Friedrich Wilhelm von Ferber

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Friedrich Wilhelm Freiherr von Ferber (* 7. Juni 1732 in Dresden; † 25. Oktober 1800 in Leipzig) war ein kursächsischer Staatsmann. Als Hof- und Justizrat war er einer der programmatischen Köpfe des sächsischen Rétablissements.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ferbers Vater war Friedrich Traugott Ferber (1701–1763), königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Hofrat, Geheimer Kabinettssekretär, Dompropst von Zeitz. Die Mutter war Elenore Magdalene geb. Conradi (1707–1763). Verschwägert war er mit Karl Ferdinand Lindemann (1714–1782), Vizepräsident des Kammerkollegiums in Dresden. Beide sind Vorfahren des Historikers Heinrich von Treitschke.

Durch Kontakt zu seinem Vater nahm der Jurist Ferber seine Tätigkeit im Verwaltungs- und Finanzbereich des sächsisch-polnischen Kurfürst-Königs August III. und dessen Premier Graf Heinrich von Brühl (1700–1763) in Dresden und Warschau auf. Er stellte fest, dass die Staatsfinanzen durch die Ein- und Ausgabepolitik von Brühl, hauptsächlich verursacht durch die hohen Kosten des Siebenjährigen Krieges zerrüttet waren. Sachsen stand kurz vor einem Staatsbankrott. Um an die Wurzel der Probleme heranzugehen und Lösungen zu erarbeiten, war Dresden nicht der richtige Ort, sondern Leipzig. Leipzig war der bedeutendste Geld- und Handelsplatz in Sachsen und der Sammelplatz der Landsteuer-Einnahme im gesamten Kurfürstentum. Von dort erfolgte die Bearbeitung und Verteilung. In Leipzig fand Ferber einen Gleichgesinnten für neue Reformbewegungen durch Christian Gotthelf von Gutschmid. Er wurde sein Lehrherr und erzog ihn nach den Grundsätzen des aufgeklärten Absolutismus, der für bürgerliche Freiheiten und Ordnung eintrat.

Dies war die Grundausrichtung, mit der sich Kurfürst Friedrich Christian 1763 mit den von ihm ausgesuchten Personen unter dem Vorsitz von Thomas von Fritsch für das Rétablissement an die Arbeit machte. Somit übernahmen einige ausgewählte Männer aus dem Volk die Staatsgeschäfte. Der Kern aus der Gruppe dieser Reformer stammte aus dem Leipziger Bürgertum, die diesen Geist (bürgerlicher Geist gegen bürgerliche Macht) in die kursächsische Politik hineintrugen. Das Ziel der Arbeit wurde definiert: die Erneuerung der Gesellschaft durch grundlegenden Politikwechsel, Wiederherstellung und Ausweitung des Wohlstandes im Kurfürstentum Sachsen. Ferber war neben den anzugehenden Reformen wie Justiz (u. a. Rechtssicherheit im Geschäftsverkehr), Förderung der Land- und Forstwirtschaft, Behördenorganisation, Verbesserung der Gesundheitsvorsorge, Bildungswesen für die Schlüsselressorts Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik die verantwortliche Person. Seine Ämter waren Hofrat, Sächsischer Geheimer Finanzrat, Vizedirektor der Commerzdeputation, Direktor der Landesökonomie und Manufakturkommission. Aus der Zahl dieser Ämter leitete sich seine Fachkompetenz ab. Durch die konsequente Umsetzung der Spar- und Konsolidierungspolitik, beispielsweise Freisetzung des Eigentums von Verfügungsbeschränkungen, konnten in den nächsten Jahren 40 Millionen Taler Verschuldung abgebaut werden. Von der früheren korrupten Günstlingswirtschaft sprach niemand mehr. Zehn Jahre nach Einsetzung der Rétablissement-Kommission konnte die Staatsverschuldung abgebaut werden.

wertstabiles Papiergeld von 1772: Sächsischer „1 Taler-Schein“ 1855

Die Sächsischen Cassenbillets, die erstmals 1772 ausgegeben wurden und in deren „Commission“ zeitweilig auch von Ferber saß[1], sind berühmt als relativ wertstabiles Papiergeld.[2]

Eine der Hauptgründe für die Entschuldung war die Steuerpolitik. Die Senkung der Verbrauchssteuern und die staatliche Wirtschaftsförderung begünstigte den Aufschwung von Handel und gewerblicher Wirtschaft. Thomas von Fritsch konnte als Leiter der Rétablissement-Kommission erstmals wieder einen Überschuss im sächsischen Staatshaushalt bekannt geben. Obwohl nicht alle Reformpläne im Finanz- und Wirtschaftsbereiche durch den Widerstand der Stände umgesetzt werden konnten, hatte Sachsen im ausgehenden 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts den führenden Platz in der Frühindustrialisierung Deutschlands. Selbst die beinahe Halbierung des sächsischen Flächenstaates durch den Wiener Kongress wirkte sich nicht negativ aus.

Ferber heiratete 1767 in Leipzig eine Tochter des Seidenwarenhändlers Jan Dubose.

