab urbe condita. Leipzig 1979 (Bibliotheca Teubneriana): Maßgebliche Ausgabe auf Grundlage der wichtigsten Handschriften
  • Hans Droysen (Hrsg.): Auctores antiquissimi 2: Eutropi Breviarium ab urbe condita cum versionibus Graecis et Pauli Landolfique additamentis. Berlin 1879 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat): Umfangreiche Ausgabe mit textkritischem Apparat, Quellen- und Testimonienapparaten sowie den griechischen Übersetzungen und den Fortsetzungen des Paulus Diaconus und Landolfus Sagax

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Eutropius – Quellen und Volltexte

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Nino Scivoletto: La civilitas del IV secolo e il significato del Breviarium di Eutropio. In: Giornale Italiano di Filologia. Band 22 (1970), S. 14–45, hier S. 36–37 Anmerkung 48.
  2. Giorgio Bonamente, La dedica del „Breviarium“ e la carriera di Eutropio. In: Giornale Italiano di Filologia. Band 29 (1977), S. 274–297. Einwände gegen die Zuschreibung des Titels erhob Richard W. Burgess: Eutropius „v. c. magister memoriae?“. In: Classical Philology. Band 96 (2001), S. 76–81.
  3. Marcellus Empiricus, De medicamentis, Praefatio 2: cives ac maiores nostri, Siburius, Eutropius atque Ausonius.
  4. Priscian, Institutiones grammmaticae 1,3,8, in: Martin Hertz, Heinrich Keil: Grammatici Latini. Band 2, Leipzig 1855, S. 8, Zeile 19–20: sex ix ab i inchoat. id etiam Eutropius confirmat dicens: una duplex ix, quae ideo ab i incipit, quia apud Graecos in eandem desinit.
  5. a b Suda, Artikel „Eutropios“ (ε) 3375: Εὐτρόπιος· Ἰταλός, σοφιστής. τὴν Ῥωμαϊκὴν ἱστορίαν ἐπιτομικῶς τῇ Ἰταλῶν φωνῇ ἔγραψε καὶ ἄλλα. „Eutropius: Italiker, Sophist. Er schrieb ein kurzgefasstes römisches Geschichtswerk in italischer Sprache und anderes.“
  6. Libanios, Epistula 1307,6. Otto Seeck: Die Briefe des Libanius zeitlich geordnet. Leipzig 1906, S. 151–153.
  7. Patria Konstantinoupoleos I 58, in: Theodor Preger: Scriptores originum. Band 2, Leipzig 1907, S. 144: Εὐτρόπιός τε ὁ σοφιστὴς καὶ ἐπιστολογράφος Κωνσταντίνου. Kaiser Konstantin starb 327, weshalb man einen Irrtum der Chronik annehmen kann.
  8. Inschriftliche Belege bei Adolf Schulten: Zwei Erlasse des Kaisers Valens über die Provinz Asia. I. Erlaß an Eutropius über das Gemeindeland. In: Jahrbücher des Österreichischen Archäologischen Instituts. Band 9 (1906), S. 40–61. – Rudolf Heberdey: Zum Erlaß des Kaisers Valens an Eutropius. In: Jahrbücher des Österreichischen Archäologischen Instituts. Band 9 (1906), S. 182–192. – Hermann Wankel: Die Inschriften von Ephesos. Band 1.a, Bonn 1979, Nr. 42. (= Inschriften griechischer Städte aus Kleinasien 11).
  9. Ammianus Marcellinus, Res Gestae 29,1,36: Eutropius Asiam proconsulari tunc obtinens potestate, ut factionis conscius arcessitus in crimen, abscessit innocuus. Auf die Affäre spielt auch Libanios in seiner Autobiographie an (Oratio 1,159).
  10. Symmachus, Epistulae 46–53,
  11. Symmachus, Epistula 47: sed haec stilo exequenda tibi ante alios, cui pollet Minerva, concedimus.
  12. Otto Seeck: Q. Aurelii Symmachi quae supersunt. Berlin 1883, S. CXXXII.
  13. Eutropius, Breviarium ab urbe condita 10,18,3 (Übersetzung von Bruno Bleckmann).
  14. Giorgio Bonamente, La dedica del „Breviarium“ e la carriera di Eutropio. In: Giornale Italiano di Filologia. Band 29 (1977), S. 274–297. – Harold W. Bird: Eutropius and Festus: Some Reflections on the Empire and Imperial Policy in A. D. 369/370. In: Florilegium. Band 8 (1986), S. 11–22, hier 16.
  15. Harold W. Bird: Structure and Themes in Eutropius’ Breviarium. In: The Classical Bulletin. Band 66 (1990), S. 87–92.
  16. Wladimir Pirogoff: De Eutropii breviarii ab u. c. indole ac fontibus. Berlin 1873, S. 39–86; Gustav Reinhold: Das Geschichtswerk des Livius als Quelle späterer Historiker. Berlin 1898.
  17. Zu den wahrscheinlichen Quellen Eutrops siehe zusammenfassend Bruno Bleckmann, Jonathan Groß: Eutropius, Breviarium ab urbe condita. Kleine und fragmentarische Historiker der Spätantike B 3. Paderborn 2018, S. 19–23.
  18. Peter Lebrecht Schmidt: Eutropius. In: Reinhart Herzog (Hrsg.): Restauration und Erneuerung. Die lateinische Literatur von 284 bis 374 n. Chr. (= Handbuch der lateinischen Literatur der Antike, Band 5). C. H. Beck, München 1989, ISBN 3-406-31863-0, S. 201–207
  19. Suda, Artikel „Kapiton“ (κ 342): „Kapiton: Lykier, Historiker. Dieser verfasste … eine Übersetzung des Breviarium des Eutropius, der auf Lateinisch den Römer Livius ausgezogen hatte“ (Καπίτων· Λύκιος, ἱστορικός. οὗτος ἔγραψεν … μετάφρασιν τῆς ἐπιτομῆς Εὐτροπίου Ῥωμαϊστὶ ἐπιτεμόντος Λίβιον τὸν Ῥωμαῖον).
  20. Lars Boje Mortensen, The Diffusion on Roman Histories in the Middle Ages: A List of Orosius, Eutropius, Paulus Diaconus and Landolfus Sagax Manuscripts. In: Filologica Mediolatina. Band 6–7 (1999–2000), S. 101–200, hier S. 115.
  21. Hans Droysen: Die Eutropausgaben von Schoonhoven und E. Vinetus. In: Hermes. Band 12 (1877), S. 385–386.
  22. Wilhelm Hartel: Eutropius und Paulus Diaconus. In: Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Band 71 (1872), S. 227–310.