Steuerquote

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Steuerquote ist eine Kennzahl,

  • die den Anteil einer Steuer oder der Summe aller Steuern (Steueraufkommen) im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt oder Bruttonationaleinkommen angibt (volkswirtschaftliche Steuerquote),
  • die die Einnahmen aus einer einzelnen Steuer im Verhältnis zu den Gesamtsteuereinnahmen angibt (z. B. die Lohnsteuerquote),
  • die einen Vergleich der Steuerbelastung von Arbeitnehmern, Unternehmern oder Volkswirtschaften untereinander und im Zeitablauf erlaubt (Steuerlastquote),
  • die den Anteil der Steuern eines Unternehmens im Verhältnis zum Unternehmensgewinn angibt,
  • die den Anteil der Steuereinnahmen einer Gebietskörperschaft im Verhältnis zu den Gesamteinnahmen dieser Gebietskörperschaft angibt (z. B. Steuereinnahmen einer Gemeinde im Verhältnis zu allen Einnahmen der Gemeinde (Steuern, Gebühren, Beiträge, sonstige)).

Volkswirtschaftliche Steuerquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie wird beeinflusst vom Steuertarif und den Steuerbefreiungen, Steuerschlupflöchern und Schwarzarbeit. Eine hohe Steuerquote wird von manchen gleichgesetzt mit umfangreicher staatlicher Umverteilung, fehlenden ökonomischen Anreizeffekten und geringer Attraktivität des Standorts aufgrund hoher Produktionsnebenkosten. Bei einem gegebenen, unveränderten Steuerrecht und Besteuerungssystem ist die Steuerlastquote proportional zum Konjunkturverlauf. Ist der Quotient größer als 1, so ist ihre Aufkommenselastizität im Konjunkturverlauf steigend.

Die Steuerquote gibt nur einen groben Anhaltspunkt für die Gesamtbelastung einer Volkswirtschaft. Die Steuerquote beinhaltet weder die Sozialversicherungsbeiträge noch die sonstigen Abgaben. Sie sagt auch nichts über die Verteilung der Steuerlast aus. Diese wird u. a. durch Steuertatbestände, Steuerbefreiungen, die Möglichkeit des Steuerpflichtigen, seine Steuerlast zu überwälzen, das Verhältnis von direkten zu indirekten Steuern sowie durch die Steuerprogression beeinflusst. Die Steuerlastquote fließt als eine Komponente in die Betrachtung der Staatsquote ein, in die auch die wirtschaftlichen Aktivitäten zum Beispiel von staatseigenen Unternehmen, wie Banken, Eisenbahnunternehmen, Post, Telekommunikation, Energieversorgungsunternehmen, Autobahnbetreibergesellschaften usw. eingehen.

Steuerquote in der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Berechnung der Steuerquote gibt es verschiedene Methoden der Abgrenzung:

  • Finanzstatistik (kassenmäßiges Steueraufkommen)
  • Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (VGR)
  • Internationaler Vergleich (OECD)

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung von 1950 bis 2010:

Jahr Steuern insgesamt[1]
(Mrd. Euro)
Kassenmäßige Steuerquote[2]
(% vom BIP)
Steuerquote nach VGR[3]
(% vom BIP)
Steuerquote nach OECD[4]
(% vom BIP)
1950 10,78 21,70 % n.v. n.v.
1955 21,64 24,94 % n.v. n.v.
1960 35,00 22,61 % n.v. n.v.
1965 53,92 22,97 % n.v. 23,1 %
1970 78,8 22,4 % 23,0 % 22,0 %
1975 123,8 22,46 % n.v. 22,6 %
1980 186,6 24,3 % 23,8 % 23,9 %
1985 223,5 22,71 % n.v. 22,9 %
1990 281,0 22,7 % 21,6 % 21,8 %
1995 416,3 22,5 % 21,9 % 22,7 %
2000 467,3 22,7 % 24,2 % 22,7 %
2001 446,2 21,1 % 22,6 % 21,7 %
2002 441,7 20,6 % 22,3 % n.v.
2003 442,2 20,4 % 22,3 % n.v.
2004 442,8 20,0 % 21,8 % 20,7 %
2005 452,1 20,1 % 22,0 % 20,9 %
2006 488,4 21,0 % 22,8 % 21,9 %
2007 538,2 22,2 % 23,8 % 22,9 %
2008 561,2 22,5 % 23,7 % 23,1 %
2009 524,0 21,86 % 23,4 % 22,9 %
2010 530,6 21,23 % 22,0 %
2011 573,4 22,7 %
2012 600,0 23,2 %
2013 620,5

(a) Schätzung; Stand: Monatsbericht BMF, Februar 2014

Steuerquote im internationalen Vergleich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Tabelle zeigt die Entwicklung von 1965 bis 2010 nach den Abgrenzungsmerkmalen der OECD[4]

Land 1965 1975 1985 1990 1995 2000 2005 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013
Deutschland (c) 23,1 % 22,6 % 22,9 % 21,8 % 22,7 % 22,8 % 21,0 % 22,9 % 23,1 % 22,9 % 22,0 % 22,7 % 23,2 %
Belgien 21,3 % 27,6 % 30,3 % 28,0 % 29,2 % 30,9 % 30,9 % 30,1 % 30,2 % 28,7 % 29,4 % 29,9 % 30,8 %
Dänemark 28,8 % 38,2 % 44,8 % 45,6 % 47,7 % 47,6 % 49,7 % 47,9 % 47,1 % 47,1 % 47,2 % 47,1 % 47,1 %
Frankreich 22,5 % 21,1 % 24,3 % 23,5 % 24,4 % 28,4 % 27,8 % 27,5 % 27,3 % 25,7 % 26,3 % 27,4 % 28,3 %
Griechenland 12,2 % 13,7 % 16,4 % 18,3 % 19,5 % 23,6 % 20,6 % 20,9 % 20,5 % 19,8 % 20,0 % 20,9 % 23,1 %
Italien 16,8 % 13,7 % 22,0 % 25,4 % 27,5 % 30,2 % 28,3 % 30,4 % 29,8 % 29,7 % 29,5 % 29,6 % 30,9 %
Japan 14,1 % 14,7 % 18,9 % 21,3 % 17,8 % 17,5 % 17,3 % 18,0 % 17,4 % 15,9 % 16,3 % 16,8 %
Luxemburg 18,8 % 23,1 % 29,1 % 26,0 % 27,3 % 29,1 % 27,1 % 25,8 % 25,5 % 26,4 % 26,3 % 26,0 % 26,8 %
Norwegen 26,1 % 29,5 % 33,8 % 30,2 % 31,3 % 33,7 % 34,6 % 34,5 % 33,9 % 32,8 % 33,1 % 33,0 % 32,6 %
Österreich 25,4 % 26,5 % 27,8 % 26,6 % 26,5 % 28,4 % 27,7 % 27,7 % 28,5 % 27,8 % 27,5 % 27,8 % 28,3 %
Schweden 29,2 % 33,2 % 35,6 % 38,0 % 34,4 % 37,9 % 35,8 % 35,0 % 34,9 % 35,2 % 34,1 % 34,1 % 34,0 %
Schweiz 14,9 % 19,0 % 19,9 % 19,7 % 20,2 % 22,7 % 22,1 % 21,2 % 21,6 % 21,9 % 21,4 % 21,6 % 21,1 %
Großbritannien 25,7 % 28,8 % 30,4 % 29,5 % 28,0 % 30,2 % 29,0 % 29,4 % 28,9 % 27,6 % 28,2 % 29,1 % 28,4 %
USA 21,4 % 20,3 % 19,1 % 20,5 % 20,9 % 22,6 % 20,5 % 21,4 % 19,8 % 17,6 % 18,5 % 19,4 % 18,9 %

(c) Nicht vergleichbar mit Quoten in der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung oder der deutschen Finanzstatistik.

Betriebswirtschaftliche Steuerquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betriebswirtschaftlich beschreibt die Steuerquote den prozentualen Anteil der von einem Unternehmen abzuführenden Steuern am Jahresüberschuss vor Steuern.

Konzern-Steuerquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darunter versteht man das Verhältnis von Steueraufwand zu dem Gewinn vor Steuern, auch als ETR = Effective Tax Rate bezeichnet. Berechnung: (tatsächlicher+latenter Steueraufwand & Steuerertrag)/ handelsrechtliches Ergebnis

Das Ziel ist die Minimierung der Steuerzahlungen.

Versorgungs-Steuerquote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Höhe und Entwicklung der Versorgungsausgaben sagen allein über die Tragfähigkeit des Versorgungssystems nur wenig aus. Entscheidend ist das Verhältnis der künftigen Versorgungsausgaben zum künftigen Bruttoinlandsprodukt (Versorgungsquote) und zu den künftigen Steuereinnahmen (Versorgungs-Steuerquote). Als Versorgungs-Steuerquote wird der Anteil der Versorgungsausgaben an den Steuereinnahmen bezeichnet. Die so ermittelte Versorgungs-Steuerquote, ist neben der Versorgungsquote eine wichtige Größe zur Beurteilung der Tragfähigkeit des Alterssicherungssystems und für die Finanzplanung der Gebietskörperschaften. Da die Steuereinnahmen den einzelnen Gebietskörperschaften zugeordnet werden, kann anhand der Versorgungs-Steuerquote die unterschiedliche Inanspruchnahme der Finanzkraft der Beschäftigungsbereiche verdeutlicht werden. Das ist deshalb von Bedeutung, weil die Versorgungsausgaben der Beamten, Richter, Berufssoldaten sowie deren Hinterbliebenen in der Regel aus dem laufenden Haushalt und somit grundsätzlich aus Steuereinnahmen finanziert werden. Die künftigen Steuereinnahmen werden auf der Grundlage einer konstanten Steuerquote aus dem Bruttoinlandsprodukt abgeleitet. Die Entwicklung der Versorgungsquote und der Versorgungs-Steuerquote gibt an, in welchem Umfang die Versorgungsausgaben das Bruttoinlandsprodukt und die Steuereinnahmen in Anspruch nehmen werden. Daraus lassen sich Folgerungen für die Nachhaltigkeit der Finanzierung des Versorgungssystems ableiten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Monatsbericht des BMF, April 2010 (PDF) S. 85, Tabelle 8
  2. Historische Zeitreihen BMF
  3. Monatsbericht des BMF, April 2010 (PDF) S. 93, Tabelle 09
  4. a b Steuerquoten im internationalen Vergleich 1965–2010. BMF
Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!