Gesundheitswirtschaft

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Dieser Artikel behandelt den Wirtschaftszweig. Zur deutschsprachigen Fachzeitschrift für das Management im Gesundheitsbereich siehe Die GesundheitsWirtschaft.

Gesundheitswirtschaft kann als ein Sammelbegriff für alle Wirtschaftszweige verstanden werden, die etwas mit Gesundheit zu tun haben[1]. Sie setzt sich aus verschiedenen Akteuren zusammen. Der Kernbereich, auch als erster Gesundheitsmarkt bezeichnet, umfasst im engeren Sinne den Bereich der Gesundheitsversorgung, die größtenteils durch Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und Private Krankenversicherung (PKV), den Staat und weitere Sozialversicherungsträger geprägt ist. Die deutsche Gesundheitswirtschaft hat eine erhebliche ökonomische Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft. 5,2 Millionen Menschen arbeiten dort. Damit ist heute etwa jeder achte Erwerbstätige in dieser Branche tätig.[2]

Einordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein fast völlig regulierter Gesundheitsmarkt wie in Großbritannien sei nach diesen Grundgedanken genauso wenig zielführend, wie ein weitgehend deregulierter Markt wie in den U.S.A. Beide würden zu Lücken in der nachhaltigen und flächendeckenden Patientenversorgung führen. Nur eine Mischform aus sozial ausgewogenen aber auch marktwirtschaftlichen bzw. wettbewerbsorientierten Rahmenbedingungen schaffe ein diesbezügliches Optimum[3]. Bei der 1. Nationalen Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft wurde daher 2005 formuliert, Gesundheitswirtschaft umfasse die Erstellung und Vermarktung von Gütern und Dienstleistungen, die der Bewahrung und Wiederherstellung von Gesundheit dienen[4]. Während der Begriff Gesundheitswesen eher als Beschreibung des äußerst komplexen Gesundheitssystems unserer Krankenversorgung dient, umfasst die Gesundheitswirtschaft als ganze also nicht nur die überwiegend öffentlich finanzierte und staatlich reglementierte stationäre und ambulante Versorgung Kranker, die wirtschaftlich betrachtet weniger als die Hälfte des gesamten Gesundheitsmarktes dieser Branche ausmacht[5]. Dazu gehören neben Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen auch die medizinische Versorgung in Haus- und Facharztpraxen, die pharmazeutische Industrie, Medizintechnik, Gesundheitstourismus, Wellness sowie die Fitnessbranche.

Bedeutung in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesundheitswirtschaft ist einer der größten Teilbereiche der deutschen Volkswirtschaft. Insgesamt 4,4 Millionen Menschen arbeiten hierin[6]. Damit ist beim Stand von 2007/2008 mehr als jeder zehnte Arbeitsplatz in Deutschland in diesem Bereich angesiedelt. Diese Zahl ist im Zunehmen begriffen. Die Kräfte des Gesundheitsmarktes unterliegen jedoch einer betont staatlichen Regulierung mit einer Vielzahl von Novellierungen bzw. Gesundheitsreformen auf gesetzgeberischer Ebene v. a. im Sozialgesetzbuch in den letzten 30 Jahren.

Im Jahr 2010 wurden 287,3 Milliarden Euro für Gesundheit, medizinische Vorsorge und Heilung ausgegeben, was einem Anteil von 11,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahres entspricht[7] bzw. 3.510 Euro pro Kopf. Somit ist in dieser Hinsicht der Gesundheitssektor bedeutender als beispielsweise die Automobilindustrie mit 1,1 Millionen Arbeitsplätzen (inklusive der Zulieferer) und einem Anteil von 9,7 Prozent des BIP[8]. Aufgrund der wachsenden Bedeutung in Deutschland stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) die Gesundheitswirtschaft in einem eigenen „Gesundheitssatellitenkonto“ (GSK) innerhalb der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sichtbar in allen gesundheitsbezogenen Bereichen dar[9]. Die Zuständigkeit im BMWi liegt im Bereich Grundsatzfragen der Gesundheitswirtschaft und Soziale Dienstleistungen, der von Ministerialrat Christian Lipicki geleitet wird.

