Fahrradklingel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Eine Fahrradklingel dient als Signalgerät dazu, sich als Radfahrer im Straßenverkehr akustisch durch Schallzeichen bemerkbar zu machen oder vor einer Gefahr zu warnen, entsprechend der Hupe von Kraftfahrzeugen. Die meisten Modelle sind helltönende Metallglocken und erzeugen ihren Ton mit Hilfe eines äußeren Schlägels oder eines inneren Zahnrad-Mechanimus.

Historische Fahrradglocke

Verkehrsrecht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland

In Deutschland ist die Fahrradklingel durch § 64a Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) vorgeschrieben: Fahrräder und Schlitten müssen mit mindestens einer helltönenden Glocke ausgerüstet sein; ausgenommen sind Handschlitten. Andere Einrichtungen für Schallzeichen dürfen an diesen Fahrzeugen nicht angebracht sein. An Fahrrädern sind auch Radlaufglocken nicht zulässig.

Die alte Norm Glocken für Fahrräder und Fahrräder mit Hilfsmotor DIN ISO 7636:1986-02 wurde – Datum in Bezeichnungen enthalten – durch die DIN 33946:2010-09 ersetzt.[1] Sie schreibt mindestens 85 dB Schalldruck in Anforderungen und Prüfung vor,[2] was nicht jede Fahrradglocke erfüllt.[3]

Österreich

In Österreich schreibt § 1 der Fahrradverordnung nur eine Vorrichtung zur Abgabe von akustischen Warnzeichen vor. Neben einer Fahrradklingel ist auch eine Hupe erlaubt.

Lenkerklingel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einton-Klingel
Zweiton-Glocke
Kinderklingel

Lenkerklingeln sind am Lenker oder an der Lenkstange montiert. Besonders populär sind Modelle, die aus einer kleinen Glocke und einem äußeren Schlägel bestehen, der an einer Feder befestigt ist. Daneben gibt es auch Lenkerklingeln, die eine innenliegende Mechanik besitzen. Hier gibt es meist zwei frei gelagerte Metallscheiben, die an die Glocke schlagen. Sie werden mithilfe einer Zahnradmechanik in Rotation um eine Zentrale Achse versetzt und stoßen aufgrund der Zentrifugalkraft mehrfach während eines Klingelvorgangs gegen die Glocke, welche die Mechanik umschließt. Die Abfolge der schnellen häufigen Stößen lässt das typische Klingelgeräusch entstehen.

Die Lenkerklingeln sind wartungsfrei und allwettertauglich. Eine elektrische Energieversorgung ist nicht notwendig. Es existieren Modelle in verschiedenen Größen und Designs.

Radlaufglocke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

lili rere
Radlaufglocke (Sturmklingel)

Bei der Radlaufglocke wird das Läutwerk ähnlich dem Fahrraddynamo durch die Bewegung des Rades mitgenommen, die Klingel selbst per Bowdenzug oder Schnur betätigt. Sie erzeugt ein lautes und stetiges Klingeln, ähnlich dem einer Straßenbahn. Die Radlaufglocke wurde in der Bundesrepublik Deutschland 1960 wegen der damit verbundenen „Lärmbelästigung“ verboten.[4] Angesichts des schon damals üblichen Lärmpegels im Straßenverkehr wurde dieses Verbot von Radfahrern wiederholt kritisiert, da sich der Radler nur mit einer solchen Klingel gegenüber dem Autofahrer hörbar machen könne und die Lautstärke einer für Kfz vorgeschriebenen Hupe diejenige einer Sturmklingel ohnehin bei weitem übertreffe. 1985 setzte ein Münchner Radfahrer mit dieser Begründung gerichtlich eine individuelle Sondergenehmigung für Sturmklingel und helle Fahrradbeleuchtung durch.[5] Bei Stillstand des Fahrrades kann die Radlaufglocke im Gegensatz zur Fahrradklingel nicht benutzt werden.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bierseidel mit Klingel

Gelegentlich werden Fahrradglocken auch an anderen Gegenständen befestigt, wodurch deren Besitzer durch Betätigung des Läutmechanismus besondere Aufmerksamkeit auf sich lenken wollen. So finden sich Fahrradklingeln auf Wanderstöcken, Servierbrettern für alkoholische Getränke (insbesondere Schnäpse) oder Bierkrügen.

Fahrradklingeln wurden auch als Musikinstrument genutzt, z. B. in You Still Believe in Me von The Beach Boys,[6] Bicycle Race von Queen und etlichen Werken von P. D. Q. Bach.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fahrradklingeln – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Fahrradklingel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.beuth.de/de/norm/din-33946/133320273 abgerufen am 3. November 2015
  2. Olaf Schultz: Hörbarkeit von Fahrradklingeln, Fahrradzukunft, Ausgabe 20, Juni 2015
  3. Straßenverkehr – Viele Fahrrad-Klingeln sind zu leise, Deutschlandfunk, Forschung aktuell vom 2. November 2015
  4. Begründung laut Verkehrsblatt 1960, 473: „Das Verbot der Radlaufglocken, mit denen immer wieder Mißbrauch getrieben wurde, soll der Lärmbelästigung entgegenwirken.“ Zitiert nach Archivlink (Memento des Originals vom 19. März 2008 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.fahrrad-richter.de
  5. Rechtskräftiges Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtes München vom 30. Januar 1985, Az. M 6277 VI 84. In: „Radfahren“ 5/85, S. 48 [Loew85]. Zitiert nach http://www.enhydralutris.de/Fahrrad/Beleuchtung.pdf
  6. Adam Webb: Brian Wilson Presents Pet Sounds Live In London (DVD) Review. BBC. 7. November 2003. Abgerufen am 3. Juli 2011.