Genitalhöcker

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Geschlechtsentwicklung in der Embryonalphase

Der Genitalhöcker oder Geschlechtshöcker (Tuberculum genitale) ist die für beide Geschlechter gemeinsame Anlage der Klitoris beziehungsweise des Penis bei Säugetieren. Er entsteht durch eine starke Zellzunahme (Wucherung) des Mesenchyms kopf-bauchseitig (kranioventral) der Kloakenmembran. Der Genitalhöcker verlängert sich zu einem Protophallus, der zunächst bei beiden Geschlechtern gleich lang ist. An der Unterseite des Phallus entsteht die Urogenitalrinne (Sulcus urogenitalis), die von den beiden Urogenitalfalten (Plicae urogenitales) links und rechts begrenzt wird. Seitlich des Genitalhöckers entstehen die Geschlechtswülste – die wiederum für beide Geschlechter gemeinsame Anlage des Hodensacks beziehungsweise der äußeren Schamlippen.

Fortschreitende Differenzierung beim Menschen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschlechtsdifferenzierung beim Menschen

Beim Menschen setzt bei der Geschlechtsdifferenzierung die Entwicklung zur eindeutigen und damit trennenden Ausgestaltung (Differenzierung) der äußeren Genitalien ungefähr ab der neunten Woche der Embryonalentwicklung (Schwangerschaft) ein.

Weibliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei weiblichen Embryonen bleibt der Protophallus des Genitalhöckers kurz und entwickelt sich zur Klitoris. Die Urogenitalfalten bleiben getrennt und bilden die inneren Schamlippen.

Männliche Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei männlichen Embryonen wird nach der sechsten Woche das sogenannte SRY-Gen auf dem Y-Chromosom abgelesen und ein Protein gebildet, das als Hoden-determinierender Faktor (HDF) bezeichnet wird. Dieses Eiweiß reguliert als Transkriptionsfaktor die Expression zahlreicher anderer Gene des Genoms und leitet die Geschlechtsdifferenzierung ein. So findet unter diesem Einfluss ein Umbau zu den inneren Geschlechtsorganen (vor allem den paarige Hoden, Nebenhoden, Samenleitern sowie der Vorsteherdrüse) statt.[1]. Weiterhin regt es bestimmte somatische Zellen dazu an, sich zu testosteronproduzierenden Leydig-Zellen zu entwickeln.[2] Nach Beginn der Testosteronproduktion etwa in der siebten Woche wird dieses Androgen mit Hilfe des Enzyms Steroid-5α-Reduktase (SRD5) in den Zielzellen zu der biologisch aktivsten Testosteronform Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt.

Unter dem Einfluss dieses DHT beginnt dann die Ausprägung der äußeren Genitalien: der Protophallus des Genitalhöckers verlängert sich zu einem Penis (Phallus), die Urogenitalrinne schließt sich zur Pars spongiosa der Harnröhre und bildet den Harnröhrenschwellkörper. Aus dem zentralen Teil des Phallus entsteht der Penisschwellkörper und gegebenenfalls der Penisknochen.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bertram Schnorr, Monika Kressin: Embryologie der Haustiere. 5. Auflage, Enke, Stuttgart 2006, ISBN 3-8304-1061-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Deutscher Ethikrat: Intersexualität - Stellungnahme. Berlin, 23. Februar 2012, ISBN 978-3-941957-27-5, S. 30−31 (Volltext als PDF-Datei)
  2. Serge Nef, Luis F. Parada1: Hormones in male sexual development. In: Genes & Development. 2014, Band 14, S. 3075-3086, doi:10.1101/gad.843800.