Francis Younghusband

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Francis Younghusband

Francis Edward Younghusband (* 31. Mai 1863 in Murree, Indien; † 31. Juli 1942 in Lytchett Minster, Dorset, Vereinigtes Königreich) war ein britischer Offizier und Forschungsreisender.

Leben[Bearbeiten]

Younghusband wurde als Sohn einer britischen Militärfamilie in Indien geboren und war ein Neffe Robert Barclay Shaws. Mit 19 trat er in ein in Indien stationiertes Regiment ein. Er durchquerte 1887 die Mandschurei und überquerte als erster Europäer den Karakorum über den Muztagh-Pass. Mit 24 wurde er in die Royal Geographical Society aufgenommen und mit deren Goldmedaille ausgezeichnet.

Zwischen 1889 und 1895 war er an mehreren Expeditionen in die nordwestindischen Gebirge beteiligt. Während er sich auf einer dieser Expeditionen befand, entstand in Indien das Gerücht, er sei als Spion von Russen ermordet worden, was aber bald dementiert wurde. Das russische Vordringen hätte aber beinahe einen Krieg zwischen Indien und dem kaiserlichen Russland ausgelöst.[1]

Der Tibetfeldzug und das Massaker bei Guru[Bearbeiten]

Im April 1903 wurde er von Lord Curzon nach Tibet geschickt, um Handelsbeziehungen mit dem Land aufzunehmen. Diese Bemühungen sollten möglichen russischen Bestrebungen zuvorkommen. Younghusband wartete in Khamba Jong kurz hinter der tibetischen Grenze, um Verhandlungen mit den tibetischen Vertretern aufzunehmen. Diese bestanden allerdings auf Verhandlungen auf der britischen Seite der Grenze. Nach mehreren Monaten vergeblichen Wartens wurden die britischen Vertreter zurückgerufen.

Nach diesem Gesichtsverlust entsandte Curzon Younghusband erneut, jetzt mit einer eintausend Mann starken militärischen Eskorte. Der Britische Tibetfeldzug war beschlossen. Diesmal sollte tief auf tibetisches Gebiet vorgedrungen werden, allerdings auf keinen Fall weiter als bis zur Festung von Gyangzê, auf halbem Weg nach Lhasa. Diese Demonstration britischer Stärke sollte die Tibeter an den Verhandlungstisch zwingen. Die russische Regierung protestierte gegen dieses Vorgehen. Am 12. Dezember 1903 überquerte Younghusband mit 1.000 Sikhs und Sepoys sowie 10.000 Kulis und 7.000 Mulis und 4.000 Yaks die tibetische Grenze erneut. Die Briten nahmen drei Befestigungen kampflos ein und standen wenige Tagesmärsche vor Guru, als sie auf 1.500 tibetische Krieger trafen, die ihren Vormarsch aufhalten sollten. Versuche sie zur Aufgabe zu bewegen schlugen fehl, und Brigadier James MacDonald gab den Befehl die Tibeter zu entwaffnen. Die Tibeter wehrten sich und griffen die Briten an, die sie mit ihrer überlegenen Waffen innerhalb von wenigen Minuten in die Flucht schlugen. Die Briten stellten das Feuer jedoch aus ungeklärten Gründen nicht ein und feuerten weiter auf die langsam abziehenden Tibeter. 700 Tibeter, darunter viele Mönche, blieben tot oder sterbend zurück. Das Massaker sorgte für große Empörung in den liberalen Kreisen Londons. In zwei weiteren Gefechten wurden weitere 600 Tibeter getötet, während die Briten 5 Tote und 13 Verwundete verzeichneten. Als sie Gyangzê erreichten, stellte Younghusband das Ultimatum, er werde auf Lhasa marschieren, falls keine diplomatischen Verhandlungen aufgenommen würden. Das Ultimatum verstrich ungenutzt, und so nahmen die Briten am 5. Juli 1904 ihrern Vormarsch wieder auf und erstürmten die Festung von Gyangzê, wobei 300 Tibeter und 4 Briten getötet wurden. Am 3. August 1904 erreichte Younghusband Lhasa. Der Dalai Lama Thubten Gyatsho war in die Mongolei geflohen.

Bei ersten Verhandlungen wurde den Tibetern ein Handelsvertrag und ein britischer Stützpunkt in Lhasa aufgezwungen. Spätere Verhandlungen zwangen die Tibeter zur Öffnung von Handelsposten und Abtretung von Gebieten im östlichen Himalaya-Raum. Von russischen Machenschaften in Tibet fand Younghusband keine Spur. Am 23. September 1904 verließ er nach erfolgreichem Abschluss der Verhandlungen Tibet.[2]

Auf dieser Expedition verwendete er das Kartenmaterial, das Nain Singh 40 Jahre zuvor im Auftrag der Briten erstellt hatte.

Sonstiges Wirken[Bearbeiten]

Younghusband ließ sich 1906 als britischer Gesandter in Kashmir nieder. 1910 schied er aus dem Militärdienst aus. Er verfasste Expeditionsberichte und mehrere Bücher zu religiösen und philosophischen Fragen. Er unterstützte die Bestrebungen Indiens für die Selbstständigkeit. 1936 gründete er den World Congress of Faiths. Younghusband war auch sportlich aktiv, eine Zeit lang hielt er den Weltrekord über die 300-Yard-Strecke.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hopkirk Peter: The Great Game. On Secret Service in High Asia. John Murray (Publishers) Ltd., London 1990. Seite 469-470.
  2. Hopkirk Peter: The Great Game. On Secret Service in High Asia. John Murray (Publishers) Ltd., London 1990. Seite 509-512, 517-519

Werke[Bearbeiten]

  • Younghusband, Sir Francis: Der Himalaja ruft, übersetzt von Heinrich Erler, Union Deutsche Verlagsgesellschaft Roth &. Co.,Berlin 1937, (engl. Originaltitel: Everest, the Challenge)
  • Younghusband, Francis: La epopeya del Everest, 1946, Barcelona, Ed. Juventud
    • deutsch: Der Heldengesang des Mount Everest, übersetzt von W. Rickmers Rickmers; B. Schuster & Co., Basel 1928 (engl. Originaltitel: The Epic of Mount Everest)
  • Younghusband, Sir Francis: The Heart of Nature or The Quest for Natural Beauty, 1921, London, Murray
    • deutsch: Das Herz der Natur, F. A. Brockhaus, Leipzig 1923

Literatur[Bearbeiten]

  • Patrick French: Younghusband. The Last Great Imperial Adventurer. HarperCollins, London 2004, ISBN 0-00-637601-0. (englisch).
  • Hopkirk Peter: The Great Game. On Secret Service in High Asia. John Murray (Publishers) Ltd., London 1990. ISBN 0-7195-4727-X. (englisch).
  • Tsepon W. D. Shakabpa: Tibet. A Political History. 4. Druck. Potala Publishing, New York NY 1988, ISBN 0-9611474-1-5.
  • Gordon T. Stewart: Journeys to Empire, Enlightenment, Imperialism, and the British Encounter with Tibet, 1774 - 1904. Cambridge University Press, Cambridge u. a. 2009, ISBN 978-0-521-73568-1.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Francis Younghusband – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien