Achteinhalb

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Dieser Artikel behandelt den Film von Federico Fellini. Zum Fenstermanager des Betriebssystems Plan 9 siehe Rio (Software); weitere Bedeutungen unter Achteinhalb (Begriffsklärung).
Filmdaten
Deutscher Titel Achteinhalb
Originaltitel
Produktionsland Italien, Frankreich
Originalsprache Italienisch
Erscheinungsjahr 1963
Länge 138 Minuten
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie Federico Fellini
Drehbuch Federico Fellini
Ennio Flaiano
Produktion Angelo Rizzoli
Musik Nino Rota
Kamera Gianni di Venanzo
Schnitt Leo Cattozzo
Besetzung

Achteinhalb (Originaltitel: bzw. Otto e mezzo) ist ein italienischer Kinofilm von Federico Fellini aus dem Jahr 1963. Der Film hat autobiographische Züge und behandelt die Probleme und Bedrängnisse eines Filmregisseurs.

Handlung[Bearbeiten]

Guido Anselmi ist ein Regisseur, der seine Inspiration verloren hat und sich unfähig fühlt, seine aktuelle Arbeit an einem Film zu beenden. Er zieht sich in einen Kurort zurück, doch dort erscheinen bald alle die, denen er eigentlich entkommen wollte: sein Drehbuchautor, sein Produzent, seine Frau und seine Geliebte. Er kann nicht entfliehen – einzig in Tagträume. Sein gesamtes Umfeld bedrängt ihn. Obwohl er in einer Schaffenskrise steckt, läuft die Produktion seines neuen Films auf Hochtouren: Guido lässt eine gewaltige Kulisse bauen, die Abschussrampe für ein Raumschiff.

Er ist völlig verwirrt, weiß keinen Ausweg und auf die Fragen von Schauspielern keine Antwort. So sagt er: „Ich wollte einen einfachen, ehrlichen Film, und jetzt herrscht in meinem Kopf die größte Verwirrung“. Immer wieder zieht sich Guido in seine Tagträume zurück, um der Welt zu entfliehen. Diese sind Erinnerungen oder Fantasievorstellungen, darunter die Vorstellung eines Harems, in dem ihm alle zu Füßen liegen. Die Übergänge von Realität zu Traum verlaufen ohne Bruch.

Am Ende des Films stehen zahlreiche Journalisten am Set und wollen von Guido Auskunft über seinen Film. Guido versteckt sich – abermals in seiner Vorstellung – unter dem Tisch und erschießt sich. Gleich danach sieht man ihn im Gespräch mit seinem Drehbuchautor. Der Film wurde abgesagt, die Journalisten haben das Set verlassen, alles wird abgebaut. Nun erscheinen weiß gekleidete Personen, Clowns, Zirkusleute, Guidos Eltern, seine Frau, seine Geliebte und andere Menschen, die in Guidos Leben eine Rolle gespielt haben. Sie tanzen, von einem Kind angeführt, und Guido flüstert Luisa zu: „Das Leben ist ein Fest, lass es uns gemeinsam erleben“.

Hintergründe und Interpretationen[Bearbeiten]

Fellini verarbeitete in diesem Film seine eigenen Probleme. Auch er steckte in einer Schaffenskrise. Er hatte alle Themen seines neuen Filmes beisammen und sich alles bereits ausgedacht, doch es fehlte ihm dazu eine Handlung, etwas, um seinen Ideen und Gedanken eine Struktur zu verleihen. So lautete der Arbeitstitel La bella confusione. Der Drehbeginn zum Film wurde mehrmals verschoben. Dann kam ihm der Einfall, seine eigene Schaffenskrise zum Thema des Films zu machen. Man kann Guido als Alter Ego Fellinis betrachten, er hat im Film dieselben Probleme wie Fellini in der Realität.

Laut Michael Töteberg hat sich Fellini zudem stark von Carl Gustav Jung beeinflussen lassen bzw. dessen Vorstellung von Träumen in seinen Film übernommen[1]. Für Jung sind Träume metaphorische Selbstdarstellungen des Unbewussten. Guido flieht, wenn er bedrängt wird, in aggressive Tagträume: So rächt er sich beispielsweise an seiner Schwägerin, die ihn einen Schaumschläger nennt, dergestalt, dass er ihr einen Platz in seinen erotischen Fantasien zuteilt; einen Intellektuellen, der ihn kritisiert, lässt er hängen.

