Fake News

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Als Fake News (auch Fake-News oder Fakenews[1]; englisch: fake news) werden lancierte bzw. veröffentlichte absichtliche Falschaussagen bzw. Falschmeldungen bezeichnet, die sich überwiegend im Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken und anderen sozialen Medien zum Teil viral verbreiten und mitunter auch von Journalisten aufgegriffen werden. Fake News können auch eine Spielart von Satire sein, wie beispielsweise von Seiten wie Der Postillon oder The Onion gepflegt. Zunehmend wurde Fake News auch zu einem politischen Schlagwort bzw. Kampfbegriff in der „Ära Trump“,[2] ähnlich wie im deutschen „Lügenpresse“.[3]

Einordnungen und Begriffsetablierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insbesondere sind Fake News laut netzpolitik.org ein Aktionsmuster der Kommunikations- und Medienguerilla, in der Journalisten durch gezielte Fakes (wie falsche Webseiten, Pressemitteilungen oder Pressesprecher) zu falscher Berichterstattung verleitet werden sollen. Als bekanntes Beispiel gilt hier der „Dow-Chemical-Hack“ von The Yes Men 2004.[4] Das Wort Fake News steht eng in Nachbarschaft zu Begriffen wie Hoax oder Scam.[5]

Andre Wolf, Gründer der österreichischen Non-Profit-Organisation Mimikama, sieht Fake News vor allem durch Webseiten verbreitet, „die wie normale Nachrichtenseiten daherkommen, aber ihre Geschichten aus kommerziellem Antrieb frei erfinden“. Bei klassischen Fake News wie dem Pizzagate gehe es den Betreibern darum, Werbeeinnahmen über Facebook und Google Adsense zu generieren. Ein politischer Hintergrund entstehe „nur dadurch, dass die erfundene Nachricht reale Ängste oder eine tatsächlich vorhandene Wut aufgreift“. In Deutschland weiter verbreitet seien dagegen ideologisch geprägte Meldungen, „Hybrid-Fakes“, die „eine Kernwahrheit enthalten, die aber manipulativ oder nicht korrekt [ist]“. Häufig würden dabei Bilder und Zitate in einen anderen Kontext gebracht und durch Weglassungen ein falsches Szenario aufgebaut.[6]

Anfang 2017 wurde der Begriff Fake News von der „Jury der Aktion Anglizismus des Jahres“ zum Anglizismus des Jahres 2016 gewählt mit der Begründung:

„Das Wort Fake News bezeichnete im Englischen schon Ende des 19. Jahrhunderts gelegentlich bewusste Falschmeldungen in Zeitungen. Zu einem stehenden Ausdruck wurde es aber erst ab dem Jahr 2000, vor allem zur Benennung satirischer Nachrichtenmagazine wie The Daily Show oder The Onion. Mit der zunehmenden Rolle der sozialen Medien wurde das Wort zur Bezeichnung für erfundene Nachrichten (etwa Todesanzeigen von Prominenten), mit denen Menschen auf bestimmte Webseiten gelockt oder zu Unterhaltungszwecken in die Irre geführt werden sollten. In dieser Verwendung wurde es ab 2014 ins Deutsche entlehnt, konnte sich aber zunächst nicht gegen etablierte Wörter wie Hoax(-Meldung) behaupten. Der Durchbruch in den allgemeinen Sprachgebrauch erfolgte erst ab November 2016 im Zusammenhang mit einer Bedeutungsverschiebung hin zu politisch motivierten Falschmeldungen, die – angeblich – dem Kandidaten Donald Trump den Sieg im Präsidentschaftswahlkampf in den USA bescherten. [...] Überzeugt hat die Jury an Fake News neben seiner überwältigenden und anhaltenden öffentlichen Präsenz vor allem, dass es eine Lücke im deutschen Wortschatz füllt, die ohne das Wort fake nicht ganz einfach zu schließen ist. [...] Anders als falsch (oder das englische false) bezeichnet das Adjektiv fake bewusste, in Täuschungsabsicht hergestellte Nachbildungen von Dingen[...].“

Jury der Aktion Anglizismus des Jahres[7]

Gegenmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Internetportal GitHub gibt es eine öffentlich bereitgestellte Liste mit bekannten "Fake-News-Domains[8]", die z.B. mit dem Fake-News-Filter von Perfect Privacy genutzt werden kann, um entsprechende Seiten zu blockieren.

