Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft

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Flagge der Gesellschaft
Leonid Breschnew und Erich Honecker auf einer DDR-Briefmarke von 1972 anlässlich des 25-jährigen Bestehens der DSF
Kulturhaus in Berlin-Treptow mit dem Logo der Gesellschaft über dem Eingang

Die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) war eine Massenorganisation in der DDR, die den Bürgern Kenntnisse über die Kultur und Gesellschaft der Sowjetunion vermitteln sollte.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Die DSF ging am 2. Juli 1949 aus der am 30. Juni 1947 gegründeten Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion hervor und war nach der Einheitsgewerkschaft FDGB die zweitgrößte Massenorganisation der DDR mit rund 6 Millionen Mitgliedern (1985). Als zahlenmäßig und politisch bedeutendste Freundschaftsgesellschaft war sie Mitglied in der Liga für Völkerfreundschaft der DDR.

Sektionen in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin[Bearbeiten]

Auch in der Bundesrepublik Deutschland kam es im September 1950 in Homberg auf dem konstituierenden 1. Kongress zur Gründung einer westdeutschen Organisation. Sie wurde erst in einzelnen Bundesländern verboten.[1]

In West-Berlin war die DSF als Deutsch-Sowjetische Freundschaftsgesellschaft bis 1990 ein Verein auf der Basis des alliierten Rechts. Sie betrieb bis zu ihrer teilweisen Eingliederung in die 1990 entstandene gesamtdeutsche DSF die Majakowski-Galerie am Kurfürstendamm.

Kulturelle Aktivitäten[Bearbeiten]

Neben den politischen Aspekten (insbesondere Agitation und Propaganda) organisierte die Deutsch-Sowjetische-Freundschaft kulturelle und sportliche Aktivitäten in den Städten, Gemeinden und Schulen, bei denen es um das gegenseitige Kennenlernen der Menschen und Kulturen beider Staaten ging. Waren es 1970 noch 394.000 Veranstaltungen, stieg deren Gesamtzahl 1988 auf 1.161.262,[2] darunter zum Beispiel:

  • Unter dem Motto Von der Sowjetunion lernen, heißt siegen lernen wurden Anfang 1951 für den 3. Kongress Studienreisen, Sprachkurse und Kulturveranstaltungen organisiert.
  • Jährlich fand im Mai eine DDR-weite Woche der deutsch-sowjetischen Freundschaft statt.
  • Gemeinsam mit der Pionierorganisation Ernst Thälmann und der FDJ initiierte die DSF an den Schulen (speziell im Russischunterricht) Brieffreundschaften zwischen deutschen und sowjetischen Kindern und Jugendlichen.
  • Mit den jährlichen sogenannten Freundschaftszügen fuhren Kinder ins jeweils andere Land, um den Sommer in internationalen Ferienlagern zu verbringen.
Gedenkstein am Bahnhof Pirna an das Deutsch-Sowjetische Jugendfestival 1970
Berliner Gebäude des Zentralvorstandes DSF als Haus der Kultur der Sowjetunion, 1952
DDR-Briefmarke mit Sonderstempel anlässlich des 13. Kongress der Gesellschaft für DSF
Fahne der Kreisorganisation Berlin Prenzlauer Berg der Gesellschaft für DSF
Ehrenplakette Kollektiv der DSF - mit 5 facher Verteidigung

Tatsächlich waren viele Mitglieder nur passiv und haben nie eine Veranstaltung der DSF besucht. Die Mitgliedschaft bot DDR-Bürgern die Möglichkeit, die manchmal nützliche „gesellschaftliche Aktivität“ auf Mindestniveau nachzuweisen. Auf der anderen Seite wurden über die DSF Elemente aus Arbeitskultur und Alltag aus der UdSSR auf das Leben der DDR übertragen, wo sie teilweise abgelehnt, zum Teil aber auch modifiziert oder direkt übernommen wurden.

Auszeichnungen an Mitglieder[Bearbeiten]

Ehrenschleife des Zentralvorstandes (rechts) und des Bezirksvorstandes Berlin der Gesellschaft für DSF

Auszeichnungen der Gesellschaft für DSF waren u. a. die Ehrennadel der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft, die in den Stufen Bronze, Silber und Gold jeweils in der Woche der deutsch-sowjetischen Freundschaft an Mitglieder verliehen wurde. Kreisorganisationen der Gesellschaft für DSF wurden mit Ehrenschleifen des Zentralvorstandes und der Bezirksvorstände oder Eintragungen in das Ehrenbuch der Bezirksvorstände der Gesellschaft für DSF ausgezeichnet.

