Genesis 2.0

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Filmdaten
Deutscher TitelGenesis 2.0
OriginaltitelGenesis 2.0
GENESIS 2.0.jpg
ProduktionslandSchweiz
OriginalspracheEnglisch, Russisch, Jakutisch, Koreanisch
Erscheinungsjahr2018
Länge112 Minuten
AltersfreigabeFSK 0[1]
Stab
RegieChristian Frei,
Maxim Arbugaev
DrehbuchChristian Frei
ProduktionChristian Frei
MusikMax Richter,
Edward Artemyev
KameraMaxim Arbugaev,
Peter Indergand
SchnittChristian Frei,
Thomas Bachmann
Besetzung

Genesis 2.0 ist ein Dokumentarfilm des Oscar-nominierten[2] Schweizer Regisseurs Christian Frei und des russischen Filmemachers Maxim Arbugaev, der am 20. Januar 2018 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Premiere feierte. Der Film dokumentiert den gefährlichen Alltag der Sammler von Mammutstoßzähnen auf einer abgelegenen Inselgruppe in Sibirien. Gleichzeitig versuchen Klonforscher aus dem schockgefrorenen genetischen Material das längst ausgestorbene Wollhaarmammut wieder zum Leben zu erwecken.

Handlung / Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Semyon Grigoriev besichtigt das «Gene Museum» des BGI Human Genome Center (Filmstill).

Der Film dokumentiert den gefährlichen Alltag der Sammler von Mammutstoßzähnen, die sich alljährlich auf der abgelegenen Inselgruppe Neusibirische Inseln treffen und sich bei ihrer Suche durch den schmelzenden Permafrost graben müssen. Gleichzeitig porträtiert er Pioniere und Klonforscher, die sich an der neuen Grenze des Möglichen bewegen und aus dem schockgefrorenen genetischen Material das längst ausgestorbene Wollhaarmammut wieder zum Leben erwecken möchten.[3] Die filmische Reise führt von der archaischen Landschaft der Inseln in ein Mammut-Museum in Jakutsk, zu Treffen von jungen Wissenschaftlern in Boston, zu einer kommerziellen Klon-Firma in Südkorea und zu einer Gen-Datenbank in China.

Der russische Co-Regisseur Maxim Abugaev begleitete für den Film die sibirischen Sammler während einer Saison. Die Jäger seien die Ureinwohner des Nordens, die Schamanismus praktizieren und an Naturgeister glauben, so Abugaev. Das mache sie sehr vorsichtig und abergläubisch bei ihren Reisen auf die unbewohnten Inseln: «Wir sehen die Arktis als ein eigenes Lebewesen mit gewaltigen und unfassbaren Kräften.»[4] Auch für den Regisseur und Produzenten Christian Frei sind Legenden, Mythen und Tabus ein zentrales Thema. Der Film konfrontiere uns mit unserer eigenen Angst vor einer unbekannten Zukunft.[5] Demgegenüber steht die Haltung der Zukunftsforscher wie George Church von der Harvard University: «Die synthetische Biologie wird mit hoher Wahrscheinlichkeit die nächste grosse Revolution (…) Menschen sind sehr kühn, und sie haben Visionen. Sie werden diese verfolgen, manchmal bis zu ihrem Tod.»[6]

Produktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stab und Protagonisten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie führte der Präsident der Schweizer Filmakademie Christian Frei gemeinsam mit dem jungen russischen Filmemacher Maxim Arbugaev.[7][8]

Den professionellen Mammutjäger Peter Grigoriev und den arbeitslosen Spira Sleptsov verbindet der Wunsch, endlich einen bedeutenden Fund eines Elfenbeinstoßzahns zu machen. Das «weiße Gold» kann in China zu hohen Preisen verkauft werden[9] – dafür riskieren sie viel. Sie sind aber hin- und hergerissen zwischen den Verheissungen eines Fundes und dem spirituellen Glauben, dass man die Überreste der Mammute nicht stören darf.[10]
Peter Grigorievs Bruder, Semyon Grigoriev, ist Paläontologe und Leiter des Mammut-Museums in Jakutsk. Sein Ziel ist es, eines Tages ein Klon eines Wollhaarmammuts herstellen zu können. Dazu reist er mit seiner Frau Lena Grigorieva nach Südkorea zur Biotech-Firma von Hwang Woo-suk, der 2005 durch Fälschung von Forschungsresultaten bekannt wurde und heute erfolgreich eine Firma führt, die kommerziell Hunde klont.