Internetportale wie mimikama.at oder politifact.com überprüfen auf Anfrage oder in eigener Recherche entsprechende Aussagen bzw. Meldungen auf ihren Wahrheitsgehalt und unterziehen sie „Faktenchecks“. In Deutschland startete Anfang April 2017 die ARD mit einem eigenen Portal namens faktenfinder unter der Federführung von Patrick Gensing auf der Domain von tagesschau.de.[9]

Soziale Netzwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt Bestrebungen, Fake News in sozialen Netzwerken zu verhindern oder zu kennzeichnen; in Zusammenarbeit mit dem Recherche-Netzwerk und Portal Correctiv will z. B. Facebook in einem Testlauf entsprechende Meldungen auch in Deutschland kennzeichnen. Da das Unternehmen selbst den Wahrheitsgehalt von Inhalten („Postings“) nicht prüfen könne oder wolle, arbeitet es in den Vereinigten Staaten mit Firmen und Organisationen zusammen, welchen den Poynters International Fact-Checking Code of Principles (dt. „Poynters Kodex über internationale Fakten-Check-Prinzipien“) unterzeichnet haben, z. B. Snopes, PolitiFact, FactCheck.org und ABC News.[10]

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereinigte Staaten von Amerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den USA wird insbesondere das Breitbart-News-Netzwerk mit Fake News in Verbindung gebracht. Bekannte Fälle waren etwa 2009 die sogenannte „ACORN-Demontage“, 2013 die sogenannte „Friends of Hamas“-Kampagne sowie im Januar 2017 die irreführende und falsche Berichterstattung über angebliche Vorfälle in der Silvesternacht in Dortmund.

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 hielten einige Kommentatoren es für problematisch, dass zahlreiche frei erfundene Falschmeldungen (so genannte Fake News) auf Facebook unter den Nutzern verbreitet wurden.[11] Nach einer Studie des Pew Research Centers nutzen 44 % der erwachsenen amerikanischen Bevölkerung Facebook als Nachrichtenquelle.[12] Die Nutzerkonten von angeblichen Nachrichtenredaktionen teilten ihren Lesern auf Facebook etwa mit, dass beispielsweise Papst Franziskus[11] oder die Amischen Gemeinden der USA den Kandidaten und späteren Präsidenten Donald Trump unterstützen würden.[13] Über die demokratische Kandidatin Clinton wurden dagegen zahlreiche Falschmeldungen verbreitet, die sie mit Satanismus, Pädophilie (Pizzagate), Morden und anderen Themen in Verbindung bringen sollten.[14]

Möglich war das, weil das Unternehmen Facebook zwar den Nachrichtenfluss zwischen seinen Nutzern überwacht, aber die Inhalte keiner redaktionellen Kontrolle unterzieht. Verschärfend kam hinzu, dass spektakuläre Falschmeldungen mehr Leser anziehen, was von Facebook automatisch registriert wurde und den Stellenwert der Falschmeldung bei den Nachrichtenvorschlägen für andere Nutzer künstlich erhöhte.[15]

Durch die Ausschüttungen von Werbeeinnahmen an die Urheber populärer Falschmeldungen durch die Netzwerke scheint der überwiegende Teil des Phänomens auf solche Meldungen zurückzuführen zu sein, die von Personen ohne politisches Interesse, allein mit der Absicht Gewinn zu erzielen, verfasst wurden.[16] [17][14] Ähnliche Probleme zeigten sich beim Internetkonzern Google, bei dem Falschmeldungen mit Wahlkampfbezug als empfohlene Nachrichteninhalte angezeigt wurden.[18]

So erfand etwa ein US-Amerikaner in der Endphase des Wahlkampfes im September 2016 eine Meldung, nach der zehntausende zugunsten der Kandidatin Clinton vorausgefüllte Wahlzettel, nebst Wahlurnen, in einem Lagerhaus in Ohio gefunden wurden. Er platzierte die Meldung auf einer eigenen Internetpräsenz, die er zu dem Zweck angemietet und im Stil einer Nachrichtenseite gestaltet hatte und versah die Meldung mit einem Archivfoto, das er über eine Suchmaschine im Internet gefunden hatte. Er erreichte so, dass seine Meldung von rund sechs Millionen Nutzerkonten in Sozialen Netzwerken geteilt wurde, was in kurzer Zeit etwa 5.000 US-Dollar an Werbeeinnahmen generierte.[19]

