Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung

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Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung
(WIFO)
Zweck: Wirtschaftsforschung
Vorsitz: Christoph Badelt
Gründungsdatum: 1927 (Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises)
Sitz: Arsenal Objekt 20, Wien 3, Österreich
Website: www.wifo.ac.at

Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) ist ein als Verein organisiertes Wirtschaftsforschungsinstitut mit Sitz in Wien (auf dem Gelände Arsenal).

Das WIFO verfügt über ein jährliches Budget von 12,5 Millionen Euro (Stand 2014) und gilt damit als größte österreichische Denkfabrik. Weitere österreichische Denkfabriken sind das Institut für Höhere Studien (IHS) (9,3 Millionen Euro), Agenda Austria (1,2 Millionen Euro) und EcoAustria (500.000 Euro).[1]

Ziele und Aufgabenstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sitz des WIFO im Wiener Arsenal

Erklärter Zweck ist die „Analyse der österreichischen und internationalen Wirtschaftsentwicklung“. Mit seinen Analysen versucht das Institut zur Fundierung und Versachlichung der wirtschaftspolitischen Diskussion beizutragen. Als unabhängiges Forschungsinstitut mit empirischer Ausrichtung beschäftigt es sich mit der österreichischen und zunehmend auch mit der europäischen Wirtschaftspolitik. Bekannt ist das WIFO für seine kurz- und mittelfristigen Konjunkturprognosen.[2]

Organisation und Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rechtsform ist ein Verein. Die Finanzierung wird durch Mitgliedsbeiträge der institutionellen Träger (darunter die Mitglieder der österreichischen Sozialpartnerschaft), Unternehmen und Privatpersonen gesichert. Öffentliche Fördermittel unterstützen die Grundlagenforschung. Ab 2005 wurde das Institut von Karl Aiginger geleitet, mit 1. September 2016 trat Christoph Badelt dessen Nachfolge als Leiter des WIFO an.[3] Derzeit werden etwa 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Geschichte des Instituts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das WIFO wurde 1927 als „Österreichisches Institut für Konjunkturforschung“ von Friedrich August von Hayek und Ludwig von Mises nach dem Vorbild von Ernst Wagemanns in Berlin ansässigen Institut für Konjunkturforschung[4] gegründet. Zu dieser Zeit wirkte auch Alexander Gerschenkron am Institut. Als Nachfolger Oskar Morgensterns wirkte von 1936 bis 1939 Reinhard Kamitz als Leiter, der auch 1938 die Eingliederung in Wagemanns Institut durchführte.[5] Das Institut wurde zunächst in „Wiener Institut für Wirtschafts- und Konjunkturforschung“[6] und später in „Wiener Institut für Wirtschaftsforschung“[7] umbenannt.

Nach dem Krieg wurde das Institut unter der Bezeichnung „Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung“[8] von Franz Nemschak wieder ins Leben gerufen. Ihm folgten als Leiter Hans Seidel, Helmut Kramer und Karl Aiginger (2005–2016). Im Februar 2016 wurde bekannt, dass Christoph Badelt im September 2016 Karl Aiginger in dieser Funktion nachfolgen soll.[9]

Forschung am WIFO[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angewandte Wirtschaftsforschung ist der Kernbereich der Vereinsarbeit. Die Tätigkeiten sind in fünf Forschungsbereiche gegliedert:[10]

  1. Makroökonomie und Europäische Wirtschaftspolitik
  2. Arbeitsmarkt, Einkommen und soziale Sicherheit
  3. Industrieökonomie, Innovation und internationaler Wettbewerb
  4. Strukturwandel und regionale Entwicklung
  5. Umwelt, Landwirtschaft und Energie

Die Gründer, Ludwig von Mises und der spätere Nobelpreisträger Friedrich von Hayek gelten als führende Repräsentanten der österreichischen Schule der Nationalökonomie. Nach dem Krieg setzte sich in der makroökonomischen Analyse am WIFO der Keynesianismus durch. Der enge Kontakt des WIFO zur Politik zeigte sich während dieser Zeit z.B. darin, dass der frühere Leiter Hans Seidel 1981 als Staatssekretär in die Regierung berufen wurde.

