Germania (Zeitung)

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Germania – Zeitung für das Deutsche Volk war eine politische Zeitung, die der Deutschen Zentrumspartei nahestand. Sie existierte von 1870 bis 1938.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Nummer erschien am 28. Dezember 1870 in Berlin und von 1881 an zweimal täglich. Gegründet wurde die Zeitung von einem Komitee Berliner Katholiken, dem Friedrich von Kehler angehörte, einer der Mitbegründer der Zentrumspartei und langjähriger Direktor der Zeitung. Im Oktober 1872 wurde das Blatt in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Erster Chefredakteur war die ersten drei Monate ein Jugendfreund Kehlers, Friedrich Pilgram (1819–1890)[1], der eine sowohl katholische als auch eine national gesinnte Zeitung wollte und so der Zeitung ihren Namen gab. Unter Leitung des Chefredakteurs des Kaplans Paul Majunke beteiligte sich die Zeitung stark am „Kulturkampf“. Die Zeitung war zehn Jahre in Elsaß-Lothringen verboten. Der Reichskanzler Bismarck hielt das für „natürlich“, weil er das Blatt für „staatsgefährlich und subversiv“ ansah. Gleichzeitig stieg die Zeitung unter Majunkes Leitung zu einer der wichtigsten katholischen Tageszeitungen auf. Sein Nachfolger war von 1878 bis 1881 war Adolph Franz, gefolgt von Friedrich Nienkemper (1847–1922). Ab 1891 war Eduard Marcour Chefredakteur, und ab 1894 Hermann ten Brink (1851–1916). Nach dessen Tod übernahm August Hommerich (1875–1925) die Leitung, bis er im September 1922 von Hermann Orth abgelöst wurde. Zeitweise (vor allem im letzten Quartal des 19. Jahrhunderts) druckte das Blatt auch antisemitische Artikel und Beiträge. In der Weimarer Republik hatte das Blatt eine konstante Auflage von 43.000. 1927 übernahm Ernst Buhla (1891–1951) die Redaktionsleitung. Hermann Orth wechselte zum Berliner Büro der Kölnischen Volkszeitung, das zuvor Ernst Buhla geleitet hatte. Mitte 1932 übernahm kurzzeitig Emil Ritter (1881–1968)[2] die Leitung. Die Berufung des nationalkonservativen Katholiken hatte Franz von Papen betrieben. Franz von Papen hatte in der Inflationszeit 47 % der Aktien des in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Blatts erworben. Ein weiterer wichtiger Aktionär war Florian Klöckner. Seit 1924 versuchte Papen den Kurs des einflussreichen Zentrumsblatts, das die Republik stützte, nach rechts zu drücken. Erst im Juli 1933 hatte Papen Erfolg den ihm ergebenen Ritter zu installieren. In der Germania erschien am 2. Juli ein Artikel Ritters mit der Überschrift „Unser Ja zum neuen Deutschland“ und so wurde die Germania gleichgeschaltet. Letzter Schriftleiter war von Dezember 1934 bis 1938 Walter Hagemann. Zum 31. Dezember 1938 stellte die Zeitung ihr Erscheinen ein.

Vorsitzende des Aufsichtsrates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klemens Löffler: „Geschichte der katholischen Presse Deutschlands“, Mönchengladbach 1924.
  • Walther G. Oschilewski: „Zeitungen in Berlin“, Berlin 1975, S 82ff..
  • Klaus Martin Stiegler: „Germania (1871-1938)“, in: Heinz-Dietrich Fischer (Hrsg.): „Deutsche Zeitungen des 17. bis 20. Jahrhunderts“, Pullach bei München 1972

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Monheim-Lexikon: Pilgram, Friedrich / Rheinischer Bote der Stadt Monheim, abgerufen am 19. Mai 2011.
  2. Kommission für Zeitgeschichte: Nachlass von „Emil Ritter, 1881–1968

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]