Die Stadt Veles in Mazedonien erlangte 2016 internationale Bekanntheit, weil Bürger dieser Stadt das Betreiben von Webseiten mit Fake News beim US-Wahlkampf zu einem Geschäft gemacht hatten.[20][21]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jan Böhmermann löste im März 2015 mit der „Varoufake“-Satire eine öffentliche und politische Kontroverse aus und erhielt 2016 für sie den Grimme-Preis in der Kategorie „Unterhaltung/Spezial – Innovation“.

Anfang 2016 sorgte insbesondere der „Fall Lisa“ für diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und Russland, sowie ein ähnlich gelagerter, erfundener Vorwurf in Litauen gegenüber Bundeswehrsoldaten im Februar 2017.[22] Ein gefälschtes Zitat von Renate Künast unter falscher Quellenangabe führte zu juristische Auseinandersetzungen.[23] Im Kontext zur Flüchtlingskrise in Deutschland ab 2015 stand auch die Anfang 2016 von einem Helfer erfundene Meldung über einen Flüchtling, der in Folge der langen Wartezeiten und Umstände am Berliner LAGESO verstorben sei.[24] Der syrische Flüchtling Anas M., der durch ein Selfie mit der Bundeskanzlerin Angela Merkel öffentlich bekannt wurde, erwirkte eine Klage gegen Facebook vor dem Landgericht Würzburg, nachdem er dort unter anderem als „Terrorist“ verunglimpft worden war.[25] Ein Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Facebook wurde zurückgewiesen.[26]

