Fabian Leendertz

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Fabian Hubertus Leendertz (* 11. November 1972 in Krefeld) ist ein deutscher Biologe und Veterinärmediziner. Er ist Experte für Zoonosen und leitet aktuell am Robert Koch-Institut die Projektgruppe Epidemiologie hochpathogener Erreger.

Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leendertz absolvierte von 1992 bis 1995 ein Biologiestudium an der Universität Bayreuth, das er mit einem Diplom abschloss. Anschließend studierte er von 1995 bis 1996 Veterinärmedizin an der University of Veterinary Science in Budapest, welches er ab 1996 an der Freien Universität Berlin (FU) fortsetzte und im Jahr 2000 abschloss. Im selben Jahr erhielt er seine Approbation als Tierarzt.[1]

Für seine Promotion an der FU Berlin forschte Leendertz von 2000 bis 2005 in Zusammenarbeit mit dem Robert Koch-Institut in Berlin und dem Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig zum Thema Krankheiten bei wildlebenden Schimpansen.[2] Während dieser Zeit verbrachte er auch 14 Monate am Stück im Taï-Nationalpark, Côte d Ivoire.[3]

Von 2005 bis 2007 leitete Leendertz am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig die Forschungsgruppe „Krankheiten von Primaten“, um dann 2007 an das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin zu wechseln, wo er Leiter der Nachwuchsgruppe „Emerging Zoonoses“ (Neu auftretende Zoonosen) wurde. Seit 2012 leitet er ebenfalls am RKI die Projektgruppe „Epidemiologie hochpathogener Erreger“.[2]

Im Jahr 2016 habilitierte er sich an der FU Berlin in Mikrobiologie im Bereich Veterinärmedizin mit einer Arbeit zum Thema „Emergence of zoonotic pathogens at the human-wildlife interface: prevalence and transmission of retroviruses among primates“.[4] 2017 wurde er zum Privatdozenten am Institut für Mikrobiologie und Tierseuchen der FU Berlin ernannt.[2]

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leendertz hat sich in seiner Forschung auf Primaten spezialisiert und insbesondere Erreger untersucht, an denen diese erkranken und die auch vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragen werden können. Regelmäßige Forschungsaufenthalte im Taï-Nationalpark, Côte d Ivoire, waren dabei Teil seiner Arbeit. In toten Schimpansen konnte er u. a. den atypischen Milzbrand-Erreger Bacillus cereus biovar anthracis nachweisen, der auch für den Menschen gefährlich sein könnte.[1] 2014 rekonstruierte er mit einer von ihm geleiteten internationalen Forschergruppe den Ursprung der Ebola-Epidemie in Guinea, die sehr wahrscheinlich auf einen zufälligen Kontakt eines Kindes mit einer infizierten Mops-Fledermaus zurückzuführen war.[5][6]

Leendertz und seine Arbeitsgruppe waren auch beteiligt am Nachweis von Lepra in Schimpansen.[7][8]

Im Dezember 2020 wurde Leendertz in die von der Weltgesundheitsorganisation WHO zusammengestellte 10-köpfige Expertengruppe berufen, die den Ursprung der Covid-19-Pandemie erforschen soll.[9][10] Aus familiären Gründen konnte er allerdings die vierwöchige Exkursion des WHO-Teams nach China, die im Januar und Februar 2021 stattfand, nur aus der Ferne begleiten.[11]

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2005 Mitglied der IUCN Wildlife Health Specialist Group[12]
  • 2005 Nachwuchsförderpreis der Ursula – und Heinz-Klös-Stiftung der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft
  • 2006 Eugen Grimminger Preis für Zoonosenforschung (price for research on zoonoses)
  • 2013 Member of Scientific Council of GRASP (Great Apes Survival Partnership by the United Nations)[13]
  • 2014 Förderpreis für Zoonose-Forschung verliehen durch die “Akademie für Tiergesundheit”[14]
  • 2016 Vice President of the NGO “Une santé pour tous”, Côte d’Ivoire.
  • 2020 UN „Champion of the Earth” in der Kategorie “Wissenschaft und Innovation“[15][16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Fabian Hubertus Leendertz: Krankheiten bei wildlebenden Schimpansen im Taï-Nationalpark, Côte d Ivoire. Berlin 2006, doi:10.17169/refubium-13247 (fu-berlin.de [abgerufen am 10. Februar 2021]).
  2. a b c The Leendertz Lab - People. Abgerufen am 10. Februar 2021 (englisch).
  3. Kai Kupferschmidt: This wildlife vet tracks deadly microbes in the African jungle. Now, he’s on the trail of COVID-19. ScienceMag, 28. Januar 2021, abgerufen am 10. Februar 2021 (englisch).
  4. Fabian H. Leendertz: Emergence of zoonotic pathogens at the human-wildlife interface: prevalence and transmission of retroviruses among primates. Berlin 2016 (dnb.de [abgerufen am 10. Februar 2021]).
  5. Almudena Marí Saéz, Sabrina Weiss, Kathrin Nowak, Vincent Lapeyre, ...Fabian H. Leendertz: Investigating the zoonotic origin of the West African Ebola epidemic. In: EMBO Molecular Medicine. Band 7, Nr. 1, 1. Januar 2015, ISSN 1757-4676, S. 17–23, doi:10.15252/emmm.201404792, PMID 25550396, PMC 4309665 (freier Volltext) – (embopress.org [abgerufen am 10. Februar 2021]).
  6. Der erste Kontakt - Wissenschaftler des RKI rekonstruieren den Ursprung der Ebolafieber-Epidemie. RKI, 18. März 2015, abgerufen am 10. Februar 2021.
  7. Schimpansen stecken sich aus unbekannter Quelle mit Lepra an. In: Der Tagesspiegel. 19. Dezember 2020, abgerufen am 10. Februar 2021.
  8. Kai Kupferschmidt: Leprosy, ancient scourge of humans, found to assail wild chimpanzees. ScienceMag, 11. November 2020, abgerufen am 10. Februar 2021 (englisch).
  9. DER SPIEGEL: Suche nach Ursprung des Coronavirus: WHO besetzt Corona-Expertengruppe - ohne Christian Drosten. 27. November 2020, abgerufen am 11. Februar 2021.
  10. Coronakrise: Die heikle Suche nach dem Ursprung des Coronavirus. Wirtschaftswoche, 5. Dezember 2020, abgerufen am 11. Februar 2021.
  11. WHO-Mission - Die Suche nach dem Ursprung des Coronavirus. Deutschlandfunk, 14. Januar 2021, abgerufen am 11. Februar 2021.
  12. Member List | IUCN Wildlife Health Specialist Group. Abgerufen am 11. Februar 2021.
  13. Scientific commission | UN-GRASP. Abgerufen am 11. Februar 2021 (amerikanisches Englisch).
  14. Deutsche Gesellschaft für Züchtungskunde e.V. (DGfZ): Akademie für Tiergesundheit vergibt Förderpreis 2014 an Infektionsmediziner. Abgerufen am 11. Februar 2021 (deutsch).
  15. UN „Champion of the Earth” Auszeichnung 2020 geht an einen Zoonosenforscher | Nationale Forschungsplattform für Zoonosen. 11. Dezember 2020, abgerufen am 11. Februar 2021.
  16. UNEP: Six environmental trailblazers honoured as UNEP Champions of the Earth. 10. Dezember 2020, abgerufen am 11. Februar 2021 (englisch).