Gewinn vor Steuern

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Gewinn vor Steuern (auch: Ergebnis vor Steuern, Vorsteuergewinn; englisch: earnings before taxes, EBT) ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl und bezieht sich auf den Gewinn, der vor Abzug der Ertragsteuern von einem Unternehmen erwirtschaftet wurde.

Allgemeines[Bearbeiten]

Die Unterscheidung zwischen Vorsteuer- und Nachsteuergewinn ist erforderlich, weil international der Unternehmensgewinn als Einkunftsart einer Besteuerung unterliegt (in Deutschland: Gewinneinkünfte). Da die Gewinnbesteuerung weltweit erhebliche Unterschiede aufweist, macht es Sinn, bei Betriebsvergleichen die Vorsteuergewinne einander gegenüberzustellen.

Ermittlung[Bearbeiten]

Der Gewinn vor Steuern ist handelsrechtlich keine eigenständige Position in der Gewinn- und Verlustrechnung, sondern ergibt sich nach § 275 Abs. 2 HGB als Zwischensumme vor der Position Nr. 18 (Steuern vom Einkommen und Ertrag) und Nr. 19 (sonstige Steuern), bevor der Jahresüberschuss als „Gewinn nach Steuern“ (Position Nr. 20) ermittelt wird (in Klammern die Nummer der Position nach § 275 Abs. 2 HGB):

    Betriebsergebnis (14)
    +/- Finanzergebnis
    +/- außerordentliches Ergebnis (17)
    = Gewinn vor Steuern
    - Steuern vom Einkommen und Ertrag (18)
    - sonstige Steuern (19)
    = Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag (20)

Wenn es keine Hinzurechnungen und Kürzungen nach §§ 8 und § 9 GewStG gibt, entspricht der Gewinn vor Steuern dem steuerrechtlichen Gewerbeertrag. Der Gewinn vor Steuern beeinflusst die Steuerquote und damit die Höhe der gewinnabhängigen Steuern. Nach deren Abzug verbleibt der Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag als Residualgröße.

Kennzahl[Bearbeiten]

Manche Kennzahlen bauen anstatt auf dem Jahresüberschuss auf dem Gewinn vor Steuern auf, um die Ertragsteuern auszuklammern und die steuerbereinigte Ertragslage eines Unternehmens besser darzustellen. Das gilt insbesondere für alle gewinnabhängigen Kennzahlen wie etwa die Gesamtkapitalrentabilität:

\text{Gesamtkapitalrentabilität} = \frac{\text{Gewinn vor Steuern} + \text{Fremdkapitalzinsen}}{\text{Gesamtkapital}} \cdot 100\,%

Hierdurch wird der Einfluss steuerrechtlicher Faktoren eliminiert, was insbesondere im internationalen Vergleich erforderlich ist.[1] Ist die Kennzahl des Gewinns vor Steuern nicht verfügbar, muss als Ersatz der – um Ertragsteuern verminderte - Jahresüberschuss gewählt werden.

Die aus internationalen Rechnungslegungsverfahren IFRS oder US-GAAP stammende Kennzahl EBT (earnings before taxes) steht für das Jahresergebnis vor Steuern und ermöglicht einen von der unternehmensindividuellen Steuerquote unabhängigen (internationalen) Vergleich der Ertragskraft eines Unternehmens.[2] EBT und Gewinn vor Steuern sind mithin identisch:

\mbox{Earnings before taxes (EBT)} = {\mbox{Gewinn vor Steuern}}

Anwendung in Controlling und Finanzanalyse[Bearbeiten]

Im Gegensatz zum Jahresüberschuss ist der Gewinn vor Steuern unabhängig von Steuereffekten wie zum Beispiel Steuernachzahlungen oder der Steuerminderung durch Verlustvorträge. Er eignet sich daher – eine einheitliche Rechnungslegung vorausgesetzt – besser für den Vergleich des Gewinns verschiedener Rechnungsperioden oder Unternehmen als der Jahresüberschuss.

Der Gewinn vor Steuern im Verhältnis zum Umsatz (Brutto-Umsatzrendite) liefert steuerunabhängige Aussagen über die Rentabilität eines Unternehmens.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Norbert Zdrowomyslaw/Robert Kasch, Betriebsvergleiche und Benchmarking für die Managementpraxis, 2002, S. 79
  2. Jörg Wöltje (Hrsg.), Bilanzen lesen, verstehen, gestalten, 2011, S. 336


Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!