Fake

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Fake (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Fake (englisch fake, deutsch Fälschung) bezeichnet man ein Imitat, einen Schwindel oder eine Vortäuschung falscher Tatsachen. Im weiteren Sinne ist der Fake ein Begriff für den damit verbundenen Betrug.[1]

Personen, die falsche Fakten als richtig vortäuschen, werden gelegentlich abgeleitet Faker genannt. Dieses Wort ist im deutschen Sprachraum erst seit wenigen Jahren verbreitet und daher bei jüngeren Nutzern eher im Wortschatz. Insbesondere ist es eine Vokabel im Netzjargon, also dem Wortschatz der Internetnutzer und derer die mit der Internetkultur verbunden sind.

Fake im Internetkontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am häufigsten wird in jüngerer Zeit der Begriff für die Fälschungen solcher Faker verwendet, die in Internet-Foren oder Chatrooms unter Verwendung irreführender Angaben zu ihrer eigenen Person unqualifizierte Kommentare abgeben, die andere Internet-User ärgern, provozieren oder hinters Licht führen sollen oder solche die nicht ernst gemeint sind, wie das Hoax.

  • Fake-Identitäten dienen oft zum Trollen. Dabei ist es nicht unüblich, dass eine Person sich unter mehreren verschiedenen Namen anmeldet und ein (für andere nicht erkennbares) provozierendes Rollenspiel veranstaltet. Das Faken mit mehreren Identitäten ist geradezu typisch für viele Trolle; das Aufspüren mehrerer Fake-Identitäten (zum Beispiel mittels IP-Adresse) kann dabei helfen, Trolle zu identifizieren oder sie an ihrem Tun zu hindern.
  • Die Nicknames (kurz Nicks) von Fakern, die unter mehreren Namen auftreten, werden auch als Sockenpuppen bezeichnet.
  • Oftmals geben sich Faker im Internet als eine andere Person aus - mit einem sogenannten Fake-Account.

Oft agieren Faker in einer Kontaktbörse, bei denen die Suche nach einem Seitensprung-, Freizeit- oder Hobbypartner im Vordergrund steht,

  • um mit leichtgläubigen Internet-Usern zu flirten oder um andere Interessen zu verfolgen (zum Beispiel aus Langeweile oder um die Einsamkeit zu vertreiben, erotische Fantasien auszuleben, sexuell anzügliche Chats zu führen, Telefonsex anzubahnen oder um sich an Minderjährige heranzumachen).
  • Kleinere Schwindeleien (zum Beispiel Altersangabe „39“ statt „41“) gelten dabei nicht als Fake-Account. Bedeutende Falschangaben, wie die Vorgabe falscher Titel schon.[2]
  • Manche Faker schlüpfen in eine Rolle des anderen Geschlechts: ein männlicher Faker gibt sich als Frau aus oder umgekehrt.
  • Einige Jugendliche schlüpfen per Fake-Account in die Rolle eines Erwachsenen.

Besondere Vorsicht und Sensibilität wegen möglicher Schleichwerbung ist bei den folgenden Fällen geboten.

  • „Erfahrungsberichte“ im Internet wie bei Online-Bewertungen können gefakt sein, sowohl durch beauftragte Einträge als auch negativ formuliert durch konkurrierende Faker.
  • In medizinischen Threads verhalten sich einige Forenbetreiber nicht neutral, sondern verfolgen eigene wirtschaftliche Interessen. Beispielsweise werden eigene Produkte, über die in ihren Foren diskutiert wird, bevorzugt behandelt. Möglicherweise betreiben sie Zensur, indem sie negative Erfahrungsberichte löschen oder in ihrem Forum selbst (Fake-User) als angebliche Endverbraucher eintragen.

Außerdem nennt man Faker diejenigen Personen, die sich in Chatrooms mit (fast) demselben Nick anderer Chatter einloggen, um auf diese Weise den Original-Nickname durch negatives Verhalten (Benutzung von Schimpfwörtern und so weiter) zu stören oder „in den Schmutz“ zu ziehen. In Chatrooms, die auf der Schriftart Arial basieren, lassen sich zum Beispiel Nicks, die ein kleines „L“ oder großes „i“ enthalten, mühelos faken, weil die Darstellung dieser Schriftzeichen identisch ist. Gleiche Möglichkeiten bieten die Zahl „0“ und der Großbuchstabe „O“, die schlecht zu unterscheiden sind.

