Giacomo Carissimi

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Giacomo Carissimi (getauft 18. April 1605 in Marino bei Rom; † 12. Januar 1674 in Rom)[1] war ein italienischer Komponist.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Giacomo Carissimi erhielt seine frühe Ausbildung als Chorknabe an der Kathedrale von Tivoli unter den Kapellmeistern Aurelio Briganti Colonna, Alessandro Capece (um 1575 bis um 1640) und Francesco Manelli. Ab 1623 sang Carissimi im Chor der Kathedrade und zwischen 1624 und 1627 war er Organist. 1628 wurde er Kapellmeister an der Kathedrale von Assisi und noch im gleichen Jahr erhielt er die Berufung zum Kapellmeister an der Basilica minor Sant'Apollinare des Collegium Germanicum in Rom. In dieser eher bescheidenen Stellung entfaltete Carissimi eine durchgreifende Neuordnung fast aller Fächer der zeitgenössischen Musik.

Durch Carissimi erhielt die seit Beginn des 17. Jahrhunderts einsetzende Reformbewegung der italienischen Musik ihren ersten Abschluss. Er formte die weltliche Kantate, die Arie und auch das Duett in einer so gekonnten Weise, dass die ganze weitere Entwicklung dieser Formen auf seine Ideen einging. Insbesondere gilt dies für das Rezitativ. Auch den Chören verlieh Carissimi eine gesteigerte Ausdrucksfähigkeit.

Ein Hauptverdienst des Komponisten bleibt, dass er auch der Kirchenmusik diesen neuen Stil aufzuprägen versuchte. Hierzu komponierte er eine Reihe Historien in Kantatenform. Hier verband sich der begleitete Sologesang mit ausdrucksstarken Chören. Damit erfand er das spätere biblische Oratorium. Einer seiner Schüler war vermutlich Alessandro Scarlatti, sicherlich aber Philipp Jakob Baudrexel, Antonio Cesti sowie Marc-Antoine Charpentier.

Carissimi wurde in Sant'Apollinare beerdigt.

Sein Nachfolger als Maestro di Cappella im Collegio Germanico 1686 beschreibt ihn als "sehr genügsam in seinen inneren Angelegenheiten, sehr edle Manieren gegenüber Freunden und Bekannten, groß, dünn und anfällig für Melancholie". [2]

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oratorien
    • Historia di Jephte
    • Baltazar
    • Jonas
    • Judicium Salomonis
    • Ars cantandi eine Anleitung zur Singkunst. (Deutsche Übersetzung Augsburg 1696)
    • Historia Divitis
    • Dives Malus
    • Historia di Job
    • Vanitas Vanitatum
    • Oratorio della SS Vergine

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die kleine Enzyklopädie, Encyclios-Verlag, Zürich, 1950, Band 1, Seite 271
  2. GLI ORATORI LATINI DI GIACOMO CARISSIMI. JEPHTE E JONAS di Simone Sorini