Fake News

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Als Fake News (auch Fake-News oder Fakenews[1]; englisch: fake news) werden lancierte bzw. veröffentlichte „vorgetäuschte Nachrichten[2] bzw. Falschmeldungen bezeichnet, die sich überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken und anderen sozialen Medien zum Teil viral verbreiten und mitunter auch von Journalisten aufgegriffen werden. Zunehmend wurde Fake News auch zu einem politischen Schlagwort bzw. Kampfbegriff in der „Ära Trump“,[3] ähnlich wie im deutschen „Lügenpresse“.[4]

Einordnungen und Begriffsetablierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere sind Fake News laut netzpolitik.org ein Aktionsmuster der Kommunikations- und Medienguerilla, in der Journalisten durch gezielte Fakes (wie falsche Webseiten, Pressemitteilungen oder Pressesprecher) zu falscher Berichterstattung verleitet werden sollen. Als bekanntes Beispiel gilt hier der „Dow-Chemical-Hack“ von The Yes Men 2004.[5] Das Wort Fake News steht eng in Nachbarschaft zu Begriffen wie Hoax oder Scam.[6]

Laut der britischen Zeitung The Guardian bezeichnen Fake News im engeren Sinne solche Falschmeldungen, die komplett frei erfunden sind und die Leser täuschen sollen, sodass diese die Nachricht anklicken, weiterverbreiten und somit Einnahmen für den Urheber generieren. Im weiteren Sinne werden oft auch solche Nachrichten zu den Fake News gezählt, die zwar einen wahren Kern besitzen, deren Aussagen aber verfälscht oder dekontextualisiert wurden (z.B. durch irreführende Überschriften). Satirische Nachrichten, wie beispielsweise von Der Postillon oder The Onion veröffentlicht, können im weiteren Sinne ebenfalls als eine Art Fake News bezeichnet werden, falls diese von den Lesern nicht als Satire erkannt werden.[7]

Andre Wolf, Gründer der österreichischen Non-Profit-Organisation Mimikama, sieht Fake News vor allem durch Webseiten verbreitet, „die wie normale Nachrichtenseiten daherkommen, aber ihre Geschichten aus kommerziellem Antrieb frei erfinden“. Bei klassischen Fake News wie dem Pizzagate gehe es den Betreibern darum, Werbeeinnahmen über Facebook und Google Adsense zu generieren. Ein politischer Hintergrund entstehe „nur dadurch, dass die erfundene Nachricht reale Ängste oder eine tatsächlich vorhandene Wut aufgreift“. In Deutschland weiter verbreitet seien dagegen ideologisch geprägte Meldungen, „Hybrid-Fakes“, die „eine Kernwahrheit enthalten, die aber manipulativ oder nicht korrekt [ist]“. Häufig würden dabei Bilder und Zitate in einen anderen Kontext gebracht und durch Weglassungen ein falsches Szenario aufgebaut.[8]

Anfang 2017 wurde der Begriff Fake News von der „Jury der Aktion Anglizismus des Jahres“ zum Anglizismus des Jahres 2016 gewählt mit der Begründung:

„Das Wort Fake News bezeichnete im Englischen schon Ende des 19. Jahrhunderts gelegentlich bewusste Falschmeldungen in Zeitungen. Zu einem stehenden Ausdruck wurde es aber erst ab dem Jahr 2000, vor allem zur Benennung satirischer Nachrichtenmagazine wie The Daily Show oder The Onion. Mit der zunehmenden Rolle der sozialen Medien wurde das Wort zur Bezeichnung für erfundene Nachrichten (etwa Todesanzeigen von Prominenten), mit denen Menschen auf bestimmte Webseiten gelockt oder zu Unterhaltungszwecken in die Irre geführt werden sollten. In dieser Verwendung wurde es ab 2014 ins Deutsche entlehnt, konnte sich aber zunächst nicht gegen etablierte Wörter wie Hoax(-Meldung) behaupten. Der Durchbruch in den allgemeinen Sprachgebrauch erfolgte erst ab November 2016 im Zusammenhang mit einer Bedeutungsverschiebung hin zu politisch motivierten Falschmeldungen, die – angeblich – dem Kandidaten Donald Trump den Sieg im Präsidentschaftswahlkampf in den USA bescherten. [...] Überzeugt hat die Jury an Fake News neben seiner überwältigenden und anhaltenden öffentlichen Präsenz vor allem, dass es eine Lücke im deutschen Wortschatz füllt, die ohne das Wort fake nicht ganz einfach zu schließen ist. [...] Anders als falsch (oder das englische false) bezeichnet das Adjektiv fake bewusste, in Täuschungsabsicht hergestellte Nachbildungen von Dingen[...].“

