Führereid

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Führereid oder Eid auf den Führer benennt einen Eid, der während der Zeit des Nationalsozialismus von verschiedenen Personengruppen verlangt wurde. Im militärischem Kontext wurde manchmal synonym von Fahneneid gesprochen.

Nach dem Tod des greisen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (* 2. Oktober 1847 in Posen; † 2. August 1934 auf Gut Neudeck, Ostpreußen) wurden die Ämter des Reichskanzlers und des Staatsoberhaupts auf Adolf Hitler verschmolzen. Die Reichswehrsoldaten leisteten von nun an ihren militärischen Eid auf den „Führer und Reichskanzler“ Hitler.

Eid[Bearbeiten]

Reichswehr und Wehrmacht[Bearbeiten]

  • Reichswehreid (ab März/Mai 1935 für die Wehrmacht) vom 2. August 1934:
„Ich schwöre bei Gott diesen heiligen Eid, dass ich dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, unbedingten Gehorsam leisten und als tapferer Soldat bereit sein will, jederzeit für diesen Eid mein Leben einzusetzen.“

1919 hatten die Soldaten noch der Reichsverfassung Treue geschworen und gelobt, das Deutsche Reich und seine gesetzmäßigen Einrichtungen zu schützen. 1933 wurde diese Eidesformel abgelöst durch das Treuegelöbnis für „Volk und Vaterland“. Im Führereid von 1934 wurde diese Bestimmung personalisiert und durch den Namen Adolf Hitlers ersetzt.

Walter von Reichenau, der maßgeblich am Aufbau der Wehrmacht beteiligt war, diktierte seinem Mitarbeiter Hermann Foertsch diese Eidesformel zur Niederschrift. Nach Sprechen der Eidesformel hatten die Soldaten in ein auf Hitler ausgerufenes ‚Hurra‘ einzustimmen.[1]

SS[Bearbeiten]

„Ich schwöre Dir, Adolf Hitler, als Führer und Kanzler des Deutschen Reiches, Treue und Tapferkeit.
Ich gelobe Dir und den von Dir bestimmten Vorgesetzten Gehorsam bis in den Tod! So wahr mir Gott helfe!“

Beamte[Bearbeiten]

Das Deutsche Beamtengesetz vom 26. Januar 1937 legte fest:

„Ein im deutschen Volk wurzelndes, von nationalsozialistischer Weltanschauung durchdrungenes Berufsbeamtentum, das dem Führer des Deutschen Reichs und Volkes, Adolf Hitler, in Treue verbunden ist, bildet einen Grundpfeiler des nationalsozialistischen Staates. Daher hat die Reichsregierung das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:

§ 1. (1) Der deutsche Beamte steht zum Führer und zum Reich in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis (Beamtenverhältnis).

(2) Er ist der Vollstrecker des Willens des von der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei getragenen Staates.

(3) Der Staat fordert von dem Beamten unbedingten Gehorsam und äußerste Pflichterfüllung; er sichert ihm dafür seine Lebensstellung.

§ 3. (1) Die Berufung in das Beamtenverhältnis ist ein Vertrauensbeweis der Staatsführung, den der Beamte dadurch zu rechtfertigen hat, daß er sich der erhöhten Pflichten, die ihm seine Stellung auferlegt, stets bewußt ist. Führer und Reich verlangen von ihm echte Vaterlandsliebe, Opferbereitschaft und volle Hingabe der Arbeitskraft, Gehorsam gegenüber den Vorgesetzten und Kameradschaftlichkeit gegenüber den Mitarbeitern. Allen Volksgenossen soll er ein Vorbild treuer Pflichterfüllung sein. Dem Führer, der ihm seinen besonderen Schutz zusichert, hat er Treue bis zum Tode zu halten.

(2) Der Beamte hat jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat einzutreten und sich in seinem gesamten Verhalten von der Tatsache leiten zu lassen, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei in unlöslicher Verbundenheit mit dem Volke die Trägerin des deutschen Staatsgedankens ist. Er hat Vorgänge, die den Bestand des Reichs oder der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei gefährden könnten, auch dann, wenn sie ihm nicht vermöge seines Amtes bekanntgeworden sind, zur Kenntnis seines Dienstvorgesetzten zu bringen.

(3) Der Beamte ist für gewissenhafte Erfüllung seiner Amtspflichten verantwortlich. Durch sein Verhalten in und außer dem Amte hat er sich der Achtung und des Vertrauens, die seinem Berufe entgegengebracht werden, würdig zu zeigen. Er darf nicht dulden, daß ein seinem Hausstande angehörendes Familienmitglied eine unehrenhafte Tätigkeit ausübt.

2. Treueid

§ 4. (1) Die besondere Verbundenheit mit Führer und Reich bekräftigt der Beamte mit folgendem Eide, den er bei Antritt seines ersten Dienstes zu leisten hat:

„Ich schwöre: Ich werde dem Führer des Deutschen Reiches und Volkes, Adolf Hitler, treu und gehorsam sein, die Gesetze beachten und meine Amtspflichten gewissenhaft erfüllen, so wahr mir Gott helfe“.

(2) Gestattet ein Gesetz den Mitgliedern einer Religionsgesellschaft an Stelle des Eides andere Beteuerungsformeln zu gebrauchen, so kann der Beamte, der Mitglied einer solchen Religionsgesellschaft ist, diese Beteuerungsformel sprechen.

(3) Erklärt der Beamte, daß er Bedenken habe, den Eid in religiöser Form zu leisten, so kann er ihn ohne die Schlußworte leisten.“[2]

Weitere Personengruppen[Bearbeiten]

Von Hochschulprofessoren wurde der Eid verlangt; ebenso von Krankenschwestern (siehe Krankenpflege im Nationalsozialismus) und von manchen Studentengruppen (z. B. verweigerte 1935 der Theologiestudent Heinz Welke den Eid).