Nach den Enthüllungen zur möglichen Rolle von Falschmeldungen im Wahlkampf zur Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2016 forderten verschiedene Politiker Konsequenzen, sowohl für die Verfasser von Falschmeldungen als auch für die Sozialen Netzwerke, die für ihre Verbreitung sorgten. Deutschlands Justizminister Maas wies darauf hin, dass bei übler Nachrede und Verleumdung einer Person des öffentlichen Lebens bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe drohen. Martin Schulz, damaliger Präsident des Europäischen Parlamentes drohte mit einer entsprechenden europäischen Gesetzgebung, sollten die Konzerne die Verbreitung von Falschmeldungen nicht von sich aus stoppen.[27] Das Bundesinnenministerium unter Thomas de Maizière plant laut Spiegel ein „Abwehrzentrum gegen Desinformationskampagnen“: „Da der Schwerpunkt bei der Öffentlichkeitsarbeit liegt, sollte die Federführung für diese zu schaffende Bündelungseinheit beim Bundeskanzleramt (Bundespresseamt) angesiedelt werden“. Als besonders anfällige Bevölkerungsgruppen werden „Russlanddeutsche“ sowie „türkischstämmige Menschen“ ausgemacht, bei denen laut dem Vorschlag eine „Intensivierung der politischen Bildungsarbeit“ erfolgen solle. Zudem lege das Bundesinnenministerium den Parteien nahe, sich noch vor den nächsten Landtagswahlen auf Grundregeln des Wahlkampfes und gegen den Einsatz von Social Bots und Fake News zu einigen: „Die Akzeptanz eines postfaktischen Zeitalters käme einer politischen Kapitulation gleich“.[28]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich hat der Journalist Florian Klenk im März 2017 Klage gegen die niederösterreichische Landesorganisation der Österreichischen Volkspartei und ihren Geschäftsführer eingereicht, da diese seine Berichterstattung über die Dr. Erwin Pröll Privatstiftung als „Fake News“ verunglimpfte. Er erhofft sich vom Gericht eine Klärung der Frage, was Fake News sind.[29]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Fake News – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
  1. Teil: Ein Gespenst geht um, nicht nur in Europa (1. März 2017)
  2. Teil: Was sind eigentlich "Fake News"? (3. März 2017)
  3. Teil: Haben Internet und soziale Medien "Fake News" groß gemacht?" (6. März 2017)
  4. Teil: Hat Donald Trump denn wirklich immer Unrecht? (14. März 2017)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerd Antos: Fake News. Warum wir auf sie reinfallen. Oder: »Ich mache euch die Welt, so wie sie mir gefällt«. In: Der Sprachdienst, Heft 1, 2017, Seite 1-20.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe Regelwerk: § 37 (E4), § 55 (3), § 45 (E1) im DWDS, online, abgerufen am 16. Februar 2017
  2. Fabian Reinbold: Propaganda in der Ära Trump: Die Wahrheit über Fake News, Spiegel Online vom 12. Januar 2017, abgerufen am 15. Februar 2017
  3. Fabian Köhler: Fake News: Die "Lügenpresse" der anderen, Deutschlandradio Kultur vom 13. Januar 2017, abgerufen am 28. Februar 2017
  4. Markus Reuter: Fake-News, Bots und Sockenpuppen – eine Begriffsklärung; netzpolitik.org vom 29. November 2016
  5. Facebook In Constant Battle Against Hoaxes, Scams And Fake News, International Business Times vom 30. Januar 2015, abgerufen am 21. Januar 2017
  6. Interview mit einem Faktenchecker – Sind Fake News eher rechts als links?, n-tv vom 11. Januar 2016, abgerufen am selben Tag.
  7. Anglizismus des Jahres 2016, verantwortlich im Sinne des Presserechts: Anatol Stefanowitsch, abgerufen am 8. Februar 2017
  8. marktron/fakenews. Abgerufen am 4. April 2017 (englisch).
  9. Mit „faktenfinder“ gegen gezielte Falschmeldungen: ARD startet Anti-Fake-News-Portal, meedia vom 3. April 2017
  10. Facebook will Fake-News kennzeichnen, Zeit Online vom 15. Januar 2017, abgerufen am 21. Januar 2017
  11. a b Nick Wingfield, Mike Isaac und Katie Benner: Google and Facebook Take Aim at Fake News Sites, New York Times vom 14. November 2016.
  12. Joseph Lichterman: Nearly half of U.S. adults get news on Facebook, Pew says, Niemanlab, 26. Mai 2016.
  13. Caitlin Dewey: Facebook fake-news writer: ‘I think Donald Trump is in the White House because of me’, Washington Post vom 17. November 2016.
  14. a b Mike McIntire: How a Putin Fan Overseas Pushed Pro-Trump Propaganda to Americans, New York Times vom 17. Dezember 2016.
  15. How can Facebook fix its fake news problem? BBC vom 14. November 2016.
  16. Sören Kittel: Fake-News aus Mazedonien – Veles ist die Heimat der Lügen, Westfalenpost, 28. Dezember 2016.
  17. Emma Jane Kirby: "The city getting rich from fake news" BBC vom 5. Dezember 2016
  18. Nick Wingfield, Mike Isaac, Katie Brenner: "Google and Facebook Take Aim at Fake News Sites", New York Times vom 14. November 2016.
  19. Scott Shane: From Headline to Photograph, a Fake News Masterpiece, New York Times vom 18. Januar 2017
  20. Stadt der Lügner, zeit.de vom 16. Dezember 2016, abgerufen am 28. Dezember 2016.
  21. How Facebook powers money machines for obscure political 'news' sites, The Guardian vom 24. August 2016, abgerufen am 28. Dezember 2016.
  22. Fake-News-Kampagne gegen die Bundeswehr in Litauen, Süddeutsche.de vom 16. Februar 2017, abgerufen am 18. Februar 2017
  23. Was sind Fake News?, tagesschau.de, abgerufen am 12. Dezember 2016.
  24. Thomas Kutschbach: Falschmeldung über toten Flüchtling in Berlin – Chronik eines üblen Gerüchts, Berliner Zeitung vom 28. Januar 2016.
  25. Syrischer Flüchtling verklagt Facebook, tagesschau.de vom 6. Februar 2017, abgerufen am 9. Februar 2017.
  26. Pressemitteilung 5/2017; Urteil vom 07.03.2017 im „Facebook-Verfahren“ auf justiz.bayern.de, abgerufen am 13. März 2017
  27. Maas fordert härteres Vorgehen gegen „Fake News“, faz.net, 18. Dezember 2016.
  28. Innenministerium will Abwehrzentrum gegen Falschmeldungen einrichten, Spiegel Online vom 23. Dezember 2016, abgerufen am 1. März 2017
  29. Cathrin Kahlweit: Ehrensache. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 31. März 2017]).