Entwicklung Ende der 1980er Jahre und danach[Bearbeiten]

Ende der 1980er Jahre traten DDR-Bürger der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft bei, um die Glasnost- und Perestroika-Politik von Gorbatschow zu unterstützen und der DDR-Regierung eine klare Absage zu erteilen. Da diese neue sowjetische Politik von der DDR-Partei- und Staatsführung unverhohlen abgelehnt wurde, befand sich die DSF zuletzt in einer zwiespältigen Situation. Zuletzt wurde nur noch informiert, aber jede Stellungnahme oder gar Diskussion über die Verhältnisse in der DDR vermieden. Nach der Wende und friedlichen Revolution verlor die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft wie die meisten Massenorganisationen der DDR den Großteil ihrer meist nur zahlenden Mitglieder. Das von oben verordnete Schweigen führte bei nicht wenigen Funktionären der Gesellschaft an der Basis und bei vielen Mitgliedern zu Unverständnis und Konflikten.

Am 16. November 1989 erklärte daraufhin der Präsident Erich Mückenberger in einem Brief an den Zentralvorstand seinen Rücktritt. Auf einer Tagung des Zentralvorstandes am 29. November 1989 folgten ihm das Sekretariat und ein zehnköpfiger Arbeitsausschuss übernahm provisorisch die Leitung.[3] Erstmals in der Geschichte der Gesellschaft für DSF wurde ein außerordentlicher Kongress einberufen. Dieser fand am 27. Januar 1990 in Schwerin statt. Die wichtigsten Ergebnisse waren: die Zustimmung der Delegierten für die weitere Existenz der Gesellschaft für DSF, der Wille der Erneuerung, ein neues Statut und die Wahl eines bedeutend verkleinerten Zentralausschusses mit 33 Mitgliedern sowie eines parteilosen Vorsitzenden.[4] Vorsitzender wurde der Pfarrer Cyrill Pech aus Berlin-Marzahn. Die von der Gesellschaft genutzten „Häuser der Freundschaft“ wurden an Länder und Kommunen zurückzugeben, die Zahl der Mitglieder sank bis November 1991 auf 20.000.[5] Der Erneuerungsprozess der Gesamtgesellschaft vollzog sich aber trotz der Beschlüsse des außerordentlichen Kongresses und Aktivitäten der neuen Gremien äußerst schwerfällig und widerspruchsvoll.

Nach der deutschen Wiedervereinigung arbeitete sie als eingetrager Verein auf föderativer Basis in den neuen Landesverbänden von Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weiter.

Ein Außerordentlicher Föderativer Verbandstag beschloss am 28. März 1992 die Namensänderung der Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft in „Brücken nach dem Osten“ – Föderation von Gesellschaften für Völkerverständigung e. V. Aus „Brücken nach dem Osten“ wurde 1994 die „Stiftung West-Östliche Begegnungen“ gegründet. Die Stiftung finanzierte sich aus dem Restvermögen der Gesellschaft für DSF. Zweck der Stiftung ist die Förderung der Völkerverständigung und des Friedens durch Vertiefung und Ausweitung gutnachbarlicher Beziehungen und Kontakten zwischen den Menschen der Bundesrepublik Deutschland und den Menschen in den neuen unabhängigen Staaten auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion und den baltischen Staaten.[6]

Die Stiftung fördert Schülerbegegnungen und Schulpartnerschaften, Jugendbegegnungen und Jugendaustausch, soziale und humanitäre Projekte und andere Informations-, Begegnungs- und Bildungsmaßnahmen. Schwerpunkte sind die Bereiche Kultur, Kunst und Wissenschaft. Die Partnerländer der Stiftung sind Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Estland, Georgien, Kasachstan, Kirgisistan, Lettland, Litauen, die Republik Moldau, die Russische Föderation, Tadschikistan, die Ukraine und Usbekistan.