Bei Twitter blüht der Handel mit Fakes. Im April 2013 wurde aus dem anglo-amerikanischen Raum bekannt, dass der bis dahin als echt geltende mexikanische „Social Media-Guru“ namens Santiago Swallow, der etwa 90.000 Twitter-Follower besaß und sogar über eine glaubhaft scheinende Biographie auf der englischsprachigen Wikipedia verfügte, eine rein virtuelle Internet-Persönlichkeit war.[3] Am 25. November 2013 berichtete Jeff Elder im Wall Street Journal Deutschland über die massive und professionelle Twitter-Manipulation.[4]

Aber nicht jede Person, die im Internet unter falschem Namen oder unter falschen persönlichen Angaben auftritt, ist ein Faker: Es ist in der Kultur des Internets durchaus üblich, einen Nickname zu verwenden. Dies dient beispielsweise dazu, Spam und andere Missbräuche und Gefahren zu vermeiden. Es kann helfen, in Internet-Communitys freier und ungehemmter als im „realen Leben“ aufzutreten, oder spielerisch ermöglichen, verschiedene soziale Rollen auszuprobieren. Solches Verhalten gilt vielen als legitim. Als Fake sollte man es erst ansehen, wenn es dazu dient, Missbräuche wie die hier beschriebenen zu begehen.

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Fakes werden aus verschiedenen Gründen, so etwa im Zusammenhang mit kommerziellen Tauschgeschäften oder in Tauschbörsen eingeschleust.

  • Beispielsweise manipuliert die Musik- und Filmindustrie Dateien so, dass der Inhalt der Datei verstümmelt oder nicht mehr lesbar ist. Personen, die diese Datei herunterladen, sollen sich darüber ärgern; weitere Download-Versuche sollen ihnen verleidet werden. Auch werden Dateien dadurch „gefakt“, dass ihnen ein Faker einen sehr beliebten Dateinamen gibt, um deren Inhalt bekannter zu machen.
  • In der Paid4-Szene bezeichnet man Personen als Faker, die mit technischen Maßnahmen versuchen, Paid4-Anbieter zu betrügen, um Geld zu verdienen.
  • Der Begriff Fake wird bei P2P-Tauschbörsen im Internet verwendet und beschreibt in diesem Fall eine Datei, die nicht das enthält, was der Dateiname aussagt.

Fake im Medienkontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Bereich der Video-, Bild- und Nachrichten-Online-Präsentation im Internet treten immer wieder Fakes zutage, die teilweise sogar Zugang in den seriösen Nachrichtenraum erhalten.[5] Manipulierte Videos, die im Internet (zum Beispiel auf Videoportalen) verbreitet werden, und die ein vermeintlich wirkliches Geschehen vorgeben, tatsächlich aber elektronisch retuschiert sind, werden als Fake bezeichnet.[6][7]

Die heute unter dem Einfluss des englischen mit Fake bezeichneten getürkten Meldungen sind schon lange Zeit als Zeitungsente und Tatarenmeldung bekannt. Jedoch nicht nur Leser, Hörer und Zuschauer fallen auf Fälschungen herein sondern zuweilen auch die Macher selbst, wenn sie Fremdmeldungen weiterverbreiten.[8] Es kann sich ebenfalls um offensichtliche Fälschungen handeln, die als Mockumentary bezeichnet werden (von englisch to mock, deutsch vortäuschen, verspotten, sich mokieren und documentary), ein fiktionaler Dokumentarfilm, der mit Mitteln des Dokumentarfilms ein fiktives Geschehen wiedergibt, häufig parodierend.[9] Ein prominentes Beispiel ist Kubrick, Nixon und der Mann im Mond, eine vermeintliche Dokumentation, die aufdeckt, dass die Mondlandungen von Regisseur Stanley Kubrick im Filmstudio vorgetäuscht wurden.

Schon 1938 erregte Orson Welles Aufsehen, als er ein Radiohörspiel auf der Basis von H. G. Wells Krieg der Welten produzierte, das wie eine Reportage aufgemacht wurde und Hörer, die die Einführung verpasst hatten, für einen Bericht über eine Invasion vom Mars halten mussten. Insbesondere spektakuläre Inhalte verleiten die Macher von Meldungen und Berichten Fakes weiter zu verbreiten, um hohe Zeitungsauflagen oder Einschaltquoten zu erreichen. Beispiele sind die Hitlertagebücher des Stern, die scheinbaren Dokumentarfilme, die Michael Born für Stern TV, Spiegel TV Magazin, ZAK und andere Fernsehmedien geliefert hatte, oder die vermeintlichen Interviews mit Hollywood-Stars, die Tom Kummer im Süddeutsche Zeitung Magazin platzierte.

Fake im Kunstkontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seitdem die bildende Kunst im 20. Jahrhundert damit begonnen hat, ihre künstlerischen Mittel zu analysieren und die Frage nach der Authentizität ihrer Kunstwerke zu stellen, wurde der Begriff Fake im künstlerischen Sinne definiert.[10] Bereits die Arbeiten von Marcel Duchamp, später dann von Andy Warhol oder von Sigmar Polke hinterfragen das Verhältnis von Original und Kopie auf neue Weise. Importiert Duchamp mit seinen Readymades noch manufakturierte Waren aus dem Alltag in den Kunstkontext, werden von Künstlern wie Richard Prince oder Sherrie Levine bereits bestehende Bilder erneut ausgestellt und damit die Fälschungen selbst zu Kunstwerken deklariert.[11]