Jury der Aktion Anglizismus des Jahres[9]

Verbreitung und Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende April 2017 veröffentlichte die Fa. Facebook ein „Whitepaper“, in dem sie analysiert, dass ihre Plattform für gezielte Desinformationskampagnen benutzt wurde, z. B. im US-Präsidentschaftswahlkampf 2015/16 oder im Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl in Frankreich 2017.[10]

Nach einer Mitte Juni 2017 von der Internet-Sicherheitsfirma Trend Micro veröffentlichten Studie[11][12] können Fake-News-Kampagnen mit dem Ziel der Beeinflussung der öffentlichen Meinung bzw. der Beschädigung des Vertrauens in Institutionen bei „Dienstleistern“ im „Darknet“ beauftragt werden: Eine Wahlbeeinflussung kostete nach Beispielen von chinesischen, englischsprachigen oder russischen Anbietern bis zu 400.000 US-Dollar, die Provokation von Protesten bis zu 200.000, die Diskreditierung einer Journalistin beispielsweise bis zu 50.000.[13]

Social Bots[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Social Bots“, Computerprogramme, die in den letzten Jahren vermehrt in sozialen Netzwerken eingesetzt werden, sind ein entscheidendes Hilfsmittel bei der Verbreitung von Fake-News.[14]

Bis jetzt existiert ldgl. eine begrenzte Anzahl an Beispielen für den Erfolg bzw. Einfluss von Social Bots in der wissenschaftlichen Literatur und der Presse. Es gibt dennoch prominente Beispiele, bei denen sie Einfluss auf die Meinung im Internet hatten: die Protestbewegung in der Ukraine 2013/014, der Verlauf der Brexit-Abstimmung in Großbritannien 2016 sowie den Einfluss auf die US-Präsidentschaftswahl 2016. Es konnte bewiesen werden, das 20 % der Tweets auf der Plattform Twitter während des US- Präsidentschaftswahlkampfs durch Social Bots erstellt wurden. Beim Ukraine-Beispiel wurden durchschnittlich durch 15.000 Bots ca. 60.000 Tweets täglich geteilt.[15]

Soziale Medien als politische Informationsquellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darüber hinaus sind die sozialen Medien ein wichtiger Grund dafür, das sich Fake News durchsetzen können, da diese in der digitalen Welt als politische Informationsquelle dienen: Gründe sind die niedrigen Fixkosten, da der Produzent der Fake News keine eigenen Server für Anfragen betreiben muss. Auch das Format der Medien spielt eine Rolle: durch den Gebrauch von „Newsfeeds“ auf Smartphones, Tablets usw. ist es für die Leser schwierig, die Wahrheit einer Nachricht bzw. „Headline“ beurteilen zu können, da der zur Verfügung stehende Platz für Newsfeeds äußerst begrenzt ist, sie also sehr kurz und prägnant formuliert werden müssen.[16]

Verhaltensökonomische Erklärung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Siegeszug der Fake News speziell in den sozialen Netzwerken kann auch mit Hilfe der Verhaltensökonomie erklärt werden: Hier können insbesondere Heuristiken das Verhalten einer Person erklären. Die Verankerung einer Fake News findet meist dann statt, wenn die betreffende Person bisher noch keine Informationen zu einem bestimmten Thema sammeln konnte. Findet nun die Person eine Information, die auch ein „Fake“ sein kann, so findet eine Verankerung dieser (neuen) Information im Gedächtnis der Person statt.[17]