Politische Funktion[Bearbeiten]

Intensiv wurden Mitglieder geworben, später bereits an den Schulen. Die DSF sollte breiten Massen die selbstverstandene Wahrheit über die Sowjetunion vermitteln, um antisowjetische Einstellungen in der Bevölkerung abzubauen.[7] Der Trend der umfassenden Mitgliederwerbung setzte sich auch nach Beendigung des Kalten Krieges während der Entspannungspolitik und der Politik der Friedlichen Koexistenz fort. Nunmehr sollte die DSF Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen der DDR und UdSSR fördern, Wissen über die Sowjetunion verbreiten und sozialistische und kommunistische Verhaltensweisen anerziehen.[8] Die Mitgliederzahl stieg von 3,5 Millionen 1970 auf 6,4 Millionen im Jahr 1988.[2] Das resultierte aus dem Druck, ihr beitreten zu müssen. Wer nicht Mitglied werden wollte, musste dies begründen.[9] Eine Weigerung zum Eintritt wurde von Partei- und Gewerkschaftsfunktionären sowie staatlichen Leitern hinterfragt, führte aber nicht automatisch zu Problemen für den betreffenden DDR-Bürger. Die Mitgliedschaft in der DSF sollte die Verbundenheit mit dem sozialistischen System und dem „ersten sozialistischen Staat“ ausdrücken und wurde mit verschiedenen Mitteln eingefordert. Zum Beispiel war es eine Grundbedingung, dass die Arbeiter, Bauern und Angestellten in den Brigaden auch Mitglieder der DSF waren, andernfalls hatte ihre Brigade im Sozialistischen Wettbewerb geringe Chancen auf Auszeichnung als Kollektiv der sozialistischen Arbeit.

Organisation[Bearbeiten]

Gliederung[Bearbeiten]

Gegliedert war die DSF in Grundeinheiten, Kreis- und Bezirksorganisationen sowie in einen alle fünf Jahre von einem Kongress gewählten Zentralvorstand mit Präsidenten und Generalsekretär. Der Zentralvorstand hatte bis 1981 seinen Sitz in Berlin-Mitte im Zentralen Haus der DSF, im Palais am Festungsgraben (Haus am Kastanienwäldchen). Danach befand er sich in der Mohrenstraße 63. Mitglied im Zentralvorstand war von 1978 bis 1989 u. a. Karl-Eduard von Schnitzler. In jeder Bezirksstadt gab es ein Haus der DSF.

Die GDSF gab die Zeitschrift Sowjetwissenschaft und unter anderem die Blätter Presse der Sowjetunion und Freie Welt heraus.

Führung (Präsidenten)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jan C. Behrends: Die erfundene Freundschaft. Propaganda für die Sowjetunion in Polen und in der DDR. Böhlau, Köln u. a. 2006, ISBN 3-412-23005-7 (Zeithistorische Studien 32), (Zugleich: Potsdam, Univ., Diss., 2004).
  •  Anneli Hartmann, Wolfram Eggeling: Die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft. Zum Aufbau einer Institution in der SBZ/DDR zwischen deutschen Politzwängen und sowjetischer Steuerung. Analysen. Akademie-Verlag, Berlin 1993, ISBN 3-05-002466-6 (Aus Deutschlands Mitte 25).
  •  Silke Satjukow: Befreiung? Die Ostdeutschen und 1945. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2009, ISBN 978-3-86583-252-8.
  •  Gerd-Rüdiger Stephan, Andreas Herbst, Christine Krauss, Daniel Küchenmeister, Detlef Nakath (Hrsg.): Die Parteien und Organisationen der DDR. Ein Handbuch. Dietz, Berlin 2002, ISBN 3-320-01988-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Peter hat Geburtstag. In: Der Spiegel. Nr. 14, 1953 (online).
  2. a b  Staatliche Zentralverwaltung (Hrsg.): Statistisches Jahrbuch 1989 der DDR. 1. Auflage. Staatsverlag der DDR, Berlin 1989, ISBN 3-329-00457-6, S. 410 (34. Jahrgang).
  3. Die Parteien und Organisationen der DDR, Dietz, Berlin 2002, ISBN 3-320-01988-0
  4. Protokoll des Außerordentlichen Kongresses
  5.  Mehr von Katharina. In: Der Spiegel. Nr. 45, 1991 (online).
  6. Stiftung West-Östliche Begegnungen, Zweck der Stiftung
  7. www.jugendopposition.de
  8.  Meyers Universallexikon in vier Bänden. 1. Auflage. Band 2, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1979, S. 132 (Bestell-Nr. 576 628 8).
  9. www.jugendopposition.de