Fereshta Ludin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Fereshta Ludin (* 1972 in Kabul) ist eine deutsche Lehrerin afghanischer Herkunft. Sie war eine Symbolfigur im Kopftuchstreit in Deutschland Ende der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludin stammt aus großbürgerlichen Verhältnissen und ist das jüngste von fünf Kindern. Ihre Mutter war in den Fünfzigerjahren eine der ersten Frauen in Afghanistan, die studierten. Sie arbeitete nach dem Studium als Lehrerin. Ihr Vater war Ingenieur, arbeitete als Berater und später als Minister der afghanischen Regierung. Als Fereshta Ludin vier Jahre alt war, wurde ihr Vater Botschafter in Bonn. Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan 1979 ging die Familie ins Exil nach Saudi-Arabien. Ihr Vater arbeitet dort als Ingenieur. Die Familie wohnte in Riad. Ab dem fünften Schuljahr musste Fereshta Ludin dort das Kopftuch tragen. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie 1986 nach Deutschland und beantragte Asyl. Nach dem Abitur absolvierte Ludin ein Lehramtstudium in Englisch, Deutsch und Gemeinschaftskunde. Im Jahr 1995 erhielt sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Das Referendariat beendete sie mit der Note 1,3.[1] Sie war von 1997 bis 1999 im Vorstand der Muslimischen Jugend in Deutschland.

Ludin wurde seit 1998 eine Einstellung im Schuldienst des Landes Baden-Württemberg durch Behörden und Gerichte verweigert, weil sie beim Unterricht aus Glaubensgründen nicht auf das Tragen eines Kopftuchs verzichten wollte. Auch eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht scheiterte 2003. Während ihres gerichtlichen Kampfes trat sie häufig in Talkshows auf und es gab eine intensive Berichterstattung der Medien. Im Januar 2015 entschied das Bundesverfassungsgericht erneut über das Tragen eines Kopftuchs durch Lehrerinnen. Nun wurde ein pauschales Kopftuchverbot verworfen, da es mit der grundgesetzlich garantierten Religionsfreiheit nicht vereinbar sei. Nur bei konkreter Gefahr für den Schulfrieden oder die staatliche Neutralität, etwa durch Missionierung, könne das Tragen einer Kopfbedeckung als Erfüllung religiöser Pflicht verboten werden.[2]

Nach dem Kopftuchurteil unterrichtete Ludin an der staatlich anerkannten islamischen Grundschule in Berlin-Kreuzberg.[3] Ludin war eine der Organisatorinnen des ersten Berliner Ramadan-Friedensmarsches.[4]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Thank you, Mr. President! in: Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu. Blumenbar, Berlin 2011, ISBN 978-3-9367-3874-2
  • Enthüllung der Fereshta Ludin: Die mit dem Kopftuch, Autobiografie, Fereshta Ludin, Sandra Abed, Deutscher Levante Verlag, Berlin 2015. ISBN 978-3943737-21-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Markus Deggerich: Enthüllt. Der Spiegel 14/2015. S. 52–53.
  2. Beschluss des Ersten Senats Bundesverfassungsgerichts vom 27. Januar 2015
  3. Andrea Dernbach: "Ich habe nicht für das Kopftuch gekämpft", tagesspiegel.de vom 7. August 2013, abgerufen am 24. Juni 2017.
  4. Andrea Dernbach: Knapp 100 Teilnehmer bei Ramadan-Friedensmarsch, tagesspiegel.de vom 23. Juni 2017, abgerufen am 24. Juni 2017.