Heute prägt eine Vielfalt von Methoden und theoretischen Ansätzen die Arbeit in den Forschungsbereichen. Gemeinsam ist ihnen die Ausrichtung auf angewandte empirische und wirtschaftspolitische Fragen und ein proaktives Politikverständnis bezüglich der Rolle des Staates in einer Marktwirtschaft mit offenen Grenzen und zunehmender Globalisierung. Das WIFO verfolgt eine Beratungsrolle und versteht sich als Brücke zwischen Wirtschaftstheorie, Empirie und Politik. Die wirtschaftlichen Ziele schließen neben Wachstum und Einkommen auch andere Elemente einer Wohlfahrtsfunktion ein, wie es in der Diskussion aufgezeigt wird, die das Bruttoinlandsprodukt als alleinigen Wohlfahrtsmaßstab in Frage stellt. Die Osteuropaforschung stellte schon früh einen Schwerpunkt des WIFO dar. Sie wurde in den siebziger Jahren zu einer selbständigen Forschungseinrichtung: dem Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

Die verstärkte Positionierung auf dem internationalen Markt zeigt sich an der Einbindung des WIFO in internationale wissenschaftliche Aktivitäten:

  • Das Institut ist seit 2007 an der Erstellung der Gemeinschaftsdiagnose beteiligt.
  • Das Institut ist Mitglied des European Economic Research and Advisory Consortium (ERECO) mit Partnerinstituten in Birmingham, Bologna, Cambridge, Madrid, München, Paris und Rotterdam.
  • Das WIFO erstellt seit Ende der Neunzigerjahre u.a. die analytischen Grundlagen der Wettbewerbsberichte der Europäischen Kommission.[11]
  • Das WIFO ist Koordinator beim Projekt „Ein neuer Wachstumspfad für Europa - WWWforEurope“[12] das im Rahmen des 7. Rahmenprogrammes die wissenschaftliche Begleitung der Europa-2020 Strategie darstellen soll.
  • Das WIFO ist Mitglied der Forschungsgemeinschaft Euroframe und erstellt auch Prognosen und Analysen für Deutschland.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Publikationsorgane und Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Details zum Forschungsprojekt WWWforEurope in CORDIS

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. format.at - Die Sponsoren der Meinungsmacher. Artikel vom 5. Dezember 2014, abgerufen am 6. Februar 2015.
  2. Vgl.Reichmann, W., 2010, Die Disziplinierung des ökonomischen Wandels: Soziologische Analysen der Konjunkturforschung in Österreich. Metropolis, Weimar bei Marburg. ISBN 3-89518-786-0.
  3. Christoph Badelt tritt Amt als neuer WIFO-Leiter an . Pressemeldung vom 31. August 2016, abgerufen am 2. September 2016.
  4. Vgl. DIW Berlin (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung)
  5. Vgl. Editorial der Monatsberichte des Österreichischen Instituts für Konjunkturforschung vom April 1938 (PDF; 1,0 MB)
  6. Vgl. Monatsbericht des Wiener Institut für Wirtschafts- und Konjunkturforschung vom September 1938 (PDF; 820 kB)
  7. Vgl. Monatsbericht des Wiener Institut für Wirtschaftsforschung vom Mai 1940 (PDF; 1,2 MB)
  8. Vgl. Monatsberichte des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung Ausgabe Nr. 1/2 des XVIII. Jahrgangs (PDF; 820 kB)
  9. derStandard.at - Christoph Badelt wird WIFO-Leiter. Artikel vom 23. Februar 2016, abgerufen am 23. Februar 2016.
  10. Forschungsbereiche des WIFO
  11. Vgl. Aiginger, K., 2000, Europe's position in quality Competition (PDF; 331 kB), European Commission, Enterprise Directorate-General, Enterprise DG Working Paper, Brussels
  12. Vgl. Pressemitteilung zum Projekt WWWforEurope vom 28. Februar 2012.

Koordinaten: 48° 10′ 54″ N, 16° 23′ 24″ O