Ab diesem Zeitpunkt ist die Person zu einem bestimmten Thema voreingenommen und sucht nun gezielt nach Informationen oder Meinungen, welche die wahrgenommene und gespeicherte (falsche) Hypothese unterstützen: ein „Bestätigungsfehler“. Dieser „Bias“ beschreibt, dass Individuen in Situationen dazu neigen, Fakten zur Bestätigung bereits getroffener Meinungen zu suchen und dann auch zu verteidigen.[18]

Die Verfügbarkeitsheuristik beschreibt, wie Menschen ein Urteil über eine bestimmte Sache fällen müssen, ohne ausreichend Zeit zur Verfügung zu haben, auf präzisere Informationen zurückzugreifen. Sie greifen dann eher auf bereits stattgefunden Ereignisse oder Beispiele zurück, welche in ihren Gedächtnissen verankert sind. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit, das eine Fake News als wahr betrachtet wird, eher hoch einzuschätzen, wenn sie erst kürzlich gelesen hat.[19]

Asymmetrische Informationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn in volkswirtschaftlichen Modellen Akteure Entscheidungen treffen, obwohl sie nur annähernd vollständige Informationen besitzen, spricht man von Asymmetrischen Informationen.[20] Diese existieren dann, wenn ein Akteur einen besser informiert ist als ein anderer. Beispiele hierfür ist Market for Lemons.

Dieses Beispiel lässt sich auf die Fake News übertragen. Echte Nachrichten sind in ihrer Produktion teurerer als Fake News, da man für diese einen Fakten-Checker, eine Redakteur und umfassende Recherchearbeiten benötigt, für das Erschaffen einer neuen Fake News benötigt man dies nicht. Der Leser ist sich der schlechten Qualität der Nachricht nicht bewusst, der Produzent schon.[21][22]

Wirtschaftlicher Schaden durch Fake News[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Beispiel ist der Absturz der Baukonzern-Aktie Vinci 2016: die französische Fa. verlor kurzzeitig 18 % ihres Werts. Grund war die gefälschte Pressemitteilung, dass der Konzern seine Bilanzen für die Jahre 2015 und 2016 überarbeiten müsse und daraufhin der Finanzchef entlassen wurde. Diese Mitteilung stellte sich im Nachhinein als falsch heraus und führte dazu, dass die Börsenaufsicht Autorité des marchés financiers (AMF) ermittelte.[23]

Ein weiteres Beispiel ist der rasante Anstieg der Aktie des Unternehmens Cynk 2014: mithilfe sozialer Netzwerke und Bots konnte der Aktienkurs in die Höhe getrieben werden; ein weiterer Grund waren die Trading-Algorithmen, welche die Gerüchte rund um das Unternehmen als relevant erachteten und daraufhin die Aktie des Unternehmens kauften. Die Aktie erreichte das 200-Fache ihres Ursprungswerts, was dazu führte, dass das Unternehmen innerhalb kürzester Zeit sechs Mrd. Dollar wert war, bis der Verkauf der Aktie ausgesetzt wurde, was wiederum zu Verlusten bei den Anlegern führte.[24]

Gegenmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Europäische Union hat als Ergebnis der im September 2015 eingerichteten East StratCom Task Force, einer EU-Kommissions-Arbeitsgruppe zur Verfolgung und Analyse von aus Russland nach Europa strömenden Desinformationen die Disinformation Revue erstellt[25] und eine entsprechende Homepage geschaltet.[26] Die East StratCom Task Force identifizierte in 20 Monaten 3.200 Falschmeldungen.[13]

Internetportale wie mimikama.at oder politifact.com überprüfen auf Anfrage oder in eigener Recherche entsprechende Aussagen bzw. Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt und unterziehen sie „Faktenchecks“. In Deutschland startete Anfang April 2017 die ARD mit einem eigenen Portal namens faktenfinder unter der Federführung von Patrick Gensing auf der Domain von tagesschau.de.[27]

Soziale Netzwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Bestrebungen, Fake News in sozialen Netzwerken zu verhindern oder zu kennzeichnen; in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Recherche und dem journalistischen Portal Correctiv will z. B. Facebook in einem Testlauf entsprechende Meldungen auch in Deutschland kennzeichnen.

