Burgkirchen an der Alz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Burgkirchen a.d.Alz
Burgkirchen an der Alz
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Burgkirchen a.d.Alz hervorgehoben
Koordinaten: 48° 10′ N, 12° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Altötting
Höhe: 424 m ü. NHN
Fläche: 46,2 km2
Einwohner: 10.257 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 222 Einwohner je km2
Postleitzahl: 84508
Vorwahl: 08679
Kfz-Kennzeichen: AÖ, LF
Gemeindeschlüssel: 09 1 71 113
Gemeindegliederung: 148 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Max-Planck-Platz 5
84508 Burgkirchen a.d.Alz
Webpräsenz: www.burgkirchen.de
Erster Bürgermeister: Johann Krichenbauer (FW)
Lage der Gemeinde Burgkirchen a.d.Alz im Landkreis Altötting
Burghausen Emmerting Burgkirchen an der Alz Kastl (Oberbayern) Haiming (Oberbayern) Mehring (Oberbayern) Marktl Neuötting Altötting Feichten an der Alz Winhöring Tüßling Töging am Inn Teising Pleiskirchen Garching an der Alz Unterneukirchen Tyrlaching Stammham (am Inn) Reischach Perach Kirchweidach Halsbach Erlbach (Oberbayern) Landkreis Rottal-Inn Landkreis Mühldorf am Inn Landkreis Traunstein ÖsterreichKarte
Über dieses Bild

Burgkirchen an der Alz (amtlich: Burgkirchen a.d.Alz) ist die größte Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Altötting ohne Stadt- oder Marktrecht.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgkirchen liegt an der Alz, etwa 9 km südlich von Altötting (am Mörnbach) und Neuötting (am Inn) beziehungsweise 9 km westlich von Burghausen (an der Salzach). Die Gemeinde grenzt im Westen an Garching an der Alz; im Norden an Unterneukirchen und Kastl; im Osten an Emmerting, Mehring und Burghausen; im Süden an St. Radegund (BR, , A), Tittmoning (Landkreis Traunstein), Halsbach und Kirchweidach.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es existieren die Gemarkungen Altöttinger Forst, Burgkirchen a.d.Alz, Dorfen, Forstkastl, Gufflham, Neukirchen a.d.Alz und Raitenhaslach.

Burgkirchen an der Alz hat 148 Ortsteile:[2]

Burgkirchen (rechts) und Umgebung in den 1930er-Jahren (Aufnahmeblatt der 3. österreichischen Landesaufnahme)

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gemeindegründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals erwähnt wurde der Ort 790 als Pohkirch in einem Güterverzeichnis des Bistums Salzburg. 1808 wurde Burgkirchen eine selbständige Gemeinde.

19. und 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1871 zählte die Gemeinde 291 Einwohner. Von 1916 bis 1922 wurde der Alzkanal gebaut.

1897 wurde Burgkirchen an die Bahnstrecke Mühldorf-Burghausen angeschlossen.

Das rein landwirtschaftlich geprägte 500-Seelen-Dorf erfuhr ab 1939 mit dem Bau des Chemischen Werkes Gendorf, das 1941 seine Produktion aufnahm, einen grundlegenden Strukturwandel.

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 1. Januar 1969 wurde ein Teil der bis dahin selbstständigen Gemeinde Gufflham eingegliedert. Am 1. Januar 1970 kam die Gemeinde Dorfen hinzu.[3] Am 1. Januar 1978 kamen Gebietsteile der aufgelösten Gemeinden Hirten, Raitenhaslach und Unterneukirchen sowie ein Teilgebiet der Gemeinde Kastl hinzu.[4]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rathaus von Burgkirchen
Sitzverteilung im Gemeinderat seit 2008[5]
Gemeinderatswahl 16. März 2014 3. März 2008
CSU 11 11
SPD 5 7
FW 6 5
Grüne 2 1

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: In Blau eine silberne Retorte auf goldenem Dreibein, darüber waagrecht schwebend ein goldenes Sensenblatt.

Im Wappen sind die bestehenden wirtschaftlichen Verhältnisse in der Gemeinde verkörpert. Das Wappen wird in gleicher oder ähnlicher Form bisher von keiner anderen Gemeinde Bayerns geführt. Das Sensenblatt weist auf den früher ausschließlich landwirtschaftlichen Charakter der Gemeinde hin. Noch heute gibt es rund 150 bäuerliche landwirtschaftliche Betriebe, die in stattlichen Vierseithöfen, in Einöden oder Weilern die Landschaft prägen. Die Retorte steht für die seit 1940 im Gemeindebereich aufgeblühte bedeutende chemische Industrie (Werk Gendorf), die einem Großteil der Einwohnerschaft und zahlreichen Einpendlern die wirtschaftliche Existenz sichert.[6]

Partnerschaften und Freundschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgkirchen unterhält eine Partnerschaft mit

Für die Aktivitäten zur Verbreitung des „Europäischen Gedankens“ wurden Burgkirchen und Wingen-sur-Moder im Jahr 2004 mit der „Ehrenfahne des Europarates“ ausgezeichnet. Die Ehrenfahne wurde in Burgkirchen am 16. Oktober 2004 und in Wingen-sur-Moder am 20. November 2004 offiziell überreicht.

