Gespan

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Župan ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum kroatischen Geistlichen siehe Valter Župan.

Ein Gespan [ɡəˈʃpaːn] (slawisch župan) ist eine Entlehnung aus dem lat. sursum bzw. dem altfranz. suzerain („Oberhoheit, Oberherrschaft, Lehnsherr, Suzerän“) und entstammt dem spätrömischen Rechtssystem. Es wurde vom fränkischem Reich adaptiert und überwiegend im 8. Jhd. an lokale mittelalterliche Stammesführer im west- und südslawischen Raum vergeben, mit der Absicht abwehrbereite Pufferstaaten zwischen dem expandieremdem Bulgarenreich und den Franken zu etablieren. Es stellt also eine Erhebung in den Adelsstand (comes als Graf einer Grenzmark) dar.

Als župan wurde es in slawische Sprachen assimiliert und diente damit der Legitimation von Herrschaft mit dem Segen der Katholischen Kirche. Es entspricht daher im Prozess der Nationenbildung slawischer Länder dem lateinisch comes im Sinne eines Herzogtums.

Später wurden die Gespane zu lokalen Obrigkeiten mit bestimmten Befugnissen in Verwaltung, Militärangelegenheiten und Rechtsprechung (manchmal als „Fürsten“ übersetzt, eigentlich: Richter). In Kroatien gab es das Amt zunächst bis 1918 und es wurde 1991 erneut für den Vorsteher einer kroatischen Gespanschaft eingeführt.

Die Oberhäupter der Serben, die im 8. Jahrhundert in Ras residierten, führten damals den Titel Archižupan (im Sinne einer byzantinisch-katholischen Suzeränität) beziehungsweise Großžupan (im Sinne eines Herzogtums).[1] In Serbien findet man den Begriff župan vor allem in Quellen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert.

In Deutschland waren nach den Eroberungen der slawischen Gebiete die Gaue – beispielsweise Daleminzi (Meißner Gebiet), Nisani (Dresdner Gebiet) – in Supanien (serbisch und kroatisch: županija, deutsch: Gespanschaft) aufgegliedert. Auch das Reich des Samo soll bereits im 6. Jhd. diesen Titel getragen haben.

Im Ungarischen lautet der entsprechende Ausdruck ispán oder zsupán; bekannt ist der Schweinezüchter Kálmán Zsupán aus der Operette Der Zigeunerbaron.

Im Slowenischen versteht man heutzutage, im Gegensatz zu anderen slawischen Sprachen, unter einem Župan den Bürgermeister einer Gemeinde.

In der heutigen Slowakei wird der alte Begriff župan manchmal als Alternativbezeichnung für die Vorsteher der Samosprávne kraje (Selbstverwaltungs-Landschaftsverbände) verwendet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerhard Herm: Der Balkan. Das Pulverfaß Europas. Econ Verlag GmbH, Düsseldorf / Wien / New York / Moskau, 1993, ISBN 3-430-14445-0, S. 134