Pharma[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Pharmabereich spielt innerhalb und abseits der unmittelbaren Gesundheitsversorgung eine große Rolle in der Gesundheitswirtschaft. Die Arzneimittelausgaben sind fast halb so hoch wie die für den gesamten Krankenhausbereich und stiegen zwischen 2004 und 2010 um jährlich 4,1 %. Zum ersten mal seit 2004 fielen die von den gesetzlichen Krankenkassen erstatteten Arzneimittelausgaben von 30.2 Milliarden Euro 2010 auf 29.1 Milliarden Euro 2011. Das entspricht einem Minus von 1.1 Milliarden Euro bzw. minus 3,6 %, verursacht durch Anpassungen der Sozialgesetze – SGB: Herstellerrabatte 16 % statt 6 %, Preismoratorium, mehr Rabattverträge und höhere Apotheken- sowie Großhandelsabschläge.[10]

Bedeutung in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die privaten und öffentlichen Ausgaben für Gesundheit betragen in Österreich etwas mehr als zehn Prozent (2007: 10,1 Prozent) des Bruttoinlandsproduktes.[11] Eine Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung prognostizierte dem Gesundheitswesen einen Beschäftigungszuwachs von 2,4 Prozent pro Jahr. Für 2010 wurden 324.000 unselbstständig Beschäftigte im Gesundheitswesen erwartet. Bis 2020 wird eine Steigerung des Marktvolumens auf 67,8 Milliarden Euro vorausgesagt.[12]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. A. J. W. Goldschmidt: Leading the Global Game – M&A between Competitiveness and Conflicts. Vortrag als „guest speaker“ mit Round Table-Diskussion am Beispiel „health economy and logistics“ bzw. „Gesundheitswirtschaft und Logistik“ anlässlich des 9. Symposiums des Organisationsforums Wirtschaftskongress e.V. am 8. März 2002 in den Räumlichkeiten der Fachhochschule Köln.
  2. Gesundheitswirtschaft als Jobmotor. In: bundesgesundheitsministerium.de. Abgerufen am 1. Mai 2017.
  3. A. J. W. Goldschmidt, J. Hilbert: Von der Last zur Chance – Der Paradigmenwechsel vom Gesundheitswesen zur Gesundheitswirtschaft. In: A. J. W. Goldschmidt, J. Hilbert (Hrsg.): Gesundheitswirtschaft in Deutschland. Die Zukunftsbranche. Band 1 der Schriftenreihe: Gesundheitswirtschaft und Management. kma-Reader - Die Bibliothek für Manager. Wikom-Verlag (Thieme), Wegscheid 2009, ISBN 978-3-9812646-0-9, S. 20–40.
  4. H. Klinkmann: Ergebnisbericht „Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft 2005“. S. 7 (PDF; 2,34 MB).
  5. A. J. W. Goldschmidt: Der „Markt“ Gesundheitswesen. In: M. Beck, A. J. W. Goldschmidt, A. Greulich, M. Kalbitzer, R. Schmidt, G. Thiele (Hrsg.): Management Handbuch DRGs, Hüthig / Economica, Heidelberg, 1. Auflage 2003, ISBN 3-87081-300-8, S. C3720/1–24, mit 3 Überarbeitungen/Ergänzungslieferungen bis 2012.
  6. Statistisches Bundesamt: Beschäftigung in der Gesundheitswirtschaft steigt weiter an. Pressemitteilung Nr. 490, Berlin, 17. Dezember 2008.
  7. Gesundheitsausgaben nach Leistungsarten Statistisches Bundesamt Deutschland, Wiesbaden, 2012.
  8. FAQ: Wie groß ist der Markt in Deutschland? (Memento vom 5. August 2007 im Internet Archive) Information des Bundesverbandes Medizintechnologie e.V.
  9. K.-D. Henke et al: Erstellung eines Satellitenkontos für die Gesundheitswirtschaft in Deutschland. BMWi, Berlin, 2009 (PDF; 329 kB).
  10. B. Häusler, A. Höer, E. Hempel: Arzneimittel-Atlas 2012. Springer, Berlin u. a. 2012, ISBN 978-3-642-32586-1.
  11. Überblick – Gesundheitsausgaben in Österreich laut System of Health Accounts (SHA) 1990 – 2015, in Mio. Euro Statistik Austria, abgerufen am 2. Mai 2017.
  12. Zukunftsmarkt Gesundheit & Wellness (Memento vom 12. August 2011 im Internet Archive) Studie von Roland Berger Strategy Consultants, S. 6 (PDF; 418 kB).