Die Apotheose, der Reigen am Ende, bildet das optimistische Finale des Films. Guido hat seine Krise zwar nicht überwunden, doch das ist egal. Guido hat bemerkt, worauf es ankommt und bezeichnet das Leben als „Fest“, das es zu genießen gilt. Diese Sicht auf das Leben wird unterstützt von den Clowns und den Zirkusleuten, die am Reigen teilnehmen sowie von dem Kind, das selbigen anführt. Fellini sagte über das Finale, und damit über das Leben selbst, man müsse „mit seiner gesamten Vitalität in diesem fantastischen Ballett aufgehen und nur darauf bedacht sein, den Rhythmus richtig zu erfassen“.[1]

All dies trägt zur Leichtigkeit von bei. Der Film handelt von Verzweiflung und hat dennoch einen positiven, komödiantischen Grundstock. Der Film hat keine solche Struktur wie andere Filme, er folgt keiner üblichen Rahmenhandlung. Fellini bezeichnete seinen Film als ein „Mittelding zwischen einer unzusammenhängenden psychoanalytischen Sitzung und einer etwas planlosen Gewissenserforschung“.[1] Er besitzt keine richtige Basis, weshalb er für viele verwirrend ist, auch aufgrund der oft unmerklichen Übergänge von Traum zu Realität. Guido durchläuft einen verworrenen Prozess. Dies spiegelt sich im Film selbst wider, auch ist die Situation und Entwicklung Guidos mit der des Films verbunden. Laut Michael Töteberg benutzte Fellini „eine offene Komposition, in der Schaffensprozess und Werk untrennbar mit einander verknüpft sind“.[1] Christian Metz sagte über den Film: „ ist der Film, in dem entsteht“.[1]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  • Der Titel ist eine Anspielung auf die Anzahl der Filme, die Fellini zur Drehzeit bereits realisiert hatte. Dazu zählen sechs Spielfilme, die voll gezählt werden, und zwei Kurzfilme sowie ein Spielfilm in Co-Regie, die halb gezählt werden. Somit war dies sein achteinhalbter Film.
  • Der Titel klingt in den Ohren von Cineasten und Filmprofis eher wie eine Anspielung auf die Blende 8 1/2, die man an einer Filmkamera einstellen kann, um ein gut belichtetes Material zu bekommen. Legt man diese Deutung zugrunde, tritt der Inhalt des Films (auch seine dramatische Handlung) bedeutungslos in den Hintergrund. Denn 8 1/2 ist nur eine technische Größe für die richtige Belichtung eines Filmstreifens in der Kamera. Insofern könnte man Fellinis Schaffenskrise aus dieser Blendenzahl ableiten. Es geht letztlich um die korrekte Abbildung von Nichts.
  • Der Film wurde von Kritikern der renommierten Zeitschrift Sight and Sound im Jahr 2002 auf Platz neun der zehn besten Filmen aller Zeiten gewählt. Bei gleicher Befragung, allerdings unter Filmregisseuren, belegte er sogar den 3. Platz. Bei der Liste der hundert besten Filme, die Focus 2002 veröffentlichte, belegte 8½ den 34. Platz.
  • NISI MASA ist ein Netzwerk zur Förderung des jungen Films, das nach der Zauberformel „Asa Nisi Masa“ aus dem Film benannt wurde.
  • Das Saarbrücker Kino achteinhalb wurde nach diesem Film benannt.

Kritik[Bearbeiten]

„In seinem ebenso amüsanten wie vielschichtigen Selbstporträt geht Fellini schonungslos mit seinesgleichen und dem Kino ins Gericht; ein Dokument der Ratlosigkeit, zugleich aber auch ein Stück filmischer Selbsttherapie. Ein klug durchdachter "Film im Film", der in die Vision einer solidarischen, erlösten Welt mündet.“

Lexikon des Internationalen Films[3]

„Magisch, klug, witzig: So macht Krise Spaß!“

Cinema[4]

„Fellini versucht in diesem handlungsarmen, aber mit Problemen überfrachteten Film die geistig-seelische Krise eines Filmregisseurs zu überwinden. Es fehlt nicht nur die Klarheit der Aussage, sondern auch der Wille und Mut zu ihr. Dennoch für erwachsene Filmfreunde interessant.“

Evangelischer Filmbeobachter[5]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Achteinhalb wurde 1963 als bester Auslandsfilm mit den Preisen des amerikanischen National Board of Review und New York Film Critics Circle ausgezeichnet und gewann den Grand Prix des Filmfestivals von Moskau. Im Jahr darauf folgten in Italien sieben Siege bei der Vergabe des Nastro d’Argento (unter anderem Bester Film, Beste Regie, Drehbuch und Nebendarstellerin Sandra Milo) und die dänische Bodil als bester europäischer Film.

Bei der Oscarverleihung 1964 war Fellinis Film in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film und Beste Kostüme erfolgreich, während Regisseur, Drehbuchautoren und Szenenbildner für den Academy Award nominiert waren. Es war der dritte Auslandsoscar für Italien nach den Siegen von Fellinis Werken La Strada – Das Lied der Straße (1957) und Die Nächte der Cabiria (1958). Im selben Jahr folgten Nominierungen für die Preise der Directors Guild of America und British Film Academy. 1966 gewann Achteinhalb die japanischen Kinema-Jumpō-Preise als bester ausländischer Film und für den besten ausländischen Regisseur.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Töteberg (Hrsg.): Metzler Film Lexikon. S. 491.
  2. vgl. Roger Ebert auf rogerebert.suntimes.com
  3. Achteinhalb im Lexikon des Internationalen Films
  4. vgl. cinema.de
  5. Evangelischer Presseverband München, Kritik Nr. 282/1963