Filmmuseum Bendestorf

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Filmmuseum Bendestorf

Das Filmmuseum Bendestorf in Bendestorf in Niedersachsen ist eines von sieben Filmmuseen in Deutschland und befindet sich auf dem historischen Gelände der Filmstudios Bendestorf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges entwickelten sich die Bendestorfer Filmstudios zu den größten der damaligen Westzone. Von 1947 bis 2005 wurden hier knapp 100 abendfüllende Spielfilme und Filmserien produziert. Filme wie Die Sünderin mit Hildegard Knef, Ave Maria mit Zarah Leander und Heideschulmeister Uwe Karsten mit Claus Holm entstanden in den Studios.[1] 2011 wurde ein Förderverein für den Betrieb des Filmmuseums gegründet, das bereits seit 1990 im Makens Huus seine Sammlung ausstellte.[2] 2017 wurde das Museum in den Räumen des ehemaligen Filmstudios neu eröffnet.[3]

Filmstudios Bendestorf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Filmstudios Bendestorf entstanden am 1. April 1947, als Rolf Meyer die britische Lizenz zur Gründung einer Filmproduktionsgesellschaft erhielt und die Junge Film Union als eine der ersten Filmgesellschaften in West-Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gründete.

Rolf Meyer war ehemaliger UFA-Mitarbeiter und als Flüchtling in Bendestorf gelandet. Da er politisch nicht belastet war, machten ihn die englischen Besatzer zum Bürgermeister und gestatteten ihm die Gründung seiner Produktionsfirma. Finanziert wurden die Produktionskosten von einem Fleischfabrikanten aus Hamburg, der 1947 zwei Millionen Reichsmark in die Filmbranche investierte. 1948 begann Meyer mit dem Architekten Carlos Dudek auf dem 13.000 Quadratmeter großen Gelände Studios zu bauen. Der erste hier gedrehte Spielfilm ist Menschen in Gottes Hand, der 1948 in Hamburg-Harvestehude uraufgeführt wurde.

Der berühmteste Film wurde 1951 Die Sünderin mit Hildegard Knef mit der ersten Nacktszene im deutschen Kino.[4] Entgegen verbreiteter Meinung war es nicht Hildegard Knefs Nacktszene, die nach dem Erscheinen des Films skandalisiert wurde, sondern die Thematisierung von wilder Ehe, Prostitution, Vergewaltigung, Sterbehilfe und Selbstmord.[5]

Meyer konnte sich 1951 nach einem Autounfall mehrere Monate nicht um sein Unternehmen kümmern. Am 6. November 1952 wurde vor dem Landgericht Stade das Konkursverfahren über die Junge Film Union eröffnet und die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Meyer wegen Insolvenzverschleppung.[6] Der Verleger Axel Springer, der damals ein Ferienhaus in Bendestorf besaß, zahlte die Kaution zur Entlassung aus der Untersuchungshaft. Rolf Meyer verstarb 1963 im Nachbardorf Todtglüsingen.[7] Nach der Insolvenz erwarb Horst Fink von Fink-Film das Gelände und internationale Produktionen nutzten die Bendestorfer Studios, um dort zu drehen.

Die Filmstudios erwiesen sich im Laufe der 1960er Jahre als zu klein für große Spielfilm-Produktionen. Fernsehproduktionen folgten, meist Fernseh-Shows für öffentlich-rechtliche und später auch private Fernsehsender, später dann Werbefilme. Im Sommer 2012 wurde im Filmstudio Bendestorf der letzte Film gedreht. Der Spitzname Heide-Hollywood resultiert aus diesem Teil der Dorfgeschichte, der Filmstars wie Marika Rökk, Hildegard Knef oder Zarah Leander nach Bendestorf brachte.[8]

Ausstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Filmmuseum beinhaltet auf einer Fläche von ca. 800 m² Ausstellungsflächen, Produzentenkino, Mediathek, Archiv und Schulungsräume. Gezeigt wird die Filmtechnik der frühen Nachkriegsjahre wie Kameras, Scheinwerfer, Schneidetische und anderes Zubehör. Plakate, Szenenbilder, Original-Drehbücher und Autogramm-Bilder der Schauspieler runden die Ausstellung ab. Im Videoraum können nach vorheriger Anmeldung mehr als 50 in Bendestorf gedrehte Filme angesehen werden.

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Als Hollywood in der Heide lag – Die Filmstudios von Bendestorf; szenische Fernsehdokumentation (D 2016, ca. 45 min); Buch/Regie: Susanne Brahms, Matthias Greving, Erstausstrahlung: 8. Juni 2016 (NDR)[9]

Organisatorisches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Museum wird von einem Museumsverein betrieben und ist ganzjährig donnerstags und sonntags am Nachmittag geöffnet.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Filmmuseum Bendestorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Filmmuseum Bendestorf: Der Leuchtturm beginnt zu strahlen
  2. Tagesspiegel: Hollywood in der Heide
  3. Das Filmmuseum Bendestorf kehrt heim
  4. Als Hollywood in der Heide lag - Die Filmstudios von Bendestorf
  5. Sybille Steinbacher, S. 106
  6. Meyer - Wege im Zwielicht
  7. Vergessene Film-Metropole - Hollywood der Lüneburger Heide
  8. Atelier Filmstudio Bendestorf wird abgerissen
  9. "Als Hollywood in der Heide lag - die Filmstudios von Bendestorf" auf nordmedia.de; abgerufen am 8. Juni 2016

Koordinaten: 53° 20′ 32″ N, 9° 58′ 9″ O