Nicht nur Klonforscher sind am Wollhaarmammut interessiert, sondern auch Molekularbiologen und Genetiker wie der Harvard-Professor George Church.[11] Er nutzt für seine Forschung die neusten technologischen Möglichkeiten der synthetischen Biologie und arbeitet daran, einen mammutähnlichen Elefanten zu editieren,[12] einen Mammophanten.[13]

Dreharbeiten und Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Aufnahmen entstanden in Russland, den USA, Südkorea und China. Anfang Januar 2018 wurde ein Trailer zum Film veröffentlicht,[14] bevor er am 20. Januar 2018 im Rahmen des Sundance Film Festivals seine Premiere feierte.[15] Beim Sundance Film Festival wurde die Kameraarbeit des Schweizer Kameramanns Peter Indergand und des Filmemachers und Ko-Regisseurs Maxim Arbugaev mit dem World Cinema Documentary Special Jury Award for Cinematography ausgezeichnet.[16][17] Im Juni 2018 wurde der Film beim Sydney Film Festival[18] und im August 2018 beim Locarno Festival in der Sektion Panorama Suisse gezeigt.[19] Der Kinostart in Russland war am 9. August 2018. Im September 2018 erfolgte eine Vorstellung auf der Filmkunstmesse Leipzig.[20] Ab 4. Oktober 2018 wurde er im Rahmen des Zurich Film Festivals gezeigt. Am 17. Januar 2019 soll der Film in die deutschen Kinos kommen.[21]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wendy Ide von Screendaily.com meint, trotz der anfänglichen esoterischen Annäherung – der Film beginnt mit einer weiblichen Stimme, die eine Passage aus einem jakutischen epischen Märchen intoniert – sollten das Thema und die auffällige Kinematografie des Films das Interesse sowohl der Sendeanstalten als auch der spezialisierten Dokumentarfilmverleiher sicherstellen.[22]

Für Sheri Linden von The Hollywood Reporter ist der Film wie eine Doppelhelix eines Real-Thrillers aufgebaut, gleichzeitig abschreckend und unvergesslich.[23] Sie lobt die Kunstfertigkeit des Dokumentarfilms, in dessen Mittelpunkt das längst ausgestorbene Mammut steht und Schlüsselfiguren, die es wiederbeleben wollen. Die Doppelbödigkeit des Themas sieht sie in mehreren Ebenen des Films umgesetzt: So stelle der Film die mühselige Handarbeit der Mammutjäger der Zukunftstechnologie gegenüber, in der die Möglichkeiten, Körper neu zu designen, in greifbarer Nähe seien. Ohne Ironie sprechen die Wissenschaftler davon, Gottes Werk zu perfektionieren, so Linden. Auch die Filmmusik von Max Richter und Edward Artemyev sei passend zu den Bildern, tragend und aufrüttelnd.

Christoph Egger vom Filmbulletin schreibt, Genesis 2.0 reiche in Urzeiten zurück und unternehme zugleich eine Weitererzählung der Schöpfungsgeschichte: „Was Genesis 2.0 aber eben weit über das Genre der «Laborfilme» hinaushebt, sind die von Maxim Arbugajew – der im Film mit Christian Frei einen Briefwechsel unterhält – im Archipel der Neusibirischen Inseln realisierten Episoden. Hier, ergänzt durch historisches Bildmaterial, ist wohl zum ersten Mal zu sehen, was für eine Schinderei und Plackerei diese Suchtouren für die Männer bedeuten, die da unter ewig grauem Himmel mit rudimentärem Gerät im eisigen Schlamm, im tückischen Brandungsgürtel zugange sind. Basis ist eine baufällige alte Wetterstation, die, packend gefilmt, einmal Besuch von einer Eisbärin mit zwei grossen Jungtieren erhält, was von den Männern als gutes Omen erachtet wird.“[24]

