Hausarzt

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Ein Hausarzt ist ein niedergelassener (freiberuflicher) oder ein in einer ärztlichen Kooperationsgemeinschaft wie z. B. ein Medizinisches Versorgungszentrum oder einer Berufsausübungsgemeinschaft angestellter Arzt, der für den Patienten meist die erste Anlaufstelle bei medizinischen Problemen ist oder im Rahmen des Hausarztmodells sogar sein muss.

Er stellt meist, oft zusammen mit einem Apotheker, die erste Anlaufstelle dar, die bei medizinischen Fragen aufgesucht wird und dient damit als Lotse im oftmals unübersichtlichen Gesundheitssystem. Wie jeder niedergelassene Arzt, so ist auch der Hausarzt berufsrechtlich verpflichtet, gegebenenfalls, z. B. bei schwereren Krankheiten, notwendige Hausbesuche durchzuführen. Um die ärztliche Versorgung auch außerhalb der Sprechstunden sicherzustellen, organisieren niedergelassene Ärzte in der Regel einen ärztlichen Notdienst.

Im Idealfall kennt der Arzt von früheren Gelegenheiten im Wesentlichen die Lebens- bzw. Krankengeschichte, während er sie bei neuen Patienten erst in längerem Gespräch erheben muss (Anamnese). Durch eine gewisse Kenntnis der persönlichen Situation und das Vertrauen der Patienten können Hausärzte mitunter auch bei psychischen Problemen oder Konflikten einen besseren Zugang zum Patienten haben als mancher Spezialist und übernehmen damit oftmals die psychologische Grundversorgung im Rahmen ihrer hausärztlichen Tätigkeit.

Wenn nötig, schreibt der Hausarzt auch die Überweisung zum Facharzt, zu einer speziellen Therapie bzw. ins Krankenhaus.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland sind als Hausärzte tätig:

Die Abrechnung seiner Leistungen erfolgt bei den gesetzlich Krankenversicherten mit der Krankenkasse über die Kassenärztliche Vereinigung, bei Privatpatienten mit diesen direkt. 2004 setzte eine Hausarztpraxis in Deutschland im Durchschnitt 176.100 Euro um. Der Kostenanteil betrug 52,8 Prozent des Umsatzes.[1] Die Kassenärztliche Bundesvereinigung gab 2010 bekannt, dass die Hausärzte im Jahr 2009 sieben Prozent mehr als im Vorjahr erhalten haben. Mit einem Honorar von durchschnittlich über 206.000 Euro (vor Abzug der Kosten) bekommen sie inzwischen mehr Honorar als andere, spezialisierte Fachärzte.[2]

In Deutschland gibt es rund 60.000 Hausärzte.[3] 18,5 Prozent der Ärzte in Deutschland sind kassenärztlich tätige Hausärzte.[4] Das Durchschnittseinkommen eines Hausarztes liegt nach einer Statistik der OECD in Deutschland bei 80.730 Euro, in der Schweiz bei 87.000 Euro und in den Niederlanden bei 94.300 Euro. Privateinnahmen sind dabei nicht berücksichtigt.[1] Bis 2020 werden rund die Hälfte der Hausärzte in Deutschland in Rente gehen.[5] Wie sich die Anzahl der Hausärzte entwickelt, hängt allerdings auch davon ab, wie viele der jährlich knapp 10.000 Absolventen der Humanmedizin[6] sich als Facharzt für Allgemeinmedizin spezialisieren und als Hausarzt niederlassen.

Seit Ende der 1990er Jahre versuchen zahlreiche Gesundheitspolitiker, die Rolle des Hausarztes im Gesundheitssystem zu stärken.[7]

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) vertritt die wissenschaftlich-fachlichen Interessen der Hausärzte in Deutschland insbesondere durch die Erarbeitung von Leitlinien, Stellungnahmen gegenüber den gesundheitspolitischen Institutionen und Forschungs- und Nachwuchsinitiativen.

Ärztemangel und finanzieller Druck werden laut DEGAM zu einer Stärkung des Hausarztes führen.[8] Die DEGAM fordert eine bessere Versorgungssteuerung zum Beispiel von multimorbiden Patienten durch Hausärzte. Bei vielen Verantwortlichen im Gesundheitssystem wachse die Sensibilität für die Tatsache, dass dem Hausarzt als Koordinator im zunehmend komplexeren und intransparenten Gesundheitssystem sowie angesichts der zunehmenden medizinischen Unterversorgung auf dem Land eine wichtige Rolle zukomme.

Der Gesetzgeber hat Einschränkungen vorgenommen, an welchen Orten, in welchen Fällen und in welcher Art und Weise von der ärztlichen Bedarfsplanung abgewichen werden kann. Die regionalen Abweichungsmöglichkeiten der Hausarztdichte finden ihre rechtliche Grundlage in § 99 Abs. 1 Satz 3 SGB V. Soweit es zur Berücksichtigung regionaler Besonderheiten, insbesondere der regionalen Demografie und Morbidität, für eine bedarfsgerechte Versorgung erforderlich ist, kann von den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses abgewichen werden.