Erkennung von Fake News auf Facebook[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das Unternehmen selbst den Wahrheitsgehalt von Inhalten („Postings“) nicht prüfen könne oder wolle, arbeitet es in den Vereinigten Staaten mit Firmen und Organisationen zusammen, welchen den Poynters International Fact-Checking Code of Principles (dt. „Poynters Kodex über internationale Fakten-Check-Prinzipien“) unterzeichnet haben, z. B. Snopes, Politifact, FactCheck.org und ABC News.[28]

Am 6. April 2017 hat Facebook eine Pressemitteilung Unser Einsatz gegen Fehlinformationen und Falschmeldungen veröffentlicht, welche sich auf das Thema Fake News bezieht; es werden konkrete Vorschlägen genannt, wie man Fake News auf der Plattform erkennen könne, Facebook wolle wie die (meisten) Nutzer nur verlässliche Inhalte sehen. Sie heben drei Aspekte heraus, worauf ihr Einsatz gegen Fake News gründe:[29]

  1. „Wir bekämpfen wirtschaftliche Anreize, da die meisten Falschmeldungen finanziell motiviert sind.“
  2. „Wir entwickeln neue Produkte, um die Verbreitung von Falschmeldungen einzudämmen.“
  3. „Wir unterstützen Menschen dabei, fundierte Entscheidungen zu treffen, wenn sie auf Falschmeldungen stoßen.“

Regulierung von Fake News in Deutschland und anderen europäischen Ländern[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über die Regulierung von Fake News wird im Moment viel diskutiert. Der Spielraum der Gesetzgeber ist ziemlich weitläufig. Die momentane Regelung sieht vor, dass ein zivilrechtliches Verfahren nur dann möglich ist, wenn individuelle Personen betroffen sind. Diese Tatsache zeigt, dass es aktuell große Lücken in der Rechtverfolgung gibt. Allerdings ist die Art und Weise einer Regulierung sehr schwierig, da darauf zu achten ist, dass es nicht zu einer Zensur kommt. Die Meinungsfreiheit muss auf jeden Fall geschützt sein.[30]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf erarbeitet welcher sich mit der Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken befasst.[31]

Verbände, Verlage und Politiker kritisieren das Gesetz gegen Hate Speech und Fake News. So bemängelten etwa der Bundesverband Bitkom und der Deutsche Journalisten-Verband, die Ursachen strafbarer Hetze würden außer Acht gelassen und die Meinungsfreiheit eingeschränkt. Politiker stellten fest, dass Facebook nicht qualifiziert sei, zu beurteilen, ob ein strittiger Beitrag rechtswidrig sei.[32]

Tschechische Republik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tschechische Republik hat aus Angst vor Fake News am 1. Januar 2017 ein neues Abwehrzentrum gegen Fake News die Arbeit aufgenommen. Das neue Zentrum gegen Terrorismus und hybride Gefahren, kurz CTHH, hat rund 20 Mitarbeiter. Dieses Zentrum ist Teil des Innenministeriums und soll nicht als Geheimdienst angesehen oder für die Vollstreckung von Gesetzen genutzt werden. Es wird nicht zur Verbreitung von Propaganda genutzt und soll gezielt über Fake News informieren.[33]

Frankreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Verbreitung von Fake News kann in Frankreich bestraft werden, worauf die staatliche Commission Nationale de Contrôle de la Campagne électorale vor den Präsidentschaftswahlen 2017 hin wies.[34]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA wird insbesondere das Breitbart-News-Netzwerk mit Fake News in Verbindung gebracht. Bekannte Fälle waren etwa 2009 die sogenannte „ACORN-Demontage“, 2013 die sogenannte „Friends of Hamas“-Kampagne sowie im Januar 2017 die irreführende und falsche Berichterstattung über angebliche Vorfälle in der Silvesternacht in Dortmund.