Silvia Hallensleben von epd Film meint, der Film lebe vom realen und visuellen Kontrast zwischen den beiden vorgestellten Welten in Wildnis und Gen-Laboren. Weitgehend unklar und damit etwas unbefriedigend bleibe jedoch die zeitliche Einordnung der verschiedenen Funde.[25]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sundance Film Festival 2018

  • Nominierung für den Grand Jury Prize im World Cinema Documentary Competition (Christian Frei und Maxim Arbugaev)
  • Auszeichnung mit dem World Cinema Special Jury Award for Cinematography (Maxim Arbugaev und Peter Indergand)

Schweizer Filmpreis 2019[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Genesis 2.0 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Genesis 2.0. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüf­nummer: 181677/K).Vorlage:FSK/Wartung/typ nicht gesetzt und Par. 1 länger als 4 Zeichen
  2. Christian Frei mit neuem Dokfilm ans Sundance-Filmfest eingeladen Auf: Swissinfo.ch, 30. November 2017.
  3. Schweizer mit Dokumentarfilm beim Sundance Festival im Rennen In: Neue Zürcher Zeitung, 19. Januar 2018.
  4. Im Original auf Englisch: “Hunters are the native people of the North, who practice shamanism and believe in spirits of nature. They are very careful and superstitious in their approach to these uninhabited islands... We see the Arctic as a living creature of its own with mighty incomprehensible powers.” Auf: Deadline.com, 9. Januar 2018.
  5. Im Original auf Englisch: “Genesis 2.0 deals with legends, myths and taboos and confronts us with our own fear of an unknown future”. Auf: Deadline.com, 9. Januar 2018.
  6. Im Film auf Englisch, bei Min. 26: „Synthetic biology is very likely to be the next big revolution. (…) Humans are very bold and they have vision. And they will follow that sometimes to their death.“
  7. https://www.blick.ch/people-tv/kino/filmfestival-christian-frei-mit-neuem-dokfilm-ans-sundance-filmfest-eingeladen-id7668081.html
  8. https://www.blick.ch/people-tv/kino/filmfestival-redford-eroeffnet-sundance-festival-schweizer-mit-dokfilm-im-rennen-id7864425.html
  9. Jäger des weißen Goldes In: National Geographic, Heft 4/2013, S. 110–129.
  10. Filmkritik In: Hollywood Reporter, 21. Januar 2018.
  11. Wie das Mammut auferstehen könnte In: Tagesspiegel, 23. Februar 2017.
  12. Ein Mammut-Projekt Auf: Deutschland Funk, 15. Januar 2010.
  13. Woolly mammoth on verge of resurrection, scientists reveal In: The Guardian, 16. Februar 2017.
  14. Mia Galuppo: ‘Genesis 2.0’ Trailer: Sundance Doc Focuses on Efforts to Resurrect the Wooly Mammoth In: The Hollywood Reporter, 2. Januar 2018.
  15. Programm des Sundance Film Festivals 2018 In: sundance.org. Abgerufen am 13. Januar 2018. (PDF; 258 KB)
  16. Kate Erbland: 2018 Sundance Film Festival Awards Winners: ‘The Miseducation of Cameron Post’ and ‘Kailash’ Win Grand Jury Prizes In: indiewire.com, 27. Januar 2018.
  17. Ausführliche Liste der Sundance-Gewinner 2018 auf IMDb.
  18. https://www.sff.org.au/wp-content/uploads/2018/04/180404-teaser-announce-sff-2018-final.pdf
  19. Genesis 2.0. In: locarnofestival.ch. Abgerufen am 14. Juli 2018.
  20. Genesis 2.0. In: filmkunstmesse.de. Abgerufen am 28. August 2018.
  21. Starttermine Deutschland In: insidekino.com. Abgerufen am 13. November 2018.
  22. Filmkritik auf Screendaily.com, 21. Januar 2018.
  23. Filmkritik in The Hollywood Reporter, 21. Januar 2018.
  24. Christoph Egger: Genesis 2.0. In: Filmbulletin, 7/2018, 6. November 2018.
  25. https://www.epd-film.de/filmkritiken/genesis-20
  26. Nominationen für den Schweizer Filmpreis 2019. Abgerufen am 31. Januar 2019.