„Der Begriff des Fake meint eine mimetische Nachahmung eines anderen Kunstwerks, die im Gegensatz zur Fälschung selbst auf ihren gefälschten Charakter hinweist. Eine Künstlerin reproduzierte Fotografien von Walker Evans; diese eigenen Fotografien präsentierte sie auf ähnliche Weise wie das Vorbild; der Titel, »Sherrie Levine After Walker Evans«, weist die Arbeit als Aneignung aus, die die gewandelten kontextuellen und konzeptuellen Bedingungen des identischen Bilds reflektiert. Das Fake zielt demnach mittels einer genauen Bilduntersuchung auf einen kunsthistorischen Erkenntnisprozeß: Die Reproduktion wird nicht mehr moralisch als Fälschung verurteilt, sondern das Fake wird als Kritik der Institution der Kunst und ihrer Ideologie des Originals betrachtet.“

Stefan Römer

Für Stefan Römer markiert der kurze Text The Fake as More, by Cheryl Bernstein von Carol Duncan einen Neubeginn der Geschichte der Fälschung. Carol Duncan publizierte die fiktive Geschichte über die Kunsthistorikerin Cheryl Bernstein, gab die Fiktion aber erst 13 Jahre später als solche zu erkennen. In The Fake as More besprach die angebliche Kunsthistorikerin Bernstein eine Ausstellung, die in dieser Art niemals stattgefunden hat. Duncans Fake kommt deshalb eine so wichtige Position zu, weil die Autorin gar kein materiell produziertes Bild benötigt. Lediglich ihr Text ruft in der Vorstellung der Leser bestimmte Bilder und die Essenz ihrer Bedeutung hervor. Für die Kunstdiskussion völlig unerheblich war es, ob die Ausstellung tatsächlich stattgefunden hatte oder nicht. Mit dem Fake wird daher ein Institutionswandel vorgenommen, der eine grundsätzliche Umorientierung der Kunstgeschichte erfordert. Mit der Ausstellung X für U – Bilder, die lügen wurden Beispiele zusammengetragen wie durch Bildverfälschungen Tatsachen und Ereignisse manipuliert werden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Frank Arnau: The Art of The Faker – 3,000 years of Deception. Boston, Little Brown & Company, 1959. LCC 61-5317.
  • D. Dutton (Hrsg.): The Forger’s Art, Berkeley, University of California Press, 1983.
  • Judith Mair, Silke Becker: FAKE for REAL – Über die private und politische Taktik des So-tun-als-ob, Campus Verlag Frankfurt/New York, 2005.
  • S. Radnóti: The Fake. Forgery and Its Place in Art. Rowman & Littlefield Publishers Inc., Lanham 1999.
  • Stefan Römer: Künstlerische Strategien des Fake. Kritik von Original und Fälschung. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5532-7.
  • Kay Hoffmann: Das dokumentarische Bild im Zeitalter der digitalen Manipulierbarkeit. (PDF) In: Kay Hoffmann (Hrsg.): Trau-Schau-Wem. Digitalisierung und dokumentarische Form. UVK Medien, Konstanz 1997, S. 13–28.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Fakes – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Fake – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Was Jazz und Orgasmen mit Fake zu tun haben. Welt Online, 19. März 2015; abgerufen am 25. Mai 2015.
  2. Hausdurchsuchung: Fake-Doktortitel bringt Bloggerin Polizeibesuch ein. Spiegel Online, 18. April 2013; abgerufen am 26. Mai 2013.
  3. Für die Erstellung dieses Twitter-Fakes zeichnete sich Kevin Ashton verantwortlich, der die Einrichtung dieser Kunstfigur als Versuch darstellte zu zeigen, dass die Anzahl der Twitter-Follower nichts darüber aussagt, wie glaubwürdig die Person ist, der da gefolgt wird. Siehe R. McGuiness in Meet Santiago Swallow… the biggest social media star you’ve never heard of. Metro, 20. April 2013; abgerufen am 25. Mai 2013.
  4. Fake-Accounts: Wie sich Betrüger auf Twitter breitmachen Gefälschte Profile – die dunkle Seite von Twitter
  5. Fake im Netz. NEON, 13. April 2012; abgerufen am 26. Mai 2013.
  6. Peinliche Panne im Iran – Brandneuer F-313-Kampfjet nur ein Photoshop-Fake. Focus Online, 14. Februar 2013; abgerufen am 26. Mai 2013.
  7. Video von Adlerattacke: Echter Vogel oder Fake? Spiegel Online, 19. Dezember 2012; abgerufen am 26. Mai 2013.
  8. Roland Söker: Marsianer in Grover’s Mill! – Die wundersame Welt der Medienfakes. Deutschlandfunk, 26. Mai 2013
  9. Fake-Doku über Nordkorea: Der oberste Führer von Neuseeland. Spiegel Online, 18. April 2013; abgerufen am 26. Mai 2013.
  10. Susanna Partsch: Tatort Kunst. Verlag C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60621-2, S. 127–145.
  11. Mercedes Bunz: Die Kunstkopie als neues Original – Wenn Wiederholung Kunst ist. Artnet, 15. Dezember 2005; abgerufen am 8. Juli 2013.