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 hielten einige Kommentatoren es für problematisch, dass zahlreiche frei erfundene Falschmeldungen (so genannte Fake News) auf Facebook unter den Nutzern verbreitet wurden.[35] Nach einer Studie des Pew Research Centers nutzen 44 % der erwachsenen amerikanischen Bevölkerung Facebook als Nachrichtenquelle.[36] Die Nutzerkonten von angeblichen Nachrichtenredaktionen teilten ihren Lesern auf Facebook etwa mit, dass beispielsweise Papst Franziskus[35] oder die Amischen Gemeinden der USA den Kandidaten und späteren Präsidenten Donald Trump unterstützen würden.[37] Über die demokratische Kandidatin Clinton wurden dagegen zahlreiche Falschmeldungen verbreitet, die sie mit Satanismus, Pädophilie (Pizzagate), Morden und anderen Themen in Verbindung bringen sollten.[38]

Möglich war das, weil das Unternehmen Facebook zwar den Nachrichtenfluss zwischen seinen Nutzern überwacht, aber die Inhalte keiner redaktionellen Kontrolle unterzieht. Verschärfend kam hinzu, dass spektakuläre Falschmeldungen mehr Leser anziehen, was von Facebook automatisch registriert wurde und den Stellenwert der Falschmeldung bei den Nachrichtenvorschlägen für andere Nutzer künstlich erhöhte.[39]

Durch die Ausschüttungen von Werbeeinnahmen an die Urheber populärer Falschmeldungen durch die Netzwerke scheint der überwiegende Teil des Phänomens auf solche Meldungen zurückzuführen zu sein, die von Personen ohne politisches Interesse, allein mit der Absicht Gewinn zu erzielen, verfasst wurden.[40] [41][38] Ähnliche Probleme zeigten sich beim Internetkonzern Google, bei dem Falschmeldungen mit Wahlkampfbezug als empfohlene Nachrichteninhalte angezeigt wurden.[42]

So erfand etwa ein US-Amerikaner in der Endphase des Wahlkampfes im September 2016 eine Meldung, nach der zehntausende zugunsten der Kandidatin Clinton vorausgefüllte Wahlzettel, nebst Wahlurnen, in einem Lagerhaus in Ohio gefunden wurden. Er platzierte die Meldung auf einer eigenen Internetpräsenz, die er zu dem Zweck angemietet und im Stil einer Nachrichtenseite gestaltet hatte und versah die Meldung mit einem Archivfoto, das er über eine Suchmaschine im Internet gefunden hatte. Er erreichte so, dass seine Meldung von rund sechs Millionen Nutzerkonten in Sozialen Netzwerken geteilt wurde, was in kurzer Zeit etwa 5.000 US-Dollar an Werbeeinnahmen generierte.[43]

Die Stadt Veles in Mazedonien erlangte 2016 internationale Bekanntheit, weil Bürger dieser Stadt das Betreiben von Webseiten mit Fake News beim US-Wahlkampf zu einem Geschäft gemacht hatten.[44][45]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang 2016 sorgte insbesondere der „Fall Lisa“ für diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und Russland, sowie ein ähnlich gelagerter, erfundener Vorwurf in Litauen gegenüber Bundeswehrsoldaten im Februar 2017.[46] Ein gefälschtes Zitat von Renate Künast unter falscher Quellenangabe führte zu juristische Auseinandersetzungen.[47] Im Kontext zur Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 stand auch die Anfang 2016 von einem Helfer erfundene Meldung über einen Flüchtling, der in Folge der langen Wartezeiten und Umstände am Berliner LAGESO verstorben sei.[48] Der syrische Flüchtling Anas M., der durch ein Selfie mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich bekannt wurde, erwirkte eine Klage gegen Facebook vor dem Landgericht Würzburg, nachdem er dort unter anderem als „Terrorist“ verunglimpft worden war.[49] Ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Facebook wurde zurückgewiesen.[50]

