Frank Pobell

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Frank Pobell (* 9. August 1937 in Berlin) ist ein deutscher Physiker, Wissenschaftsmanager und Autor sowie ehemaliger Präsident der Leibniz-Gemeinschaft. Sein Spezialgebiet ist Materie bei tiefsten Temperaturen und stärksten Magnetfeldern.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pobell studierte 1957 bis 1962 Physik an der Universität München. 1965 wurde er an der TU München mit einer Arbeit zum Mößbauer-Effekt in Supraleitern promoviert und 1969 ebenfalls an der TU München mit Arbeiten zum superfluiden Helium habilitiert. 1962–1966 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Kommission für Tieftemperaturforschung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, danach bis 1969 an der TU München und anschließend bis 1971 an der Cornell University, Ithaca, USA. Nach der Rückkehr war er an der Kernforschungsanlage Jülich zunächst ab 1971 Gruppenleiter und von 1975 bis 1983 Direktor am Institut für Festkörperforschung. Gleichzeitig war er von 1975 bis 1983 Ordentlicher Professor für Experimentalphysik an der Universität zu Köln. Von 1983 bis 1997 war er Professor für Experimentalphysik an der Universität Bayreuth. Anschließend forschte und lehrte er bis zu seiner Emeritierung 2003 als Professor für Festkörperphysik bei tiefen Temperaturenan der TU Dresden.[1]

Als Gastprofessor wirkte Pobell am Technion Haifa, am National Physical Laboratory Delhi, dem Kapiza-Institut Moskau, an der Universität Tokio, der Universität von Florida und der Technischen Universität Helsinki.

In seinen wissenschaftlichen Arbeiten hat sich Pobell zunächst mit Eigenschaften des superfluiden Heliums beschäftigt. Seit 1975 standen dann die Erzeugung und Messung extrem tiefer Temperaturen sowie das Verhaltens der Materie bei diesen Temperaturen im Vordergrund. Hierbei hat er mehrfach die tiefsten Temperaturen erzeugt, zu denen Materie abgekühlt worden ist. Sein an der Universität Bayreuth aufgestellter Tieftemperaturweltrekord von nur 1,5 Mikrokelvin über dem absoluten Nullpunkt (−273,15 °C) hat noch heute Bestand.[2][3]

Von 1996 bis 2003 war Pobell wissenschaftlicher Direktor und Sprecher des Vorstandes des Forschungszentrum Dresden-Rossendorf. Von 2002 bis 2004 leitete er den Aufbau des Hochfeldlabors Dresden, einer Einrichtung, in der die höchsten gepulsten Magnetfelder erzeugt werden können.[4]

Unter den wissenschaftspolitischen Tätigkeiten in vielen nationalen und internationalen Gremien sind Pobells Wirken als Vizepräsident der Internationalen Union für Reine und Angewandte Physik von 1990 bis 1996 und als Präsident der Leibniz-Gemeinschaft von 1998 bis 2001 besonders erwähnenswert.[5]

Pobell ist verheiratet und hat aus erster Ehe drei Kinder.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pobell ist seit 1999 Mitglied der Sächsischen Akademie der Wissenschaften sowie seit 2002 Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech).

  • 1982 Award der Japan Society for the Promotion of Science
  • 1988 Emil-Warburg-Preis der Emil-Warburg-Stiftung
  • 1990 Akademie-Stipendium der Volkswagen-Stiftung
  • 1992 Lise-Meitner/Alex.v.Humbodt-Preis d. Israelischen Ministeriums f. Wissen. u. Technik
  • 1996 Medaille in Gold der Stadt Bayreuth
  • 2003 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • 2007 Ehrenzeichen der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Etwa 230 Publikationen in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften
  • Mitherausgeber des Journal of Low Temperature Physics, Springer-Publishing New York 1992–2005
  • Monographie Matter and Methods at Low Temperatures, Springer-Verlag Berlin Heidelberg New York 1992 (1. Aufl.), 1996 (2. Aufl.), 2007 (3. Aufl.)
  • Begegnungen im Pirin Gebirge, Projekte Verlag, Halle 2009, ISBN 978-3-86634-668-0; in bulgarischer Sprache: Verlag Roboread, Sofia 2011, ISBN 978-954-92436-6-6
  • Der absolute Nullpunkt – ein Reisebericht, Projekte Verlag, Halle 2010, ISBN 978-3-86237-139-6

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. hzdr.de: Hohe Ehrung für Rossendorfer Physiker, 12. Februar 2004, abgerufen am 21. Januar 2014.
  2. "Matter and Methods at Low Temperatures", Springer Verlag (siehe Publikationen)
  3. Horst Meyer: "A Tribute to Frank Pobell." In: Journal of Physics, Vol. 146, S. 437 (2007).
  4. Frank Pobell: „Das Hochfeldlabor Dresden“, Physik Journal Vol. 4, S. 25 (2005).
  5. leibniz-gemeinschaft.de: Ehemalige Präsidenten