Mit Blick auf die Steuerungssystematik der Bedarfsplanung der Hausarztdichte wurden durch den Gemeinsamen Bundesausschuss unterschiedliche Punkte vorgeschlagen, an denen regionale Anpassungen ansetzen können, um die gewünschte Berücksichtigung regionaler Besonderheiten zu bewirken.

  1. Die Zuordnungen und Zuschnitte der ärztlichen Planungsbereiche können verändert werden.
  2. Die Zusammensetzung der Arztgruppen und Arztpraxis Dichte kann variiert werden.<
  3. Die Verhältniszahlen, die das Ziel der medizinischen Versorgung beschreiben, können angepasst werden.

Neben diesen unterschiedlichen Stellschrauben, über die in die Steuerungssystematik in die Verteilung der Zulassung der kassenärztlichen Hausärzte eingegriffen werden kann, kann man darüber hinaus zwei Formen der Modifikation unterscheiden. In einer Region können sich Krankenkasse und Kassenärztliche Vereinigung entscheiden, systematische Abweichungen vorzunehmen, die für die gesamte Region gelten, oder individuelle Anpassungen zu implementieren, die nur für einzelne spezifische Planungsbereiche Wirkung entfalten.[9]

Die neue Bedarfsplanungsrichtlinie unterscheidet vier ärztliche Versorgungsebenen, denen jeweils unterschiedliche große Raumplanungskategorien zugeordnet werden. Damit werden die unterschiedlich großen Einzugsbereiche der jeweiligen Ärzte abgebildet. Grundlage für die Zuordnung waren Analysen der Patientenwanderungen zum Arzt auf Basis von Abrechnungsdaten, differenziert nach Planungsgruppen. Raumplanungskategorien beruhen auf amtlichen Vorgaben. Die vier Raumplanungskategorien der Versorgungsebenen beruhen auf Abgrenzungen des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Es handelt sich somit um amtliche Konzepte, auf die der Gemeinsame Bundesausschuss verweist.

Gleichzeitig ergibt sich jedoch bereits durch den Verweis auf Bundesvorgaben ein gewisser Zeitverzug zwischen der Anpassung von regionalen Landesentwicklungsplänen und deren Abbildung in den Konzepten des BBSR. Eine mögliche systematische Anpassung läge darin, dass sich die Partner der gemeinsamen Selbstverwaltung entschließen, die regionalen Landesentwicklungspläne und die dort zugrunde gelegten Raumplanungskonzepte als Grundlage der Bedarfsplanung in der Kassenärztlichen Vereinigung zu nutzen.

Verwandte Themen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Leibärzte sind Hausärzte im ausschließlichen Dienst einer Einzelperson oder Familie.
  • Die Hausarztzentrierte Versorgung umfasst die hausärztliche Behandlung von Kassenpatienten, die in diesem Vertragswerk eingeschrieben sind. Die Abrechnung wird über einen Vertragspartner, meist ein Verband, und nicht über die Kassenärztliche Vereinigung abgewickelt.
  • Landärzte sind Hausärzte im ländlichen Raum.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Hausarzt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Arzt & Wirtschaft, Hausärzte am Ende der Skala, 09/2007, S. 20
  2. Philipp Neumann: "Hausärzte verdienen jetzt mehr als Fachärzte" - Die Welt vom 19. August 2010; Timot Szent-Ivanyi: "Zahlenschlacht mit Bedacht" - Berliner Zeitung vom 20. August 2010; Presse-Echo der KBV
  3. Michael Inacker: Lockangebote für Landärzte. In: Handelsblatt. Nr. 248, 21. bis 26. Dezember 2012, ISSN 0017-7296, S. 11.
  4. Kassenärztliche Bundesvereinigung KBV, http://www.kbv.de/presse/7479.html (Stand: 31. Dezember 2009)
  5. Peter Thelen: AOK fordert Gesundheitsreform. In: Handelsblatt. 10. Juni 2013, ISSN 0017-7296, S. 8.
  6. Deutsches Ärzteblatt - Künftiger Bedarf an Ärzten: Verwirrende Zahlenspiele; 2013; Thomas Gerst; Dtsch Arztebl 2013; 110(41): A-1894 / B-1673 / C-1641
  7. Harro Albrecht: "HAUSÄRZTE: Retter in Weiß oder Billig-Mediziner?" - Die Zeit 18/2010 vom 29. April 2010
  8. - Ferdinand Gerlach. Mehr Macht dem Hausarzt", Ärztezeitung 2016.
  9. "Landarztbörse: Ärztliche Bedarfsplanung"