Nach den Enthüllungen zur möglichen Rolle von Falschmeldungen im Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 forderten verschiedene Politiker Konsequenzen, sowohl für die Verfasser von Falschmeldungen als auch für die Sozialen Netzwerke, die für ihre Verbreitung sorgten. Deutschlands Justizminister Maas wies darauf hin, dass bei übler Nachrede und Verleumdung einer Person des öffentlichen Lebens bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe drohen. Martin Schulz, damaliger Präsident des Europäischen Parlamentes drohte mit einer entsprechenden europäischen Gesetzgebung, sollten die Konzerne die Verbreitung von Falschmeldungen nicht von sich aus stoppen.[51] Das Bundesinnenministerium unter Thomas de Maizière plant laut Spiegel ein „Abwehrzentrum gegen Desinformationskampagnen“: „Da der Schwerpunkt bei der Öffentlichkeitsarbeit liegt, sollte die Federführung für diese zu schaffende Bündelungseinheit beim Bundeskanzleramt (Bundespresseamt) angesiedelt werden“. Als besonders anfällige Bevölkerungsgruppen werden „Russlanddeutsche“ sowie „türkischstämmige Menschen“ ausgemacht, bei denen laut dem Vorschlag eine „Intensivierung der politischen Bildungsarbeit“ erfolgen solle. Zudem lege das Bundesinnenministerium den Parteien nahe, sich noch vor den nächsten Landtagswahlen auf Grundregeln des Wahlkampfes und gegen den Einsatz von Social Bots und Fake News zu einigen: „Die Akzeptanz eines postfaktischen Zeitalters käme einer politischen Kapitulation gleich“.[52]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich hat der Journalist Florian Klenk im März 2017 Klage gegen die niederösterreichische Landesorganisation der Österreichischen Volkspartei und ihren Geschäftsführer eingereicht, da diese seine Berichterstattung über die Dr. Erwin Pröll Privatstiftung als „Fake News“ verunglimpfte. Er erhofft sich vom Gericht eine Klärung der Frage, was Fake News sind.[53]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Fake News – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  1. Teil: Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa (1. März 2017)
  2. Teil: Was sind eigentlich "Fake News"? (3. März 2017)
  3. Teil: Haben Internet und soziale Medien "Fake News" groß gemacht?" (6. März 2017)
  4. Teil: Hat Donald Trump denn wirklich immer Unrecht? (14. März 2017)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Antos: Fake News. Warum wir auf sie reinfallen. Oder: »Ich mache euch die Welt, so wie sie mir gefällt«. In: Der Sprachdienst, Heft 1, 2017, Seite 3-22.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Regelwerk: § 37 (E4), § 55 (3), § 45 (E1) im DWDS, online, abgerufen am 16. Februar 2017
  2. Gerd Antos: Fake News. Warum wir auf sie reinfallen. Oder: »Ich mache euch die Welt, so wie sie mir gefällt«. In: Der Sprachdienst, Heft 1, 2017, Seite 3
  3. Fabian Reinbold: Propaganda in der Ära Trump: Die Wahrheit über Fake News, Spiegel Online vom 12. Januar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017
  4. Fabian Köhler: Fake News: Die "Lügenpresse" der anderen, Deutschlandradio Kultur vom 13. Januar 2017, abgerufen am 28. Februar 2017
  5. Markus Reuter: Fake-News, Bots und Sockenpuppen – eine Begriffsklärung; netzpolitik.org vom 29. November 2016
  6. Facebook In Constant Battle Against Hoaxes, Scams And Fake News, International Business Times vom 30. Januar 2015, abgerufen am 21. Januar 2017
