Faith Ringgold

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Faith Ringgold (21. April 2017)

Faith Ringgold (geboren als Faith Will Jones am 8. Oktober 1930 in New York City) ist eine afroamerikanische Künstlerin. Sie schuf Gemälde, die Themen der Bürgerrechtsbewegung gewidmet sind, und ist für ihre narrativen Quilts bekannt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wuchs als Faith Will Jones im New Yorker Stadtteil Harlem als jüngstes von vier Kindern auf. Die Kultur der Harlem Renaissance spielte in ihrem Elternhaus eine zentrale Rolle. Da sie als Kind an Asthma litt, verbrachte sie viel Zeit zu Hause mit ihrer Mutter, einer Modedesignerin, die für schwarze Frauen in Harlem entwarf. Von ihr lernte sie zu nähen und den kreativen Umgang mit Stoff.

Ab 1950 studierte sie Kunstpädagogik am City College of New York, nachdem sie für das Fach Bildende Kunst abgelehnt worden war. Im selben Jahr heiratete sie den Jazz-Musiker Robert Earl Wallace und gebar zwei Töchter. Sie trennte sich 1954 von ihm, zog die Kinder allein auf und arbeitete als Kunstlehrerin in öffentlichen Schulen. Ihr Studium schloss sie 1959 mit dem Master ab. 1962 heiratete sie Burdette Ringgold.

Ende der 1960er Jahre wurde sie politisch aktiv. Sie protestierte gegen die Ausgrenzung schwarzer und weiblicher Künstler durch das Whitney Museum of American Art und das Museum of Modern Art und war 1971 Mitbegründerin der Gruppe Where We At afroamerikanischer Künstlerinnen.[1]

1973 gab sie ihren Beruf als Lehrerin auf und widmete sich nur mehr ihrer Kunst. Von 1984 bis 2002 war sie Professorin an der University of California in San Diego. Sie lebt und arbeitet heute in La Jolla, Kalifornien, und Englewood (New Jersey). Eine ihrer Töchter ist die Autorin Michele Wallace.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit einer Reihe von Ölgemälden und Postern ab den späten 1960er Jahre vermittelte sie antirassistische Botschaften. In der Serie American People porträtierte sie Ikonen der Bürgerrechtsbewegung aus weiblicher Sicht. Werke wie Neighbors, Die, The Flag Is Bleeding und The Harlem Series reflektieren die Themen und Auseinandersetzungen dieser Zeit. Ihre erste Einzelausstellung im Jahr 1967 war dieser Serie gewidmet. Eines ihrer Hauptwerke, die Darstellung blutiger Rassenunruhen in Detroit 1967, hängt nunmehr im New Yorker Museum of Modern Art neben Picassos Gemälde Les Demoiselles d’Avignon aus dem Jahr 1907.[2] In den 1970er Jahren kreierte sie Masken im afrikanischen Stil und malte politische Plakate zur Unterstützung von Angela Davis oder der Black Panther.

Bei einem Besuch im Rijksmuseum in Amsterdam war sie von der Sammlung tibetischer Thangka-Malereien so beeindruckt, dass sie nach ihrer Rückkehr begann ähnliche Elemente in ihre Arbeit einzubeziehen. Die tragbaren Rollbilder inspirierten sie ab den 1980er Jahren narrative Quilts zu gestalten, die rasch Bekanntheit erlangten. Ihr erster Quilt, Echoes of Harlem, war ihrer Mutter gewidmet. Mit dem Quilt Who’s Afraid of Aunt Jemima? (1983) begann sie, Bild und handgeschriebenen Text zu einer Erzählung zu kombinieren. Women on a Bridge (1988) ist eine Serie von farbenfrohen Quilts, die Geschichten von Frauen erzählen, die im städtischen Nachthimmel über Brücken fliegen. Das Motiv bedeutet für Ringgold Befreiung.[3] Ringgolds Gebrauch von handwerklichen Techniken ignoriert die traditionelle Unterscheidung zwischen bildender Kunst und Kunsthandwerk.

Ringgold unternahm mit ihrer Mutter und ihren Töchtern mehrere Reise nach Frankreich, um die Kunst der europäischen Meister zu erkunden.[4] The French Collection, 1991-1994, eine Serie mit zwölfs Quilts, erzählt von der Abwesenheit afroamerikanischer Frauen in der Kunstwelt.

In den 1990er Jahren präsentierte sie sich auch als Autorin von Literatur für Kinder und hat seitdem 15 Kinderbücher geschrieben und illustriert.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Autobiografie

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kari Herbert: Rebel Artists: 15 Malerinnen, die es der Welt gezeigt haben. 2. Auflage, C.H. Beck, München 2019, ISBN 978-3-406-74147-0, S. 98–105 (= Faith Ringgold, USA: Genähte Geschichte, S. 98–105).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Faith Ringgold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Quellen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siddhartha Mitter: Revolutionary Sisters: Artwork Forged in the Crucible of Battles Over Feminism, in: The Village Voice, 29. März 2017
  2. New York Times: MoMA Reboots With 'Modernism Plus', 10. Oktober 2019
  3. Nancy Spector: Faith Ringgold Woman on a Bridge #1 of 5: Tar Beach, in: Solomon R. Guggenheim Museum, Collection online
  4. Michele Wallace: The French Connection. Momma Jones, Mammy Faith and Me. In: Dancing at the Louvre. Faith Ringgold's French Collection and Other Story Quilts, University of California Press 1998, ISBN 978-0-520-21430-9, S. 14 ff.
  5. Book of Members 1780–present, Chapter R. (PDF; 507 kB) In: amacad.org. American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 30. Dezember 2019 (englisch).