Ghosting (Beziehungsproblem)

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Unter dem Begriff Ghosting (engl. „Geisterbild“, „Vergeisterung“) versteht man in einer zwischenmenschlichen Beziehung (Partnerschaft oder Freundschaft) einen vollständigen Kontakt- und Kommunikationsabbruch ohne Ankündigung. Obwohl vorher etwa Dates stattgefunden haben oder eine Beziehung bestand, laufen plötzlich jegliche Kontaktversuche ins Leere.[1]

Auftreten und Wirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

War ein unangekündigter Kontaktabbruch auch vor dem Internetzeitalter bekannt, so hat er sich mit der gestiegenen Verbreitung von SMS, Chat-Diensten und digitalen Kennenlernplattformen zu einem ausgeprägten Phänomen entwickelt.[2][3] So berichteten 2014 in einer US-Onlineumfrage 13 % der Befragten über entsprechende Erfahrungen.[4] Das häufigste Auftreten war in der Alterskohorte der 18- bis 29-Jährigen zu beobachten.[5]

Sie hatten sich mehrere Wochen lang getroffen, den ganzen Frühling […] Manchmal gingen sie auch gemeinsam mit ihren Hunden spazieren oder zusammen in den Biergarten. Sie verabredeten sich wieder für den nächsten Donnerstag. Er wollte nur noch Bescheid geben, wo sie sich treffen würden. Am nächsten Donnerstag meldete er sich nicht. Am Freitag auch nicht. Nie mehr wieder.

(anonym)[1]

Mögliche Gründe für ein solches Verhalten sind die Unfähigkeit, sich auf den Partner einzulassen oder die eigenen Bedürfnisse nicht formulieren oder einfordern zu können oder auch die Angst vor Konflikten bei offener Ankündigung der Beendigung einer Beziehung.[6]

Die Psychotherapeutin Ines Schweizer macht Online-Partnerbörsen und Dating-Apps für das Ghosting mitverantwortlich: „Sie implizieren eine Unverbindlichkeit und Beliebigkeit, weil dem Nutzer ja noch so viele andere Dating-Möglichkeiten offen stehen […] Viele junge Menschen scheuen den Konflikt und sind bequem. Indem sie einfach abtauchen, können sie diese unangenehme Situation umgehen und riskieren keinen Gesichtsverlust […] Mindestens mit einem SMS soll man erklären, dass man nicht mehr dieselben Gefühle hat.“[7]

Ghosting-Betroffene können ein Gefühl grundsätzlicher Verunsicherung erfahren oder unter ungünstigen Umständen in eine tiefe Krise geraten. Auch können sie die Angst des plötzlichen und scheinbar grundlosen Verlassenwerdens in nachfolgende Beziehungen mitnehmen.[6] Traumata und Verlustängste können ebenfalls auftreten. In besonders harten Fällen kann es zu einem schwerwiegenden psychischen Schaden kommen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Die Welt: Wenn sich das Date plötzlich nie mehr meldet vom 30. Juni 2015, abgerufen am 8. Juli 2015
  2. Grazia: Ghosting – (Keine) Nachricht von Charlize Theron vom 1. Juli 2015
  3. Glamour: Spurlos verschwunden, abgerufen am 8. Juli 2015
  4. Online-Befragung von YouGov: "The results show that mjust over 10% of Americans have ‘ghosted’ someone to break up with them." vom 28. Oktober 2014
  5. The Huffington Post: ‘Ghosting:’ The 21st-Century Dating Problem Everyone Talks About, But No One Knows How To Deal With “Even after one or two dates they are still just a profile to you, not a person. I don't feel the normal empathy I would for someone I met organically.”, vom 31. Oktober 2014, abgerufen am 8. Juli 2015
  6. a b WDR: Ghosting – Wenn der Partner plötzlich verschwindet vom 1. Juli 2016, abgerufen am 1. Juli 2016
  7. Abtauchen statt richtig Schluss machen auf 20min.ch, 6. Juli 2015