  7. Elle Hunt: What is fake news? How to spot it and what you can do to stop it. In: The Guardian. 17. Dezember 2016, ISSN 0261-3077 (theguardian.com [abgerufen am 7. Mai 2017]).
  8. Interview mit einem Faktenchecker – Sind Fake News eher rechts als links?, n-tv vom 11. Januar 2016, abgerufen am selben Tag.
  9. Anglizismus des Jahres 2016, verantwortlich im Sinne des Presserechts: Anatol Stefanowitsch, abgerufen am 8. Februar 2017
  10. European Journalism Observatory („Europäisches Journalismus-Observatorium“, EJO), 28. April 2017, Stephan Mündges, de.ejo-online.eu: Desinformation auf Facebook (13. Juni 2017)
  11. trendmicro.com, 13. Juni 2017: Fake News and Cyber Propaganda: The Use and Abuse of Social Media („Fake-News und Cyber​-Propaganda: Verwendung und Missbrauch von Social Media“, 13. Juni 2017)
  12. Lion Gu, Vladimir Kropotov, Fyodor Yarochkin, Forward-Looking Threat Research (FTR), A TrendLabs Research Paper: https://documents.trendmicro.com/assets/white_papers/wp-fake-news-machine-how-propagandists-abuse-the-internet.pdf documents.trendmicro.com: The Fake News Machine How Propagandists Abuse the Internet and Manipulate the Public („Die Fake-News-Maschine. Wie Propagandisten das Internet missbrauchen und die Öffentlichkeit manipulieren“, PDF, 4,86 MB, 13. Juni 2017)
  13. a b tagesschau.de, 13. Juni 2017, Anja Bröker, Lena Kampf (WDR): Meinungsmache gegen Geld (13. Juni 2017)
  14. Sonja Kind, Marc Bovenschulte, Simone Ehrenberg-Silies, Tobias Jetzke, Sebastian Wiede: Social Bots – Diskussion und Validierung von Zwischenergebnissen. Hrsg.: echnikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Berlin 26. Januar 2017, S. 4.
  15. Sonja Kind, Marc Bovenschulte, Simone Ehrenberg-Silies, Tobias Jetzke, Sebastian Weide: Social Bots – Diskussion und Validierung von Zwischenergebnissen. Hrsg.: Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag. Berlin 26. Januar 2017, S. 6.
  16. Hunt Allcott, Matthew Gentzkow: Social Media and Fake News in the 2016 Election. S. 11, doi:10.3386/w23089 (nber.org [PDF]).
  17. Gerhard Raab, Alexander Unger, Fritz Unger: Marktpsychologie - Springer. doi:10.1007/978-3-658-02067-5 (springer.com [abgerufen am 28. April 2017]).
  18. Hanno Beck: Behavioral Economics - Springer. S. 47, doi:10.1007/978-3-658-03367-5 (springer.com [abgerufen am 28. April 2017]).
  19. Hanno Beck: Behavioral Economics - Springer. S. 38 f., doi:10.1007/978-3-658-03367-5 (springer.com [abgerufen am 28. April 2017]).
  20. Michael Fritsch: Marktversagen und Wirtschaftspolitik: Mikroökonomische Grundlagen staatlichen Handelns. 9. Auflage. Vahlen, 2014, ISBN 978-3-8006-4771-2, S. 245.
  21. Asymmetric Information and the Rise of Fake News : Networks Course blog for INFO 2040/CS 2850/Econ 2040/SOC 2090. Abgerufen am 7. Juni 2017.
  22. The rise and rise of fake news. In: BBC News. 6. November 2016 (bbc.com [abgerufen am 7. Juni 2017]).
  23. Baukonzern-Aktie stürzt nach Fake-News. In: Handelszeitung. 23. November 2016, ISSN 1422-8971 (handelszeitung.ch [abgerufen am 28. April 2017]).
  24. Seth Fiegerman: The Curious Case of Cynk, an Abandoned Tech Company Now Worth $5 Billion. Abgerufen am 28. April 2017.
  25. ndr.de, 29. März 2017, Daniel Bouhs: Im Kampf: EU gegen Desinformation (13. Juni 2017)
