Gerhard Köhler (Unternehmer)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Gerhard Köhler.jpg
Gerhard Köhler 2014
Name Gerhard Köhler
Verband Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik (bis 1990)
DeutschlandDeutschland Deutschland (seit 1990)
Geboren 18. März 1956
Aschersleben Deutschland Demokratische Republik 1949DDR Deutsche Demokratische Republik
Titel ACO Weltmeister 2016
Aktuelle Elo‑Zahl 2204 (Dezember 2020)
Beste Elo‑Zahl 2226 (Februar 2016)
Karteikarte bei der FIDE (englisch)

Gerhard Köhler (* 18. März 1956 in Aschersleben) ist ein deutscher Unternehmer und Schachspieler.

Er ist seit September 2002 Mehrheitsgesellschafter der ORWO Net GmbH[1][2] und war von 2007 bis 2016 Vorstandsvorsitzender und Finanzvorstand der ORWO Net AG.[3]

Köhler wurde am 3. Juni 2019 der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland in der Stufe Verdienstkreuz am Bande für sein wirtschaftliches Engagement und seine großen Aktivitäten im Bereich der vorschulischen Bildung verliehen.[4][5]

Frühe Jahre und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Köhler stammt aus einer Arbeiterfamilie. Die Eltern kamen 1945 als Bauern aus dem Sudetenland nach Aschersleben. Nach dem Abitur in Halle-Neustadt nahm er nach dem Armeedienst an der Handelshochschule Leipzig 1977 ein Studium der Handelsökonomie mit dem Abschluss als Dipl.-oec. 1981 auf.[6]

1984 wurde Köhler an der Handelshochschule mit einer Arbeit zum Thema Rolle von Staatshaushalt und Kredit bei der Finanzierung von Forschung und Entwicklung und der Investitionen promoviert.[7]

Weiterer Werdegang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1984 trat Köhler in die Dienste der Staatsbank der DDR und übernahm Aufgaben in dem Bereich Finanzierung von Betrieben des Konsumgüterhandels am 1. April 1988 die Handelsbankfiliale Leipzig.[8] Während seiner Tätigkeit bei der Staatsbank wurde Köhler vom 1. Februar 1987 bis 31. Januar 1991 für eine außerplanmäßige wissenschaftliche Aspirantur an der Handelshochschule aufgenommen.[9] Vom 1. September 1988 bis 30. Juni 1989 absolvierte er ein postgraduales Studium der Hochschulpädagogik und schloss dies mit einer Abschlussarbeit zur Entwicklung des problemorientierten Denkens von Studenten im Lehrgebiet sozialistische Volkswirtschaft erfolgreich ab.[10][11] Köhler erhielt im September 1989 die FACULTAS DOCENDI[12] im Fachgebiet sozialistische Volkswirtschaft. Daraufhin wurde der Fachabschluss Hochschulpädagogik der Universität Leipzig im November 1989 erteilt.

Ab 1. April 1990 trat Köhler in die Dienste der Deutsche Kreditbank AG. Im Rahmen der Tätigkeit für die Dresdner Bank Kreditbank war Köhler u. a. zuständig für die DM Erstausstattung im ehemaligen Bezirk Leipzig. Von Dezember 1990 bis Anfang 1992 durchlief Köhler eine umfassende Ausbildung bei der Dresdner Bank in allen Bereichen des Bankgeschäftes, um danach bis Februar 1993 in Leipzig in der Kreditabteilung als Analyst zu arbeiten.

Von März 1993 bis Februar 2000 war Köhler mit der Leitung und Betreuung verschiedener Bankfilialen der Commerzbank betraut, zuletzt als Direktor der Regionalfiliale Frankfurt/Oder, wo er die Betreuung von Firmenkunden hauptverantwortlich übernahm. Mit dem Eintritt in die PixelNet AG als Finanzvorstand am 1. März 2000 endete die 16-jährige Banktätigkeit.

Nach der Zwischenstation als angestellter Vorstand machte sich Köhler ab 1. Januar 2002 als Unternehmensberater selbstständig und arbeitete für verschiedene Insolvenzverwalter.

Im September 2002 gründete Köhler die ORWO Net GmbH[13] mit zwei Partnern, um den traditionsreichen Fotostandort aus der Insolvenz zu übernehmen. 2007 wurde die ORWO Net AG[14][15] gegründet. Köhler zog sich zum 1. April 2017 aus dem operativen Geschäft zurück und fungiert seitdem als Hauptgesellschafter.

Seit April 2018 ist Köhler Mitglied des Beirates des Institutes für Familienunternehmen und Unternehmernachfolge an der Handelshochschule Leipzig.[16]

Köhler gilt als ehrgeizig und zielstrebig. Durch Schach in jungen Jahren lernte er vernetzt zu denken und setzt dies im Wirtschaftsleben und bei der ehrenamtlichen Arbeit ein.

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Köhler zusammen mit Kortschnoi

Köhler ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er spielt in seiner Freizeit Schach.

Als Schachspieler trat er in den 1970er Jahren in Erscheinung, so erreichte er neben verschiedenen guten Platzierungen bei Turnieren 1973 und 1974 bei der DDR-Jugendmeisterschaft jeweils den dritten Platz, gehörte der Sportfördergruppe der Nationalen Volksarmee und deren Mannschaft in der Sonderliga an und spielte mit der BSG Chemie Lützkendorf und SG 67 Halle-Neustadt in der Oberliga.

Nach berufsbedingter Abstinenz vom Schach widmete er sich ab 2010 wieder stärker dem Schachspiel und spielte zunächst vor allem die Deutschen Schach-Amateurmeisterschaften mit. 2010 wurde er Sieger im Deutschland-Cup.