Er unterstützte maßgeblich das Dresdner Freimaurerinstitut[3] und förderte Karl Wilhelm Daßdorf und Johann George Palitzsch.[4] 1777 setzte er sich auf Bitten von Moses Mendelssohn für die „von der Austreibung bedrohten“ Dresdner Juden ein.[5]

In Anerkennung seiner Verdienste um den kursächsischen Staat wurde Ferber 1776 in den Adelsstand und 1789 in den Freiherrnstand erhoben.[6] Ferber starb 1800 in Leipzig.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • L’esprit et le systeme du gouvernement de la Saxe depuis la mort du feu roi Auguste III. jusqu’a l’année 1765 (Digitalisat)
  • Rede bey einer feyerlichen Versammlung der Freymaurer zu Dresden: gehalten den 30. May 1772 (Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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  • Thomas Nicklas: Friedrich August II. (1733–1763) und Friedrich Christian (1763). In: Frank-Lothar Kroll (Hrsg.): Die Herrscher Sachsens. Markgrafen, Kurfürsten und Könige 1089–1918. 2007/2013
  • Claus Ritterhoff (Red.), Lessing Akademie: Die Kursächsische Politik und Leipzig im 18.Jahrhundert. Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1990
  • Horst Schlechte: Die Staatsreform in Kursachsen 1762–1763. Quellen zum kursächsischen Rétablissement nach dem Siebenjährigen Kriege, Berlin (Ost) 1958 (= Schriftenreihe des Sächsischen Landeshauptarchivs Dresden; Bd. 5).
  • C. Lening: Allgemeines Handbuch der Freimaurerei. Leipzig 1893
  • Johann Georg Meusel: Freyherr von Ferber (Friedrich Wilhelm), in: Lexikon der vom Jahr 1750 bis 1800 verstorbenen Teutschen Schriftsteller. Dritter Band. Gerhard Fleischer, Leipzig 1804, S. 309 (Digitalisat)
  • Johann Heinrich Gottlieb Heusinger (Hrsg.): Bibliotheca Friderici Wilhelmi Lib. Bar. de Ferber. Auktionskatalog. Meinhold, Dresden 1801
  • Dem Andenken Friedrich Wilhelm Freiherrn von Ferber am Tage seiner Beerdigung in Leipzig. 1800
  • Johann Riem (Hrsg.): Neue Sammlung vermischter ökonomischer Schriften. Band 2, Waltherische Hofbuchhandlung, Dresden 1792, S. 3 (Erwähnung)
  • D. Benel: Unterricht von den Steinkohlen, ihrem Gebrauche zu allen Arten von Feuern. Dresden 1780, gewidmet „dem Hochwohlgeborenen Herrn, Herrn Friedrich Wilhelm Ferber“ (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Churfürstlich-Sächsischer Hof- und Staats-Calender. Leipzig 1790, S. 182
  2. Wertstabiles Papiergeld im 18. Jahrhundert. Die sächsischen Cassenbillets.@1@2Vorlage:Toter Link/www.bundesbank.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@bundesbank.de (PDF 4,7 MB, S. 36ff), mit Abb. "1 Reichs-Thaler" von 1772, abgerufen 26. Januar 2018
  3. „In den Jahren 1770 und 1771 verursachten Missernten in Sachsen eine große Teuerung, die bald darauf zu Hungersnot und Krankheiten führte. […] Auf Veranlassung des Geheimen Rats Friedrich Wilhelm von Ferber gründeten im Januar 1772 zunächst 15 Mitglieder der Loge ‚Zu den drei Schwertern und wahren Freunden‘ die ‚Deputation der Freimaurer in Chursachsen für das Armuth‘“, „[…] Bericht über die Jubelfeier anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens des Freimaurer-Instituts […] 1822 […]“, „[…] welche die Namen ehemaliger Stifter und Beförderer des Instituts in die Monumentplatte eingraviert ‚von Ferber […]‘“ siehe Brüder reicht die Hand zum Bunde. 6. Die Wohltätigkeitseinrichtungen der Loge „Zu den drei Schwertern und Asträa zur grünenden Raute“, fotothek.slub-dresden.de, abgerufen 12. Oktober 2014
  4. „…Hr. Schulze hat, auf Veranlassung des Hrn. geheimen Rath von Ferbers, das Bildniß des berühmten Bauers Palizsch, in Folioformat, gestochen…“, Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste, 1783, Band 29–30, S. 323.
  5. z. B. Francois Guesnet: Die Politik der ›Fürsprache‹ – Vormoderne jüdische Interessenvertretung. in: Dan Diner (Hrsg.): Synchrone Welten: Zeitenräume jüdischer Geschichte. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2005, S. 67–92, S. 87f; Georg Benjamin Mendelssohn: Moses Mendelssohn’s gesammelte Schriften. Band 1, Leipzig 1843, S. 45
  6. siehe Ernst Heinrich Kneschke: Die Wappen der deutschen freiherrlichen und adeligen Familien. Band 2, Leipzig 1855, S. 149 und S. 493