  26. euvsdisinfo.eu: EU vs Disinformation (englisch, russisch, 13. Juni 2017)
  27. Mit „faktenfinder“ gegen gezielte Falschmeldungen: ARD startet Anti-Fake-News-Portal, meedia vom 3. April 2017
  28. zeit.de, 15. Januar 2017: Facebook will Fake-News kennzeichnen (21. Januar 2017)
  29. Working to Stop Misinformation and False News | Facebook Newsroom. (.fb..com [abgerufen am 28. April 2017]).
  30. Tobias Keber: Fake News: Medienrechtliche Aspekte und Regulierung. 22. März 2017, abgerufen am 28. April 2017 (PDF).
  31. BMJV | Aktuelle Gesetzgebungsverfahren | Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken (Netzwerkdurchsetzungsgesetz – NetzDG). Abgerufen am 28. April 2017 (deutsch).
  32. "Das Gesetz muss substanziell verbessert werden". Abgerufen am 29. Mai 2017 (deutsch).
  33. Centre Against Terrorism and Hybrid Threats - Terorismus a měkké cíle. Abgerufen am 28. April 2017 (tschechisch).
  34. Recommandation aux médias suite à l'attaque informatique dont aété victime l'équipe de campagne de M. Macron, République Française - Commission Nationale de Contrôle de la Campagne électorale en vue de l’Élection Présidentielle, 6. Mai 2017
  35. a b Nick Wingfield, Mike Isaac und Katie Benner: Google and Facebook Take Aim at Fake News Sites, New York Times vom 14. November 2016.
  36. Joseph Lichterman: Nearly half of U.S. adults get news on Facebook, Pew says, Niemanlab, 26. Mai 2016.
  37. Caitlin Dewey: Facebook fake-news writer: ‘I think Donald Trump is in the White House because of me’, Washington Post vom 17. November 2016.
  38. a b Mike McIntire: How a Putin Fan Overseas Pushed Pro-Trump Propaganda to Americans, New York Times vom 17. Dezember 2016.
  39. How can Facebook fix its fake news problem? BBC vom 14. November 2016.
  40. Sören Kittel: Fake-News aus Mazedonien – Veles ist die Heimat der Lügen, Westfalenpost, 28. Dezember 2016.
  41. Emma Jane Kirby: "The city getting rich from fake news" BBC vom 5. Dezember 2016
  42. Nick Wingfield, Mike Isaac, Katie Brenner: "Google and Facebook Take Aim at Fake News Sites", New York Times vom 14. November 2016.
  43. Scott Shane: From Headline to Photograph, a Fake News Masterpiece, New York Times vom 18. Januar 2017
  44. Stadt der Lügner, zeit.de vom 16. Dezember 2016, abgerufen am 28. Dezember 2016.
  45. How Facebook powers money machines for obscure political 'news' sites, The Guardian vom 24. August 2016, abgerufen am 28. Dezember 2016.
  46. Fake-News-Kampagne gegen die Bundeswehr in Litauen, Süddeutsche.de vom 16. Februar 2017, abgerufen am 18. Februar 2017
  47. Was sind Fake News?, tagesschau.de, abgerufen am 12. Dezember 2016.
  48. Thomas Kutschbach: Falschmeldung über toten Flüchtling in Berlin – Chronik eines üblen Gerüchts, Berliner Zeitung vom 28. Januar 2016.
  49. Syrischer Flüchtling verklagt Facebook, tagesschau.de vom 6. Februar 2017, abgerufen am 9. Februar 2017.
  50. Pressemitteilung 5/2017; Urteil vom 07.03.2017 im „Facebook-Verfahren“ auf justiz.bayern.de, abgerufen am 13. März 2017
  51. Maas fordert härteres Vorgehen gegen „Fake News“, faz.net, 18. Dezember 2016.
  52. Innenministerium will Abwehrzentrum gegen Falschmeldungen einrichten, Spiegel Online vom 23. Dezember 2016, abgerufen am 1. März 2017
  53. Cathrin Kahlweit: Ehrensache. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 31. März 2017]).