Burgkirchen unterhält weiterhin Freundschaften mit

  • Kazincbarcika (Ungarn), Kontakte seit 1990, Freundschaftsvertrag seit dem 15. März 1998
  • Sânnicolau Mare (dt. Groß-Sankt-Nikolaus; ungarisch Nagyszentmiklós) (Banat, Rumänien), Kontakte seit 1989, Freundschaftsvertrag seit dem 28. März 2004

Die formellen Freundschaftsverträge sind dem Partnerschaftsvertrag mit Wingen-sur-Moder gleichgestellt.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Radio ISW ging aus einer öffentlichen Gesellschaftsgründung hervor, an der sich jedermann beteiligen konnte. Das führte letztlich auch zum großen pluralen Kreis von rund 30 verschiedenen Gesellschaftern, die sich zur Inn-Salzach-Welle GmbH zusammenschlossen. Die Volkshochschulen Alt-Neuötting und Burghausen gehören dazu, ebenso das Kreisbildungswerk Rottal-Inn-Salzach und der Bezirksverband Oberbayern der Arbeiterwohlfahrt.

Der Sendestart erfolgte am 6. Juni 1988 von Burgkirchen an der Alz aus, zeitgleich mit Radio Mühldorf. Das auf optimale Bürgernähe ausgerichtete Konzept von Radio ISW setzte sich rasch durch: schon 1991 übernahm Radio ISW das Sendegebiet von Radio Mühldorf. 1993 eröffnete Radio ISW in Waldkraiburg im Haus der Vereine ein Regionalstudio. Ein weiterer Meilenstein 1998: der Umzug nach Burgkirchen-Gendorf in das eigene Funkhaus. Radio ISW ist eine Produktion der Hörfunk Burgkirchen-Mühldorf GmbH. Seit dem Sendestart ist Hans Hausner der Geschäftsführer.

Die "Inn-Salzach-Welle GmbH" produziert bereits seit dem 1. Oktober 1986 lokale Fernsehprogramme und gehört damit zu den Pionieren des Privatfernsehen. Am Anfang standen monatliche Sendungen, bekannt unter der Bezeichnung "Landkreiskamera" und beschränkt auf die Region des Landkreises Altötting. Später erfolgte die Ausstrahlung zentral im Kabelfernsehen über ein eigenes Studio in Schnaitsee für die südostbayerischen Landkreise Altötting, Mühldorf, Traunstein und Rosenheim. Heute ist ISW-TV via Kabel, Astra-Satellit und verschiedene andere Möglichkeiten flächendeckend über RFO zu empfangen.

Naherholung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Grüne Lunge wurde 1975 das Naherholungsgebiet Halsbachtal geschaffen. Es erstreckt sich zwischen der Ortsmitte und dem Ortsteil Holzen. Der Naturlehrpfad sowie ein großer Spielplatz sind hier eingebettet.

Sportanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eisstadion „Keltenhalle“ Burgkirchen (geschlossen)
  • Alzstadion Burgkirchen
  • Freibad Burgkirchen
  • Skateplatz
  • Tennisplatz
  • Sportplatz Hirten mit Tennisanlagen

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgkirchen liegt etwa 10 km südlich der A 94/B 12 München-Passau an den Staatsstraßen St 2107 und St 2356. Die B 20 Straubing-Freilassing überquert das südliche Gemeindegebiet.

Burgkirchen liegt an der Bahnstrecke Mühldorf–Burghausen. An den Stationen Gendorf und Burgkirchen halten stündlich Regionalbahnen der Südostbayernbahn.

