Ferdinand Guillaume

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Ferdinand Guillaume (* 19. Mai 1887 in Bayonne, Frankreich; † 3. Dezember 1977 in Viareggio, Italien), auch bekannt unter den Künstlernamen Tontolini und Polidor, war ein französisch-italienischer Schauspieler, Komiker, Stummfilmregisseur und Autor.

Leben und Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wohl erste Pinocchio-Verfilmung mit Guillaume in der Hauptrolle (1911)

Ferdinand Guillaume entstammte einer französischen Zirkusfamilie, seine Vorfahren sollen adeliger Herkunft gewesen sein. Nach ersten Bühnenerfahrungen kam er 1910 zur italienischen Filmkomödie, die sich gerade erst im Aufbau befand und häufig auf die Dienste französischer Komiker vertraute. Er wurde von der Filmgesellschaft Cines engagiert, die eine Serie von Filmkomödien mit der von ihm verkörperten Figur Tontolini veröffentlichte. Diese brachte Cines und dem italienischen Film internationales Renommee auf dem Gebiet des komödiantischen Films. Bei seinem ersten Langfilm spielte Guillaume 1911 die Titelrolle in der wohl ersten Pinocchio-Verfilmung unter Regie von Giulio Antamoro. Danach wurde er von der Filmgesellschaft Pasquali abgeworben, für die er zwischen 1912 und 1915 als Polidor eine neue Filmkomödienreihe schuf. In den 1910er-Jahren wurde er damit zeitweise zum beliebtesten Filmkomiker Italiens[1], außerdem führte er während dieser Zeit bei über 100 (Kurz-)Filmen Regie und schrieb zu einem Dutzend Filme das Drehbuch. Guillaumes Komik orientierte sich entsprechend seiner Herkunft an der aus Zirkus- und Burlesque-Shows, oft gingen die Gags um die Durchbrechung sozialer Rituale.[2] Manchmal spielte seine Filmhandlung auch in der Filmindustrie.[3]

Mit Beginn der 1920er Jahre war seine erfolgreiche Phase als Filmkomiker vorbei und er wandte sich wieder der Bühne zu, wo er die nächsten Jahrzehnte Auftritte im Stile des Vaudeville absolvierte. Nur gelegentlich kam er zu Nebenrollen im Film. Ab 1957 übernahm Polidor kleinere Rollen in einer Reihe von Filmen unter Federico Fellinis Regie, beispielsweise als Mönch in Die Nächte der Cabiria und in einem markanten Kurzauftritt als Clown in Das süße Leben.[4] Pier Paolo Pasolini besetzte ihn 1961 als Totengräber in Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß. Insgesamt spielte Guillaume in über 320 Filmen zwischen 1910 und 1968, wobei es sich bei der Mehrzahl um heute verschollene Stummfilme handelt. Er starb im Dezember 1977 im Alter von 90 Jahren.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richard Abel: Encyclopedia of Early Cinema. Taylor & Francis, 2005, ISBN 978-0-415-23440-5 (google.de [abgerufen am 21. März 2018]).
  2. Marcia Landy: Italian Film. Cambridge University Press, 2000, ISBN 978-0-521-64977-3 (google.de [abgerufen am 21. März 2018]).
  3. Louis Bayman: Directory of World Cinema: Italy. Intellect Books, 2011, ISBN 978-1-84150-400-1 (google.de [abgerufen am 21. März 2018]).
  4. Federico Fellini's "La Dolce Vita" 1960 - The Clown (bei YouTube). 28. Juli 2006, abgerufen am 21. März 2018.