Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie

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Max-Planck-Institut für
evolutionäre Anthropologie
Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie
Ansicht des MPI von Norden
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Max-Planck-Gesellschaft
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: München
Standort der Einrichtung: Leipzig
Art der Forschung: Grundlagenforschung
Fächer: Humanwissenschaft
Fachgebiete: Sozialwissenschaften, Anthropologie
Grundfinanzierung: Bund (50 %), Länder (50 %)
Leitung: Daniel Haun (Geschäftsführender Direktor)[1]
Mitarbeiter: 452 (Stand Ende 2013)
Homepage: www.eva.mpg.de

Das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie (kurz MPI EVA) ist eine 1997 gegründete außeruniversitäre Forschungseinrichtung unter der Trägerschaft der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und hat seinen Sitz in Leipzig. Das Institut betreibt Grundlagenforschung zur Evolutionsgeschichte der Menschheit.

Das Institut befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Deutschen Bücherei, zur Bio City Leipzig und zum Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie.

Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut hat sich zum Ziel gesetzt, die biologische und kulturelle Evolution der Menschheit mithilfe vergleichender Analysen der Verschiedenheit von Genen, Kulturen, kognitiven Fähigkeiten, Sprachen und sozialen Systemen vergangener und gegenwärtiger menschlicher Populationen sowie Gruppen dem Menschen nahe verwandter Primaten zu untersuchen. Die Zusammenführung dieser Forschungsrichtungen an einem Institut soll zu neuen Einsichten in die Geschichte, die Vielfalt, die Anpassungen und die Fähigkeiten der Art des Menschen (Homo sapiens) führen.

Abteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Institutsgebäude in Leipzig

Das Institut gliedert sich in sechs Abteilungen:

Evolutionäre Genetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abteilung Evolutionäre Genetik wird geleitet von Svante Pääbo und beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die DNA von Menschen, Neandertalern und Menschenaffen entwickelt und diversifiziert hat. Dazu wird sowohl die DNA von lebenden Menschen und Affen untersucht, als auch Methoden entwickelt, wie DNA aus archäologischen Funden gewonnen und analysiert werden kann. Hierzu zählt unter anderem die DNA-Sequenzierung des Neandertaler-Genoms.

Vergleichende Kulturpsychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abteilung für Vergleichende Kulturpsychologie, unter der Leitung von Daniel Haun, kombiniert Ansätze der Entwicklungs-, Kulturübergreifenden und Vergleichenden Psychologie, um die einzigartige menschliche kulturelle Vielfalt und die universellen kognitiven Mechanismen, die sie ermöglichen und einschränken, zu untersuchen.

Humanevolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Abteilung Humanevolution unter Leitung von Jean-Jacques Hublin werden fossile Funde untersucht, um Erkenntnisse über das Leben prähistorischer Menschen zu gewinnen. Zu diesem Zweck werden unter anderem 3D-Animationen eingesetzt. Von besonderem Interesse sind die Entwicklung der Gehirngröße und Ernährungsgewohnheiten.

Verhalten, Ökologie und Kultur des Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diese Ableitung wird von Richard McElreath geleitet und befasst sich mit kulturellen Aspekten menschlicher Evolution.

Archäogenetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Johannes Krause geleitete Abteilung erforscht die menschliche Vorgeschichte etwa der letzten zehntausend Jahre anhand von genetischen Informationen, die aus alten menschlichen Überresten gewonnen wurden. Sie ist im Jahr 2020 vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena an das Leipziger MPI umgezogen.[2]

Sprach- und Kulturevolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Russell Gray ist der Leiter einer Abteilung, in der die sprachliche Diversifizierung der Menschheit in den letzten 10000 Jahren vorwiegend anhand von quantitativen Methoden aus der Evolutionsbiologie untersucht wird. Ein Schwerpunkt liegt hier auf den Sprachen der austronesischen Familie. Außerdem werden die evolutionären Methoden auch auf andere Aspekte der Kulturevolution angewandt. Auch diese Abteilung war zwischen 2015 und 2020 am Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte angesiedelt.

Ehemalige Abteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Linguistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Abteilung Linguistik wurde von Bernard Comrie bis zu dessen Pensionierung Ende Mai 2015 geleitet und anschließend geschlossen. Hier suchte man nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden in den menschlichen Sprachen, etwa durch den Weltatlas der Sprachstrukturen. Unter anderem wurde ein Stammbaum der Sprachen entwickelt, und mit Abstammungsbäumen verglichen, die zum Beispiel auf genetischen Untersuchungen beruhen.

Vergleichende und Entwicklungspsychologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Abteilung Vergleichende und Entwicklungspsychologie unter Leitung von Michael Tomasello beobachtete Menschenaffen im Wolfgang-Köhler-Primaten-Forschungszentrum und untersuchte die kognitiven und sozialen Fähigkeiten von Menschenaffen. Zwei weitere Forschungsschwerpunkte lagen auf der Entstehung sozialer Kognition und dem kindlichen Spracherwerb.

Primatologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die von Christophe Boesch geleitete Abteilung Primatologie beschäftigt sich mit der Beobachtung von frei lebenden Menschenaffen. Es werden vor allem die Entwicklung und Erhaltung sozialer Systeme, die Lernfähigkeit und die Fortpflanzungsstrategien von Menschenaffen im Vergleich zu Menschen untersucht. Eine Forschungsgruppe hat sogar schon Ansätze von „Kultur“ bei Schimpansen festgestellt, das heißt Verhaltensmuster, die nicht genetisch bedingt und nicht von der Umwelt beeinflusst, sondern durch Nachahmen weitergegeben werden.

International Max Planck Research Schools[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das MPI EVA ist an zwei International Max Planck Research Schools (IMPRS) beteiligt: Neuroscience of Communication: Function, Structure, and Plasticity (NeuroCom) (zusammen mit dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, der Universität Leipzig und dem Institute of Cognitive Neuroscience am University College London) und Leipzig School of Human Origins (zusammen mit der Universität Leipzig). Sprecher der IMPRS Human Origins ist der Primatologe Christophe Boesch.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der geschäftsführende Direktor ist Daniel Haun (Stand Januar 2021). Ende 2017 waren insgesamt 444 Mitarbeiter am Institut tätig, darunter 89 Wissenschaftler und 202 Nachwuchs- und Gastwissenschaftler; dazu kommen im Berichtsjahr 78 Drittmittelbeschäftigte.[1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Institutsleitung. Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, abgerufen am 10. September 2018.
  2. Neuausrichtung des MPI für Menschheitsgeschichte

Koordinaten: 51° 19′ 15,8″ N, 12° 23′ 41,5″ O