Geert Groote

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Geert Groote, oder Gerardus Magnus, (* 1340 in Deventer; † 20. August 1384 ebenda) war ein niederländischer Theologe und Bußprediger.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geert Groote wurde als Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Werner Grote und seiner Frau Heylwig van der Basselen geboren. Sein Vater wurde 1348 zum Bürgermeister von Deventer gewählt.[1] Als Geert zehn Jahre alt war, starben beide Eltern an der Pest. Er besuchte die Kapitelschule des an der Lebuinuskirche in Deventer residierenden Stiftskapitels des Oberstiftes des Hochstifts Utrecht. Als 15-Jähriger ging er nach Paris und nahm das Studium an der Sorbonne auf.

Rezipiert hatte Groote insbesondere Schriften von Augustinus von Hippo (354–430) und Bernhard von Clairvaux (1090–1153); sein Lehrer war Jan van Ruysbroek.[2]

Nachdem er einige Jahre ziemlich ausschweifend gelebt hatte, kam er, möglicherweise nach einer Begegnung mit seinem Freund Heinrich von Calcar, einem Kartäusermönch, im Jahre 1374 zur Einkehr. Nach einigen Jahren in einem Arnheimer Kloster entschied er sich, andere durch Bußpredigten (u.a. gegen verheiratete oder reiche Geistliche) zur rechten Lehre zurückzuführen. Er gewann viele Anhänger, die sich zur Gruppe der Devotio moderna (moderne Frömmigkeit) zusammenschlossen. Hieraus entstanden die Schwestern und die Brüder vom gemeinsamen Leben sowie die Windesheimer Kongregation, benannt nach dem Kloster Windesheim bei Zwolle.

Die bedeutendste Schrift dieser Bruderschaft, die erhebliche Verbreitung fand, war die Nachfolge Christi des Thomas von Kempen.[2]

Seine Auffassungen, besonders zum Thema Ehe, trugen ihm die Feindschaft des Bischofs von Utrecht ein, der ihm die Erlaubnis zu predigen entzog. Darauf verbreitete er seine Auffassungen über persönliche Gespräche, Pamphlete und kleine Bücher. Er übersetzte das lateinische Messbuch ins Niederdeutsche.

Geert Groote beeinflusste Luther, Johannes Calvin, Ignatius von Loyola und Copernicus.

Gedenken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sein evangelischer Gedenktag ist der 21. August.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens

  • Jacob Cornelis van Slee: Groote, Gerhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 730–733.
  • Jacobus van Ginneken: Geert Groote’s levensbeeld naar de oudste gegevens bewerkt (= Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen. Afdeling Letterkunde: Verhandelingen, Nieuwe reeks, deel 47, No. 2). Noord-Hollandsche Uitgevers Maatschappij, Amsterdam / Harrassowitz, Leipzig 1942.
  • Theodore P. Van Zijl: Gerard Groote, ascetic and reformer (1340–1384). Catholic University of America Press, Washington D.C. 1963.
  • Georgette Épiney-Burgard: Gérard Grote (1340–1384) et les débuts de la Dévotion Moderne (= Veröffentlichungen des Instituts für europäische Geschichte Mainz, 54). Steiner, Wiesbaden 1970.
  • Hans Norbert Janowski (Hg.): Geert Groote, Thomas von Kempen und die Devotio moderna. Walter, Olten 1978, ISBN 3-530-28790-3.
  • Cornelis Los: Van Geert Groote tot Erasmus. De Broeders des gemenen levens en de navolging van Christus. Christofoor, Zeist 1984, ISBN 90-6238-231-2.
  • Rijcklof Hofman: Corpus Christianorum, Continuatio Mediaeualis 235. Brepols, Turnhout 2011.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wilken Engelbrecht: War Geert Grote in Prag? Zur Frage der Beziehung Grotes zum Vorhussitismus – Eine Problemskizze. In: Studia minora Facultatis Philosophicae Universitatis Brunensis, Series Archaeologica et Classica, Bd. 37 (1992), S. 171–185.
  2. a b Ruggiero Romano, Alberto Tenenti: Die Grundlegung der modernen Welt. Spätmittelalter, Renaissance, Reformation (= Fischer Weltgeschichte, Band 12). Frankfurt am Main 1994, S. 108.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Geert Groote – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien