Ferhadija-Moschee

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Die Ferhadija-Moschee
Die Moschee im Jahr 1941

Die Ferhat-Pascha-Moschee (bosnisch Ferhat-pašina džamija), besser bekannt als Ferhadija-Moschee, stand bis zu ihrer Zerstörung 1993 im Zentrum Banja Lukas und war eines der schönsten Beispiele der osmanisch-islamischen Architektur des 16. Jahrhunderts in Bosnien und Herzegowina. Bis 2014 wurde sie wiederaufgebaut.

Die Moschee wurde 1579 im klassisch osmanischen-Stil von einem Schüler Sinans erbaut. In Auftrag gegeben wurde der Bau von Ferhat-paša Sokolović. Das Ensemble umfasste die Moschee selbst, den Innenhof, einen Friedhof, einen Brunnen sowie drei Mausoleen. Die Mausoleen enthielten unter anderem die Gräber von Ferhat-paša Sokolović, seiner Enkelin Safi-kaduna und weiterer Nachfahren. Der zentrale Brunnen, der šadrvan, hatte ein steinernes Becken mit einem schmiedeeisernen Gitter. Eine spätere Ergänzung des Komplexes war der nahegelegene Uhrturm Sahat-Kula. Die Gesamtanlage hatte bescheidene Abmessungen, wie es für derartige Bauten in Bosnien und Herzegowina üblich war. Die Moschee hatte eine Breite von 18 m und war 14 m lang, die Hauptkuppel erreichte eine Höhe von 18 m. Das Minarett war 43 m hoch.

Zerstörung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Moschee wurde wie die Arnaudija-Moschee am 7. Mai 1993 durch Sprengstoff teilweise zerstört und anschließend niedergerissen. Der erste Bombenanschlag auf die Moschee erfolgte durch serbische Nationalisten, die zu diesem Zeitpunkt auf stillschweigende Billigung durch die Behörden der Republika Srpska, im Rahmen der von diesen eingeleiteten ethnischen Säuberung zählen konnten. Die nachfolgende vollständige Zerstörung, organisiert durch die Behörden der Republika Srpska, beinhaltete den Abriss des kompletten Ferhadija-Komplexes. Die Überreste landeten auf der städtischen Müllkippe, einige Steinteile und Ornamente wurden zertrümmert und als Aufschüttung verwendet. Der eingeebnete Platz wurde später als Parkplatz benutzt. Einige Wochen nachdem die Ferhadija zugrunde gerichtet worden war, wurde auch der in der Nähe liegende Uhrturm Sahat-Kula zerstört. Die Ferhadija-Moschee war eine von sechzehn während des Bosnienkrieges 1992 bis 1995 zerstörten Moscheen in Banja Luka. Wegen der Zerstörung der Moscheen wurde der bosnisch-serbische Politiker Radoslav Brđanin vor dem Haager Kriegsverbrechertribunal angeklagt, jedoch konnte ihm in der Berufungsverhandlung keine persönliche Mitschuld in diesem Anklagepunkt nachgewiesen werden.

Wiederaufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 2001 erhielt die Islamische Gemeinschaft Banja Luka (Islamska Zajednica Banjaluke) die Bauerlaubnis für die Rekonstruktion der Moschee. Die Wiederaufbaubemühungen lösten am 7. Mai 2001 (genau acht Jahre nach der Zerstörung) Massenunruhen serbischer Nationalisten aus. Etwa 4000 serbische Aufrührer bewarfen eine Gruppe von 300 Bosniaken, die an der Grundsteinlegung zum Wiederaufbau teilnahmen, mit Steinen. Acht von ihnen wurden zur Behandlung in das Krankenhaus von Banja Luka gebracht, ein Mensch starb am 26. Mai 2001 an den Folgen einer Kopfverletzung. Die Grundsteinlegung wurde wenige Tage später heimlich und unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen abgeschlossen. Obwohl schon einige Moscheen, die in Banja Luka in der Zeit des Bosnienkrieges zerstört worden waren, seit 2001 wieder aufgebaut wurden, war der Wiederaufbau der Ferhadija-Moschee aufgrund der Lage im Stadtzentrum besonders umstritten. Weiterhin verzögerte er sich aufgrund von Unstimmigkeiten hinsichtlich der authentischen Rekonstruktion. Vorausgehende Studien zum Wiederaufbau wurden bereits erstellt durch die Schule für Architektur - Gestaltungs- und Forschungszentrum in Sarajevo. Die Kosten wurden auf 12 Millionen KM (ungefähr 6.1 Millionen EUR) geschätzt. Das Gelände und die Überreste des architektonischen Ensembles der Ferhadija-Moschee werden heute als Nationales Denkmal Bosnien und Herzegowinas geführt. Am 7. Mai 2016 wurde die Ferhadija-Moschee wieder eröffnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Ferhadija-Moschee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 44° 46′ 2,7″ N, 17° 11′ 14,4″ O