Den Ortsverkehr von Holzen nach Gendorf mit Bussen bedient die Firma Brodschelm Mo-Sa im Rahmen ihrer Linie 142 von Burghausen nach Altötting in etwa alle 2 Stunden (nur Mo–Fr, kein Sonntagsverkehr) sowie die Firma Omnibus Wengler mit einem Vormittagskurspaar. Regionale Busse der beiden Firmen verkehren montags – freitags nach Tittmoning, Burghausen, Altötting, Neuötting, Mühldorf, Garching an der Alz und Emmerting.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhaltepunkt Burgkirchen
Das Bürgerzentrum
Die spätgotische Nebenkirche St. Johannes
Katholische Pfarrkirche St. Pius X., 1956 erbaut
Die 1961 erbaute evangelische Dreifaltigkeitskirche

Der Ortsteil Gendorf ist eines der Zentren des Bayerischen Chemiedreiecks. Dort befindet sich ein großer Standort chemischer Betriebe. Dieser ist durch eine Ethylen-Pipeline mit Münchsmünster bei Ingolstadt und weiter über Ludwigshafen/Rhein und Köln mit Amsterdam verbunden.

Müllheizkraftwerk Burgkirchen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Burgkirchen ist Standort des Müllheizkraftwerks Burgkirchen, in welchem der Zweckverband Abfallverwertung Südostbayern (ZAS) die Entsorgung des in den Landkreisen Mühldorf, Altötting, Rosenheim, Traunstein, Berchtesgadener Land, Rottal-Inn und Dingolfing-Landau anfallenden nicht verwertbaren Restmülls (Haus-, Sperr- und Gewerbemüll) vornimmt. Der Abfall wird verbrannt, die daraus gewonnene Energie wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist.[7]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mini-Burgkirchen ist eine Spielstadt im Rahmen des Ferienprogramms der Gemeinde Burgkirchen an der Alz. Eine Woche lang sind 120 Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren damit beschäftigt, die Welt der Großen spielerisch zu erleben. Es gibt Werkstätten (zum Beispiel Schreinerei, Gärtnerei usw.), in denen die Kinder basteln und dabei Spielgeld, sogenannte Mini-Bukis, verdienen. Auch eine Bank, ein Postamt und eine Gemeinde mit Arbeitsamt und Einwohnermeldeamt sind vorhanden.
  • Alte Katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer. Die spätgotische alte Pfarrkirche wurde 1477 geweiht und 1763 von dem Trostberger Baumeister F. A. Mayr barockisiert. Die Ausstattung ist barock, die Fresken stammen von Martin Heigl. Der alte Friedhof mit dem Beinhaus liegt bei der Kirche.
  • Katholische Pfarrkirche St. Pius X. Der moderne dreischiffige Längsbau mit offener Dachkonstruktion wurde 1956 von Architekt Anton Recknagel errichtet.
  • Evangelische Dreifaltigkeitskirche. Sie wurde 1961 vom Münchener Architekten und Kirchenbaumeister Olaf Andreas Gulbransson (1916–1961) erbaut.
  • Die gotische, im 18. Jahrhundert barockisierte Pfarrkirche in Margarethenberg, auch „Dom des Alztals“ genannt, besitzt ein Hochaltarbild und Fresken von Johann Baptist Zimmermann.
  • Der Planetenweg, ein verkleinertes Abbild des Sonnensystems. Die einzelnen Modelle sind in Größe und Abstand maßstabgetreu (1:1 Mrd.). Jeder Millimeter entspricht 1.000 Kilometer im Weltall.
  • Aufwind, ein Festival der Blasinstrumente, das seit 2006 jedes Jahr im Herbst stattfindet. Neben Stars von Weltrang haben stets auch lokale Musiker und Ensembles ihren Auftritt.
  • Das Bürgerzentrum wurde im Mai 2005 eröffnet. Die Architekten waren Horst Biesterfeld und Manfred Brennecke. Mit seinem großen Saal und seinen Seminarräumen bietet es zahlreiche Veranstaltungsmöglichkeiten und beherbergt Musikschule, Bibliothek, Mutter-Kind-Gruppen und eine Gastronomie.
  • Geotop Toteiskessel Dorfen; geowissenschaftlicher Wert bedeutend [8]

siehe auch Liste der Baudenkmäler in Burgkirchen an der Alz

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Brandl (* 4. Oktober 1944 in Gendorf), Barmeister und Sachbuchautor
  • Helmut Ortner (* 1950 in Gendorf) Journalist, Medienentwickler und Publizist.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom Juli 2016 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?anzeige=voll&modus=automat&tempus=+20111127/224956&attr=OBJ&val=124
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 417.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 567.
  5. Ergebnisse und Berichte rund um die Kommunalwahlen 2014. Passauer Neue Presse, abgerufen am 7. Juni 2017.
  6. Burgkirchen an der Alz: Wappengeschichte vom HdBG
  7. Offizielle Homepage des Müllheizkraftwerks Burgkirchen sowie des Zweckverbands Abfallverwertung Südostbayern (ZAS)
  8. [1]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Burgkirchen an der Alz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien