Franz Brandl (Barkeeper)

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Franz Brandl (2011)

Franz Brandl (* 4. Oktober 1944 in Gendorf, Ortsteil von Burgkirchen an der Alz[1]) ist ein deutscher Barmeister und Sachbuchautor. Er ist der meistpublizierte Cocktail-Buchautor im deutschsprachigen Raum und hatte mit seinen Büchern sowie Veröffentlichungen in der Fachpresse großen Anteil am Wiedererstehen der Cocktailkultur.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ausbildung und Berufsleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Besuch der Volksschule seines Heimatortes ging Brandl 1958 nach München und absolvierte dort eine dreijährige Kellnerlehre in einem Restaurant in der Innenstadt, arbeitete nebenher aber auch anderswo.[3] Nach seiner Ausbildung arbeitete er 1962 in München als Kellner in schneller Folge im Syriana, einem arabischen Restaurant in Schwabing, im Platzl und im Nightclub ba-ba-lu, ebenfalls in Schwabing. 1964 war er auf Spiekeroog im Hotel Zur Linde tätig.[4] Da Franz Brandl eine Spezialisierung in Richtung eines Barmixers reizte, arbeitete er verstärkt in dieser Richtung, was aber schwierig war, da es eine Barkultur in Deutschland seinerzeit quasi nicht gab. Weitere Stationen führten Brandl zwischen 1965 und 1969 über Dortmund, Garmisch-Partenkirchen, Cuxhaven und Bielefeld schließlich wieder zurück nach München.[5] Von 1972 bis 1974 wirkte er als Barmanager im Sheraton Hotel München, dem damals größten Hotel Europas.[6] Als im September 1974 in München Harry‘s New York Bar als erste von einem Hotel unabhängige American Bar in Deutschland eröffnet wurde, war Brandl dort Barchef.[7]

Von 1978 bis 1983 arbeitete Franz Brandl für Eckart Witzigmann (Bild) und leitete die Bar in dessen Restaurant Aubergine.

1976 legte Franz Brandl die Barmeisterprüfung ab[8] und wurde so zu einem der ersten offiziellen deutschen Barmeister. 1977 arbeitete er unter anderem kurzzeitig im Grand Hotel Continental in München. Dann folgte eine der wichtigsten Stationen seines Berufslebens, die Tätigkeit in Eckart Witzigmanns Aubergine, dem ersten Drei-Sterne-Restaurant Deutschlands, wo Brandl von 1978 bis 1981 die Bar leitete.[9][10]

Nach seiner Meisterprüfung setzte sich Brandl außerdem für eine Aufwertung des Berufsbild des Barkeepers ein und erreichte, dass die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern nach mehreren Jahren Pause 1984 wieder Barmixer- und Barmeister-Prüfungen abhielten.[11] Ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf ist der Barkeeper aber bis heute nicht geworden (Stand 2015).

Nach dem Abschied aus der Aubergine machte sich Franz Brandl schließlich selbstständig. Er führte in Schwabing von 1983 bis 1985 die Schwabinger Cocktail Lounge und von 1987 bis 1992 Brandls Bar; dann zog er sich aus dem aktiven Berufsleben zurück.[12] Er schrieb danach mehrere Bücher.

Als Fachautor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einem breiten Publikum ist Franz Brandl als Verfasser von Praxisratgebern und Rezeptsammlungen rund um Cocktails und andere Mixgetränke bekannt geworden. Sein erstmals 1982 erschienenes Buch Gourmet Mix Guide war seinerzeit mit seinen 418 Seiten das erste ausführliche Cocktail- und Warenkunde-Buch neuerer Zeit in deutscher Sprache[11] und zählt heute zu den Klassikern der Barliteratur[8]. Diesem ließ er ab 1988 rund 25 weitere Titel folgen, die er mehrheitlich im Südwest-Verlag herausbrachte. Sie erfuhren teils mehrere Auflagen (auch als Lizenzausgaben in anderen Verlagen) und einige davon wurden in andere Sprachen übersetzt.

Zu seinen erfolgreichen Titeln zählen unter anderem sein Großes Cocktail-Buch/Cocktails mit Alkohol (erstmals 1988), sein Mix-Guide (mehrere Auflagen seit 1998) und Liköre der Welt (2000). Zu seinen Hauptwerken gehören zudem die im Matthaes Verlag erschienenen umfangreichen Bände Brandls Bar-Buch (1996) und Der Barmeister (1997), in denen sich der Verfasser intensiv berufsständischen Aspekten widmet.

Brandl, der auch Mitarbeiter der Fachzeitschrift Mixology – Magazin für Barkultur ist, legte 2015 unter dem Titel Der Barmixer. Erinnerungen an ein verrücktes Leben seine Autobiografie vor.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gastronomische Akademie Deutschlands zeichnete Brandls Barbuch 1996 mit der Goldmedaille aus,[13] und zwei Mal erhielt er den Gourmand World Cookbook Award: 2000 für Liköre der Welt[8] und 2009 für Cocktails hoch 3.[14]

2007 erhielt er den Mixology Bar Award in der Sparte „Lebenswerk“.[2]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gourmet Mix Guide, Edition Willsberger, Zürich 1982.
  • Franz Brandls großes Cocktail-Buch – 555 Mixgetränke mit und ohne Alkohol. Die Hausbar und ihre Einrichtung, Südwest-Verlag, München 1988, ISBN 3-517-01076-6 (mehrere Auflagen unter den Titeln Das große Cocktail-Buch und Cocktails mit Alkohol).
  • Mixgetränke ohne Alkohol, Südwest-Verlag, München 1990, ISBN 3-517-01198-3.
  • Mixvergnügen mit und ohne Alkohol – verführerische und berühmte Drinks aus aller Welt, Gräfe und Unzer, München 1991, ISBN 3-7742-1124-8.
  • Bowlen und Punsche, Falken, Niedernhausen/Taunus 1994, ISBN 3-8068-1447-3.
  • Cocktails ohne Alkohol – fruchtig und frisch, prickelnd und peppig für heiße Tage und Nächte, Südwest-Verlag, München 1995, ISBN 3-517-01620-9.
  • zusammen mit Bodo A. Schieren (Fotos): Brandls Bar-Buch, Matthaes, Stuttgart 1996 (4., komplett überarbeitete Auflage im gleichen Verlag, 2003, ISBN 3-87516-646-9).
  • Happy hour's! 50 Drinks mit und ohne Alkohol, Hahn, München 1997, ISBN 3-87287-438-1.
  • Der Barmeister, Matthaes, Stuttgart 1997 (2., aktualisierte Auflage im gleichen Verlag, 2000, ISBN 3-87516-681-7).
  • Franz Brandls Mix-Guide, Südwest-Verlag, München 1998 (spätere Ausgaben unter dem Titel Mix-Guide beim gleichen Verlag 2006 und 2009, ISBN 978-3-517-08162-5, ISBN 3-517-08162-0 und ISBN 978-3-641-03692-8).
  • 100 Top-Drinks. Cocktails mit und ohne Alkohol – von einfach bis raffiniert – die besten Mixrezepte für jede Party, Südwest-Verlag, München 1998, ISBN 3-517-08034-9.
  • Liköre der Welt, Südwest-Verlag, München 2000, ISBN 3-517-06289-8.
  • Alkoholfreie Top-Drinks. Mixen wie ein Profi – von fruchtig-frisch bis raffiniert-exotisch – die besten Rezepte für köstliche Cocktails, Südwest-Verlag, München 2000, ISBN 3-517-06197-2.
  • Tropical Drinks – Karibik-Feeling zum Selbstmixen. Verführerische Rezepte mit feinen Zutaten, Südwest-Verlag, München 2003, ISBN 3-517-06633-8.
  • Vitamindrinks – Säfte und Shakes selbst gemacht mit Früchten und Gemüse, Südwest-Verlag, München 2005, ISBN 3-517-06743-1.
  • Milchshakes – Powerdrinks vom Feinsten – mit Milch, Joghurt oder Sahne – mit und ohne Alkohol, Südwest-Verlag, München 2006, ISBN 978-3-517-06979-1.
  • Whisk(e)y, Südwest-Verlag, München 2007, ISBN 978-3-517-08335-3.
  • Cocktails hoch 3 – 100 Klassiker mit je drei Zutaten, Südwest-Verlag, München 2009, ISBN 978-3-517-08486-2.
  • Die 100 besten Cocktails der Welt, Südwest-Verlag, München 2009, ISBN 978-3-517-08521-0.
  • Heiße Drinks – Rezeptideen mit und ohne Alkohol, Südwest-Verlag, München 2010, ISBN 978-3-517-08662-0 und 978-3-641-55204-6.
  • Liköre, Südwest-Verlag, München 2011, ISBN 978-3-517-08743-6.
  • Best of Cocktails mit Alkohol, Südwest-Verlag, München 2012, ISBN 978-3-517-08802-0.
  • 50 Top-Drinks mit Rum & Tequila – best of cocktails, Südwest-Verlag, München 2014, ISBN 978-3-517-08988-1.
  • 50 Top-Drinks mit Gin & Wodka – best of cocktails, Südwest-Verlag, München 2014, ISBN 978-3-517-08989-8.
  • Der Barmixer. Erinnerungen an ein verrücktes Leben, epubli, Berlin 2015, ISBN 978-3-7375-6538-7 und ISBN 3-7375-6538-4.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Franz Brandl: Der Barmixer. Erinnerungen an ein verrücktes Leben. epubli, Berlin 2015, S. 8–9
  2. a b Mixology Bar Awards für das Lebenswerk, im Online-Auftritt von Mixology; abgerufen am 23. Oktober 2015
  3. Franz Brandl: Der Barmixer. Erinnerungen an ein verrücktes Leben. epubli, Berlin 2015, S. 10–25
  4. Franz Brandl: Der Barmixer. Erinnerungen an ein verrücktes Leben. epubli, Berlin 2015, S. 26–35
  5. Franz Brandl: Der Barmixer. Erinnerungen an ein verrücktes Leben. epubli, Berlin 2015, S. 36–44
  6. Franz Brandl: Die Entwicklung der Bar in Deutschland nach dem II. Weltkrieg, im Online-Auftritt von Mixology; abgerufen am 23. Oktober 2015
  7. Franz Brandl: Die Entwicklung der Bar in Deutschland nach dem II. Weltkrieg, im Online-Auftritt von Mixology; abgerufen am 23. Oktober 2015
  8. a b c Franz Brandl: Cocktails – über 1000 Drinks mit und ohne Alkohol. Südwest-Verlag. München 2007, S. 7 (Autorenportrait)
  9. Kurzportrait (mit Foto) beim Südwest-Verlag; abgerufen am 23. Oktober 2015
  10. Franz Brandl: Der Barmixer. Erinnerungen an ein verrücktes Leben. epubli, Berlin 2015, S. 86–112
  11. a b Franz Brandl: Entwicklung der Bar in Deutschland nach dem II. Weltkrieg, im Online-Auftritt von Mixology; abgerufen am 23. Oktober 2015
  12. Franz Brandl: Der Barmixer. Erinnerungen an ein verrücktes Leben. epubli, Berlin 2015, S. 118–124.
  13. Preisträger Goldene Feder 1996; abgerufen am 23. Oktober 2015
  14. Liste der Preisträger 2009; abgerufen am 23. Oktober 2015