Friedrich Fries (Verleger)

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Friedrich Fries (* 18. Dezember 1856 in Mauden; † 23. September 1926 in Hamm) war ein Evangelist und Prediger des Bundes Freier evangelischer Gemeinden sowie Gründer und Schriftleiter des SCM Bundes-Verlags.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Im Oktober 1887 gründete er in Witten mit einem Grundkapital von 6,80 Mark die Firma "Fries und Co.", die als „Buchhandlung der Stadtmission“ firmierte und der missionarischen Schriftenverbreitung und der rechtlichen Sicherstellung eines Versammlungshauses der kleinen christlichen Gemeinschaft dort dienen sollte. Aus diesem Anfang ist der heutige SCM Bundes‑Verlag geworden.
  • Im Jahr 1890 brachte er das evangelistische Verteilblatt „Der Märkische Evangelist“ heraus.
  • 1892 begann er mit einem Blatt für sogenannte „Jünglingsvereine“ mit dem Namen „Timotheus“.
  • 1893 kam die erste Ausgabe der Wochenzeitschrift „Der Gärtner“ heraus als „Blatt für freie evangelische Gemeinden und Gemeinschaften“. Es hat sich zu einer modernen Monatszeitschrift mit dem Namen „Christsein Heute“ entwickelt.
  • Im Jahr 1893 erschien auch ein erster Buchkalender mit dem Titel „Der gute Botschafter“, dem 1902 der „Wittener Abreißkalender“ folgte.
  • 1894 brachte Fries ein Sonntagschulblatt für Kinder heraus mit dem Titel: „Friede sei mit euch“.
  • Schon im Jahr 1888 hatte er unter schwierigen Umständen mit einer Buchproduktion begonnen, die im heutigen SCM Bundes‑Verlag – wenn auch in bescheidenem Umfang – fortgesetzt wird. Dazu gehörte auch 1898 die Herausgabe der „Geistlichen Lieder“, einem Gesangbuch für Gemeinden.
  • Der anfangs umstrittene Beginn eines Diakonissenwerkes in Wetter (Ruhr) im Jahr 1896 hat zum Bestehen eines sehr beachtlichen Diakonischen Werkes, heute in Solingen‑Aufderhöhe, geführt.
  • Fries hat bei der Gründung der Immobiliengesellschaft „Gemeinwohl“ im Jahr 1904 mitgewirkt, die die Grundstücke und Gebäude der Gemeinden rechtlich sicherte, und hat als erster die nötigen Satzungen dazu entworfen.
  • Ebenso geht die Schaffung eines Evangelisationswerkes im Bund Freier evangelischer Gemeinden (heute „Inlandmission“) im Jahr 1904 auf seine Initiative zurück, die er gemeinsam mit Otto Schopf (1870–1913) umsetzte.
  • Auch bei der anfangs noch umstrittenen Gründung der Spar- und Kreditbank des Bundes FeG ging Fries voran, indem er 1925 vorab die „Bausparkasse des Gemeinnützigen Bauvereins Freier evangelischer Gemeinden eGmbH in Hamm“ gründete.

Seine Herkunft aus dem Westerwald, sein erlernter Beruf als Schmied und vor allem seine Prägung durch die Siegerländer Erweckungsbewegung hatten ihn praktisches, unkonventionelles Christsein ohne Wenn und Aber gelehrt. Hier hatte Fries auch seine Begeisterung für den Gesang entdeckt, was dazu führte, dass er – noch ohne Notenkenntnis – einen Chor gründete und dessen Dirigent wurde. Das gemeinsame Singen ließ ihn nicht los, so dass er sich mit zunehmender Fähigkeit auch in dem 1879 gegründeten Christlichen Sängerbund engagierte und im Vorstand der Westdeutschen Vereinigung tätig war.

Ohne theologische Vorbildung war Fries 1879 Bote des im Wuppertal ansässigen Evangelischen Brüdervereins geworden, der ihn als Stadtmissionar nach Wesel schickte. Dort lernte er eine Freie evangelische Gemeinde kennen und traf auf führende Persönlichkeiten, durch die er vielfältige Anregungen erhielt. Sie veranlassten ihn zu seinen späteren Initiativen. 1884 schied er aus dem Brüderverein aus und meldete sich bei der Neukirchener Mission zur Missionsarbeit in Java. Als die Ausreise scheiterte, nahm er 1887 auf Vermittlung des Neukirchener Missionsinspektors Julius Stursberg (1857‑1909) und auf Anfrage des Wittener Gelehrten und Evangelisten Friedrich Baedeker (1823–1906) die Berufung als Prediger der sich formierenden Freien evangelischen Gemeinde in Witten an. Mit seinen genannten Initiativen trug Fries entscheidend zur Identitätsfindung und Weiterentwicklung der Freien evangelischen Gemeinden bei. Er wurde so zu einem „Bahnbrecher für einen neuen Abschnitt der Bundesgeschichte“ der FeG (Karl Mosner). Von seinen Freunden wurde er wegen seiner Neigung zum Enthusiasmus gelegentlich „Bruder Superlativ“ genannt. Als seinen Nachfolger im Pastorendienst hatte Fries Otto Schopf nach Witten geholt, dem es gelang, "dem Werk von Fries einen viel reicheren Inhalt, als jener es vermochte, einen innigeren Geist, eine größere Ausdehnung" zu geben (Bussemer).

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Carl Bender, Robert Kaiser: Eröffnungsfeier des Diakonissenheimes „Bethanien“ zu Wetter an der Ruhr. In: Der Gärtner. 4/1896, Witten 1896, S. 190–192.
  • Einiges über das Eigentumsrecht mit besonderer Berücksichtigung der Versammlungshäuser. In: Der Gärtner. 7/1899, S. 363–364, 372–373, 388–389.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Bussemer: Friedrich Fries, ein Diener der Gemeinde aus dem Volk. Witten 1929.
  • Karl Mosner: Friedrich Fries – ein Diener der Gemeinde Jesu aus dem Volk und Bahnbrecher der Freien evangelischen Gemeinden. Witten 1948.
  • Karl Glebe: Zum hundertsten Geburtstag von Friedrich Fries. In: Der Gärtner. 1956, S. 1016f.
  • Hartmut Weyel: Amboss, Kanzel und Druckerpresse. Friedrich Fries (1856–1926). In: Christsein Heute. 12/2006, S. 26–29.
  • Hartmut Weyel: Friedrich Fries (1856–1926). Evangelist, Buchhändler und Schriftleiter; in: H. Weyel: Zukunft braucht Herkunft. Lebendige Porträts aus der Geschichte und Vorgeschichte der Freien evangelischen Gemeinden, Bd. II, GuTh 5.5/2, Witten 2010, S. 87–99.