Gehen

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Dieser Artikel behandelt die Fortbewegung, für die Sportart siehe Gehen (Sport); für die Erzählung von Thomas Bernhard siehe Gehen (Erzählung), für den Roman von Jenny Erpenbeck siehe Gehen, ging, gegangen.
Einfache Animation des Gehens
Gustave Caillebotte: Gehender Mann in blauer Jacke

Gehen ist eine Fortbewegungsart, bei der es im Gegensatz zum Laufen keine Flugphase gibt. Der Körper hat also in jeder Phase des Bewegungszyklus Kontakt zum Boden über Beine und Füße. Beim zweibeinigen Gehen gibt es statt der Flugphase eine Doppelstützphase, die beim Menschen etwa 20 Prozent der Gesamtzykluszeit in Anspruch nimmt. Ein Mensch geht durchschnittlich mit einer Geschwindigkeit von 1,4 m/s (5 km/h).

Gangarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man unterscheidet nach dem Bewegungsablauf folgende Gangarten:

  • Zweibeiniger Gang (bipeder Gang): „Gehen“ im eigentlichen Sinne, die menschliche Fortbewegung; auch bei Vögeln und Nicht-Vogel-Dinosauriern
  • Vierbeiniger Gang (quadrupeder Gang): die ursprüngliche Fortbewegungsweise der Landwirbeltiere, typisch für sehr viele Amphibien, Reptilien und Säugetiere; hierbei kann weiter unterschieden werden in
    • Passgang (beide Extremitäten einer Körperseite setzen gleichzeitig auf)
    • Kreuzgang (die sich am Rumpf schräg gegenüberliegenden Extremitäten setzen gleichzeitig auf).

Zweibeiniger Gang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dieser Computersimulation bleibt der Kopf während des Gehens auf einer Höhe, während die Hüfte einer Sinusbewegung folgt.

Aus einem beidfüßigen Ausgangsstand wird ein Fuß angehoben und um einen Schritt vor den anderen gesetzt. Die eigentliche Positionsveränderung geschieht im Grunde durch ein „verhindertes Fallen“ auf der zeitweise bodenkontaktfreien Seite. Man unterscheidet hinsichtlich des Fuß-Boden-Kontakts drei Geh-Arten: Im Fersengang wird die Ferse des nach vorne schwingenden Fußes zuerst aufgesetzt und der Fuß dann idealerweise sorgfältig über den Großzeh abgerollt. Im Vorfußgang setzt der Mensch den Fußballen (Vorfuß) zuerst auf und berührt den Boden mit der Ferse gar nicht. Diese Geh-Art wird für schnelles Joggen als ideal empfohlen, und ist beim Sprint unerlässlich, siehe Vorfußlauf. Eine Abwandlung davon ist der Mittelfußlauf, bei der die Fußaußenkante mit auf den Boden aufsetzt. Die dritte Geh-Art ist der Ballengang. Dem Gehen wie die Menschenaffen, d.h. astumgreifend oder auf den Fußkanten, entspricht keine normale menschliche Gangart.[1]

Gehen zählt zu den Automatismen. Es ist eine Verhaltensweise, die selbsttätig vom Zentralnervensystem (ohne äußere Reizeinwirkung) ausgelöst wird. Weitere Beispiele für derartige Automatismen sind die Flossenbewegung bei Fischen oder der Flügelschlag bei Vögeln.

Der aufrechte Gang beim Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Hominisation

Wie es zur Entstehung des obligatorisch aufrechten Ganges beim Menschen kam, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Fest steht einzig, dass die Vorfahren des Menschen schon vor 5 Millionen Jahren zum aufrechten Gang übergingen. Ferner stammen die frühesten Belege für aufrecht gehende Hominini aus Bodenschichten, die in ihrer Entstehenszeit den heutigen Galeriewäldern ähnelten, also einem Lebensraum entstammen, in dem sich Waldstücke, feuchte Graslandschaften und Seeufer abwechselten. Daraus wird abgeleitet, dass sich der aufrechte Gang bereits als Anpassung an bestimmte Fortbewegungsweisen auf den Bäumen entwickelt hat.

Die Umstellung von quadrupeder Fortbewegung auf den aufrechten Gang ging mit zahlreichen Veränderungen des menschlichen Skelettes einher. Der Fuß ist bei Menschen – anders als noch beim 4,4 Millionen Jahre alten Fossil „Ardi“, einem Ardipithecus ramidus – kein Greifwerkzeug; „Ardi“ hingegen konnte die große Zehe noch abspreizen und so zum Greifen verwenden. Kleinkinder besitzen jedoch noch einen Greifreflex sowohl in den Handflächen als auch an den Fußsohlen, der mit der Zeit allerdings verschwindet. Das Becken des Menschen ist verbreitert und dient im aufrechten Gang als „Schüssel“ für die Eingeweide. Die Wirbelsäule ist doppelt S-förmig (sigmoid) geschwungen und trägt Rücken und Kopf, das Hinterhauptsloch befindet sich unter dem Schädel und nicht (wie bei Vierfüßern) relativ weit hinter dem Schädel.

Der aufrechte Gang führt aber auch zur Belastung des unteren Teils des Körpers. So neigt der Mensch im Alter zu:

In auf die Emanzipation des Menschen bezogenen Texten der Kulturphilosophie ist der „aufrechte Gang“ zu einer Metapher für die Einzigartigkeit des Menschen geworden, sich selber souverän umzuschauen und sein Urteil zu bilden.

Aufrechter Gang bei Schimpansen und Gorillas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch Schimpansen und Gorillas können sich am Boden zeitweise auf zwei Beinen vorwärts bewegen. Ihr sogenannter Knöchelgang galt bis zur Entdeckung des Fossils „Ardi“ als ein Merkmal, das auch den frühen Hominini zugeschrieben wurde. Die Analyse seiner Handknochen ergab jedoch keinen Hinweis auf Knöchelgang, woraus geschlossen wurde, dass der Knöchelgang eine relativ späte Sonderanpassung der beiden Großen Menschenaffen ist.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Gehen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Gehen – Zitate
 Wiktionary: gehen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. der folgende Link wurde wg Urheberrecht gesperrt: abgerufen 26. März 2016: behandelt den menschlichen Fuß, seine Anatomie und seine Beanspruchung bei Gehen, Tanzen, Laufen, und seine Einbindung im Bewegungsapparat des menschlichen Körpers. Auch ein Vergleich mit dem Gehen der Primaten ist enthalten. Der zentrale Knochen beim ast-umgreifenden Auftreten des Primatenfußes, der ja gleichzeitig 3. oder 4. Primatenhand ist, beim Gehen im Baumgeäst ist auch im menschlichen Fußskelett enthalten, hat aber durch die deutlich andere Fußformung, als auf Gehen und evtl. noch Klettern spezialisierte Extremität, nur zufällig Bodenkontakt, weil der Fuß halt so gewachsen ist. Ein Orang-Utan geht auf dem Boden nur auf den Fuß-Außenkanten, was im Vergleich zum Menschen wie ein Gangart-Provisorium wirkt.
  2. C. Owen Lovejoy et al.: Careful Climbing in the Miocene: The Forelimbs of Ardipithecus ramidus and Humans Are Primitive. In: Science. Band 326, 2009, S. 70, 70e1–70e8, doi:10.1126/science.1175827