In Teilen der evangelischen Kirche war der Eid umstritten (vgl. Paul Schempp). Die Bekennende Kirche lehnte ihn ab. Die evangelische Strömung Deutsche Christen und der Lutherrat befürworteten ihn; die Landesbischöfe der intakten Landeskirchen verlangten ihn dann von ihren Pastoren.

Sonstiges[Bearbeiten]

1935 wurde die Wehrpflicht im Deutschen Reich wiedereingeführt: Seither drohten Kriegsdienstverweigerern schwere Zuchthausstrafen – in der Regel Einweisung in ein KZ – und bei Festhalten ihrer Verweigerung die Todesstrafe.

Während des Zweiten Weltkriegs verfügte § 5 der Kriegssonderstrafrechtsverordnung (KSSVO):[3]

Jeder wird mit dem Tod bestraft, der es wagen sollte, den Fahneneid auf Adolf Hitler oder den Kriegsdienst zu verweigern.

Verweigernde Soldaten wurden in der Regel standrechtlich erschossen.

Dennoch gab es bis 1945 etwa 8000 Verweigerer, etwa 6000 davon kriegs- und eidverweigernde Zeugen Jehovas. Von ihnen starben etwa 1200 (635 davon an Haftbedingungen) oder wurden ohne Gerichtsurteil in Haft ermordet; 203[4] – nach anderen Angaben 250[5] – davon aufgrund eines Gerichtsurteils wegen ihrer Kriegsdienstverweigerung (siehe Zeugen Jehovas im Nationalsozialismus).

Von einigen Attentätern des 20. Juli 1944 ist bekannt, dass sie sich – trotz ihrer Konspiration gegen Hitler – in starkem Maße durch diesen Eid gebunden fühlten. Andere hingegen maßen ihm kein Gewicht bei, weil sie sich zum Eid gepresst fühlten.

Viele Regimegegner wurden, nachdem ihr Widerstand kriminalisiert worden war, in ein sogenanntes Bewährungsbataillon gepresst – zum Beispiel stellte man sie vor die Wahl „KZ oder Front“. Ab Juli 1941 begann die Wehrmacht damit, erste Soldaten zur Strafdivision 500 einzuberufen. Im Oktober 1942 wurde die Strafdivision 999 aufgestellt. Beide mussten oft in vorderster Front kämpfen. Daneben gab es folgendes Procedere: ein Systemkritiker – zum Beispiel ein Priester oder Pastor, der mit kritischen Predigten aufgefallen war – wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Seine Vorgesetzten bekamen die Order, ihn an vorderster Front einzusetzen.

Bekannte Verweigerer des Führereides[Bearbeiten]

  • Karl Barth (Schweizer Theologe); Folge: Verlust der Professur
  • Kurt von Fritz (Hochschullehrer); Folge: zwangsweise Versetzung in den Ruhestand
  • Martin Gauger (Rechtsassessor bei Staatsanwalt Wuppertal); Folge: ausgeschieden aus der Staatsanwaltschaft
  • Franz Heckenast (Österreichischer Offizier), nach dem „Anschluss“; Folge: Zwangspensionierung
  • Paul Jacobs (Pastor und Professor in Münster)
  • Hermann Klugkist Hesse (Theologe und Kirchenhistoriker)
  • Erica Küppers (Theologin aus Hessen); Folge: zwangsweise in den Ruhestand versetzt
  • Josef Mayr-Nusser (Bozen), nach Einberufung zur Waffen-SS; Folge: Todesurteil, auf dem Weg in das KZ Dachau gestorben
  • Franz Reinisch (Pallottiner Pater aus Österreich), nach Einberufung zur Wehrmacht; Folge: Hinrichtung
  • Theodor Roller (CVJM-Mitglied aus Tübingen); Folge: psychiatrische Einweisung
  • Joseph Ruf („Bruder Maurus“ der Christkönigsgesellschaft), in der Wehrmacht; Folge: Hinrichtung
  • Ulrich Sporleder (ev. Theologe), beim seinem 2. Theologischen Examen 1940; Folge: Keine Anklage
  • Karl Steinbauer (ev.-luth. Theologe)
  • Rudolf Towarek (Generalmajor in Österreich), nach dem „Anschluss“; Folge: Zwangspensionierung
  • Hellmut Traub (Theologe)
  • Ernst Volkmann (Gitarrenbauer aus Bregenz), nach Einberufung zur Wehrmacht; Folge: Hinrichtung
  • Ludwig Walz (Bekleidungskaufmann und Bürgermeister), nach Einberufung zur Wehrmacht; Folge: drei Tage Gefängnis
  • Heinz Welke (Theologe aus Frankfurt), verweigerte als Student
  • Ingeborg Willrich (Lehrerin); Folge: u. a. ohne Anspruch auf Ruhegehalt in den Ruhestand versetzt

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Tief eingetaucht. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1969 (online).
  2. Beamtengesetz von 1937 (voller Wortlaut)
  3. § 5 KSSVO Zersetzung der Wehrkraft
  4. Eberhard Röhm: Sterben für den Frieden. Calwer, Stuttgart 1985, S. 213.
  5. G. Grünewald: Kriegsdienstverweigerung. In: Hermes Handlexikon (Hrsg.): Helmut Donat, Karl Holl: Die Friedensbewegung. Econ, Düsseldorf 1983, ISBN 3-612-10024-6, S. 236–239.

Weblinks[Bearbeiten]