Im Jahr 2016 wurde Köhler auf der griechischen Insel Kos Amateur-Weltmeister in der Wertungsgruppe A[17][18] und in 2017 Seniorenmeister von Sachsen-Anhalt[19].

Mit dem Erreichen des 60. Lebensjahres spielt Köhler vor allem bei Seniorenturnieren wie Landes-, Deutsche-, Europa- und Weltmeisterschaften mit.

Soziales Engagement[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2012 organisierte Köhler verschiedene Schachveranstaltungen mit Spielern im höheren Lebensalter. Er holte 2012 Viktor Kortschnoi im Alter von 81 Jahren mit seiner Frau Petra nach Leipzig, um simultan gegen Studenten, Lehrkräfte und Bürger der Stadt Leipzig zu spielen. In den Jahren 2014 in Leipzig[20] und 2015 in Zürich organisierte Köhler einen Wettkampf Kortschnoi gegen Uhlmann.

Seit 2013 ist Köhler Präsident von Kinderschach in Deutschland e. V. und seit 2016 Vorstand der Emanuel Lasker Gesellschaft.[21] 2015 veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung ein Porträt von Köhler[22] und die deutsche Schachgemeinde Chessbase betitelte ihn als Schachmissionar.[23]

Im August 2016 hat Köhler die Schachstiftung GK gGmbH gegründet[24] mit dem Ziel, Geld aufzunehmen, um in Kooperation mit dem Deutschen Schachbund,[25] der Lasker Gesellschaft und dem Verein Kinderschach in Deutschland über einen Zeitraum von zehn bis zwölf Jahren auf freiwilliger Basis mit einem Abdeckungsgrad von 50 % allen Kindern ab fünf Jahren in Deutschland das Schachspiel näherzubringen.[26]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Gerhard Koehler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. ORWO Net GmbH: Historie (en) Abgerufen am 24. Juli 2017.
  2. Monika Maron: Bitterfelder Bogen EIN BERICHT. In: S. Fischer Verlag (Hrsg.): S. Fischer Verlag. 2009, ISBN 978-3-10-048828-2, S. 137–144.
  3. 50 Jahre Orwo. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  4. Pressemitteilung Nr.: 296/2019. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  5. Dr. Gerhard Köhler erhielt den Bundesverdienstorden - Deutscher Schachbund. Abgerufen am 20. Juni 2019.
  6. Gerhard Köhler: Deutsch: Diplomurkunde Gerhard Köhler, Dilpomökonom. 5. November 1981, abgerufen am 26. Juli 2017.
  7. Gerhard Köhler: Deutsch: Doktor Urkunde Gerhard Köhler, Sozialistiche VWL magna cum laude. 14. Dezember 1984, abgerufen am 26. Juli 2017.
  8. Gerhard Köhler: Deutsch: Berufungsurkunde der Staatsbank der DDR. 1. April 1988, abgerufen am 26. Juli 2017.
  9. Gerhard Köhler: Deutsch: Urkunde über die Aufnahme in die wissenschaftliche Aspiratur. 1. Februar 1987, abgerufen am 26. Juli 2017.
  10. Gerhard Köhler: Deutsch: Urkunde zum Fachabschluss Hochschulpädagogik von Gerhard Köhler. 29. November 1989, abgerufen am 26. Juli 2017.
  11. Gerhard Köhler: English: Zeugnis Hoschulpädagogik Uni Leipzig Gerhard Köhler. 29. November 1989, abgerufen am 26. Juli 2017.
  12. Gerhard Köhler: Deutsch: Facultas docendi Sozialistische VWL. 1. September 1989, abgerufen am 26. Juli 2017.
  13. Gerhard Köhler: English: GmbH Orwo Net Eintragung. 4. November 2002, abgerufen am 26. Juli 2017.
  14. Die ORWO-Story: Das ist aus dem einstigen DDR-Kombinat geworden. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  15. Orwo Net - Deutscher Gründerpreis. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  16. Institut für Familienunternehmen & Unternehmernachfolge. Abgerufen am 20. Juni 2019 (deutsch).
  17. Gerhard Köhler: Deutsch: Urkunde der Wertungsgruppe A - Weltmeister ACO 2016. 16. Mai 2017, abgerufen am 26. Juli 2017.
  18. Chess-Results Server Chess-results.com - Group A - ACO Amateur Chess Championship Kos 2016. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  19. mdr.de: Sport für jede Altersgruppe: Schach-Weltmeister triumphiert in Halberstadt. Abgerufen am 26. Juli 2017.
  20. Viktor Kortschnoi gegen Wolfgang Uhlmann am 28. März 2014 in Leipzig (auf YouTube)
  21. Emanuel Lasker Gesellschaft – Emanuel Lasker Gesellschaft. Abgerufen am 11. Juni 2019 (deutsch).
  22. Steffen Uhlmann: Zug um Zug. In: sueddeutsche.de. 2. August 2015, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 26. Juli 2017]).
  23. Gerhard Köhler: Unternehmer und Schachmissionar. In: Schach Nachrichten. 4. August 2015 (chessbase.com [abgerufen am 26. Juli 2017]).
  24. Günter Reinemann: Gründung einer gemeinnützigen Schachstiftung durch Gerhard Köhler. Abgerufen am 26. Juli 2017 (deutsch).
  25. Dr. Gerhard Köhler und Fotodienstleister ORWO Net – Förderer des Schachs in Deutschland - Deutscher Schachbund. Abgerufen am 11. Juni 2019.
  26. Elisa Sowieja, Volksstimme Magdeburg: Zug um Zug zum großen Ziel. Abgerufen am 11. Juni 2019.