Friedrichsgracht

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Friedrichsgracht
Wappen
Straße in Berlin
Friedrichsgracht
Moderne Bauten an der heutigen Straße
Basisdaten
Ort Berlin
Angelegt nach 1745
Hist. Namen Hinter der Mauer am Köpenicker Thor
Querstraßen Sperlingsgasse,
Scharrenstraße
Bauwerke Pfarrhaus St. Petri
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr, Radverkehr, Autoverkehr
Technische Daten
Straßenlänge 425 Meter

Friedrichsgracht ist eine Uferstraße auf der Spreeinsel im Berliner Ortsteil Mitte zwischen Sperlingsgasse und Gertraudenbrücke. Sie liegt am Spreekanal, der hier den Namen Schleusengraben trägt. Am nördlichen Teil der Friedrichsgracht überquert die Jungfernbrücke den Schleusengraben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick vom Dach der Raveneschen Eisenhandlung auf die Friedrichsgracht, 1830er, Eduard Gaertner
Das nördliche Ende der Straße (rechts) an Jungfernbrücke und Mündung der ehemaligen Spreestraße (seit 1931: Sperlingsgasse), 1909
Die 1968/1969 abgerissenen Häuser Friedrichsgracht 15–17 im Jahr 1952, rechts die Nr. 15

Die Bezeichnung Friedrichsgracht oder Friedrichsgraben bürgerte sich in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ein, als Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620–1688, genannt: der Große Kurfürst) den Seitenarm der Spree durch holländische Spezialisten kanalisieren ließ. Der Name bezog sich auf den Teil des Spreearms, der heute zwischen Inselbrücke und Gertraudenbrücke an der Fischerinsel verläuft.

Später wurde der Name Friedrichsgracht auf die zwischen 1670 und 1681 im Zuge des Festungsbaus und der Regulierung des linken Spreearms angelegte Uferstraße übertragen, die den ganzen südlichen Teil Cöllns ausgehend von der Spree umzog.

Die Bebauung der Straße begann um 1700. Schnell entwickelte sich eine eindrucksvolle Häuserreihe, an der sich bevorzugt Hofbeamte und Patrizier ansiedelten. Auf der gegenüberliegenden linken Seite des Spreekanals entstanden zuerst der Stadtteil Friedrichswerder und seit 1681 Neu-Cölln am Wasser.

Im Zweiten Weltkrieg erlitt dieser Teil Alt-Berlins unterschiedliche Zerstörungen. Zur Zeit der DDR riss man ab 1967 im Zuge der Neugestaltung der Fischerinsel die gesamte Bebauung zwischen Gertrauden- und Inselbrücke ab, darunter acht denkmalgeschützte Häuser zwischen Roßstraßenbrücke und Fischerstraße. Das Haus Friedrichsgracht Nr. 15 aus der Zeit um 1740 war das einzige, an dem sich die damals für Berliner Wohnhäuser typische Außentreppe erhalten hatte. Es galt innen wie außen als relativ gut erhalten, lediglich sein die Mittelachse krönendes Stuck-Emblem war bereits herabgefallen.[1] Am gegenüberliegenden Märkischen Ufer Nr. 12 entstand 1969 als „Adaption“ ein Nachbau.[2] Er entspricht weder im Grundriss noch in Baudetails dem Original, auch Tür und Oberlicht sind vereinfachende Nachbildungen. Das Haus ist mit dem zugleich errichteten Nachbau des Ermelerhauses im Innern verbunden und steht wie dieses auf einem Sockel.[3]

Die vorherigen Namen zwischen 1681 und 1745 der heutigen Straße Friedrichsgracht waren:

Name Hausnummern mit Stadtbezirk ab 1809 [4]
Hinter der Mauer am Wursthofe 1–11, Bezirk 66 – Neues Hospital
Hinter der Mauer am Köpenicker Thor 12–24, Bezirk 65 – Neue Roßstraße
Hinter der Mauer an der Lappstraße 25–32, Bezirk 64 – Salzhof
Freiheit der Stadt [5] 33–46, Bezirk 64 – Salzhof
An der Gertrauden und Spreegassenbrücke (bis 30. Mai 1825) 47–61, Bezirk 20 – Schicklerstraße

Seit 15. Januar 1865 (Einführung der 2. Generation der Stadtbezirke) gehören die Hausnummern 1–46 zum Stadtteil Alt-Kölln (vorher: Neukölln am Wasser).[6]

Seit 1969 trägt nur noch das Straßenstück zwischen Sperlingsgasse und Gertraudenbrücke die Bezeichnung Friedrichsgracht.

Filme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zur Bedeutung des Hauses Friedrichsgracht Nr. 15 siehe Erika Schachinger: Alte Wohnhäuser in Berlin. Ein Rundgang durch die Innenstadt. Bruno Hessling, S. 40–43 (mit Grundrissen); Abbildungen Nr. 34–40
  2. Begriff bei Ernst Badstübner, Hannelore Sachs (Red.): Denkmale in Berlin und in der Mark Brandenburg. Ihre Erhaltung und Pflege in der Hauptstadt der DDR und in den Bezirken Frankfurt/oder und Potsdam. Böhlau, Weimar 1988, S. 380–383
  3. Grundriss bei Fabiano Pinto: art’otel. In: Bauwelt, 15/00, 20. April 2000, 91. Jahrgang, S. 28/29
  4. Amtliche Bekanntmachung vom 29. März 1809, Einführung der Stadtbezirke in Berlin, Vossische Zeitung Nr. 40, 1. April 1809
  5. Berlin, historisch und topographisch dargestellt, Seite 135, Ausgabe 1848
  6. Amtliche Bekanntmachung vom 30. Dezember 1864, Neue Bezirks-Einteilung (9–13) für Stadtteil Alt-Kölln, wirksam am 15. Januar 1865 – Berliner Intelligenz-Blatt Nr. 4, 4. Januar 1865

Koordinaten: 52° 30′ 49,5″ N, 13° 24′ 5″ O